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Betrifft: Metapher "sich ein Bild machen" - Bitte um Literatur- und Analysehinwe

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  • Rudolf Schmitt
    Liebe Frau Münz, ich lese gerade in: Debatin, Bernhard (1996). Die Modellfunktion der Metapher und Problem der Metaphernkontrolle . In: Hans Julius Schneider
    Nachricht 1 von 9 , 11. Okt. 2008
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    • 0 Anhang
      Liebe Frau Münz,

      ich lese gerade in:
      Debatin, Bernhard (1996). Die Modellfunktion der Metapher und Problem
      der 'Metaphernkontrolle'. In: Hans Julius Schneider (Hrsg.) Metapher,
      Kognition, Künstliche Intelligenz. München: Fink, S. 83-103.

      auf S. 99, dass für die wissenschaftliche Beschreibung von Phänomenen
      systematisch alternative Metaphern zuzulassen sind, "auch wenn dadurch
      die Konsistenz und die Abgeschlossenheit der wissenschaftlichen
      Erklärung in Mitleidenschaft gezogen werden sollten." Dieses
      Heranziehen von Gegenmetaphern schränke den Geltungsbereich einer
      einzigen Metapher ein und ermögliche dadurch differenziertere
      Beschreibungen des Gegenstands. Vielleicht wird mit dieser
      Formulierung meine Skepsis gegenüber der alleinigen Verwendung der
      Redewendung, sich ein Bild zu machen, deutlicher ...

      Mit freundlichem Gruß,
      rudolf schmitt
    • "Christin Münz"
      Lieber Her Prof. Schmitt, lieber Herr Gansen, liebe Carola, haben Sie ganz vielen Dank für Ihre ausführlichen Rückmeldungen! Da ich noch im
      Nachricht 2 von 9 , 13. Okt. 2008
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      • 0 Anhang
        Lieber Her Prof. Schmitt, lieber Herr Gansen, liebe Carola,

        haben Sie ganz vielen Dank für Ihre ausführlichen Rückmeldungen! Da ich noch im Entwicklungsprozess meiner Kategorien stecke, helfen mir die kritischen Fragen, diese Metapher nicht vorab unzulässig zu generalisieren und damit andere Aspekte auszublenden - hierzu lese ich gern Ihren Artikel aus der ehem. ZBBS und danke Ihnen, Herr Prof. Schmitt, vorab schon für die Zusendung! - und schließlich damit auch, für andere passende(re) Kategorienbegriffe offen zu bleiben.

        Ich sehe genau diesen von Ihnen erwähnten Akt der Produktion (Konstruktion) des "Bildes" als entscheidend und folge auch gern dem von Ihnen genannten kritischen Gedanken von Walter Herzog - darf ich Sie, Herr Gansen, hier auch noch nach der Quelle fragen? - auch für das Feld der Verwaltung, dass diese Bildmetapher die zum Teil vorherrschende Haltung zum Ausdruck bringt, es handle sich um eine kontrollierbare und ein-deutig er-klärbare Welt (in meinem Kontext die Welt in verschiedensten Handlungssituationen und die vermeintliche Ein-deutigkeit von u.a. (Bürger-)Bedürfnissen, von Interessensdivergenzen, von Zielen und Wegen etc.), was genau damit nicht unbedingt zu einer Erhöhung von Mehrdeutigkeit in der Wahrnehmung und im Umgang mit diesen Situation führt. Damit könnte diese Metapher als von mir gewählte Kategorie für diese Wahrnehmungssituation der Beschäftigten - zumindest dort, wo ich es so aus dem Material interpretiere - stehen.

        In der Tat finde ich auch andere Verstehensweisen, die auch anderen Metaphoriken folgen (z.B. eine Aussage: "... das kann ma theoretisch net lernen, da muss ma (LACHT) muss ma muss ma mitten drin sein im Geschehen, um das um das in der ganzen Bandbreite dann verstehen zu können und dieses Inschtrument auch SPIELen zu lernen in den also in der Möglichkeit, die uns halt in unserer Aufgabenstellung bleibt...") - möglicherweise kann diese Kategorie "sich ein Bild machen" also eine neben anderen werden...

        Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Unterstützung, auch für die spannenden Literaturhinweise, die mich vielleicht zu parrallelen Pfaden führen!!
        Ihnen Allen eine schöne Woche

        Christin Münz



        -------- Original-Nachricht --------
        > Datum: Sat, 11 Oct 2008 15:16:48 -0000
        > Von: "Rudolf Schmitt" <r.schmitt@...>
        > An: Metaphernanalyse@...
        > Betreff: [Metaphernanalyse] Betrifft: Metapher "sich ein Bild machen" - Bitte um Literatur- und Analysehinwe

        > Liebe Frau Münz,
        >
        > ich lese gerade in:
        > Debatin, Bernhard (1996). Die Modellfunktion der Metapher und Problem
        > der 'Metaphernkontrolle'. In: Hans Julius Schneider (Hrsg.) Metapher,
        > Kognition, Künstliche Intelligenz. München: Fink, S. 83-103.
        >
        > auf S. 99, dass für die wissenschaftliche Beschreibung von Phänomenen
        > systematisch alternative Metaphern zuzulassen sind, "auch wenn dadurch
        > die Konsistenz und die Abgeschlossenheit der wissenschaftlichen
        > Erklärung in Mitleidenschaft gezogen werden sollten." Dieses
        > Heranziehen von Gegenmetaphern schränke den Geltungsbereich einer
        > einzigen Metapher ein und ermögliche dadurch differenziertere
        > Beschreibungen des Gegenstands. Vielleicht wird mit dieser
        > Formulierung meine Skepsis gegenüber der alleinigen Verwendung der
        > Redewendung, sich ein Bild zu machen, deutlicher ...
        >
        > Mit freundlichem Gruß,
        > rudolf schmitt
        >

        --
        Christin Münz (Dipl.-Päd.)
        Poststraße 42
        75328 Schömberg
        mobil 0163 7286810
        christin.muenz@...


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      • Rudolf Schmitt
        Liebe Frau Münz, schön, wenn der Austausch Anregungen erbracht hat. Anbei der Aufsatz! Lieben Gruß, r.s. ... -- Prof. Dr. Rudolf Schmitt Hochschule
        Nachricht 3 von 9 , 13. Okt. 2008
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        • 0 Anhang
          Liebe Frau Münz,
          schön, wenn der Austausch Anregungen erbracht hat. Anbei der Aufsatz!
          Lieben Gruß,
          r.s.

          Christin Münz schrieb:
          > Lieber Her Prof. Schmitt, lieber Herr Gansen, liebe Carola,
          >
          > haben Sie ganz vielen Dank für Ihre ausführlichen Rückmeldungen! Da ich noch im Entwicklungsprozess meiner Kategorien stecke, helfen mir die kritischen Fragen, diese Metapher nicht vorab unzulässig zu generalisieren und damit andere Aspekte auszublenden - hierzu lese ich gern Ihren Artikel aus der ehem. ZBBS und danke Ihnen, Herr Prof. Schmitt, vorab schon für die Zusendung! - und schließlich damit auch, für andere passende(re) Kategorienbegriffe offen zu bleiben.
          >
          > Ich sehe genau diesen von Ihnen erwähnten Akt der Produktion (Konstruktion) des "Bildes" als entscheidend und folge auch gern dem von Ihnen genannten kritischen Gedanken von Walter Herzog - darf ich Sie, Herr Gansen, hier auch noch nach der Quelle fragen? - auch für das Feld der Verwaltung, dass diese Bildmetapher die zum Teil vorherrschende Haltung zum Ausdruck bringt, es handle sich um eine kontrollierbare und ein-deutig er-klärbare Welt (in meinem Kontext die Welt in verschiedensten Handlungssituationen und die vermeintliche Ein-deutigkeit von u.a. (Bürger-)Bedürfnissen, von Interessensdivergenzen, von Zielen und Wegen etc.), was genau damit nicht unbedingt zu einer Erhöhung von Mehrdeutigkeit in der Wahrnehmung und im Umgang mit diesen Situation führt. Damit könnte diese Metapher als von mir gewählte Kategorie für diese Wahrnehmungssituation der Beschäftigten - zumindest dort, wo ich es so aus dem Material interpretiere - stehen.
          >
          > In der Tat finde ich auch andere Verstehensweisen, die auch anderen Metaphoriken folgen (z.B. eine Aussage: "... das kann ma theoretisch net lernen, da muss ma (LACHT) muss ma muss ma mitten drin sein im Geschehen, um das um das in der ganzen Bandbreite dann verstehen zu können und dieses Inschtrument auch SPIELen zu lernen in den also in der Möglichkeit, die uns halt in unserer Aufgabenstellung bleibt...") - möglicherweise kann diese Kategorie "sich ein Bild machen" also eine neben anderen werden...
          >
          > Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Unterstützung, auch für die spannenden Literaturhinweise, die mich vielleicht zu parrallelen Pfaden führen!!
          > Ihnen Allen eine schöne Woche
          >
          > Christin Münz
          >
          >
          >
          > -------- Original-Nachricht --------
          >> Datum: Sat, 11 Oct 2008 15:16:48 -0000
          >> Von: "Rudolf Schmitt" <r.schmitt@...>
          >> An: Metaphernanalyse@...
          >> Betreff: [Metaphernanalyse] Betrifft: Metapher "sich ein Bild machen" - Bitte um Literatur- und Analysehinwe
          >
          >> Liebe Frau Münz,
          >>
          >> ich lese gerade in:
          >> Debatin, Bernhard (1996). Die Modellfunktion der Metapher und Problem
          >> der 'Metaphernkontrolle'. In: Hans Julius Schneider (Hrsg.) Metapher,
          >> Kognition, Künstliche Intelligenz. München: Fink, S. 83-103.
          >>
          >> auf S. 99, dass für die wissenschaftliche Beschreibung von Phänomenen
          >> systematisch alternative Metaphern zuzulassen sind, "auch wenn dadurch
          >> die Konsistenz und die Abgeschlossenheit der wissenschaftlichen
          >> Erklärung in Mitleidenschaft gezogen werden sollten." Dieses
          >> Heranziehen von Gegenmetaphern schränke den Geltungsbereich einer
          >> einzigen Metapher ein und ermögliche dadurch differenziertere
          >> Beschreibungen des Gegenstands. Vielleicht wird mit dieser
          >> Formulierung meine Skepsis gegenüber der alleinigen Verwendung der
          >> Redewendung, sich ein Bild zu machen, deutlicher ...
          >>
          >> Mit freundlichem Gruß,
          >> rudolf schmitt
          >>
          >

