Moin allerseits,
anläßlich der letzten Treffen wurde auch über das Thema Fahren in der
Gruppe gesprochen, deswegen gibt's dazu hier einen längeren Artikel:
Gruppenfahren. So zwischen Neun und Zwölf laufen alle am Treffpunkt
ein. Dann geht's los. Nur der Leithammel kennt das Ziel und gibt das
Tempo vor. Der Rest hat keinen Dunst und jagt hinterher...
Gruppenfahren ist eben anspruchsvoller als alleine oder zu zweit
fahren. Oder, wie es auf der Homepage der Rausfahrer steht: "Wenn wir
mal mehr als zwei sind, haben wir eine dynamische Gruppe. Wenn diese
aufgrund ihrer Eigendynamik auseinanderfällt oder in der Gruppe einer
umfällt, spricht man von Gruppendynamik."
Nett gesagt. Nach leidlichen Erfahrungen haben auch andere schon
Anleitungen zum Gruppenfahren veröffentlicht. Einfach mal bei
Google "Gruppenfahren" oder "Fahren in der Gruppe" eingeben und schon
findet man die zahlreiche Seiten.
Die wichtigsten Aussagen und teilweise widersprüchlichen Meinungen
sind hier aufgearbeitet, ein Link auf 'ne Kurzfassung steht unten.
Worauf kommt es beim Fahren in der Gruppe eigentlich an? Zunächst
einmal sollen alle Spaß am Moppedfahren haben.
Wenn die Gruppe jedoch zu viele Teilnehmer hat, wird das Fahren
zähflüssig, Tankstops dauern ewig, Überholen wird gefährlich und an
jeder Kreuzung wird der Verband auseinandergerissen. Ebenso passen
Teilnehmer mit sehr unterschiedlicher Fahrpraxis oder
grundverschiedenen Motorradmodellen auch ums Verrecken nicht
zusammen. In solchen Fällen hilft nur, den Haufen in kleinere Gruppen
aufzuteilen. Übrigens, wer als blutiger Anfänger in Gruppen mitfährt,
überfodert sich und die Nerven seiner Mitfahrer. Denn nur wenige
Mitfahrer werden den Instinkt eines Fahrlehrers haben. Deswegen fährt
man als Novize im ersten Jahr besser alleine oder mit einem
geeigneten Partner. Ähnliches gilt übrigens auch für den
ambitionierten Heizer, der jede Kurve bis an die Grenzen auskosten
will. Auch er überfordert jede Gruppe und fährt besser alleine oder
mit wenigen Exemplaren seinesgleichen.
Aber auch wenn die Chemie im Groben stimmt, gibt es noch diverse
andere Reibungspunkte, von denen viele durch Beachtung der folgenden
Punkte vermieden werden können:
Zunächst mal sollten alle zusehen, vorzeitig und vollgetankt am
vereinbarten Treffpunkt aufzulaufen, ansonsten haben einige Mitfahrer
schonmal 'nen Hals, und möglicherweise gerät die Gruppe mit dem
geplanten Tourenziel noch unter Zeitdruck.
Dann wird erstmal die Route bekannt gemacht, so daß jeder eine Ahnung
von der Wegstrecke und vom Tagesziel hat. Nur falls einer mal
abgehängt wird oder abbrechen muß, und damit er dann problemlos
weiter- oder eben zurückfahren kann.
Vor der Abfahrt werden auch die Tankintervalle in etwa abgestimmt,
logischerweise nach dem Motorrad mit der geringsten Reichweite. Wie
gesagt, damit es ohne Verzögerungen losgehen kann muß der Tank beim
Start voll sein. Und damit unterwegs nicht mehr Zeit als nötig mit
der Zapfsäulensuche und Tankerei verbraten wird, sollten stets alle
auffüllen, die es bis zum nächsten Intervall nicht schaffen würden.
Vor der Abfahrt werden ferner die Fahrerpositionen abgestimmt und
später auch beibehalten.
