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350Näherkommen zweier unterschiedlicher Charaktere

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  • Michel Groteclaes
    15. Feb.
      Hier mal wierder eine Koproduktion von Mrir und mir :-)
      Viel Vergnügen beim Lesen!

      Miri & Michel

      <RPG>
      Ort: USS–Odyssey – Korridore/ Ortrichk ´s Quartier
      Zeit: 5.2100
       
      <quote>
      Für den Augenblickt fühlte Anna sich einfach wohl und wollte so auch nichts an dieser Situation ändern, außerdem war sie müde und viel z u erschöpft um anstrengende Gespräche zu führen.
      Vorsichtig drückte Ortrichk ihren Kopf gegen den der kleinen Technikerin, „Natürlich können wir das“, schnurrte sie und war froh dass Anna sich zu entspannen schien.
       
      „Das ist gut“, antwortet Ann erschöpft und versuchte sich an einer wirklich glaubwürdig klingenden Schnurre.
      </quote>
       
      Ortrikch mochte das Kuscheln mit Anna. Ihr war aber, im Gegensatz zu Anna, sehr wohl klar dass sie einen Teil ihres Herzens, wenn nicht mehr, an die Betazoide verloren hatte. Wann würde Anna bewusst werden das sie leicht bis schwer verliebt war? Musste man es ihr sagen? Die Iskyra überlegte hin und her. Aber ihr fehlten Anhaltspunkte. Sie wusste schlicht zu wenig über Anna. Während der Zeit die sie sich kannten hatten sich beiderseitig tiefere Gefühle entwickelt. Mehr als Freundschaft. Leider hatte es aber nie tiefer gehende Gespräche gegeben. Beider wussten voneinander wenig bis nichts.
      Ein anderer Gedankengang befasste sich damit welche Ursache Annas Verschlossenheit hatte. Sackgasse. Keine Informationen.
      Eines war auf jeden Fall sicher. Sie würde nichts unternehmen was Anna in irgendeiner Form schaden konnte und würde ihr Zeit geben.
       
      Sie beschloss weiter den Moment zu genießen. Reden konnten sie später.
       
      Es war ein seltsames Bild was sich hier bot, die große Katze hatte noch immer ihre muskulösen Arme um die zierliche Frau geschlungen und doch war es eben diese, die sich an einem immer glaubwürdigeren Schnurren versuchte.
      Unter normalen Umständen mied die Betazoide Körperkontakt wie der menschliche Teufel das Weihwasser, das war eigentlich schon immer so gewesen. Als Kind hatte ihre Mutter sie immer zu in den Arm nehmen wollen und irgendwie war Ann sich damals schon immer wie in einer Falle vorgekommen. Irgendwann war Ann dazu übergegangen ihrer Mutter immer die Zwillingsschwester in den Arm zu schieben um selbst aus der Umarmungsfalle zu entkommen. Jetzt – hier und mit dieser einen ganz bestimmten Person machte Anna es auch rein gar nichts aus in der „Falle“ zu sitzen, sie genoss es.
       
      Wirklich lange standen die Beiden mitten im Zimmer und wenn Anna nicht das Stehen langsam anstrengend gewesen worden wäre und sie keinen Hunger bekommen hätte, sie hätte auch die ganze Nacht so verbringen können. Einen Momentlang wog sie ab, was wichtiger war, das Essen und sich mal hinzusetzen, oder weiter dem leisen Atmen ihrer Freundin zu lauschen.
       
      Fast hätte das Kuscheln gewonnen, als ihr etwas Andere einfiel. Gestern hatte sie auch die Nacht hier verbracht… irgendwie musste sie nur die haarige Wissenschaftlerin davon überzeugen dass es eine mehr als gute Idee war dass sie das diese Nacht wiederholen würden.
       
      Nur langsam löste Anna sich wieder von der Iskyra und schenkte ihr so etwas Ähnliches wie ein Lächeln, „Hast du Hunger… also wenn du Hunger hast dann könnten wir zusammen was essen…hier.“
       
      Ja, irgendwie lud Ann sich damit selbst ein, aber die Messe ertrug sie nicht und ihr Quartier war einfach nicht so hübsch wie das hier.
       