          --
          Prof. Dr. Rudolf Schmitt
          Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
          Fachbereich Sozialwesen
          Brückenstr. 1, G 1
          02826 Görlitz

          E-Mail: r.schmitt@...
          Homepage: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/
          Forum: http://de.groups.yahoo.com/group/Metaphernanalyse/
        • Peter Gansen
          Lieber Herr Schmitt, immer schön, von Ihnen zu hören. Antwort: bei Gusik ja (die lakoffsche Theorie wird ausführlich rezipiert, aber nicht konsequent auf
          Nachricht 4 von 9 , 17. Okt. 2008
          Quelle anzeigen
          • 0 Anhang
            Lieber Herr Schmitt,

            immer schön, von Ihnen zu hören.
            Antwort: bei Gusik ja (die lakoffsche Theorie wird ausführlich rezipiert, aber nicht konsequent auf die Auswertung angewendet, Ihre Metaphernanalyse wird leider nicht einbezogen...), bei Herzog ja (ähnlich), bei Bilstein gar nicht (letzterer ist aber trotzdem immer sehr lesenswert und schafsinnig).

            Herzliche Grüße
            Peter Gansen

            ____________
            Peter Gansen, Dipl.-Päd.
            Justus-Liebig-Universität Gießen
            Fachbereich 03: Sozial- und Kulturwissenschaften
            Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften (IfSD)
            Karl-Glöckner-Straße 21B
            D-35394 Gießen
            Philosophikum II, B 220
            Tel.:        +49 641 99-24130
            Fax:        +49 641 99-24189
            URL: http://www.erziehung.uni-giessen.de/isd/



            -----Ursprüngliche Nachricht-----
            Von: Metaphernanalyse@... [mailto:Metaphernanalyse@...] Im Auftrag von Rudolf Schmitt
            Gesendet: Freitag, 10. Oktober 2008 13:18
            An: Metaphernanalyse@...
            Betreff: Re: AW: [Metaphernanalyse] Metapher "sich ein Bild machen" - BitteumLiteratur- und Analysehinweise

            Lieber Herr Gansen,
            danke für die gründliche Skizze und vor allem die Literaturhinweise!!!;
            ganz spannend der Hinweis auf Guski und die letzte Publikation von
            Billstein. Wird dort die kognitive Metapherntheorie einbezogen / diskutiert?
            Gruß & Dank,
            rudolf schmitt


