Artikel - Medienarchiv Augsburger Allgemeine - 1.4.2008, S. 10
Mit Goethe und neuem Schwung Wechsel an der Spitze Präsident Lehmann
blickt vor allem nach Afrika, Indien und China
Die Stimme der deutschen Kultur hat eine neue Führung: Klaus-Dieter
Lehmann hat am Montag in München die Präsidentschaft des Goethe-
Instituts von Jutta Limbach übernommen. Der bisherige Goethe-
Vizepräsident (seit 2002) stellte bei der Amtsübergabe im Beisein von
Außenminister Frank-Walter Steinmeier die politische Bedeutung der
geistigen Werte heraus: Mehr denn je werden Kultur und Bildung in der
internationalen Zusammenarbeit entscheidend sein.
Lehmann war im September einstimmig zum Nachfolger Limbachs, der
früheren Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, ernannt worden.
Das Goethe-Institut hat vor allem drei Aufgaben: kulturelle
Programme, Spracharbeit, Information.
Lesesaal in Pjöngjang, Wiedereröffnung in Kabul
In Limbachs Amtszeit fielen wichtige Neugründungen, darunter ein
deutscher Lesesaal im nordkoreanischen Pjöngjang und die
Wiedereröffnung des Goethe-Instituts im afghanischen Kabul. Lehmann
äußert sich nachfolgend über das künftige Engagement des Goethe-
Instituts.
Ist die deutsche Kulturszene im Ausland ausreichend vertreten oder
sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?
Lehmann: Es gibt eine hohe Erwartung an die Kultur aus Deutschland.
Der Sparkurs hat jedoch behindert. Wir haben jetzt durch eine
Restrukturierung des Goethe-Instituts und eine deutliche
Budgeterhöhung wieder eine neue Beweglichkeit gewonnen. Es wird ein
Schwerpunktprogramm für den vergessenen Kontinent Afrika geben, das
auch drei Neugründungen einschließt, es wird ein stärkeres Engagement
in Indien und China geben, und auch Russland sollte in seinem
sibirischen Teil mehr Unterstützung erhalten.
Was haben Sie sich für Ihr neues Amt konkret vorgenommen?
Lehmann: Sprach- und Programmarbeit sollten nicht getrennt als
Pflicht und Kür gesehen werden. Die deutsche Sprache ist nicht nur
Werkzeug, sondern Kulturträger. Deshalb sollte die Vermittlung auch
Kulturaspekte und Landeskunde vermitteln.
Ist der Sparkurs des Goethe-Instituts jetzt beendet?
Lehmann: Bereits 2007 genehmigte der Bundestag zusätzlich 13,5
Millionen Euro. 2008 beträgt die Budgeterhöhung rund 30 Millionen
Euro, davon 20 Millionen Euro für das Sonderprogramm
Partnerschulinitiative und 6 Millionen Euro für Afrika. Der
Gesamtetat des Goethe-Instituts beträgt 285 Millionen Euro. An
eigenen Einnahmen steuert das Institut 85 Millionen Euro bei. Das
Goethe-Institut wird aber auch 2009 noch eine strukturelle Erhöhung
benötigen. (dpa, ddp)