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Egon W. Kreutzer: Ein Jahr hat vermutlich 172 Tage

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  • Harald Wozniewski
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    Nachricht 1 von 1 , 3. Nov. 2006
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      Ein Jahr hat vermutlich 172 Tage

      Kommentar zur Lage auf dem
      Arbeitsmarkt

      Egon W. Kreutzer
      3. November 2006



      Thomas Fricke, Chefökonom der Financial Times Deutschland rechnet fröhlich in der Arbeitsmarktstatistik herum. Seine Ergebnisse ermuntern ihn zu Sätzen, wie diesen:


      "Nach vier Krisenjahren scheinen Deutschlands Talkshow- und Wirtschaftsexperten mit der Wahrnehmung positiver Nachrichten stark überfordert."

      "Am Zweckpessimismus der Henkels und Sinns kann die gefühlte Krise nicht mehr liegen. Heute brabbeln dafür Hobby-Experten dumpf nach, was die Geister einst riefen."

      Aha.
      Gefühlte Krise.
      Zweckpessimismus.
      Hobby-Experten-Gebrabbel.

      Herr Fricke strotz nur so vor besser wissender Überlegenheit und kann kaum an sich halten, seine aufschwungsschwangeren Erkenntnisse zu verbreiten. Ohne eine ordentliche Grundlage hätte man innerhalb kürzester Zeit so viel Fricke im Blut, dass man ihm wohl wonnetrunken folgen müsste.


      Gut, dass es eine ordentliche Grundlage gibt.

      Das ist der zwar immer noch optimistisch gefärbte, aber wenigstens einigermaßen realistische Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit, den man sich übrigens ohne weiteres von den Internetseiten der BA herunterladen kann. Wer die 48 Seiten durchliest, erfährt einiges über die tatsächliche Lage in Deutschland, was in Frickes Freudentaumel nicht einmal am Rande vorkommt.

      Fricke schreibt:

      Den viel beklagten Jobverlusten steht entgegen, dass Tag für Tag 20.000 einen neuen Job antreten.

      Hoppla! Das wären 7,3 Millionen, die pro Jahr einen neuen Job antreten. Bei einem Jahr mit 365 Tagen.

      Die Bundesanstalt für Arbeit vermerkt in ihrem Monatsbericht:

      Dabei gelang es (im Laufe eines Jahres) 1.697.000 Arbeitslosengeldbeziehern, ihren Leistungsbezug durch Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden.

      Rückgerechnet, bei 20.000 pro Tag, hat Frickes Jahr offenbar nur 85 Tage.

      Da sind ihm wohl ein paar Tage abhanden gekommen.


      Fricke schreibt:

      Derzeit erhalten täglich 1.500 Menschen eine vollwertige sozialversicherungspflichtige Stelle - per Saldo, nach Abzug der BenQs.

      Das wären - unter dem Strich und per saldo 547.500 vollwertige sozialversicherungspflichtige Jobs. Bei einem Jahr mit 365 Tagen.

      Hoppla! Die Bundesagentur geht in ihren Hochrechnungen lediglich von einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (einschließlich der nicht ganz so vollwertigen Teilzeit) um 258.000 Personen aus.

      Rückgerechnet, bei 1.500 pro Tag, hat Frickes Jahr also nur 172 Tage.

      Das ist zwar schon besser - die Zahlen sind ja auch kleiner - aber es fehlen eben immer noch ein paar Tage.

       

      Fricke schreibt:

      Die Bundesagentur meldet seit Januar mehr als 300.000 neue Arbeitsplätze.

      Da wird es jetzt schwierig. Die Bundesagentur meldet in ihrem Oktoberbericht tatsächlich für den Januar 2006 die Zahl von 38,740 Millionen erwerbstätigen Inländern und für den Oktober 39.056 Millionen, was rechnerisch einen Zuwachs von 316.000 Erwerbstätigen bedeutet,

      Aber die Bundesagentur meldet auch:

      Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten betrug im August 2006 4,78 Millionen - 41.000 mehr, als vor einem Jahr.