      Aufmerksam wie die Betazoide nun mal war, oder es zumindest für Ortrichk versuchte, fiel ihr nun jedoch ein dass diese immer sehr gesellig war, „Wenn du willst können wir auch in die Messe gehen.“ Irgendwie wuchs aber doch die Hoffnung in der Technikerin, dass sie hier etwas essen würden, „Sag mal… auf eurer Welt… was esst ihr da? Und müsst ihr euch da beim Essen benehmen. Meine Mutter hat uns immer in schrecklich vornehme Tüllkleidchen gesteckt VOR dem Essen und dann gesagt macht euch bloß nicht dreckig, die Flecken gehen nie wieder aus dem edlen Stoff… vollkommen unsinnige Sitte… machen aber fast alle von meinem Volk. Genauso unsinnig wie sechs verdienen Löffel für ein Essen… und das für jede einzelne Person.“
       
      Ab und zu vermisste Ann ihre Familie, aber den Planeten und die Eigenarten der Bewohner eher weniger.
      Eigentlich sprach Anna nicht über ihre Familie, selbst Flower wusste eigentlich nicht viel über Annas Zeit vor der Akademie. Es war eigentlich unerheblich darüber zu sprechen, wenn sie eh nie wieder dort hin zurückkam, aber sie interessierte sich für die Geschichte ihrer Freundin und da war es wohl angemessen auch mal irgendwas zu dem Thema zu sagen und selbst wenn es nur ums Essen ging.
       
      Gesellschaft war gut und schön. Nur war Ortrickch gerade mehr in Stimmung für Zweisamkeit mit Anna. Essen war auch gut. Man konnte dabei ein unverfängliches Gespräch führen.
       
      „Essen ist gut.“, lächelte die Katze zur Betazoiden hinunter und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. Zumindest dass was Iskyra für einen Kuss hielten. „Ich weiß auch schon was!“
       
      Sanft löste sie sich von Anna und setzte selbige an den kleinen Tisch nahe der Kombüse.
       
      „Leider kann ich nicht selber kochen“, entschuldigte Ortrichk sich und stellte sich vor den Replikator, „Ich hatte noch keine Zeit mich mit Vorräten ein zu decken. Aber der Replikator hat auch ein paar gute Rezepte parat. … In unseren Städten geht es recht … zivilisiert zu. Messer, Gabel, Löffel, Löffelchen, Teller und das ganze drum und dran. Über 99% der dort lebenden Leute sind bekleidet. Sie essen so ziemlich alles. Viel Fleisch, aber nicht nur. Außerhalb der Städte sieht das anders aus. Dort geht es wild zu. Es gibt fast nur Fleisch und keine Kleidung. Und kein lästiges Besteck. …“
       
      Zuerst stellte die Katze zwei dicke Kerzen auf den Tisch und dimmte das Licht etwas. Irgendwie ahnte sie dass Anna nicht viel von Romantik hielt und verstand. Ein Versuch war es aber wert.
      Dann servierte sie ein paar kleine heiße Brötchen mit Kräuterbutter. Die Betazoide halbierte die Brötchen und bestrich sie. Ortrichk machte es sich bequemer. Sie bestrich gleich das Brötchen, welches im Ganzen in ihrem großen Maul verschwanden. Man brauchte nicht zu sagen dass die Katze einige mehr Brötchen verputze als Anna.
      Anschließend gab es Spaghetti Carabonara mit Parmesan. Klar dass Ortrichks Portion weit größer war, als Annas. Ebenso ihr Besteck. Dazu hatte sie einen Saft repliziert welcher im Geschmack stark an Nero D’Avola Wein erinnerte, den die Katze mal auf der Erde getrunken hatte. Er machte aber nicht betrunken. Als Nachtisch standen schon schwarze süße und schon entkernte Kirschen bereit.
       
      Schweigend mampften die beiden Nudeln. Ab und an wollten die langen glitschigen Dinger nicht so wie die Katze. Sie sie fing die ‚Flüchtlinge’ von Hand ein und schleckte dann die Finger ab.
       
