Artikel - Medienarchiv Augsburger Allgemeine
Datum: 09.01.2008
Seite: 5
Kofferkuli
Wer heute in einem Flughafen oder einer Bahnhofshalle sieht, wie
elegant und leichtgängig die Reisenden mit ihrem Gepäck hantieren,
der fragt sich unwillkürlich: Wie lange wird es Kofferkulis
eigentlich noch geben? Wer braucht denn noch Kofferkulis?
Jene Transportkarren, die aussehen wie ein Zwitter aus den
Einkaufswagen von Supermarkt und Baumarkt, könnten ihre große Zeit
hinter sich haben. Es war die Zeit, als die Menschen noch mit
klobigen Reisetaschen und mächtigen Koffern gereist sind, die keine
Räder hatten. Es waren Koffer, die man lebenslang nutzte und die man
in der Hand neben sich trug. Koffer, von deren Geschleppe man schief
wurde, weil sie nicht rollten. Koffer, die man mit einem Ächzen der
Erleichterung auf den Kofferkuli hievte.
Heute reisen die Leute mit Trolleys. Das sind Koffer, die Koffer+
Kuli in einem sind. Sie haben leise singende Räder, man zieht sie wie
ein Hündchen an der Leine hinter sich her. Das sieht leicht aus. Man
schwitzt nicht und geht kerzengerade, solange keine Treppe kommt. Der
Siegeszug der Rollenkoffer kam binnen eines Jahrzehnts. Auf der
Zuggabel von modernen größeren Rollenkoffern stehen jetzt oft noch
kleinere Rollenkoffer - eine Art Kofferkuli-in-Kofferkuli-System.
Kofferkuli ist ein schönes Wort. So wie Wildwechsel oder
Stiefelspitze. Wenn die Karren verschwunden sind, werden wir das Wort
einfach trennen und beide Teile behalten. Den Koffer (mit Rollen) und
den Kuli (mit Mine).