            Peter Gansen schrieb:
            >
            >
            > Hallo Frau Münz,
            >
            > dann will ich auch mal das Schweigen brechen:
            >
            > Ich gehe hier nur von meinem Fach aus, da Rudolf Schmitt den Beitrag von
            > Meyer-Drawe/Witte schon angesprochen hat. In
            > erziehungswissenschaftlichen Zusammenhängen werden häufig
            > Bildungs-Metaphern analysiert. Ich weiß zwar nicht, inwieweit die für
            > die Kommunikation in Kommunalverwaltungen relevant sind, aber auch von
            > mir einige Anmerkungen und Hinweise:
            >
            >
            >
            > Zuerst geht es in der Tradition der christlichen imago-die-Lehre geht
            > immer darum, dass der Mensch als /Ebenbild Gottes/ geformt und erzogen
            > wird - bzw. stellvertretend nach dem Bild des Priesters, Lehrer usw. Das
            > passt nicht ganz ins Bild: Also sich selbst /zum/ Ebenbild, Idealbild
            > machen... Dieses Denken prägt die Bildungstheorie in über diverse Epochen
            > und modische Ausprägungen bis heute.
            >
            > "Sich-ein-Bild-machen" ist sehr präsent in der Didaktik, die in der
            > Logik der unten von Rudolf Schmitt angesprochen
            > Erkenntnis(=Sehen)theorie und Erleuchtungs-Aufklärungsvorstellungen voll
            > von Zeige- und Anschauungsmetaphorik ist; hier geht es also vor allem
            > darum /sich ein Bild von der Welt/ zu machen, also pädagogisch von einer
            > "Lesbarkeit der Welt" auszugehen (im Sinne des großen Metaphorologen
            > Blumenberg).
            >
            >
            >
            > Walter Herzog (2002) kritisiert, dass die Pädagogik bis heute voll von
            > Raum-, Blick- und Wegmetaphern ist, die suggerieren, dass Erziehung und
            > Unterricht überschaubare und kontrollierbare Prozesse seien - man sich
            > also jederzeit von dem Schüler, der Klasse, Situation usw. "ein Bild
            > machen". Diese Formen des Denkens und Sprechens über Pädagogik seien
            > deshalb so vorherrschend, weil sie fest in unserer leiblichen und
            > kulturellen Erfahrung verankert sind; wir haben es hier mit
            > Vorstellungsbildern zu tun, die auch viele andere Lebensbereiche
            > erfassen. Er plädiert dafür, dieses Denk-, Sprach- und
            > Handlungsrepertoire zu erweitern und eine Metaphorik zu relativieren,
            > "die der Intuition des Pädagogischen Gewalt antut, indem sie einem in
            > vieler Hinsicht offenen, transaktionalen Geschehen eine einseitige
            > Aktion im geschlossenen Raum macht" (ebd., S. 101). Diese Art und Weise,
            > die pädagogische Wirklichkeit räumlich zu konzeptualisieren, führe zu
            > einer Reihe von Paradoxien. Es gelte deshalb, die drei grundlegenden
            > Dimensionen der Pädagogik - Wissen, Kommunikation und Sozialität -
            > anstatt mittels räumlicher Schemata vor allem in zeitlichen Kategorien
            > zu verstehen, wobei er vor allem konstruktivistische sowie evolutions-
            > und systemtheoretische Begründungswege sucht, um einerseits - eher
            > empirisch - die Komplexität und Unvorhersehbarkeit erzieherischen
            > Handelns zu berücksichtigen und andererseits - eher normativ - , die
            > Dimensionen die Sozialität und gegenseitiger Anerkennung im
            > pädagogischen Verhältnis zu betonen.
            >
            >
            >
            > Bilstein (2003) legt einen "Katalog" von neun einflussreichen Metaphern
            > der Erziehung und den mit diesen verbundenen /Menschbildern/ vor, der
            > das figurative Wissen und den Leitbildcharakter prägender Sprachbilder
            > illustriert: /Kreations-Metaphorik, Invasions-Metaphorik,
            > Formations-Metaphorik, Konstruktions-Metaphoriken,
            > Regulations-Metaphorik, Subsidiativ-Metaphorik /und/
            > Führungs-Metaphorik/. Die neunte Metapher fehlt in der Aufzählung - es
            > ist eben die /Bildungs-Metaphorik/ als "synkretistisches Super-Bild".
            > Die verschiedenen (metaphorischen) Konzepte können dem modernen
            > Erziehungsziel eines vernunftbegabten und selbstbestimmten Individuum
            > kaum gerecht werden. Der Bildungsbegriff - oder die diversen
            > Bildungsbegriffe - können auch als Versuch verstanden werden, die
            > Verkürzungen in metaphorischen Leitbildern und gängigen
