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Re: [Metaphernanalyse] umfangreiches Material zu MA demnaechst auf Website & Workshop-Bericht

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  • Michael Kimmel
    Liebe Frau Nürnberg, Einige Nachfragen hätte ich: Haben Sie zufällig Materialien aus dem - im übrigen für mich wirklich hochinteressanten - Bericht als
    Nachricht 1 von 5 , 18. Okt. 2006
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    • 0 Anhang
      Liebe Frau Nürnberg,
       
      Einige Nachfragen hätte ich:
      Haben Sie zufällig Materialien aus dem - im übrigen für mich wirklich hochinteressanten - Bericht als PDF? Insbesondere suche ich den Artikel von Cameron & Stelma Artikel, aber auch eine Reihe anderer aus der MetNet Liste von "Key Publications". 
      Wissen Sie noch andere Zugänge zu Metaphern-Clustern (insbesondere hat Veronika Koller jüngst wieder etwas publiziert)?
      Hat Alan Cienki bei seinem Vortrag auf neuere Ergebnisse verwiesen, die über das in Hampe 2005 publiziert hinausgehen? (Haben Sie da übrigens das Ende des Berichts unten unabsichtlich abgeschnitten, es sieht irgendwie so aus?)
       
       
      Als generelle Anregung möchte ich folgendes an die gesamte Liste richten: Würde es sich nicht anbieten vorhandene Metaphernartikel, sonfern als PDF vorhanden, auf unsrer Platftorm auszutauschen?
      Ich habe letztens begonnen, mir Artikel beim Lieferdienst SUBITO zu bestellen, den ich sehr empfehlen kann, und da bekommt man, wenn man möchte, PDF-Scans à 5 Euro.
       
       
      herzliche Grüße in die Runde,
      Michael Kimmel
      ----- Original Message -----
      Sent: Friday, September 22, 2006 6:12 PM
      Subject: [Metaphernanalyse] umfangreiches Material zu MA demnaechst auf Website & Workshop-Bericht

      Hallo!

      diese Woche habe ich an einem 2-taegigen Workshop zur Metaphern-Analyse
      teilgenommen, den ich sehr interessant und nuetzlich fand. In dieser
      Mail findet Ihr/ finden Sie einen sehr knappen Abriss ueber die Inhalte.
      Einige Dinge, die ich persoenlich besonders nachdenkenswert finde,
      bespreche ich etwas ausfuehrlicher.

      Viele Gruesse und ein schoenes Wochenende,

      Carola Nuernberg

      ************************************************************************
      ************************************************************************
      ******************


      Fuer die eiligen Leser: Besonders hinweisen moechte ich vorab auf
      folgende Literaturangaben & Resourcen: 

      - auf der MetNet Seite sollen ab Oktober die Themen und Materialien
      dieses Workshops eingestellt werden
                     http://www.education.leeds.ac.uk/metaphor/index.htm
      - Integration von Metaphern in ein Metaphern-Szenario, Literaturhinweis,
      s.u. Punkt 1
      - Visualierung von Metapher-Mustern, Literaturhinweis, s.u. Punkt 2
      - Vergleich von Metaphernmustern in den eigenen Daten mit Muster in
      einem Corpus via Software "wmatrix", s.u. Punkt 2
      - Good pratice: Literaturhinweise, s.u. Punkt 3



      Zum Workshop selbst:

      Der Workshop wurde von der Met-Net Gruppe veranstaltet, das sind
      hauptsaechlich (ausschliesslich?) Linguisten. Zu den Vortragenden
      gehoerten Lynn Cameron, Alice Deignan, Graham Low, Elena Semino und Alan
      Cienki. Teilnehmer waren PhD Studenten aus verschiedenen Disziplinen
      (Linguistik, Psychologie, Management, etc.) sowie Lehrer, Trainer oder
      Therapeuten mit einem Anwendungsinteresse an Metaphern.

      1. Metaphernanalyse in Grundzuegen
      Lynn Cameron zeigte an 2 Beispielen, wie sie selbst Metaphernanalysen
      durchfuehrt. Die wesentlichen Schritte bei ihrem Vorgehen sind:

      *      Identifikation von Metaphern (genauer gesagt: von Vehikeln) auf
      der Wortebene
      *      Zusammenfassung der Metaphern zu systematischen Gruppen
      *      Analyse des Texts auf Metapher-Cluster hin, u.a. auch in einer
      graphischen Darstellung
      *      Konstruktion eines "Metaphern-Szenarios"

      Diese Liste stellt nur die Ueberschriften dar, das ganze wurde
      ausfuehrlich besprochen. Ab Oktober soll ausfuehrliches Material auf der
      Website zur Verfuegung stehen.