      In Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs) waren im September 2006 282.000 ALGII-Empfänger beschäftigt - 3.000 mehr als vor einem Jahr.

      Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung beruht vor allem auf einem kräftigen Aufwuchs bei unternehmensnahen Dienstleistungen, der wiederum zu einem größeren Teil von Arbeitnehmerüberlassung getragen wird.

      Zusammengefasst:

      Von 316.000 zusätzlichen Erwerbstätigen waren 44.000 nur geringfügig entlohnt bzw. 1-Euro-Jobber. Verbleiben 272.000. Von da aus werden die Aussagen nebulös. Wie viele davon sind als unternehmensnahe Dienstleister outgesourct worden und dürfen nun als Leiharbeiter den alten Job für den halben Lohn erledigen?

      Wie viele davon haben einen von zwei oder drei Teilzeitjobs angenommen, die aus ehedem einem Vollzeitjob geschnitzt wurden?

      Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur hielt die Zahlen über die Zuwächse an Arbeitsplätzen übrigens vor Kurzem noch für wenig aussagekräftig. Er sei im wesentlichen auf den Strukturwandel in den Erwerbsformen zurückzuführen. Das Arbeitsvolumen sei durch die erhöhte Zahl der Stellen nicht gewachsen, die insgesamt von den Beschäftigten geleistete Arbeitszeit habe sich nicht erhöht, denn die Arbeit verlagere sich immer mehr von regulären Vollzeit-Jobs auf prekäre Teilzeit-Jobs, die keine Sicherheit und weniger Geld bieten.

       

      Das hat Herr Fricke wohl nicht gelesen.
      Kein Wunder. Wo soll er bei seinen kurzen Jahren auch die Zeit dafür hernehmen.

       

      Hier zum Abschluss noch ein paar Zahlen aus dem Monatsbericht der Bundesagentur, die eigentlich für sich selbst sprechen:

       

      Insgesamt bekamen im Oktober 2006

      6.240.000 erwerbsfähige Menschen Lohnersatzleistungen nach dem SGBIII oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGBII.

      1.243.000 Personen erhielten Arbeitslosengeld I, 269.000 weniger als vor einem Jahr.

      5.099.000 Empfänger erhielten Arbeitslosengeld II, 187.000 mehr als im Oktober 2005

      3.485.000 (56%) der Leistungsempfänger waren arbeitslos.

      Arbeitslos ist, wer keine Beschäftigung hat (weniger als 15 Wochenstunden), Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei einer Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung arbeitslos gemeldet ist.

      Im Umkehrschluss müssen folglich 600.000, der 4.085.000 registrierten Arbeitslosen keine Leistungen erhalten haben.

      4,78 Millionen Personen waren im August 2006 in ausschließlich geringfügig entlohnt. 41.000 mehr, als vor einem Jahr.

      Von 3.510.000 Abgängen aus dem Leistungsbezug gelang es 1.697.000 Arbeitslosengeld I und II Beziehern, den Leistungsbezug durch Arbeitsaufnahme zu beenden.

      1.813.000 Abgänger aus dem Leistungsbezug sind also immer noch ohne Arbeit.

      Sei es, dass sie in den Rentenbezug übergewechselt sind, sei es, dass sie in Maßnahmen untergebracht wurden, sei es, dass sie bis zur Anspruchsberechtigung auf ALG II erst noch ihre Ersparnisse aufbrauchen müssen


      334.000 Arbeitslosengeldempfänger wurden nicht als "arbeitslos" geführt
      , weil sie die vorruhestandsähnliche Regelung des §428 SGBIII in Anspruch nahmen, arbeitsunfähig erkrankt waren oder sich in einer Trainingsmaßnahme befanden.

       

      Das ist die Faktenlage.

      Nun sollten Sie sich Ihre Meinung bilden.



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      a


      * 1949 im
      oberfränkischen Neustadt bei Coburg

      Egon W. Kreutzer
      der Verfasser dieses Artikels
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