            > Erziehungskonzepten und den diesen zugrundeliegenden Menschenbilder zu
            > überwinden, um so etwas wie "eine hochreflexive und hochreflektierte
            > gleichschwebende Aufmerksamkeit" zu erreichen. Hier kreuzen sich dann
            > verschiedene Fach-, Wissenschafts- und Alltagssprachen, politische
            > Interessen, Weltanschauungen usw. So verwundert es nicht, dass in der
            > Bildungstheorie verschiedene der katalogisierten Metaphoriken in die
            > Sprachspiele pädagogischer Wissenschaft und Praxis kommen (Kreation,
            > Formation, Konstruktion u.a.). Nur eine Figur kann nach Bilstein als das
            > Besondere dieses Bildungsbegriffs ausgemacht werden, nämlich die
            > Vorstellung des "Autoplasten", der sich selbst bildet.
            >
            >
            >
            > Für die Konzeptionalisierung von Schule sowie schulischem Lehren und
            > Lernen hat Alexandra Guski (2007) nun eine umfangreiche historische
            > Arbeit vorgelegt, in der sie die Metaphorizität pädagogischen Denkens
            > von Comenius bis heute nachzeichnet. Da taucht das Sich-ein-Bild-machen
            > auch in verschiedenen Zusammenhängen auf. Bei ihr werden repräsentative
            > Texte auf metaphorische Konzepte hin analysiert und in
            > historisch-systematischer Sicht entscheidende Entwicklungen und
            > Veränderungen pädagogischen Denkens herausgearbeitet. Guski kommt zu dem
            > Ergebnis, dass eine Reihe von prägenden metaphorischen Konzepten in
            > verschiedenen Epochen präsent waren (bzw. noch sind) und "ungeachtet
            > aller ideen- und erziehungsgeschichtlicher Gegebenheiten" eine
            > erstaunliche Stabilität in ihren Ausformungen aufweisen (Guski 2007, S.
            > 224f.). Offensichtlich zeige sich hier eine Kontinuität und
            > Gleichförmigkeit pädagogischer Reflexion, die aber auch in der
            > semantischen Polyvalenz bzw. Flexibilität der metaphorischen Konzepte
            > begründet liege. Bei genauerer Analyse lasse sich nämlich nachweisen,
            > dass diese grundlegenden argumentativen Topoi^ trotz zeitgeschichtlicher
            > Wandlungen kaum Veränderungen erfahren hätten, dass sich aber die
            > dahinter liegenden kognitiven Konzepte wandelten und die Metaphern in
            > unterschiedlichen semantischen Kontexten verwendet worden sein. Die
            > metaphorischen Konzepte bildeten also in Form von basalen
            > Vorstellungsbildern ein starkes zeitresistentes Reservoir pädagogischen
            > Denkens, das aber je nach den veränderten historischen (kulturellen,
            > politischen) Bedingungen uminterpretiert und angepasst werde. Trotz
            > solcher Neuausrichtungen und Umdeutungen stelle sich hier die Frage,
            > warum die Metaphern, welche die wissenschaftliche (Schul)Pädagogik
            > produziere - im Gegensatz zu der schulischen Realität und Praxis - so
            > gleich blieben, kurz: warum wir "heute noch ähnliche metaphorische
            > Konzepte für die Benennung schulpädagogischer Phänomene benutzen wie
            > Comenius" (ebd., S. 225). Das liege zunächst daran, dass die Metaphern
            > auf einer sehr allgemeinen bildschematischen Ebene verblieben. Mit der
            > Theorie einer erfahrungsbasierten Konzeptionalisierung von Metaphern
            > erklärt Gusik die Unausweichlichkeit vor einem "Rückgriff auf ein festes
            > Set an raumzeitlichen Übertragungen (...)" (ebd.).
            >
            > Das pädagogische Denken steht zudem in einem engen
            > Traditionszusammenhang, durch den bestimmte Vorstellungsbilder jenseits
            > empirischer Schulrealität in Form über Generationen von Pädagogen
            > weitergegeben würden - wie oben gesehen, häufig Raum und
            > Sicht-Metaphern, die Kontrollierbarkeit suggerieren.
            >
            >
            >
            > Einiges ist vielleicht für das angesprochene Thema interessant, denn
            > wenn es um die Kontrolle und Beherrschung von Komplexität geht, gibt es
            > da sicher Parallelen . Ich könnte mir vorstellen, dass es beim Thema
            > "Erleben von Vielfältigkeit in Verwaltungen..." auch interkulturelle
            > Unterschiede des metaphorischen Verstehens wichtig sind und man sich in
            > Ämtern so seine (Welt)Bilder von bestimmten Problemen, Klienten usw.
            > macht; - da kenne ich mich weniger aus.
            >
            >
            >