      Besonders interessant finde ich im Moment

      a) den Hinweis, ueberhaupt systematisch nach Metapher-Clustern im Text
      zu suchen und diese auch graphisch darzustellen. Siehe dazu auch Cameron
      & Stelma (2004): Metaphor clusters in discourse. Journal of Applied
      Linguistics, 1, 7/ 36.

      b) die Idee des Metaphern-Szenarios. Cameron hat in einem der
      praesentierten Bsp. untersucht, wie Pat Magee, ein ehemaliger Terrorist,
      und Jo Berry.die Tochter eines von ihm getoeteten Politikers mehrere
      Jahre nach der Tat ueber Versoehnung sprechen. Sie fand folgende
      systematische Metaphern fuer Versoehnung.

      Journeys:  bring something positive out of this
      Connection: I was crying in the desert
      Seeing more clearly: it's never the whole picture
      Listening to a story: I wanted to ... hear his story.

      Diese Metaphern hat sie dann in folgendes Szenario integriert:

      "After the bombing, Jo Berry and Pat Magee complete separate journeys,
      long and on foot, until they meet face-to-face and try to connect across
      the gap between their experiences. Jo's journey has the aim of
      understanding the roots of violence and is long, uphill journey on foot,
      sometimes following the path of journeys made by the bombers, sometimes
      stopping to meet other victims. The journey out of grief becomes a
      healing process. Pat does not talk much about his life between the
      bombing and the meeting, but speaks of an earlier journey, when, as a
      young man, he joined the IRA and agreed to use violence."

      Zum Nachlesen: Cameron, L (in press). Patterns of metaphor use in
      reconciliation talk. Discourse and society.

      Selbstverstaendlich sind das hier nur 2 Folien, die ich dem Zusammenhang
      eines komplexen Vortrags entnommen habe. Bemerkenswert finde ich aber,
      wie hier Metaphern, die ja sonst manchmal einfach lange Listen ergeben,
      integriert werden. Ich persoenlich wuerde bei meinen eigenen Daten ggf.
      noch weiter gehen, und dieses Szenario interpretieren, z.B. im Hinblick
      auf Handlungsmoeglichkeiten/Kausalattributionen (welche Moeglichkeiten
      werden betont (highlight), welche verborgen (hide).

      Interessant sind diese Daten uebrigens auch im Hinblick auf die
      Diskussion zum "Metapher-Ping-Pong" von letzter Woche, da es den beiden
      Gespraechsteilnehmern ja expliziti darum ging, eine Verstaendigung zu
      erzielen, das scheint gemeinsame Metaphern besonders wichtig zu machen.

      2. Verwendung eines Referenz-Korpus
      Alice Deignan stellte vor, wie sie mit einem Referenz-Korpus arbeitet.
      Ein Korpus ist eine Sammlung aus "naturally occuring text", die aus
      gesprochenem und geschriebenem Material bestehen kann. Sie stellte die
      "Bank of English" und den "British National Corpus". Das sind
      umfangreiche Sammlungen mit mehreren Millionen Woertern. Die Nutzung ist
      kostenpflichtig und unterschiedlich teuer. Anhand eines solchen Corpus
      kann man innerhalb eines groesseren und allgemeiner sprachlichen
      Kontextes vergleichen, wie haeufig/typisch eine Metapher aus den eigenen
      Daten ist.

      Elena Semino und Paul Rayson stellten die "wmatrix" Software vor.
      http://www.comp.lancs.ac.uk/ucrel/wmatrix/

      Diese Software kann zweierlei: Erstens untersucht sie einen Text
      automatisch nach semantischen Feldern, quasi eine automatische
      Textanalyse (ich befuerchte allerdings, nur auf Englisch). Diese
      semantischen Felder gleichen laut Semino und Rayson grob den Domaenen in
      der Metapherntheorie. Zweitens ermoeglicht die Software den direkten
      Vergleich von sowohl Wort- als auch Themenhaeufigkeiten in den eigenen
      Daten und in dem British National Corpus.