      Anna war satt, dass Essen hatte ihr geschmeckt und sie mochte es wie die Katze aß. Es war alles nicht so extrem bieder und die Etikette war zwar geachtet worden, jedoch bei weitem nicht so wie es ihre Mutter immer getan hatte. Ihren Teller hatte sie auf den der Freundin gestellt, „Ich kann mir deine Küche mal ansehen, vielleicht kann man da etwas rumschrauben und verbessern.“
      Schrauben konnte man eigentlich aus Prinzip immer an Allem, aber ob es immer wirklich sinnvoll war etwas zu verbessern das war dann doch die Frage, „Ich kann nicht kochen… ich musste es auch noch nie. Wir hatten früher Personal für so etwas und wenn ich klettern oder Zelten war, dann will ich den Inhalt einer Dose zu erwärmen nicht kochen nennen.“
       
      Ein Lächeln zierte die Lippen der Betazoidin, „Ich glaub dein Planet würde mir besser gefallen als meiner. Kommst du denn aus einer der Städten, oder bist du eine Schönheit vom Lande?“
      Während Ann nun die Teller „entsorgte“, befasste sie sich mental noch einmal mit den roten Kerzen die während des Essens schon den Tisch zierten. Während der Nahrungsaufnahme hatte sie die gefährlichen Dinger ausgeblendet, aber nun brannten sie noch immer und erhellten den Raum ein wenig mehr.
       
      Elegant glitt Anna wieder auf ihren Platz und blickte auf die Kerzen. Diese gefährlichen Dinger. Von der Brandgefahr wollte sie ja nicht einmal sprechen, wobei auch dieser Aspekt nicht von der Hand zu weisen war. Es gab auch noch den Aspekt der Romantik, etwas mit dem die junge Frau leider so rein gar nichts anfangen konnte. Es war ein Aspekt der Ann nun unweigerlich unter Druck setzte. War es nun ein Zufall, oder wollte ihre Freundin mit den Kerzen irgendetwas bezwecken, oder erwartetet sie etwa irgendetwas? Sollte Ann etwas Romantisches sagen? Tun?
       
      Immer noch war ihr Blick nachdenklich auf das Flackern der Wachsungetüme gerichtet, während sie ihre Hand auf die Pranke der Katze legte und diese vorsichtig streichelte. Ann war immer bemüht vorsichtig mit ihrer Freundin zu sein, sie zu behandeln als wäre sie aus Porzellan, auch wenn diese sicher bei Weitem widerstandsfähiger als sie selbst war.
       
      „Ich bin schon immer gern Draußen gewesen… ich mag die Natur, das ist auch mit eines der wenigen Dinge die ich meinem Planeten abgewinnen kann. Es gibt wunderschöne Wälder und einige wirklich tolle Pflanzen.“
       
      Ortrichk legte den Kopf zur Seite und sinnierte einem Moment über ihre unbeschwerte Kindheit. Unbeschwert wenigstens so lange wie ihre Tante Ortri’Kch über ‚die Kleinen‘ gewacht hatte. Sie hatte viel Zeit gehabt mit ihren Geschwistern zu spielen, sich zu balgen, auf Bäume zu klettern und all den Unsinn den Kinder nun mal machen. Als sie älter wurden nahm die Tante sie mit auf die Jagd. Sie lernten die Jagd und die Beute kennen, aber auch die Gefahren und Feinde. Überlebenstraining pur. Die Gegend um und außerhalb der Städte war schön. Ja. Aber auch feindselig.
       
      Dass die Wildnis von Olbia II gefährlich war wollte die Katze ihrer Freundin aber nicht sagen. Es war gerade auch nicht relevant. Interessant war aber das Anna sich gern allein in die Natur begab. Sich isolierte. Wahrscheinlich tat sie das schon lange. Das erklärte schon einiges. Ein weiterer Punkt war, dass Anna gegenüber ihrer Heimat, außer der Natur, negativ eingestellt war. Ortrichk war keine Psychologin. Die Aussage sagte ihr zwar etwas, aber sie würde mal mit Taithleach reden müssen, um den Satz in seiner Tiefe zu verstehen.
       
      „Meine Geschwister und ich wurden auf der USS-Maryland geboren. Meine Mutter ist noch heute CSO auf dem Schiff. Mach 2 Monaten hat sie uns zu meiner Tante gegeben. Der Karriere wegen. Wir sind auf Olbia II aufgewachsen. Bis wir in die Schule mussten lebten wir in der Wildnis. Nach der Schule habe ich studiert und bin dann erst zur Sternenflotte gegangen. Ja ich bin auch gerne draußen und in der Wildnis. Ich vermisse Olbia II. Aber ich habe die Sehnsucht meiner Tante geerbt. Ich will zwischen den Sternen reisen. Fremde Planeten besuchen und andere Spezies kennen lernen. Und dank dieser Sehnsucht habe ich eine liebe Freundin, dich, gewonnen.“
       
      Schnurrend lächelte Ortrichk Anna an.
       