            > Interessante metaphorologische Untersuchungen der Erziehungswissenschaft
            > sind jedenfalls:
            >
            > Guski, A. (2007): Metaphern der Pädagogik. Metaphern von schulischem
            > Lernen und Lehren, in pädagogischen Texten von Comenius bis zur
            > Gegenwart. Bern.
            >
            > Bilstein, J. (1996), Zur Metaphorik des Generationenverhältnisses. In:
            > Eckart Liebau, Christoph Wulf (Hrsg.): Generation. Versuche über eine
            > pädagogisch-anthropologische Grundbedingung. Weinheim, S. 157-189.
            >
            > Bilstein, J. (2003): Implizite Anthropologeme in pädagogischer
            > Metaphorik. Vortrag am 28.03.2003 auf der DGfE-Tagung der Sektion
            > Allgemeine Erziehungswissenschaft (Manuskript)
            >
            > Bilstein, J. (2004): Zur Anthropologie und Ontogenese sprachlicher
            > Bilder. In: Mattenklott, G., Rora, C. (Hrsg.) (2004): Ästhetische
            > Erfahrung in der Kindheit. Theoretische Grundlagen und empirische
            > Forschung. Weinheim und München, S. 133-146.
            >
            > Künzli, R./Peyer, A. (1999): Metaphern der Didaktik. In: Zeitschrift für
            > Pädagogik, 45(2), S. 176-194.
            >
            > Meyer-Drawe, K. (1995): Von der Marionette bis zum autopoietischen
            > System. Maschinenbilder in der Pädagogik. 71. Jg. (1995), S. 358-373.
            >
            > Meyer-Drawe, Käte (1999). Zum metaphorischen Gehalt von "Bildung" und
            > "Erziehung". Zeitschrift für Pädagogik, 45(2), 161-175.
            >
            > Oelkers, J. (1991): Metapher und Wirklichkeit. Die Sprache der Pädagogik
            > als Problem. In: Oelkers, J., Wegenast, K. (1991): Das Symbol - Brücke
            > des Verstehens. Stuttgart .
            >
            > Reichenbach, R. (2003). Schwulst und Schmalz. Erziehungsphilosophie als
            > pädagogische Metaphorologie. In: Bauer,W./Lippitz, W./Marotzki, W. et
            > al. (Hrsg.) (2003): Der Mensch des Menschen. Zur biotechnischen
            > Formierung des Humanen. Hohengehren, S. 171- 190.
            >
            > Scheuerl, H. (1959): Über Analogien und Bilder im pädagogischen Denken.
            > In: Zeitschrift für Pädagogik. 1959, S. 211-223.
            >
            >
            >
            >
            >
            > Einige allgemeine Sachen zum Thema pädagogische Metaphern/Bilder von
            > Erziehung, Bildung, Kindheit, Lernen usw.:
            >
            > Kron, Friedrich W. (1996): Sechs Bilder von der Erziehung. In: Ders.:
            > Grundwissen Pädagogik, München, S. 195-206.
            >
            > Honig, M.-S. (1999): Entwurf einer Theorie der Kindheit.
            >
            > Meinberg, E. (1988): Das Menschenbild der modernen
            > Erziehungswissenschaft. Darmstadt.
            >
            > Petrie, H. G. (1993): Metaphor and Learning. In: Ortony, A. (²1993),
            > Metaphor and Thought. Cambridge , London , New York , Melbourne , S.
            > 438-461.
            >
            > Reble, A. (1995): Menschenbild und Pädagogik. In: Ders.: Pädagogische
            > Perspektiven in unserer Zeit. Bad Heilbrunn.
            >
            > Scholz, G. (1994): Die Konstruktion des Kindes. Opladen.
            >
            > Schulze, Th. (1990): Das Bild als Motiv in pädagogischen Diskursen. In:
            > Lenzen, D. (Hrsg.), Erziehungswissenschaft auf dem Weg zur Ästhetik,
            > Darmstadt, S. 97-120.
            >
            > Terhart, E. (1992): Reden über Erziehung. Umgangssprache,
            > Berufssprache, Wissenschaftssprache. In: Neue Sammlung 32 (1992), S.
            > 195-214.
            >
            > Terhart, E. (1999): Sprache der Erziehungswissenschaft. (Einführung) In:
            > Zeitschrift für Pädagogik, 45(2), S. 154-159.
            >
            > Wiedenhöft, S. (2005): Vom Reinziehen, Eintrichtern und Anbohren. Über
            > die Alltagssprache Lernens. (Diplomarbeit, Universität Bremen)
            >
            >
            >
            > ...und - Vorsicht Eigenwerbung - ein Überblicksbeitrag zum Thema:
            >
            > "Ein neues Plädoyer für Metaphern. Forschungsstand und Perspektiven
            > erziehungswissenschaftlicher Metaphernforschung" erscheint demnächst in
            > der Vierteljahresschrift für wiss. Pädagogik.
            >
            >
            >
            > Viele Grüße
            >
            > Peter Gansen
            >
            >
            >
            > ____________
            >