      Fuer mich waren diese beiden Vorgehensweisen voellig neu. Sicherlich
      kann man darueber diskutieren, ob ein solcher Vergleich nuetzlich ist
      und in welcher Zusammensetzung ein groessere Corpus ueberhaupt vorliegen
      muss, damit verglichen werden. Ich nehme an, es gibt aehnliche
      Corpus-Projekte auch fuer die deutsche Sprache.

      Fuer mich ist hier vor allem die Idee interessant, die Gesamtheit meiner
      30 Interviews als Corpus zu benutzen und als Referenz fuer individuelle
      Interviews einzusetzen.

      3. Good practice
      Graham Low sprach darueber, wie angesichts der Schwierigkeiten "good
      practice" bei Metaphernanalysen aussehen kann. Aus seiner Sicht ist es
      wichtig, die Fuzziness von Metaphern ausdruecklich zu problematisieren,
      die eigene Zuordnung systematisch vorzunehmen und das dann auch
      entsprechend zu dokumentieren, nicht nur fuer sich selbtst, sondern auch
      fuer spaetere Leser. Kurz diskutiert hat er auch den Einsatz von
      Co-Ratern. Soweit ich es verstanden habe, wird es wohl als "good
      practice" angesehen, wenn 10% eines Datenmaterials auch noch von jemand
      anderem kodiert wurden.

      Graham Low verwies auf 2 Publikationen, die zweite hat einen good
      practice guide am Ende des Artikels.

      Low, G.D. (1999). Validating metaphor research projects. In L. Cameron &
      Low, G.D. Researching and Applying metaphor. Pp. 48/ 65. Cambridge: CUP.

      Low, G.D. (2003). Validating metaphoric models in Applied Linguistics.
      Metaphor & Symbol, 18, 4, 239/54.

      4. Metapher und Gestik
      Alan Cienki zeigte anhand von Videoanalysen, wie Gesten eingesetzt
      werden, um abstrakte
    • Rudolf Schmitt
      Lieber Herr Kimmel, ... Auch ich kann subito nur weiter empfehlen - aber das Einstellen hier auf der Plattform verstößt gegen das Urheberrecht (subito darf
      Nachricht 2 von 5 , 18. Okt. 2006
      Quelle anzeigen
      • 0 Anhang
        Lieber Herr Kimmel,

        zu Ihrer Anregung:
        > Als generelle Anregung möchte ich folgendes an die gesamte Liste
        > richten: Würde es sich nicht anbieten vorhandene Metaphernartikel,
        > sonfern als PDF vorhanden, auf unsrer Platftorm auszutauschen?
        > Ich habe letztens begonnen, mir Artikel beim Lieferdienst SUBITO zu
        > bestellen, den ich sehr empfehlen kann, und da bekommt man, wenn man
        > möchte, PDF-Scans à 5 Euro.
        > http://www.subito-doc.de/

        Auch ich kann subito nur weiter empfehlen - aber das Einstellen hier auf
        der Plattform verstößt gegen das Urheberrecht (subito darf ja nur für
        Forschung und Lehre kopieren, die Kopien dürfen auch nicht weiter
        gegeben werden - siehe Zustimmung, die man beim Abschicken gibt), und
        wurde von Verlagen auch schon unter Druck gesetzt (siehe:
        http://www.heise.de/newsticker/meldung/75565 )

        Daher: Es wäre eine gute Idee, die uns allen Arbeit und Kosten abnehmen
        würde. Aber sie ist jenseits des rechtlich Zulässigen angesiedelt ...

        Herzlichen Gruß,
        r.s.

        --
        Prof. Dr. Rudolf Schmitt
        Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
        Fachbereich Sozialwesen
        Brückenstr. 1
        02826 Görlitz

        E-Mail: r.schmitt@...
        Homepage: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/
      • C.Nuernberg@lse.ac.uk
        Hallo Herr Kimmel, hallo Herr Schmitt, liebe Mitleser, a) was die Hand-outs angeht: Leider habe ich alle Handouts nur als Papier-Ausdrucke. Ich habe jetzt
        Nachricht 3 von 5 , 18. Okt. 2006
        Quelle anzeigen
        • 0 Anhang
          Hallo Herr Kimmel, hallo Herr Schmitt, liebe Mitleser,

          a) was die Hand-outs angeht:

          Leider habe ich alle Handouts nur als Papier-Ausdrucke. Ich habe jetzt nochmal auf der MetNet Homepage nachgeschaut, leider ist da noch kein Material hinterlegt. Ich bin aber gerne bereit, Teile des Materials für jemanden zu kopieren, bspw. falls Sie, Herr Kimmel, bspw. das Handout von Alan Cienki haben wollen (3 Stien) . Entweder können Sie mich bei Interesse direkt anmailen unter Carola.Nuernberg@... oder ich schreibe hier im Forum nochmal eine Liste mit allen Handouts, die ich habe.

          b) was die PDFs angeht, so habe ich von der Literatur-Liste auf der Met-Net-Page folgendes:

          Low (2003) Validating metaphoric models.
          sowie alles von Cornelissen außer dem 2003 paper und dem paper in Print

          Ich erhalte meine PDFs über meinen Athens-Zugang an meiner LSE-Bibliothek bzw. über die Münchner Uni- oder Staatsbibliothek. Mir ist jetzt nicht bekannt, dass/ob ich gegen Urheber-Recht verstosse, wenn ich sie weitergebe. Mein pragmatischer Vorschlag wäre, das dann eben nicht über das Forum zu machen, sondern in individuellen Emails.


          c) Alan Cienki über Gesten
          Ja, das stimmt mein Bericht endet da etwas abrupt. Alan Cienki hat eine Videosequenz mit Gesprächssituationen vorgeführt, und dann gezeigt, wo hier Gesten abstrakte Konzepte metaphorisch untermalen bzw. konkretisieren. Das Kernargument war, soweit ich mich entsinne, dass Interview-Transkripts ohne Berücksichtigung der Gesten eine nicht unwesentlichen Teil der Information verlieren.

          Was die neuen Publikationen dazu angeht, so steht auf seinem Handout der Hinweis auf

          Cienki, A. and C. Müller. (forthcoming) "Metaphors, Gesture and Thought", in "The Cambridge Handbook of Metaphor and Thought", ed. by Raymond Gibbs Jr. Cambridge: Cambridge University Press.

          Cienki, A and C. Mülller (forthcoming) Metaphor and Gesture. Amsterdam: John Benjamins.


          Ich habe Alan Cienki als sehr zugänglich erlebt und kann mir vorstellen, dass man ihn auch direkt anmailen kann. Seine Email-Adresse habe ich auch, bei Bedarf.


          d) von Frau Koller habe ich nur die Sachen auf der Homepage gesehen, unter

          http://www.ling.lancs.ac.uk/staff/koller/index.htm

          Ich hatte schon vor einer Weile mal mit ihr gemailt, auch sie war sehr zugänglich und hat mir auch eines von ihren damals unveröffentlichen Papers gemailt.



          Viele Grüße aus München,
          Carola Nürnberg

          Carola.Nuernberg@...

          -----Original Message-----
          From: Metaphernanalyse@... on behalf of Michael Kimmel
          Sent: Wed 10/18/2006 11:42
          To: Metaphernanalyse@...
          Subject: Re: [Metaphernanalyse] umfangreiches Material zu MA demnaechst auf Website & Workshop-Bericht

          Liebe Frau Nürnberg,

          Einige Nachfragen hätte ich:
          Haben Sie zufällig Materialien aus dem - im übrigen für mich wirklich hochinteressanten - Bericht als PDF? Insbesondere suche ich den Artikel von Cameron & Stelma Artikel, aber auch eine Reihe anderer aus der MetNet Liste von "Key Publications".
          Wissen Sie noch andere Zugänge zu Metaphern-Clustern (insbesondere hat Veronika Koller jüngst wieder etwas publiziert)?
          Hat Alan Cienki bei seinem Vortrag auf neuere Ergebnisse verwiesen, die über das in Hampe 2005 publiziert hinausgehen? (Haben Sie da übrigens das Ende des Berichts unten unabsichtlich abgeschnitten, es sieht irgendwie so aus?)


          Als generelle Anregung möchte ich folgendes an die gesamte Liste richten: Würde es sich nicht anbieten vorhandene Metaphernartikel, sonfern als PDF vorhanden, auf unsrer Platftorm auszutauschen?
          Ich habe letztens begonnen, mir Artikel beim Lieferdienst SUBITO zu bestellen, den ich sehr empfehlen kann, und da bekommt man, wenn man möchte, PDF-Scans à 5 Euro.
          http://www.subito-doc.de/


          herzliche Grüße in die Runde,
          Michael Kimmel
          ----- Original Message -----
          From: C.Nuernberg@...
          To: Metaphernanalyse@...
          Sent: Friday, September 22, 2006 6:12 PM
          Subject: [Metaphernanalyse] umfangreiches Material zu MA demnaechst auf Website & Workshop-Bericht


          Hallo!

          diese Woche habe ich an einem 2-taegigen Workshop zur Metaphern-Analyse
          teilgenommen, den ich sehr interessant und nuetzlich fand. In dieser
          Mail findet Ihr/ finden Sie einen sehr knappen Abriss ueber die Inhalte.
          Einige Dinge, die ich persoenlich besonders nachdenkenswert finde,
          bespreche ich etwas ausfuehrlicher.