      Auch wenn Anna die gemeinsame Zeit wirklich sehr genoss war es für sie nicht so leicht den Fettnäpfchen aus dem Weg zu gehen. Wenigstens ein paar wollte sie verfehlen. Auf gar keinen Fall wollte sie etwas sagen was Ortrichk verletzte und da sie nicht besonders viel Feingefühl besaß war diese Gefahr nun mal mehr als gegeben.
       
      „Hast du denn noch viel Kontakt zu deiner Mutter und deinen Geschwistern? Oh und zu deiner Tante?“
       
      Es schien so als hätte Ortrichk eine schöne Kindheit gehabt, als hätte sie sich in ihrer Umgebung damals wohl gefühlt.
      Unweigerlich musste Ann an ihre Kindheit denken, an ihre Mutter und an ihre Schwester. Sollte sie irgendetwas dazu sagen?
       
      „Ich habe mit meiner Mutter seit etwas mehr als vier Jahren nicht mehr gesprochen. Mit meiner Schwester auch nicht.“
       
      Ann legte den Kopf leicht schief, „Meine Schwester würde sicher mit mir sprechen, wenn ich mich melde, aber sie würde dann zwischen den Stühlen stehen, das wollte ich nicht, darum habe ich mich nie bei ihr gemeldet.“
       
      Immer noch lag ihre Hand auf der ihrer Freundin.
       
      Ganz langsam dämmerte Anna war Ortrichk gerade gesagt hatte, „Du magst mich wirklich“, sprudelte es nun nachdenklich aus der Telepathin hervor, wohl auch eher für sich selbst als das es wirklich an Ortrichk gerichtet war.
       
      Unter normalen Umständen wäre spätestes nun der Zeitpunkt zur Flucht!
       
      Es hatte schon eine ganze Weile über gedauert bis Ann die letzten Worte verstanden hatte.
       
      „Ich bin gern in deiner Nähe“, nachdenklich legte Ann den Kopf ein wenig schief. „Ich mag dich…gern…sehr gern.“
       
      Irgendwie beschlich Anna nun doch das Gefühl sich zu erklären, sich ausdrücken zu wollen, aber wie so oft in ihrem Leben wollte es ihr nicht gelingen.
       
      Ihre Stirn legte sich in Falten und zeugte davon dass sie wirklich angestrengt nachdachte, „Wirklich sehr gern.“
       
      Die Situation wurde jetzt auf einmal irgendwie schrecklich anstrengend. Das aller Letzte was Ann jedoch wollte war in ihr Quartier zu flüchten.
       
      Noch eine wichtige Information. Anna hatte eine Schwester. Jünger? Älter? Mit ihr kann sie offenbar klar. Mit der Mutter weniger. Gab es einen Familienstreit oder bedeuteten Familienbande Anna nichts?
      Ein Blick in Anna’s dunkle Augen verriet noch mehr, als die Worte. Damit dass die Betazoide ihre Probleme hatte sich verbal aus zu drücken hatte die Katze inzwischen kein Problem mehr. Jetzt ließ sie erst ein Mal Taten folgen. Sie blies die Kerzen aus, umrundete den Tisch und nahm ihre Freundin in die Arme, so wie sie es mit Taithleach immer machte. Eine Hand unter dem Po hob sie Anna hoch und umarmte sie mit dem anderen Arm. Anna reagierte wie Ortrichk es sich gewünscht hatte. Sie umarmte sie und kraulte ihr Fell. Den Kopf an den Hals der Katze legend seufzte sie tief.
       
      Es war Anna ganz recht so in den Arm genommen zu werden, auch wenn sie es nie gesagt hätte. So brauchte sie wenigstens nicht zu reden. Sie bewunderte viel an der Iskyra, die keinerlei Kontaktscheu hatte und soziale Kompetenz besaß. Wie so oft wünschte sie sich wenigstens etwas davon zu haben.
       