            > Peter Gansen, Dipl.-Päd. * *
            >
            > Justus-Liebig-Universität Gießen
            >
            > Fachbereich 03: Sozial- und Kulturwissenschaften
            >
            > Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften (IfSD)
            >
            > Karl-Glöckner-Straße 21B
            >
            > D-35394 Gießen
            >
            > Philosophikum II, B 220
            >
            > Tel.: +49 641 99-24130
            >
            > Fax: +49 641 99-24189
            >
            > URL: http://www.erziehung.uni-giessen.de/isd/
            >
            >
            >
            >
            >
            >
            >
            > * Von: * Metaphernanalyse@...
            > [mailto:Metaphernanalyse@...] *Im Auftrag von *Rudolf Schmitt
            > *Gesendet:* Donnerstag, 9. Oktober 2008 21:46
            > *An:* Metaphernanalyse@...
            > *Betreff:* Re: [Metaphernanalyse] Metapher "sich ein Bild machen" -
            > Bitte umLiteratur- und Analysehinweise
            >
            >
            >
            > Liebe Frau Münz, liebe Mitlesende,
            >
            > Sie fragen danach, ob die Metapher "sich ein Bild machen" schon
            > weitergehend thematisiert worden ist, da Sie diese als wichtige /
            > zentrale Kategorie im Rahmen des grounded-theory- Ansatzes nutzen wollen.
            >
            > Das Schweigen im Walde dieser Mailingliste zur Metaphernanalyse hängt
            > vermutlich auch damit zusammen, dass diese Metapher zu einer weit
            > verbreiteten Klasse von metaphorischen Konzepten vom Typ
            > "Erkennen=Sehen" gehört, die eigentlich in jeder Untersuchung vorkommen:
            > Visuelle Metaphern sind für alle kognitiven Vorgänge extrem häufig,
            > häufiger als andere metaphorische Konzepte: Erkennen=Berü hren,
            > Erkennen=Hören, Erkennen=(kinaesthe tisches) Fühlen etc. Die Begründung
            > für die Ubiquität visueller Metaphern findet sich in G. Lakoff, M.
            > Johnson 1999, "philosophy in the flesh" S. 48ff im Referat über die
            > (entwicklungspsycho logische) Theorie von C. Johnson der "conflation" ,
            > d.h. des kindlich-lebenswelt lichen Zusammenfallens von Sehen und Wissen,
            > dass etwas da ist.
            >
            > Was bei Lakoff und Johnson nicht thematisiert wird: Es gab in den
            > Kulturwissenschafte n vor ca. 10 Jahren eine Studie, welche die
            > Bevorzugung des visuellen Sinns gegenüber den anderen Sinneseindrücken
            > ab dem 17.-18. Jahrhundert beschrieben hat, ich komme nicht auf den
            > Namen und weiß im Moment nicht, wo zu suchen ist ...
            >
            > In Ralf Konnersmann (Hrsg.) "Wörterbuch der philosophischen Metaphern"
            > ist die Metapher des Bilds in vielen Aufsätzen thematisiert (siehe
            > Metaphernverzeichni s am Ende des Buchs), und die Metapher des Bildens im
            > Aufsatz von Meyer-Drawe und Witte diskutiert, aber es trifft Ihre
            > konkrete Metapher nur am Rande.
            >
            > Ihre Metapher ist nun keine rein visuelle Metapher, der (handwerkliche? )
            > Akt der Produktion des Bildes ist in der Formulierung dabei. Das ist
            > schon spezifischer, und man müsste schauen, ob andere Metaphern
            > ebenfalls dieses Konzept der Herstellung eines Bilds stützen.
            >
            > Aus der Sicht der systematischen Metaphernanalyse wäre ich skeptisch, ob
            > eine einzelne Metapher als Benennung einer Kategorie taugt: Zunächst
            > wäre zu klären, ob diese Metapher genug von anderen Metaphern mit
            > gleichem Quell- und Zellbereich gestützt wird, um auch ein
            > metaphorisches Konzept zu bilden, das für Lakoff und Johnson der
            > wesentliche Träger von Sinngehalten ist. Dann wäre skeptisch anzumerken,
            > dass die Hervorhebung eines metaphorischen Konzepts ohne die Suche nach
            > alternativen, gegensätzlichen metaphorischen Konzepten in der Regel eine
            > Verkürzung der Wahrnehmung des Gegenstands bedeutet. Lassen sich denn in
            > Ihrer Studie nicht auch Kommunalbeamte denken, die "begreifen" oder
            > "verstehen"? - also eine kinaesthetische oder akustische und keine
            > visuelle Metapher nutzen. Diese und andere Möglichkeiten der Verkürzung
            > bei der Interpretation von Metaphern habe ich diskutiert in:
            > Schmitt, Rudolf (2007). Versuch, die Ergebnisse von Metaphernanalysen