Die Führungsposition übernimmt ein erfahrener Fahrer, der mit der
Wegstrecke vertraut sein muß und die Route auch sicher fahren kann.
Ihm folgen die Fahrer mit der wenigsten Erfahrung und dem schwächsten
Motorrad, so daß der Vorausfahrer den Fahrstil an diesen Personen
ausrichten kann und niemand in der Gruppe überfordert wird.
Das Schlußlicht übernimmt wiederum ein erfahrener Fahrer, der die
Gruppe zusammenhalten kann und den aufkommenden Verkehr im Blick hat.
Wie gesagt, bei Gruppen mit Teilnehmern in großer Zahl, mit
unterschiedlicher Erfahrung oder verschiedenen Motorradtypen muß der
Haufen eben geteilt werden, nötigenfalls sogar im Verlaufe der Tour.
Die Gruppenzusammensetzung ist eben eine heikle Sache. Einerseits muß
verhindert werden, daß sich Ängstliche nach hinten verkrümeln und
dort in Mithaltestreß geraten. Andererseits darf das Feld auch nicht
in jeder Kurve so zusammengebremst werden, daß Frust ab Position drei
entsteht. Dann nämmlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es Streit
gibt oder die ersten einfach ausbrechen und vorpreschen.
Worauf kommt es beim Fahren in der Gruppe noch an? Klar, die Sache
soll ja auch sicher sein. Dazu muß jeder die häufigsten
Unfallursachen kennen und folgendes zu deren Vermeidung beherzigen:
Beispielsweise wird es immer brenzlig, wenn sich die Gruppe in die
Länge zieht und ungeduldige Autofahrer beim Überholen in den Verband
einscheren, oder wenn der Verband an Kreuzungen oder beim Überholen
getrennt wird und Nachzügler sich zu Aufholaktionen genötigt fühlen.
Beides kann durch eine geschlossene Fahrweise vermieden werden.
Gefahren wird wie im Konvoi-Zick-Zack, also versetzt in zwei Spuren.
Die Abstände werden etwa so bemessen, daß der Hintermann das Gesicht
seines Vordermannes in dessen Spiegel sieht. So bleibt der Troß kurz,
aufkommende Verkehrsteilnehmer können überholen, aber nicht
einscheren, und jeder kann Blickkontakt nach hinten halten.
Stichwort Blickkontakt halten. Damit der Verband auch geschlossen
bleibt und kein Teilnehmer abgehängt wird, immer Blickkontakt zum
Hintermann halten und sofort langsamer fahren oder anhalten, wenn
dieser zurückfällt oder warten muß. Bei Zwischenfällen wird die
Information so in einer Kettenreaktion nach vorne weitergegeben, bis
der Vorausfahrer die Situation erkannt hat und reagieren kann. Das
gilt besonders an Abbiegepunkten und innerhalb von Städten. Wenn
trotzdem jemand außer Sicht gerät, hat meist der Vordermann gepennt.
Zum Kurvenfahren streckt sich der Zug auf eine Spur, so daß jeder
seine Linie ungehindert fahren kann. Vor der Kurve muß deswegen vorne
beschleunigt und hinten Gas weggenommen oder sogar gebremst werden.
Nach der Kurve läuft das umgekehrt, und es wird wieder zweispurig
gefahren. Spätestens jetzt wird klar, warum sich Hasenfüße nicht nach
hinten verkrümeln dürfen. Nach Kurven muß hinten schneller als vorne
gefahren werden, um wieder an die Gruppe aufschließen zu können.
Gehalten und losgefahren wird wiederum nebeneinader, so daß
Kreuzungen mit Ampeln oder mit starkem Verkehr möglichst geschlossen
passiert werden können.
Anzumerken ist, daß das versetzte Fahren in einige europäischen
Ländern verboten ist und mit einem Bußgeld geahndet wird,
beispielsweise in Österreich. (Quelle: ADAC 10/97. Danke nochmal an
Martin für seine Hinweise dazu.)