      Ihre Hände waren tief im Fell der Katze versunken. Auch das war etwas was Anna gefiel. Ortrichk hatte nichts an gehabt als sie sie hereingelassen hatte und hatte auch keine Anstalten gemacht sich etwas an zu ziehen. Sie gab sich völlig natürlich. Ihre Mutter währe bestimmt pikiert in Ohnmacht gefallen wenn sie gesehen hätte wie Ortrichk sich mit der Zunge über Nase und Lefzen geschleckt oder mit den Fingern die Nudeln von Tisch geklaubt hätte.
      Als Ortrichk sich bewegte fürchtete Anna dass sie zum Sofa ging. Doch weit gefehlt! Die Katze trug sie genau dort hin wie sie gerne die Nacht verbringen wollte. Ins Schlafzimmer. Auf dem Bett lag, ordentlich zusammengefaltet, die Decke der vergangenen Nacht. Sich legend zog Ortrichk Anna mit sich und gähnte dann erst ein Mal herzhaft.
      Dann sprach die Katze leise.
       
      „Ich habe Kontakt zu meiner Familie. Außer zu meinem Vater, der sich nie für uns interessiert hat. Das Arschloch! Mit meiner Mutter und vier meiner Geschwister zu reden ist etwas schwierig. Meine Mutter ist oft sehr weit weg und meine Geschwister leben auf dem Land, wo es kaum Kommunikatoren gibt. Mit meiner Schwester und meiner Tante rede ich regelmäßig. Meine Schwester hat jetzt eine eigene Arztpraxis eröffnet. Und meine Tante ist wieder zur Sternenflotte zurückgegangen. Verrückt! Sie hat noch ein Mal die Akademie besucht. Rate mal welchen Fachbereich sie gewählt hat! … Technologie! Jetzt arbeitet sie an irgendeinem Projekt.“
       
      Anna lag – das war mehr als positiv, auch wenn sie noch nicht so ganz sicher war wie das nun weiter laufen würde. Bestand nach zwei Nächten im Bett der Freundin nur irgendwie ein Vertrag das sie hier in Zukunft öfter Nächtigen durfte?
      Irgendwie beschlich Anna das Gefühl das es zu früh war um solche Fragen zu stellen. Auch wenn sie sehr gern neben ihrer Katze lag, so erhob sie sich doch noch ein letztes mal um ihre Uniform loszuwerden. Die Haare darauf fielen ohnehin schon langsam auf.
      Die Betazoide war im Gegensatz zu ihrem restlichen Volk mehr als verklemmt und mochte es eigentlich überhaupt nicht so leicht bekleidet durch die Gegend zu laufen, aber da sie nun eh gleich unter der Decke verschwinden würde war das wohl in Ordnung.
      Erst jetzt wo sie wieder unter der Decke lag und sich an Ortrichk kuschelte, konnte sie sich mit dem eben gesagten beschäftigen.
      „Der hat sich echt nicht für seine eigenen Kinder interessiert“, Hakte Ann ungläubig nach, „Das ist… das ist...seltsam… sehr seltsam.“
      Ann vielen noch andere viel farbenfrohere Wörter für solch eine Person ein, aber es stand ihr wohl nicht zu diesen Mann zu verurteilen. Tröstend strich sie über das fellige Ohr ihrer Freundin, „Sei nicht traurig… er ist selbst schuld das er so viel verpasst hat.“
      Dieses mal war es Ortrichk die nur mit einem Schnurren antwortet, dieses Thema setze ihr auch nach all den Jahren noch zu.
       
      „Deine Schwester ist also Ärztin“, da kam Ann immer noch nicht so ganz drüber weg und bemerkte zur Abwechslung nun selbst mal, dass ihre Stimme nicht so sonderlich freundlich klang und unfreundlich war das aller letzte was sie in diesem Moment sein wollte.
      „Meine Mutter ist Ärztin, mein Vater war Arzt, meine Zwillingschwester ist Ärztin… mein Großeltern waren auch Ärzte…ich weiß gar nicht seit wie vielen Generationen die Mitglieder meiner Familie Ärzte, Heiler, Therapeuten, oder zumindest Krankenpfleger werden. Meine Familie ist sehr traditionell geprägt. Meine Mutter trägt x Titel und ist das Oberhaupt unseres Hauses… die Bewahrerin des Wissens um die Heilung… sie hat da noch ein paar Titel mit denen sie hausieren geht.“
      Noch immer kraulte Ann das Ohr ihrer Freundin, „Deine Tante ist sicher interessant…und auch bei der Sternenflotte, das ist wirklich toll. Ich kann mir vorstellen, dass sie dir sehr ähnlich ist.“
       
      /Zwillingsschwester!/ notierte Ortrichk in ihrem Gedächtnis.
       
