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382Kleine Schritte

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  • vxvvc
    12. Juni
      Moin zusammen,


      ein wenig Charbuilding ... zur Mission gibt es beim nächsten Mal was. Entschuldigt, falls das Format verhauen ist, ich schicke es übers Interface...



      <RPG>


      # Ort: Krankenstation
      # Zeit: MD 3.1630

      Mühsam, sich schwer auf beide Arme stützend, setze Jake einen Fuß vor der anderen. Seine Hände umfassten krampfig zwei geländerartige Stangen rechts und links von ihm. Die Knöchel der Finger traten weiß hervor, so fest hielt.


      // Bloß nicht loslassen. Bloß nicht fallen. Den Schmerz einfach ignorieren.//


      Er machte ganz kleine Schritte:


      Links - rechts –links –re…


      Die Bewegung stockte.


      Jake vorzog das Gesicht in Schmerzen und atmete einmal scharf ein. Dann versuchte er es noch einmal:


      Rechts und schnell wieder links.


      Die zwei Meter bis zum Ende der Stange schienen endlos. Die Zeit zum Erreichen eine Ewigkeit.


      Völlig erschöpft ließ er sich auf eine Sitzgelegenheit fallen. Er war froh, als ihm der Arzt, der ihn die ganze Zeit beobachtet hatte und ein Mitglied der medizinischen Abteilung halfen, hinkend und hüpfend wieder zu seinem Biobett zu gelangen.


      Als er sich erschöpft hinlegte hatte er Tränen in seinen Augenwinkeln. Tränen der Wut, des Schmerzes und der Scham. Was machte er hier bloß?


      „Das war doch schon einmal ein sehr guter Versuch. Ich bin mir sicher, dass Sie bald wieder ganz der Alte sein werden. Die Operationsfolgen sind schon fast auskuriert und dann wird sich alles anfühlen wie immer.“ Doktor Allagheny blickte einmal auf den Trikorder. Dann hob er die Decke an, begutachtete noch einmal das nachgezüchtete Bein, das er vor Kurzem an den jungen Kadetten dran operiert hatte und gab ihm dann noch eine ein Hypospray, um die Schmerzen zu lindern und dem jungen Mann einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.


      // Ganz der alte? Wie sollte das wohl je wieder sein?//





      # Zeit: Später


      Als Jake aus einem kleinen aber tiefen Nickerchen erwachte stellte er fest, dass er nicht mehr alleine war. Er rückte im Bett etwas nach oben, so dass er halb sitzend einen besseren Überblick hatte.


      „Guten Tag, Mr. Phelan. Ich freue mich, dass wir endlich Bekanntschaft machen können. Ich bin Commander della Scala und der Counselor hier an Bord.“ Ettore stellte sich vor und trat dann einen Schritt näher ans Bett heran, um Jake die Hand zu schütteln.


      Zögernd wurde diese Geste erwidert. Jetzt war er also ein Fall für den Psychologen geworden, dabei waren es doch die anderen, die… Jakes Blick wanderte von oben nach unten, ein altertümlicher Schnurrbart, die Rangabzeichen eines Lieutenant Commanders, ein leerer linker Uniformärmel, der schlaff am Torso des Mannes herunterhing … er schluckte: Das konnte doch nicht sein. Er schloß die Augen, er öffnete sie wieder. Nein, es war alles Realität.

      Ettore hatte sich inzwischen einen Stuhl herangeholt und sich so neben das Bett gesetzt, dass Jake ihn gut sehen konnte.


      „Ich bedaure sehr, dass ich nicht früher zu Ihnen kommen konnte. Der augenblickliche Zustand des Schiffes und der Mission brachten viele Aufgaben mit sich. Immer wenn ich mal rein geschaut habe, waren sie am Schlafen. Und ich wollte doch gerne ein erstes Gespräch ohne jeden Zeitdruck mit Ihnen führen.“ Er lächelte den jungen Mann freundlich an. „Wie mir Doktor Allegheny berichtet hat, haben Sie heute Ihre ersten Gehversuche gemacht. Er meinte, dies wäre ein großer Erfolg für Sie gewesen.“


      „Der Doktor!“, zischte Jake. „Der Doktor sieht nur einen Patienten, eine Operation. Wenn er mit der Operation fertig ist und aus medizinischer Sicht alles in Ordnung ist, dann ist für ihn auch alles in Ordnung. Nur das zählt. Ein Erfolg!“ er sagte das letzte spöttisch und äffte im Tonfall den CM und den CNS nach.


      „Sie stimmen nicht damit überein, dass es ein Erfolg war? Was war es denn für Sie?“ fragte Ettore höflich.
      Jake lauschte den Worten einen Augenblick nach. War das Hohn oder Spott in der Stimme zu hören? Nein – so kam er zu dem Schluss – die Frage war nur aus reinem Interesse gestellt, ohne psychologische oder sonstige Spitzfindigkeit.


