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Schnelles Geld - Easy Money

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  • Harald Wozniewski
    3sat.online: Artikel druckenSonntag Schnelles Geld - Easy Money Dokumentarfilmzeit, um 21.15 Uhr Sie schnorren und betteln, um zu schnellem Geld zu kommen.
    Nachricht 1 von 1 , 2. Aug. 2005
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      Schnelles Geld - Easy Money


      Dokumentarfilm von Sabine Derflinger
      Österreich 2004, 81 Minuten

      Sie schnorren und betteln, um zu "schnellem Geld" zu kommen, Wiener Einkaufsstraßen werden zum Lebensraum und "Arbeitsplatz" erklärt, der Tagesverdienst wird in Bier und Rauchwaren umgesetzt, der Schlafplatz für Obdachlose gilt bereits als Abstieg. Warum leben junge Menschen in einem der reichsten Länder der Welt auf der Straße und wenden ihre gesamte Arbeitsenergie für eine kaum ausreichende Grundversorgung auf?

      Schnorren und Betteln, um zu "schnellem Geld" zu kommen. Eine Wiener Einkaufsstraße wird zum Lebens- und Arbeitsraum erklärt. Junge Menschen ohne Job und Ausbildung träumen von einem besseren Leben.

      "Für eine Arbeit braucht man ausreichend Schlaf, ein regelmäßiges Essen und die Möglichkeit, dass man sich reinigen kann, dass man eine Dusche hat und in der Früh sein Frühstück... und auch ausgeschlafen ist in einem warmen Bett..." (Originalzitat aus einem Gespräch mit einem Jugendlichen im Film)

      Sabine Derflinger: "Ich wollte wissen, warum in einem der reichsten Länder der Welt, das über ein hoch entwickeltes Sozialsystem verfügt, junge Menschen auf der Straße betteln. In unregelmäßigen Abständen, verteilt über alle vier Jahreszeiten, haben wir dann mit den Mädchen und Burschen gedreht und ihre Leben bis Dezember 2003 verfolgt."

      Wie soll man leben?

      'Schnelles Geld ist ein Film mit einem eiligen - aber nicht oberflächlichen - Straßenrhythmus und einer angenehm diskreten Komplizenschaft. Das Konzept ist nicht die recherchierende Langzeitbeobachtung, sondern die unmittelbare Ansprache, das auf andere Menschen Zugehen. Die Kamera begleitet einige Jugendliche, die vom Betteln auf der Straße leben, über den Zeitraum eines Jahres. Sie lassen sich auf die Kamera ein, auf das Fragen und Beobachten. Sie inszenieren sich nicht für den Film, sondern gewähren einen nüchternen und auch ernüchternden Einblick in ihren Alltag auf der Straße.

      Wer Sabine Derflinger kennt und den Stil ihrer Filmarbeiten - eher illusionslos, fast hart - , kann vielleicht besser verstehen, warum ihr ein so unangestrengter Umgang mit den Jugendlichen gelingen kann. Sie ist neugierig interessiert, fragt offen und nicht wertend, warum sie so leben, wie sie leben und wie das funktioniert, ohne gleich eine Alternative zu einem "sinnvolleren" Leben aufzuzeigen oder als Sozialhelferin zu posieren. Die Locations sind in der Wiener Stadtgeographie eindeutig verortet: Der Wiener Westbahnhof, die Ebene unter den Schalterhallen und die "untere" Mariahilferstraße. Alle anderen Schauplätze sind Ausflüge aus dem territorial streng abgesteckten Bereich, fast schon Wunschorte, abseits vom eigentlichen "Arbeitsplatz".

      Eines wird ganz deutlich: Sich den Lebensunterhalt mit Betteln zu verdienen, ist harte Arbeit. Eine Überlegung drängt sich zwangsläufig auf: Wenn diese Energie, die für das Einsammeln von Münzen von unwilligen PassantInnen eingesetzt werden muss, in einen konventionelleren Gelderwerb umgeleitet werden könnte...ja was dann? Dann würden die Jugendlichen nicht auf der Straße leben? Aber wollen sie das? Und welche anderen Möglichkeiten werden ihnen tatsächlich angeboten?

      Kaffee kochen zu viel Action

      Der Tagesverdienst wird umgesetzt in Bier, etwas zu rauchen und zu kiffen. Dann bleibt vielleicht noch etwas zum Essen; der Schlafplatz ist das größere Problem. Eine Behausung irgendwo unter den Stadtbahnbögen ist schon eine Adresse, eine kleine Sozialwohnung das Zeichen, im Sozialnetz zu reussieren. Der Schlafplatz für Obdachlose (in Wien ist das u.a. die "Gruft") ist die letzte Möglichkeit und bedeutet eher einen Abstieg, der überhaupt keine Wahlmöglichkeiten mehr lässt.
      Das eigentlich Deprimierende beim Beobachten dieser Lebensorganisation ist, dass diese Menschen ihre gesamte Arbeitsenergie aufwenden müssen, um eine mangelhafte Grundversorgung (nicht) zu erreichen. Essen und Schlafplätze werden geteilt. Freundlichkeit und gegenseitige Unterstützung scheinen nicht aufgesetzt - und schon gar nicht für die Kamera. Das Zimmer dient als gemeinsames Matratzenlager, und zum Frühstück macht man sich einen Joint, auch weil Kaffee zu kochen zu viel Action wäre.

      Der Film begleitet also einige dieser jungen Erwachsenen, aber ohne chronologisch über sie Buch zu führen; sie können distanziert bleiben, der Film verweigert das Angebot, sie "kennen zu lernen". Das würde nur heißen, ihnen nahe zu treten. Gerade durch den Blick von außen, der durchgängig eingehalten wird, kann sich eine komplexe Chronik entwickeln, das Aufzeigen eines Istzustands.

      Mancher Gesichtsausdruck ändert sich während des Film, wird resignierter, auch durchaus härter. Vielleicht will er oder sie sogar aufhören, anders leben und das Geld, das fürs Kiffen zum Fenster hinaus geworfen wird, eher in eine Wohnung stecken. Eine Wohnung wäre ja überhaupt die Grundbedingung, wieder in "normale" Strukturen hinein zu kommen. Denn um sich irgendwo für einen regulären Job zu bewerben, müssten man mehr oder weniger regelmäßig leben können, müsste sich duschen und mit halbwegs kontrolliertem Äußeren auftreten können.


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      [3] http://www.bmsg.gv.at/ (Bundesministerium für soziale Siche[...] Generationen und Konsumentenschutz)
      [4] http://www.caritas-wien.at/ (Caritas Wien)
      [5] http://www.gruft.at/ (Die Gruft)

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      August 2005 / ORF/kk /3sat

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