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Schwerpunktthema im Februar 2005: Was bringt Eigenarbeit?

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  • Dieter Poschen
    Aus CONTRASTE Nr. 245 (Februar 2005, Schwerpunktthema) ANDERS ARBEITEN Was bringt Eigenarbeit? Warum mueht sich Zahnarzt Thomas W. an der Hobelbank im
    Nachricht 1 von 1 , 1. Feb. 2005
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      Aus CONTRASTE Nr. 245 (Februar 2005, Schwerpunktthema)

      ANDERS ARBEITEN

      Was bringt Eigenarbeit?

      Warum mueht sich Zahnarzt Thomas W. an der
      Hobelbank im Muenchner Haus der Eigenarbeit ab,
      glaettet unhandliche Birkenholzbretter, aus denen er
      spaeter eine Regalwand fuer sein Wohnzimmer bauen
      will? "Mich macht es richtig stolz, wenn ich etwas
      selbst hergestellt habe. Das gibt es nirgendwo zu
      kaufen. Selber machen ist etwas ganz Individuelles und
      fuer mich inzwischen sehr wichtig, schon deshalb, weil
      ich dabei so gut entspannen kann."

      Elisabeth Redler, Ingrid Reinecke, Forschungsgesellschaft
      anstiftung gGmbH, Muenchen - Was bringt Annette Feiersinger,
      Schreinerin im Kemptener Kempodium und Mutter von
      zwei Kindern, dazu, ein handwerkliches Projekt fuer
      Grundschulklassen zu kreieren? "Handwerkliches Arbeiten kommt
      in unserem Schulsystem zu kurz. Ich habe
      aber die Erfahrung gemacht, dass solche Taetigkeiten fuer
      die Entfaltung und Persoenlichkeitsbildung der Kinder
      wichtig sind."


      Was bedeutet es fuer Tassew Shimeles, Agraringenieur
      und Koordinator der Internationalen Gaerten Goettingen, bei der
      Integration von Migranten ganz andere
      Wege zu gehen? "Ich habe die Erkenntnis gewonnen,
      dass Mitgestaltung in einem grossen Industrieland moeglich ist.
      Das hat mir gezeigt, wie wichtig das Individuum
      ist."


      Stolz auf eigene Faehigkeiten, Lust an kreativer Betaetigung,
      Wunsch nach persoenlicher Entfaltung, Geselligkeit, Teilhabe
      und Mitgestaltung, aber auch die Moeglichkeit, Verantwortung
      zu uebernehmen - das sind Motive dafuer, dass Menschen sich
      bewegen, dass sie aktiv werden
      fuer sich und fuer andere.


      Hier setzt die gemeinnuetzige Forschungsgesellschaft
      anstiftung in Muenchen an. In Modellprojekten entwickelt und
      erprobt sie Grundlagen und Voraussetzungen
      fuer die Verwirklichung nachhaltiger Lebensstile und neuer
      Wohlstandsmodelle. Ihre These: Handwerkliche, kulturelle und
      soziale Eigenarbeit dient der persoenlichen Entwicklung und
      traegt zum nachhaltigen Umgang mit den
      natuerlichen Ressourcen bei. Eigenarbeit, verstanden als
      Taetigsein im eigenen Auftrag, mit den eigenen Kraeften,
      nach eigenem Konzept fuer den eigenen Bedarf, ist von Anfang
      an ein zentrales Forschungs- und Praxisthema der
      anstiftung, flankiert von den Themen Selbsthilfe, Wohnen,
      Nachbarschaft und Gesundheit. Die anstiftung wurde 1982 von
      Jens Mittelsten Scheid, einem Mitglied der
      Vorwerk-Unternehmerfamilie, gegruendet. Sie wird seither aus
      Mitteln der Familienstiftung finanziert. "Mit den
      Aktivitaeten der anstiftung", sagt Jens Mittelsten Scheid,
      "wollen wir real und nachhaltig zu gesellschaftlichen
      Problemloesungen beitragen." Heute konzentriert sich
      die Forschungsarbeit auf regionale Eigenversorgung und
      Eigenarbeit sowie, eingemuendet in die Gruendung der Stiftung
      Interkultur, auf innovative Ansaetze fuer eine nachhaltige
      Einwanderungsgesellschaft.