      Seine Hände knüllten die Decke des Bettes einmal zusammen. Dann ließ er resigniert locker und sagte: „Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Es fühlt sich alles so unwirklich an, wäre da nicht dieser verdammte Schmerz.“


      Ettore nickte verstehend.


      „Der Schmerz wird irgendwann nachlassen, es braucht Zeit.“ Ettore wusste, dass der Faktor Zeit dem Kadetten ebenso unwirklich vorkam wie alles andere. Aber es entsprach der Wahrheit und irgendwann würde dieser sie vielleicht akzeptieren. „Erzählen Sie mir doch mal in Ihren Worten, was eigentlich passiert ist.“


      „Ich kann mich kaum erinnern … mal weiß ich was, mal ist es weg. Da war eine Rettungskapsel. Irgendwas war mit meinem Bein, es tat fürchterlich weh. Commander Rocha sagte irgendwas zu mir und hantierte mit etwas herum. Dann wurde der Schmerz unerträglich und ich muss wohl ohnmächtig geworden sein. Schließlich wachte ich hier auf und erfuhr, dass die Commander mir das Bein abgeschossen hat und der Arzt mir nun ein Ersatzbein anoperiert hat.“ Jake war inzwischen geübt in seiner Erzählung.


      „Commander Rocha hat versucht, Ihnen zu helfen und als letzte Maßnahme eine Amputation eingeleitet, um Ihnen das Leben zu retten“, stellte der Italiener klar.

      „Trotzdem. Hätte sie es nicht abgeschossen, hätte mir der Arzt kein neues Bein machen müssen. Es fühlt sich an wie ein Bein durch all den Schmerz, aber ich weiß, es ist nicht mein Bein. Alle tun immer so, als wäre nun alles in Ordnung. Aber es ist nicht mein Bein, das ist mir abgeschossen worden. Nichts ist in Ordnung!“, er hielt resigniert inne. „Was ist mit Ihnen?“, fragte er schließlich neugierig und hoffte, dass dies seine Kompetenz nicht überstieg.


      „Hmm, das ist immer das Problem. Irgendwer war es, wir hatten da keinen Einfluss drauf. Ärzte und andere Beteiligte sehen immer nur ihre Intention etwas Gutes tun zu wollen. Und vielleicht haben Sie das auch getan. Aber Sie übersehen, dass sie keinen Schmerz und keinen Verlust haben hinnehmen müssen.“ Der Italiener sprach ruhig und sachlich und zwirbelte dabei mit den Fingern die Spitzen seines Schnurrbarts.


      Jake horchte innerlich auf und fühlte sich endlich einmal verstanden.


      „Für Sie waren es Commander Rocha und Doktor Allegheny. Bei mir waren es eine Explosion und ein einige Arzte auf einem klapprigen Frachter, die das, was nach der Explosion noch vom Arm übrig war in einer Notoperation einfach abschnitten und wegwarfen. Auch mir erzählten sie, dass es nur zu meinem Wohl gewesen sei. Später würde ich einen neuen Arm bekommen und alles wäre wie zuvor.“ Ein Hauch von Verbitterung war in der Stimme zu spüren.


      „Aber dann?“, fragte Jake interessiert. Seine Neugierde war geweckt worden und da der Counselor wohl nicht vorhatte, ihn eines psychologischen Kreuzverhörs zu unterziehen, sondern ein wenig mit ihm zu sprechen und ihre Geschichten auszutauschen. Er fühlte eine Verbindung zu dem Mann. „Wie mir scheint, hat das mit dem äh ‚neuen Arm‘ wohl nicht so geklappt wie gedacht.“ Er hatte die Stimme etwas angehoben, wie um eine Frage anzudeuten.


      „Nein, ganz und gar nicht.“ Ettore strich mit den Fingern der rechten Hand seinen linken Uniformärmel demonstrativ glatt. „Die Ärzte hatten bei Ihrer großen Kunst den Faktor ‚Mensch‘ übersehen. Zwischen der Operation und einem medizinischen Zentrum mit geeigneten Instrumenten und Laboren lagen Wochen. Sei es nun die Zeit oder dass mein Körper nicht bereit war, sich täuschen zu lassen. Jedenfalls hat eine Therapie wie bei Ihnen bei mir nicht gefruchtet. Man versuchte es noch mit technischem Ersatz. Aber auch das klappte nicht gut. Irgendwann war es mir gleichgültig geworden. Und dann eines Morgens sah ich in den Spiegel und konnte mich wiedererkennen in dem Bild, das ich da sah. Als wäre in meinem Inneren ein Schalter umgelegt worden, _war_ ich mit einem Mal – auch in meinem Innersten - der einarmige Mann, den ich im Spiegel sah. Seitdem ist alles ganz natürlich weiter gegangen und ich war endlich wieder frei, Glück zu empfinden und Lachen zu können.“
      Ettore hatte diese Erinnerungen und Erfahrungen noch nicht mit vielen geteilt. Natürlich wusste seine Frau es, aber sonst nur wenige. Aber dieser junge Mann hatte irgendwie ein Recht darauf, es zu erfahren. Zu wissen, dass auch andere an diesem Scheideweg gestanden haben.


