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297630.000 v. Ztr. - Menschen in Amerika (Welt)

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  • erime
    15. Juli 2005
       
      DIE WELT.de

      Die ersten Amerikaner

      Forscher datieren Fußspuren - Siedler kamen schon vor 40 000 Jahren

      von David Keys

      Puebla - Ein Team mexikanischer und britischer Archäologen hat in Seeablagerungen und vulkanischer Asche 269 menschliche Fußabdrücke aus vorgeschichtlicher Zeit entdeckt. Die Spuren, die bei dem Ort Puebla, 120 Kilometer südlich von Mexiko City gefunden wurden, stammen aus der Zeit vor 38 000 bis 39 000 Jahren. Der Fund und seine Datierung werfen ein neues Licht auf die Besiedelung des amerikanischen Kontinents.

      Es gelte mithin als sicher, so die Archäologen, daß Amerika schon mindestens 25 000 Jahre länger von Menschen bewohnt wird als gedacht. Da die Abdrücke aus dem Süden Mexikos stammen und die Besiedelung aller Wahrscheinlichkeit nach über Nordostsibirien, die Beringstraße und Alaska verlief und sich über einige Jahrtausende hingezogen haben muß, nehmen die Forscher an, daß schon vor 40 000 oder mehr Jahren erstmals Menschen den Boden Amerikas betraten. Bisherige eindeutige Belege für die Anwesenheit von Menschen in mehreren Regionen Nord- und Südamerikas stammen aus der Zeit vor etwa 15 000 Jahren.

      Die Fußspuren bei Puebla stammen nach den Erkenntnissen der Forscher aus Liverpool und Bournemouth von mindestens zwei Erwachsenen und zwei bis vier Kindern, die zu drei verschiedenen Zeitpunkten im Abstand von einigen Wochen oder Monaten im weichen Boden am Ufer des Valsequillo-Sees gegangen waren. Nach jeder dieser Episoden wurden die Spuren durch vulkanische Asche überdeckt, die der nicht weit entfernt liegende Vulkan Tolukuilla ausgestoßen hatte.

      So wurden die Vertiefungen im weichen Boden aufgefüllt und konserviert. Die Vulkanablagerungen sind insgesamt zwei bis vier Meter dick, die Fußspuren lagen in den obersten 20 Zentimetern. Darüber lagerten noch einmal zwei bis drei Meter Sedimente aus Phasen, als der See einen höheren Wasserstand hatte. Außer den menschlichen Spuren fanden die Archäologen zudem Abdrücke von Wild, Kamelen, Wolf und einer Großkatze, vermutlich eines Pumas.

      Die Forscher datierten die Abdrücke mit zwei unterschiedlichen Methoden: der Radiokarbonmethode (C14) und der sogenannten Optisch Stimulierten Lumineszenz (OSL). Da die unabhängig erhaltenen Ergebnisse übereinstimmen, gilt das Ergebnis als zweifelsfrei. Ihre Untersuchungen und Datierungen präsentierten Sylvia Gonzalez und Dave Huddart von der John-Moores-Universität Liverpool und Matthew Bennett von der Universität Bournemouth gestern bei der Wissenschaftsorganisation Royal Society in London.

      Die Erkenntnisse verändern auch die Sicht auf die frühe Siedlungsgeschichte Ostasiens, denn die ersten Spuren der Besiedelung Ostsibiriens stammen aus der Zeit vor 35 000 Jahren und liegen zudem noch 2000 Kilometer westlich der Beringstraße, über die die Steinzeitmenschen nach Amerika kamen. Die Archäologen sind deshalb sicher, daß auch der Osten Asiens früher besiedelt war als bislang angenommen.

      "Die Entdeckung der Fußspuren in Mexiko ist wichtig, weil sie zeigt, daß die Ausbreitung der Menschheit über die Erde viel schneller verlief als zuvor gedacht", sagt Sylvia Gonzalez. "Zudem macht die Geschwindigkeit der Ausbreitung klar, daß sich unsere Vorfahren viel schneller und leichter an neue Umgebungen anpaßten, als wir gedacht hatten."

      Zu der Zeit der Wanderung von Nordostsibirien nach Alaska regierte die Eiszeit. Die Wissenschaftler nehmen an, daß die Siedler in einer etwas gemäßigteren Phase der Kaltzeit über das Eis zogen, das die beiden Kontinente verband. Oder aber sie bewegten sich einige hundert Kilometer weiter südlich in primitiven Booten entlang der Kurilen- und Aleuten-Inseln fort und zogen sukzessive von Insel zu Insel, bis sie das Festland besiedelten.

      Die Entdeckung in Mexiko dürfte auch zwei frühere Kontroversen wieder aufleben lassen. Eine rankt sich um zwei Überreste menschlicher Aktivität in Brasilien und Chile. Dort waren Siedlungsreste gefunden worden, die 50 000 und 33 000 Jahre vor unserer Zeit entstanden. Diese Funde sind jedoch umstritten und werden von Archäologen nicht allgemein anerkannt. Möglicherweise ist ihr vermutetes Alter doch richtig.

      Diskutiert wird auch die Herkunft der neuen Siedler in Amerika. Da die Vorfahren jener Menschen, deren Abdrücke man jetzt bei Puebla gefunden hat, vor mehr als 40 000 Jahren über die Beringstraße gekommen waren, fällt diese Wanderung in die Zeit der ersten Besiedelung Australiens. Es sei denkbar, so Sylvia Gonzalez und einige weitere Archäologen, daß die ersten Einwanderer in Amerika australiden Ursprungs aus Ostasien oder Südostasien waren. Sie könnten nahe verwandt gewesen sein mit den ersten Aborigines in Australien.

      Artikel erschienen am Di, 5. Juli 2005

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