          Viele Gruesse und ein schoenes Wochenende,

          Carola Nuernberg

          ************************************************************************
          ************************************************************************
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          Fuer die eiligen Leser: Besonders hinweisen moechte ich vorab auf
          folgende Literaturangaben & Resourcen:

          - auf der MetNet Seite sollen ab Oktober die Themen und Materialien
          dieses Workshops eingestellt werden
          http://www.education.leeds.ac.uk/metaphor/index.htm
          - Integration von Metaphern in ein Metaphern-Szenario, Literaturhinweis,
          s.u. Punkt 1
          - Visualierung von Metapher-Mustern, Literaturhinweis, s.u. Punkt 2
          - Vergleich von Metaphernmustern in den eigenen Daten mit Muster in
          einem Corpus via Software "wmatrix", s.u. Punkt 2
          - Good pratice: Literaturhinweise, s.u. Punkt 3



          Zum Workshop selbst:

          Der Workshop wurde von der Met-Net Gruppe veranstaltet, das sind
          hauptsaechlich (ausschliesslich?) Linguisten. Zu den Vortragenden
          gehoerten Lynn Cameron, Alice Deignan, Graham Low, Elena Semino und Alan
          Cienki. Teilnehmer waren PhD Studenten aus verschiedenen Disziplinen
          (Linguistik, Psychologie, Management, etc.) sowie Lehrer, Trainer oder
          Therapeuten mit einem Anwendungsinteresse an Metaphern.

          1. Metaphernanalyse in Grundzuegen
          Lynn Cameron zeigte an 2 Beispielen, wie sie selbst Metaphernanalysen
          durchfuehrt. Die wesentlichen Schritte bei ihrem Vorgehen sind:

          * Identifikation von Metaphern (genauer gesagt: von Vehikeln) auf
          der Wortebene
          * Zusammenfassung der Metaphern zu systematischen Gruppen
          * Analyse des Texts auf Metapher-Cluster hin, u.a. auch in einer
          graphischen Darstellung
          * Konstruktion eines "Metaphern-Szenarios"

          Diese Liste stellt nur die Ueberschriften dar, das ganze wurde
          ausfuehrlich besprochen. Ab Oktober soll ausfuehrliches Material auf der
          Website zur Verfuegung stehen.

          Besonders interessant finde ich im Moment

          a) den Hinweis, ueberhaupt systematisch nach Metapher-Clustern im Text
          zu suchen und diese auch graphisch darzustellen. Siehe dazu auch Cameron
          & Stelma (2004): Metaphor clusters in discourse. Journal of Applied
          Linguistics, 1, 7/ 36.

          b) die Idee des Metaphern-Szenarios. Cameron hat in einem der
          praesentierten Bsp. untersucht, wie Pat Magee, ein ehemaliger Terrorist,
          und Jo Berry.die Tochter eines von ihm getoeteten Politikers mehrere
          Jahre nach der Tat ueber Versoehnung sprechen. Sie fand folgende
          systematische Metaphern fuer Versoehnung.

          Journeys: bring something positive out of this
          Connection: I was crying in the desert
          Seeing more clearly: it's never the whole picture
          Listening to a story: I wanted to ... hear his story.

          Diese Metaphern hat sie dann in folgendes Szenario integriert:

          "After the bombing, Jo Berry and Pat Magee complete separate journeys,
          long and on foot, until they meet face-to-face and try to connect across
          the gap between their experiences. Jo's journey has the aim of
          understanding the roots of violence and is long, uphill journey on foot,
          sometimes following the path of journeys made by the bombers, sometimes
          stopping to meet other victims. The journey out of grief becomes a
          healing process. Pat does not talk much about his life between the
          bombing and the meeting, but speaks of an earlier journey, when, as a
          young man, he joined the IRA and agreed to use violence."