      „Und glauben Sie, auch ich werde dies wieder können?“ Eine Hoffnung war in Jake aufgekeimt. Vielleicht gab es ja einen Weg aus dem Schmerz.


      „Aber natürlich, Mr. Phelan!“ In Ettores Stimme lag große Entschlossenheit. „Ich weiß, dass der Abgrund, der vor Ihnen liegt nur allzu verführerisch wirkt. Man möchte sich einfach reinfallen lassen, damit man dem Schmerz und all den Gedanken entgeht. Aber auf der anderen Seite: Wenn Sie heute schon ein paar Schritte gehen konnten, scheint die Therapie zu fruchten, die Mr. Allegheny für Sie gewählt hat. Sie sind ein Kadett an der Akademie der Sternenflotte. Sie sind auf einem Schiff in einer heiklen Mission gestrandet, das Ihre Hilfe nur allzu gut gebrauchen kann. Sie sind jung, das Leben liegt noch vor Ihnen. Und anders als das, was bisher geschah, der Rettungskapsel, der Operation, die letzten Tage auf der Krankenstation. Nun haben Sie die Entscheidung: Jetzt ist der Zeitpunkt, wo sie sich für das Leben entscheiden können.“


      Statt einer Antwort lächelte Jake nur. Irgendwie war der Italiener der erste, der ihm sagte, dass er selber etwas entscheiden konnte. Das wirkte hoffnungsvoll.


      „Haben Sie es jemals bereut?“, fragte er unvermittelt.


      „Was meinen Sie?“, der Italiener guckte den Mann auf dem Biobett irritiert an. „Ob ich es bereut habe, dass ich versucht habe, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen?“


      „Nein, nein.“ Jake winkte schnell ab. Er befürchtete schon, aber habe den anderen Mann gereizt oder wäre in ihrem Gespräch zu weit gegangen. „Nein ich meinte, ob Sie es jemals bereut haben, dass Sie es so belassen haben, wie es nun ist. Ich meine ohne irgendwelche Maßnahmen, die eine ‚Normalität‘ vorgaukeln. Gab es Probleme bei Ihrer Karriere in der Sternenflotte?“


      „Ach so wegen des Arms meinen Sie?“ Ettore fasste sich an die linke Schulter, wie um sich zu überzeugen, dass der Arm auch wirklich fehlte. Als Jake nickte fuhr der Italiener fort: „Nein. Das mag zwar etwas seltsam klingen. Ich weiß, Behinderungen sind nicht mehr ganz der aktuelle Stand der Dinge. Aber ich glaube, dass bin ich auch nicht… das passt ganz gut zusammen… Die Sternenflotte wusste, auf was sie sich einließ. Das alles passierte lang vor meinem Eintritt.“


      Jake riß überrascht die Augen auf.


      „Ja, ja, ich weiß. Das mag für Sie nun etwas überraschend klingen. Aber Sie haben sicher als erste Karriere die Sternenflotte gewählt. Ich hatte vorher schon eine Karriere. Dann erst bin ich eingetreten. Ich wollte bei der Überwindung von Konflikten und Problemen im diplomatischen und psychologischen Dienst helfen. Dafür war ich geeignet. Die Sternenflotte wusste, auf was sie sich einließ. Natürlich zieht das manchmal Gespräche hinter dem Rücken, seltsame Blicke und – ich sage das ganz offen – auch Einschränkungen mit sich. Aber nein, wie ich schon sagte: Ich habe mich richtig entschieden, alles auszuschöpfen, was das Leben mir bietet. Und Sie können das auch. Bei Ihnen wird vermutlich noch nicht einmal optisch mehr etwas von Ihrer Verwundung erkennbar sein. Es liegt nur an Ihnen, es anzupacken.“


      Jake schwieg einen Augenblick. Dann sagte er: „Ich glaube, darüber muss ich in Ruhe nachdenken.“


      Ettore hatte sich erhoben.


      „Tun Sie das, Mr. Phelan. Und haben Sie keine Scheu, mich zu rufen, oder noch besser: In einigen Tagen oder Wochen werden Sie mich auch selbständig aufsuchen können. Da Sie hier an Bord sind, bin ich auch Ihr Counselor. Und denken Sie daran, derzeit herrscht gerade akuter Mangel an qualifiziertem Personal.“ Er drückte dem jungen Mann zum Abschied die Hand.
      Als er schon draußen war flüsterte Jake unhörbar für alle ein „Danke.“ Dann schlief er ein.

      </RPG>


      <SUM>


      # Ort: Krankenstation
      # Zeit: MD 3.1630
      Jake und Ettore tauschen Erfahrungen aus.


      </SUM>


      submitted by
      Kim
      aka
      LtCmdr. Ettore Ludovico della Scala
      CNS – USS Hephaistos
      SD 230612.7









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