Die Erkenntnis, dass die optimalen Drehzahlen beim radfahren von der
Steigung abhängen, hat sich inzwischen einigermassen durchgesetzt.
Je steiler die Strasse, desto mehr Druck muss auf die Pedalen gegeben
werden und desto mehr nimmt die kinetische Energie des Systems ab.
Daher gilt:
Je steiler die Strasse, desto tiefer ist die optimale Drehzahl.
Diese Behauptung wurde belegt, indem die Drehzahlen von verschiedenen
Radprofis, bei verschiedenen Bergankünften und bei verschieden
Steigungsgraden gezählt wurden.
Beispiele:
1. Lance Armstrong
Der Radprofi mit den höchsten Drehzahlen
Steigung: Bourg d'Oisan - Alpe d'Huez
Tour de France 2001
Mittel 7,8% Steigung, max. 14%
Mittlere Geschwindikeit: 22,4 km/h = 6,21 m/s
Mittlere Drehzahl: etwa 90 U/min
Mittlere Uebersetzung: etwa 4,2 m/U oder 39x19
Armstrong fuhr mit den folgenden Drehzahlen:
Ebene: etwa 110 U/min
4% Steigung: etwa 100 U/min
8% Steigung: etwa 90 U/min
12% Steigung: etwa 80 U/min
2. Roberto Heras,
Beispiel mit relativ tiefen Drehzahlen
Steigung: Canga de Onis - Lagos de Covadonga
Vuelta d'Espagna 2000
Mittel 7,5% Steigung, max. 17%
Mittlere Geschwindigkeit: 21,7 km/h = 6,03 m/s
Mittlere Drehzahl: etwa 72 U/min
Mittlere Uebersetzung: etwa 5,0 m/U oder 39x16
Im steilsten Teilstück, "La Huesera" nach 11 km;
1 km mit 12,5% Steigung, max. bis 17%,
soll Heras vorwiegend 39x25 (3,3 m/U) gebraucht haben.
Heras fuhr mit den folgenden Drehzahlen:
Ebene: etwa 90 U/min
4% Steigung: etwa 78 U/min
8% Steigung: etwa 72 U/min
12% Steigung: etwa 66 U/min
Noch tiefere Drehzahlen als Roberto Heras fuhr Bjarne Riis 1996 in
der Tour de France Bergankunft von Ayros nach Hautacam. Bei 8%
Steigung (Durchschnitt der Steigung) fuhr Riis mit der Uebersetzung
53x19 (5,8 m/U) mit 65 U/min hoch. Riis erzielte damals einen
Streckenrekord, der bis heute ungeschlagen ist.
(Mittlere Geschwindigkeit: 22,5 km/h = 6,25 m/s).
Im Jahr 2000 gewann Lance Armstrong in Hautacam. Er fuhr mit relativ
kleinen Gängen: 39x19-25 und einer mittleren Drehzahl von
mindestens 90 U/min. Er erreichte eine mittlere Geschwindigkeit von
"nur" 21,1 km/h oder 5,86 m/s. Armstrong war somit im Jahr 2000 um
etwa 6-7% langsamer, als Riis im 1996.
Freundliche Grüsse
Manfred Nüscheler
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