          Zum Nachlesen: Cameron, L (in press). Patterns of metaphor use in
          reconciliation talk. Discourse and society.

          Selbstverstaendlich sind das hier nur 2 Folien, die ich dem Zusammenhang
          eines komplexen Vortrags entnommen habe. Bemerkenswert finde ich aber,
          wie hier Metaphern, die ja sonst manchmal einfach lange Listen ergeben,
          integriert werden. Ich persoenlich wuerde bei meinen eigenen Daten ggf.
          noch weiter gehen, und dieses Szenario interpretieren, z.B. im Hinblick
          auf Handlungsmoeglichkeiten/Kausalattributionen (welche Moeglichkeiten
          werden betont (highlight), welche verborgen (hide).

          Interessant sind diese Daten uebrigens auch im Hinblick auf die
          Diskussion zum "Metapher-Ping-Pong" von letzter Woche, da es den beiden
          Gespraechsteilnehmern ja expliziti darum ging, eine Verstaendigung zu
          erzielen, das scheint gemeinsame Metaphern besonders wichtig zu machen.

          2. Verwendung eines Referenz-Korpus
          Alice Deignan stellte vor, wie sie mit einem Referenz-Korpus arbeitet.
          Ein Korpus ist eine Sammlung aus "naturally occuring text", die aus
          gesprochenem und geschriebenem Material bestehen kann. Sie stellte die
          "Bank of English" und den "British National Corpus". Das sind
          umfangreiche Sammlungen mit mehreren Millionen Woertern. Die Nutzung ist
          kostenpflichtig und unterschiedlich teuer. Anhand eines solchen Corpus
          kann man innerhalb eines groesseren und allgemeiner sprachlichen
          Kontextes vergleichen, wie haeufig/typisch eine Metapher aus den eigenen
          Daten ist.

          Elena Semino und Paul Rayson stellten die "wmatrix" Software vor.
          http://www.comp.lancs.ac.uk/ucrel/wmatrix/

          Diese Software kann zweierlei: Erstens untersucht sie einen Text
          automatisch nach semantischen Feldern, quasi eine automatische
          Textanalyse (ich befuerchte allerdings, nur auf Englisch). Diese
          semantischen Felder gleichen laut Semino und Rayson grob den Domaenen in
          der Metapherntheorie. Zweitens ermoeglicht die Software den direkten
          Vergleich von sowohl Wort- als auch Themenhaeufigkeiten in den eigenen
          Daten und in dem British National Corpus.

          Fuer mich waren diese beiden Vorgehensweisen voellig neu. Sicherlich
          kann man darueber diskutieren, ob ein solcher Vergleich nuetzlich ist
          und in welcher Zusammensetzung ein groessere Corpus ueberhaupt vorliegen
          muss, damit verglichen werden. Ich nehme an, es gibt aehnliche
          Corpus-Projekte auch fuer die deutsche Sprache.

          Fuer mich ist hier vor allem die Idee interessant, die Gesamtheit meiner
          30 Interviews als Corpus zu benutzen und als Referenz fuer individuelle
          Interviews einzusetzen.

          3. Good practice
          Graham Low sprach darueber, wie angesichts der Schwierigkeiten "good
          practice" bei Metaphernanalysen aussehen kann. Aus seiner Sicht ist es
          wichtig, die Fuzziness von Metaphern ausdruecklich zu problematisieren,
          die eigene Zuordnung systematisch vorzunehmen und das dann auch
          entsprechend zu dokumentieren, nicht nur fuer sich selbtst, sondern auch
          fuer spaetere Leser. Kurz diskutiert hat er auch den Einsatz von
          Co-Ratern. Soweit ich es verstanden habe, wird es wohl als "good
          practice" angesehen, wenn 10% eines Datenmaterials auch noch von jemand
          anderem kodiert wurden.

          Graham Low verwies auf 2 Publikationen, die zweite hat einen good
          practice guide am Ende des Artikels.

          Low, G.D. (1999). Validating metaphor research projects. In L. Cameron &
          Low, G.D. Researching and Applying metaphor. Pp. 48/ 65. Cambridge: CUP.

          Low, G.D. (2003). Validating metaphoric models in Applied Linguistics.
          Metaphor & Symbol, 18, 4, 239/54.

          4. Metapher und Gestik
          Alan Cienki zeigte anhand von Videoanalysen, wie Gesten eingesetzt
          werden, um abstrakte
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