Zu Thema Sicherheit: Leider kommt es tatsächlich immer wieder vor,
daß Motorradfahrer beim unkontrollierten Überholen oder Wenden in der
Gruppe kollidieren. Deswegen gilt beim Fahren in der Gruppe ein
absolutes Überholverbot untereinander. Deswegen werden Positionen
unbedingt beibehalten und dürfen auch nach dem Halten oder nach
Pausen nur in Abstimmung mit dem Rest der Gruppe, vor allem dem
Vorausfahrer, getauscht werden. Deswegen gilt bei Zwischenfällen, daß
nur der Vorausfahrer wenden und zur Klärung der Situation zurückfährt.
Ferner werden andere Fahrzeuge werden nur dann überholt, wenn
nachfolgende Mitfahrer oder idealerweise der Rest der Gruppe sicher
folgen können. Auf Autobahnen ist es sinnvoll, daß der Verband
geschlossen ausschert und überholt.
Natürlich muß der Vorausfahrer an Pausen denken, bevor die ersten
wegen Müdigkeit, Nikotinentzug oder Spritmangel umfallen. Pausen sind
Gelegenheiten zur Erholung und zu erneuter Absprache. Natürlich
meldet man sich als Mitfahrer beizeiten und wartet nicht, bis die
Finger abfrieren, der Kragen platzt oder der Tank fast leer ist.
Absonsten gilt für alle Teilnehmer:
-- Jeder ist für sich selbst verantwortlich und fährt ohne jegliche
Ansprüche an andere Mitfahrer oder den Vorausfahrer.
-- Sich nicht mitziehen lassen. Das gilt besonders an Kreuzungen,
beim Überholen und was das Tempo angeht.
-- Position beibehalten und innerhalb der Gruppe nicht gegenseitig
überholen. Schnell kann es hierbei zu Mißverständnissen und
Folgeunfällen kommen.
-- Anliegen schnell zur Sprache bringen, entweder bei der nächsten
Pause oder nötigenfalls durch sofortiges Anhalten.
Am Ende nochmal ein paar Gedanken zur besonderen Rolle für den Fahrer
in der Führungsposition, wenn jemand mal in die Verlegenheit kommt:
Klar ist, daß man die Höchst- oder Richtgeschwindigkeit einhält.
Eigentlich muß man neben dem Verkehr auch stets die ganze Gruppe bis
zum Schlußlicht im Auge haben.
Richtungswechsel und Abbiegevorgänge sollte man als Vorausfahrer
besonders früh durch blinken kenntlich machen.
Nach Kurven, Kreuzungen und Überholvorgängen bewußt langsamer fahren
und aufschließen lassen.
Vor Sahnestücken wie besonders kurvenreichen Strecken halten
erfahrene Vorausfahrer nochmal, und lassen Heizer und Schnellfahrer
bis zum nächsten Treffpunkt auch mal vorneweg ;-)
Tankstops und Pausen nicht vergessen!
Und noch ein paar Worte zum Schlußlicht:
Das Schlußlicht muß die Gruppe zusammenhalten und den nachfolgenden
Verkehr im Auge behalten. Sofern erforderlich kommuniziert der
Schlußfahrer mit dem nachfolgenden Verkehr oder dem Vorausfahrer.
Das war's. Und zum Nachlesen vor der nächsten Tour gibt's natürlich
auch eine geeignete Kurzfassung der Leitsätze ohne Begründungen:
http://www.stars-and-wings.de/gruppenfahren.htm
Wer noch nie in der Gruppe gefahren ist sollte sich nicht wundern,
daß diese Dinge bei routinierten Fahrgemeinschaften einfach
stillschweigend vorausgesetzt werden.
Mir selbst haben unsere gemeinsamen Fahrten der letzen zwei Jahre
viel Spaß gemacht. Wem das alles zuviel ist, der fährt als lonely
rider alleine oder zu zweit sicher zufriedener.
In diesem Sinne harren wir nun der ersten Sonnenstrahlen ;-)
Grüße
Andreas