Wird geladen ...
Beim Laden des Inhalts ist leider ein Fehler aufgetreten.

Galerienrundgang in Sachsenhausen

Nachrichten erweitern
  • Stefan Beck
    Derzeit bieten sich drei interessante ausstellungen zu einem kleinen rundgang durch sachsenhausen an: 1) Kolster. Galerie fuer junge Kunst, Seehofstr.5 2)
    Nachricht 1 von 1 , 8. Juli 2000
    Quelle anzeigen
    • 0 Anhang
      Derzeit bieten sich drei interessante ausstellungen zu einem kleinen
      rundgang durch sachsenhausen an:

      1) Kolster. Galerie fuer junge Kunst, Seehofstr.5
      2) Enders Projects, Moerfelder Landstr. 109
      3) Ausstellungshalle Schulstr. 1a

      Die aus Korea stammende staedelschuelerin Haegue Yang hat bei Kolster faeden
      gezogen. Zwei abschnitte der galerie sind durch hauchduenne, kaum sichbare,
      exakt abgemessene faeden vom uebrigen besuchsraum abgetrennt, bilden einen
      unzugaengigen aber transparenten einsehbaren raum. Nur beim naeheren
      hinsehen erkennt man, dass dieser bezirk selbst nochmals von in
      gleichmaessigen abstaenden gezogen faeden markiert wird also eine
      unterteilung in der unterteilung schaft, also den abgetrennten raum
      gesondert akzentuiert. Dazu korrespondiert ein als multiple aufgelegter
      "grid-block", der nur farbiges milimeterpapiert enthaelt.
      In dem den besuchern zugaenglichen teil der galerie haengen schriftstuecke,
      die in englischer sprache von der erfahrung berichten als koreanerin in
      einem fremden land, deutschland, anzukommen, dessen sprache man weder
      versteht noch spricht ("deaf and mute"). Es mag dieses gefuehl des
      ausgeschlossenseins, des nicht-teilhaben-koennens sein, dass zwischen beiden
      gebilden seine korrespondenz herstellt. Woher allerdings das formale element
      des rechteckigen "grids" kommt, ist mir aus der ausstellung nicht
      ersichtlich. Rainer Ganahl hat sich 1993 in einer ausstellung in Tokyo, die
      einen recht aehnlichen bezug aufwies, - als auslaender der japanischen
      sprache nicht maechtig zu sein -, ebenfalls ein rechteckiges kastenmuster
      zur aufteilung der galerie benutzt, was sich auf das quadrat, dem
      grundbaustein der sino-japanischen schriftzeichen ("kanji"), bezog.
      Kanji-Grid. Die koreanische schrift ist aber meines wissens nach als
      silbenschrift (und ohne bezug auf das chinesische) nicht an eine
      quadratische aufteilung gebunden.

      Bei Enders Projects ist ebenfalls, und in doppelten sinne, ein gast aus
      einem anderen land vertreten.
      Die aus Argentinien stammende, in Genf lebende kuenstlerin Ana Axpe,
      praesentiert die von ihr selbst verkoerperte argentinische kuenstlerin Adela
      Conti, fiktiver star einer fiktiven argentinischen soap "No Firmo!" (Ich
      unterschreibe nicht.) Dazu sind fotos, plakate und ein video zu sehen, die
      verschiedene situationen und posen dieses fiktiven stars, etwa beim
      golfspielen oder vor dem guggenheim museum in bilbao darstellen.
      Das ist durchaus bekannt und dokumentiert, und laedt daher dazu ein die
      besondere problematik dieses ansatzes zu betrachten. Cindy Sherman faellt
      einem gleich ein, aber es ist weniger die uebergroesse dieses vorbildes, die
      die arbeit von Ana Axpe blass erscheinen laesst, als die generelle
      schwierigkeit, die der vergleich von kunst und medien heraufbeschwoert. Wenn
      Levi-Strauss einmal die kunst als das verkleinerte modell (der wirklichkeit)
      bezeichnete konnte er noch nicht ahnen in welch gigantischen ausmass die
      medienwirklichkeit kunst zum wirklich verkleinerten modell schrumpfen
      laesst. Kunst steht damit in einem konkurrenzverhaeltnis, in dem
      simulationen wie die von Ana Axpe, an dem millionen und milliardeneinsatz
      der medienindustrie, ihre stars zu produzieren, gemessen werden.
      Selbst stars der kunstwelt wie Cindy Sherman oder Damien Hirst sind nichts
      im vergleich zu stars der medienwelt, wie Madonno, Michael Jackson oder
      Sting. Man wird einwenden, es sei die ironie, die diesen vergleich kritisch
      breche. Aber es geht nicht um ein was, sondern um ein wie. Auch die ironie
      ist auf die mittel und verhaeltnisse ihrer darstellung angewiesen. Aber
      welche differenz bliebe denn noch wenn man Ana Axpe die mittel gaebe ihre
      karikatur auf zig quadratmeter cibachrome, auf times-square leuchtboards,
      auf MTV-format aufzublasen. Es waere pop, und zwar schlechter. Und das wird
      sie doch letztlich nicht gewollt haben.


      Bodenstaendig und konkret dagegen die klasse caramelle der akademie der
      bildenen kuenste aus karlsruhe in der ausstellungshalle schulstr. 1 (robert
      bock). Die gruppenpraesentation in der geraeumigen halle laedt zum
      schlendern und flanieren ein; - ein wenig warenhaus, aus dem man sich die
      nettesten dinge herauspickt. Alles sehr unauffaellig und zurueckhaltend,
      ohne den uebertriebenen laermenden jung-kuenstler-gestus. Vielleicht ein
      wenig, wie Caramelle selbst ist. Ich moechte auf die installation gleich
      rechts vom eingang verweisen. Christine de la Garenne, Thorten Hallscheidt.
      "as one is incapable of her own distress....", mit den lilien, ein
      orphelia-motiv aus Hamlet.
      Auffallend auch die drei acryl-bilder in magenta und cyan von Judith
      Lindner, ein wenig op, ein wenig pop, und schliesslich hop...
      Gut und schlicht, oder schlicht gut -, "zwoelf glasflaschen" von Armin
      Haeberle sind wirklich zwoelf glasflaschen. Und "mensch aergere dich nicht"
      mahnt das "gesellschaftsspil von Ralf Ueltzhoeffer. Wenigstens diemal nicht.

      Stefan Beck

      Kolster, bis 31.7.
      Enders, bis 29.7.
      Schulstr., bis 20.7.

      --
      The Thing Frankfurt http://www.thing-frankfurt.de
      Thing Mailinglist: thing-frankfurt-subscribe@egroups.com
      ___________________________________________________________________
      Stefan Beck | Hohenstaufenstr. 8 | 60327 Frankfurt | +49-69-7410210
      |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
      Multi.trudi artspace and mediabase works @ http://www.multitrudi.de
    Deine Nachricht wurde erfolgreich abgeschickt und wird in Kürze an die Empfänger geliefert.