Augsburger Allgemeine
Datum: 31.07.2007
Seite: 3
Sprachpannen
Von Tapferen Kartoffeln, Hühner-Hügeln und geschüttelten Meeren. Ein
höchst amüsantes Büchlein zur Urlaubszeit
von Doris Maier
Kommen wir direkt zur Sache: Wir möchten eindringlich warnen vor dem
Restaurant Los Cabales in Madrid. Denn hier lässt der Koch allen
Ernstes Lende von Spazierstock, Würste der Hölle oder Rasierapparat-
Rohbauten auf die Karte setzen. Da ist man noch am besten bedient mit
den Tapferen Kartoffeln, bevor Geheilter Manchego oder
Sattelschlepper drohen. Ihnen ist der Appetit vergangen? Das kann man
angesichts dieser ausgefallenen Spezialitäten durchaus verstehen.
Aber vielleicht ist auch dem Koch nicht ganz klar, warum denn niemand
die frische Spazierstocklende bestellt.
Speisekarten als weites Feld für Sprachunfälle
Nein, die Rechtschreibreform ist ausnahmsweise mal nicht schuld, aber
wohl das eine oder andere Übersetzungsprogramm oder der gute Bekannte
eines guten Bekannten in Seoul, Madrid oder Rimini, der gar nicht so
fließend deutsch spricht, wie er vielleicht zunächst vorgab. Auch das
ist eine Folge von Globalisierung und Massentourismus: Wer etwas auf
sich hält, informiert seine Gäste mehrsprachig - nicht immer korrekt,
nicht immer sinnvoll.
Zahlreiche schöne Beispiele hat der Langenscheidt-Verlag gesammelt
und als kleines, amüsantes Büchlein zur Urlaubszeit herausgebracht.
Sprachpannen aus aller Welt findet man darin und bezeichnenderweise
heißt es Übelsetzungen. Es zeigt: Gerade der gewissenhafte Versuch,
Wort für Wort oder gar Silbe für Silbe zu übersetzen, ist keine
Garantie dafür, dass es mit der Völkerverständigung klappt.
Und etwas höchst Tröstliches stellt man beim Blättern schnell fest:
Das Urlaubsziel ist ebenso gut beschildert wie der deutsche
Verkehrsraum - nur etwas unterhaltsamer. Etwa wenn der Strandbesitzer
fordert: Bitte lassen Sie den Liegestuhl unangetastet!
Die Commune Calcatoggio warnt: Durch geschütteltes Meer nicht
überwachtes gefährliches Baden. Der italienische Badeort Caorle will
Urlauber vor Autodieben schützen: Lassen Sie keine Wertsachen im
Auto! Schieben Sie Ihr Fahrzeug ab! Aber wohin denn nur? Nach Polen
vielleicht?
Da fühlt man sich doch in der Gardasee-Gegend sicherer, wo sich
Urlauber nicht vor herabstürzendem Geröll fürchten müssen. Die
Behörde von Campo hat vorgesorgt - mit einem Schild natürlich:
Achtung! Durchgang verboten für Steinschlag. Na also, geht doch,
Bürokratie kann auch sinnvoll sein.
Hier Schilda, da die Speisekarten, die selbstredend ein weites Feld
für Sprachunfälle sind. Irgendwie tragisch ist, dass Kartoffelknochen
Tomaten ...Oder... das durchaus feine Gericht Gnocchi di Patate al
Pomodoro sein sollen. Auch nicht appetitanregender: der Hühner-Hügel,
der in Nerja in Spanien feilgeboten wird.
Gar nicht ausmalen möchten wir uns die Folgen von Morgenlatte zum
kleinen Preis ab 7.30, die der Rosengrill (gepflegt speisen) in
Emmerich anbietet. Oder steht Ihnen der Sinn doch mehr nach
KunstiErwürgt Salat? Hierbei handelt es sich übrigens um die
bewundernswert mühevolle Übersetzung von Artischockensalat. Art-i-
Schocken-Salat! Ach, dann doch lieber Tordelli hansgemacht. Hans? Wer
ist Hans?
Fußball-Ventilatoren der Welt sind in Liverpool willkommen
Vielleicht ist Hans ein Freund des Ballsports. Dann ist er im Pub The
Albert in Liverpool ein gern gesehener Gast. Denn dort sind Fußball-
Ventilatoren der Welt willkommen. Das hat nichts damit zu tun, dass
in den meisten englischen Pubs, auch nach dem Rauchverbot, die Luft
zum Schneiden ist. Es liegt vielmehr daran, dass im Englischen das
Wort Fan direkt übersetzt nicht nur Anhänger, sondern auch Windmacher
heißt.
Rezension von:
Übelsetzungen, Sprachpannen aus aller Welt, Langenscheidt, 127 S.,
9,95 ¤