            > nicht unzulässig zu generalisieren. Zeitschrift für qualitative
            > Forschung (ehemals: Zeitschrift für qualitative Bildungs-, Beratungs-
            > und Sozialforschung (ZBBS)), 8(1), S. 137 - 156 (den Text kann ich Ihnen
            > gerne zuschicken, vermute aber, es trifft nicht ganz Ihr Problem).
            >
            > Soweit. Vielleicht erinnert sich jemand an diese Studie zur Dominanz des
            > visuellen Sinns ab der "Aufklärung"( !), dem "siecle de lumiere" (!), dem
            > "enlightenment" (!), die mir gerade nicht einfällt ...
            >
            > Mit freundlichem Gruß,
            > rudolf schmitt
            >
            > christin_muenz schrieb:
            >> Liebe Listenteilnehmende,
            >>
            >> ich arbeite an einer Grounded-Theory- Studie zum Erleben von Vielfalt
            >> und Vielfältigkeit in Kommunalverwaltunge n (Wie unterscheiden
            >> Beschäftigte in Kommunalverwaltunge n und wie gehen sie mit diesen
            >> Unterschieden um?).
            >> Zu Beginn meiner Diss vor einiger Zeit haben Sie mir zu meinen
            >> Überlegungen in Bezug auf eine mögliche Integration der Grounded
            >> Theory-Methodologie und Systematischer Metaphernanalyse
            >> weitergeholfen (von der ich dann aus forschungspragmatis chen Gründen
            >> Abstand genommen habe), nun bin ich in der Phase, aus meinem
            >> Material ein Prozessmodell zu generieren und wende mich gerne mit
            >> Fragen zu einer konkreten Metapher an Sie!
            >>
            >> Dabei erscheint mir als eine potentielle Kategorie die
            >> Metapher "sich ein Bild machen" gut geeignet, den Prozess
            >> des "Unterscheidens" und des Interpretierens dieses wahrgenommenen
            >> Ausschnitts von Welt zu benennen und auszuleuchten. Sie scheint mir
            >> in mehrfacher Hinsicht anschlussfähig im Hinblick auf Aspekte des
            >> subjektiven Konstruierens, des Ausschließens von anderen
            >> Möglichkeiten, des Handelns auf der Grundlage der gemachten Bilder
            >> und sicher noch anderer gewinnbringender Perspektiven, die sich mir
            >> hoffentlich in der weiteren Analyse erschließen werden. Ich habe das
            >> Gefühl, hier eine sehr wirkmächtige Metapher für das Differenzieren
            >> und Zusammenknüpfen verschiedener Themenstränge, die ich in der
            >> Auswertung meiner Interviews zeigen möchte, zur Verfügung zu haben.
            >> So finde ich z. B. in diesem Bild auch den Gedanken
            >> des "zweidimensionalen Festlegens des dreidimensionalen Lebens"
            >> (vgl. Heimito von Doderer: Die erleuchteten Fenster oder Die
            >> Menschwerdung des Amtsrates Julius Zihal. 1989).
            >>
            >> Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses metaphorische Konzept (ist
            >> es vielleicht eine Meta-Metapher? ) "sich ein Bild machen" an anderer
            >> Stelle in Wissenschaft und Literatur schon intensiv thematisiert
            >> wurde. Vielleicht kennen Sie solche Arbeiten oder haben Zugriff auf
            >> eigene oder fremde Erfahrungen damit?
            >>
            >> Ich freue mich sehr auf Ihre Anregungen, Hinweise und
            >> Literaturverweise! !
            >>
            >> Herzlichen Dank im voraus und
            >> sonnige Grüße aus dem Nordschwarzwald
            >>
            >> Christin Münz
            >>
            >>
            >>
            >>
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            > Prof. Dr. Rudolf Schmitt
            > Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
            > Fachbereich Sozialwesen
            > Brückenstr. 1, G 1
            > 02826 Görlitz
            >
            > E-Mail: r.schmitt@hs- zigr.de <mailto:r.schmitt%40hs-zigr.de>
            > Homepage: http://www.hs- zigr.de/~ schmitt/
            > <http://www.hs-zigr.de/~schmitt/>
            > Forum: http://de.groups. yahoo.com/ group/Metapherna nalyse/
            > <http://de.groups.yahoo.com/group/Metaphernanalyse/>
            >
            >

            --
            Prof. Dr. Rudolf Schmitt
            Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
            Fachbereich Sozialwesen
            Brückenstr. 1, G 1
            02826 Görlitz

            E-Mail: r.schmitt@...
            Homepage: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/
            Forum: http://de.groups.yahoo.com/group/Metaphernanalyse/


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