      Die Katze mochte die Nähe der Betazoiden.  Es erinnerte sie an die schönen Tage ihrer Kindheit, wie sie mit ihrer Tante und Geschwistern, eng aneinander gekuschelt, in einem ‚Bau‘ liegend, sich gegenseitig wärmend, der bitteren Kälte getrotzt hatten.
       
      „Weißt du … Vielleicht ist mein Vater kein ganz so großes Arschloch. Wir Iskyra sind ein wenig wie die Hauskatzen von der Erde. Wir haben unseren eigenen Kopf und sind etwas eigensinnig. Deshalb ging mein Vater fort. Deshalb gab meine Mutter uns an unsere Tante weiter. Und deshalb bin ich hier. Meine Tante und ich unterscheiden uns deutlich. Außer dem Streben zwischen den Sternen zu reisen haben wir nicht so viel gemeinsam. Deshalb war es ihr zuerst auch nicht wirklich recht, dass ich mit meiner Schwester Medizin studierte.“
       
      Das Geständnis der Katze Medizin studiert zu haben wunderte Anna weniger als es sollte. Es hatte sich schon angedeutet, als sie zusammen mit Dr. Du’lam Ratana behandelt hatten, dass Ortrichk medizinisches Fachwissen besaß. Zu gut kam sie mit den vielen Fremdwörtern klar. Die eigentliche Überraschung sollte nun folgen.
       
      „Ich habe mich aber nicht auf Medizin beschränkt. Ich habe zugleich noch andere Fächer studiert und mich in Richtung Wissenschaften orientiert, geforscht und mich auf die Sternenflottenakademie vorbereitet.“
       
      „Wenigstens bist du kein Arzt.“, Annas Stimme war leise. Müde.
       
      „Nein. Ich habe gar keinen Titel. Nur ein paar Abschlüsse.“
       
      „Ein paar! Warum hast du keinen Titel erworben? Bist du nicht gut genug? Wie kriegt man so viel Zeug in den Kopf?“
       
      „Fragt die Person die jeden Millimeter dieses Schiff auswendig kennt! Titel waren auch nicht mein Ziel. Vielleicht in Zukunft. Wer weiß?“
       
      Tiefes gleichmäßiges Atmen als Antwort. Anna war sanft entschlummert. Hatte sie die letzten Sätze noch mitbekommen?
       
      Ein paar Stunden waren bereits verstrichen als Ann langsam erwachte. Das Fell ihrer Freundin hatte sie an der Nase gekitzelt, eine sehr empfindliche Stelle bei der Betazoidin. Gern hätte die Frau sich auf den Rücken gedreht, aber der schwere Arm ihrer Freundin verhinderte das. Eine Flucht war unmöglich?
      Aber an Flucht wollte Ann auch gar nicht denken, sie wollte etwas ganz anderes. Sie zwickte Ortrichk in den Arm und brachte die schlafende Katze so dazu dass diese ihn zurück zog. Es war gut zu wissen, wie man für Platz sorgen konnte in der Nacht.
       
      Jetzt lag Ann auf dem Rücken und dachte nach… angestrengt…
      Sie stieß Ortrichk mit dem Ellbogen in die Seite um sie zu wecken. Wenn sie wach war, dann musste das die Katze auch… zumindest wenn Ann etwas sagen wollte.
       
      Ortrichk fuhr erschrocken hoch, „Lag ich auf dir… war ich zu schwer… geht es dir gut?“ Prüfend lag der Blick der Wissenschaftlerin auf Ann. Die Nachtsicht war in diesem Fall doch sehr praktisch.
       
      „Alles gut… leg dich wieder hin… ich habe nur über was nachgedacht… Wenn du klug genug bist solltest du auch die passenden Titel haben… sonst ist das doch als würdest du bei einem Spiel absichtlich verlieren… das geht nicht.“
       
      Ortrichks ihren drehte sich… warum wollte Ann das mitten in der Nacht klären… warum wollte sie das überhaupt klären… Titel waren nicht wichtig… oder vielleicht doch?
       
      </RPG>
      <SUM>
      Ort: USS–Odyssey – Korridore/ Ortrichk ´s Quartier
      Zeit: 5.2100
      Ann und Ortrichk genießen den gemeinsamen Abend und landen schlussendlich im Bett.
      </SUM>