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Artikel - Medienarchiv Augsburger Allgemeine
Datum: 16.01.2008
Seite: 13

Die Herdprämie schlägt sie alle
Sprache
Das Unwort des Jahres erhitzte vor allem die Gemüter der CSU


Von Josef Karg

Frankfurt a. M./Augsburg Das nennt man eine echte Raketenkarriere im
Vokabular der Deutschen. Die Herdprämie wurde gestern zum schlimmsten
sprachlichen Missgriff 2007, also zum Unwort des Jahres, gekürt.
Miteinbezogen sind auch so gemeine Varianten wie Aufzuchtprämie,
Gluckengehalt oder Schnapsgeld.

Interessant: Erst im Dezember erreichte die von Unions-Kritikern in
Umlauf gebrachte Wortschöpfung des Betreuungsgeldes für daheim
erziehende Eltern bei der Suche nach dem Wort des Jahres hinter der
Klimakatastrophe den zweiten Platz.

Die von der CSU geforderte Zahlung sollen Eltern Ein- bis
Dreijähriger erhalten, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Kein
Wunder, dass die Christsozialen vor der Wahl der Herdprämie schon
regelrecht kochten: Deren Kür sei eine traurige Bestätigung des
Diffamierungsziels dieses Begriffes gegenüber Eltern und vor allem
Frauen, die sich für eine Kindererziehung zu Hause aussprechen. So
grummelte der familienpolitische Sprecher der Unions-
Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer, und forderte
unmissverständlich: Der Begriff Herdprämie muss ab sofort in den
Sprachmülleimer wandern und auch dort für immer bleiben.

Das Thema Klima mischte beim Unwort des Jahres ebenfalls wieder groß
mit. Klimaneutral landete auf Rang zwei. Damit kritisierte die
sechsköpfige Jury um den Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst
Dieter Schlosser den Versuch, für eine Ausweitung des Flugverkehrs
oder eine Steigerung anderer kohlendioxidhaltiger Techniken zu
werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese
Klimabelastungen ,neutralisiert` werden sollen.

Auf den dritten Platz wählten die Sprachwissenschaftler übrigens das
Wort entartet. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte es über 60
Jahre nach dem Ende Nazi-Deutschlands wieder in die Welt gesetzt,
indem er sagte: Kunst und Kultur entartet, wenn sie ihre religiöse
Bindung verliert. Der von seinem Augsburger Kollegen Walter Mixa
verwendete umstrittene Begriff Frauen zu Gebärmaschinen degradieren
taucht nicht auf den vorderen Plätzen auf.

Die Sprachexperten hatten die Begriffe aus knapp 1800 Einsendungen
ausgewählt. Viele Vorschläge bezogen sich auf die Diskussion über
Sicherheitspolitik, wie Präventionsstaat, Vorratsdatenspeicherung
oder die Aussage von Justizministerin Zypries, die das neue Gesetz
zur Überwachung der Telekommunikation als so grundrechtschonend wie
möglich bezeichnet hatte.






Mit 16. Jan 2008 15:36

ursulakm
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Ursula Kuehl de Mones
ursulakm
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16. Jan 2008
15:36
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