      Auf Initiative der anstiftung entstand 1987 das
      Muenchner Modellprojekt Haus der Eigenarbeit (HEi), ein
      Buergerzentrum mit zahlreichen Werkstaetten, in denen
      Laien ohne Voranmeldung handwerklich und kuenstlerisch taetig
      sein koennen und dabei von Fachleuten beraten werden (s.
      Artikel Seite 7). Nach dem Vorbild des HEi
      sind in anderen Orten Werkstaetten fuer Eigenarbeit entstanden,
      so z.B. in Wolfen, Bozen, Tuebingen und im Oekodorf Sieben
      Linden. Auch fuer die Werkstaetten des Kempodium - Allgaeuer
      Zentrum fuer Eigenversorgung, einer
      weiteren Initiative der anstiftung in Kempten (s. Artikel
      Seite 8), stand das HEi Pate. Jedes Projekt hat jedoch seine
      eigene Geschichte und sein eigenes Profil. Im Kempodium z.B.
      wird ein kleines Team von Beschaeftigten von
      einer grossen Gruppe ehrenamtlicher Helfer/innen gestuetzt.
      Regionalitaet ist wichtiger Bestandteil des Kemptener Konzepts
      und praegte von Anfang an das Programm.
      Die Stiftung Interkultur hat ueber Interkulturelle Gaerten
      das Thema Integration mit Eigenarbeit verknuepft (s.
      CONTRASTE Oktober 2004). Sie macht auf diesem Weg
      auf neue Formen selbstbestimmter Integration aufmerksam.

      Die anstiftung spuert gesellschaftliche Trends auf und
      verbindet ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit
      relevanten Zeitthemen. Dazu gehoeren die Krise der
      Erwerbsarbeit, die Nachhaltigkeitsdebatte, aber auch die
      Gefahren der Kommerzialisierung nahezu aller Lebensbereiche.
      Kernfragen der anstiftung sind: Welche Formen
      des lebenswichtigen und lebensdienlichen Handelns gibt
      es in unserer Gesellschaft jenseits von Markt und Staat?
      Unter welchen Bedingungen werden Menschen selber aktiv? Was
      bedeuten ihnen informelle Taetigkeiten, und welchen Wert haben
      diese fuer die Gesellschaft? Wie kann
      man eine subsistenzorientierte Alltagskultur als
      gesellschaftlichen Wert foerdern und schuetzen?

      In ihrer jahrzehntelangen Forschungsarbeit hat die
      anstiftung verschiedene Modellprojekte entwickelt und
      wissenschaftlich begleitet. In ihrem neuen soziologischen
      Forschungsprojekt ueber "Nachhaltige Lebensstile
      und Alltag" untersucht sie seit Anfang 2004 die Verbreitung
      und Bewertung eigenproduktiven Handelns in den
      verschiedensten Milieus. Die anstiftung hat ausgewertet,
      wie Projekte der Eigenarbeit zu organisieren, zu bewerben und
      zu finanzieren sind; sie hat die Ergebnisse veroeffentlicht
      und das "Netzwerk Eigenarbeit" ins Leben gerufen, das
      inzwischen bis nach Suedtirol reicht. Neue Initiativen
      erhalten Unterstuetzung durch Beratung, Schulungen und
      Praktika; in einigen Faellen gibt es auch eine finanzielle
      Starthilfe. Im "Newsletter Netzwerk Eigenarbeit" stellt die
      anstiftung ihren Netzwerkpartnern beispielhafte Entwicklungen
      in einzelnen Projekten vor.
      Praktisches Know-how liefern ausserdem die "Bausteine
      zur Projektentwicklung", in denen Themen wie die optimale
      Einrichtung von Werkstaetten oder die Didaktik der
      Arbeit mit Laien ausfuehrlich beschrieben werden. Um
      den persoenlichen Erfahrungsaustausch zwischen den
      Partnern lebendig zu halten, finden in unregelmaessigen
      Abstaenden Projektetreffen statt.

      Schwerpunktthema Seite 7 bis 9
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