Auszüge aus dem "Corriere della Sera" vom 16.04.2005
Bericht (S. 16):
"Das Tabu fällt, Film von Van Gogh im Fernsehen - TelePordenone bricht die Zensur des Produzenten. Und das Publikum ist gespalten.
PORDENONE [Friaul] . . . 'Europa steht im Schach', wiederholt Gigi di Meo . . . , Direktor von TelePordenone, während er . . . das Programm moderiert, das dem Kurzfilm von Theo van Gogh gewidmet ist.
Mit ihm im Studio sind der Abgeordnete der Lega Nord, Eduard Ballaman . . . ('Den Film nicht zu zeigen, hätte bedeutet, dem Terrorismus gegenüber nachzugeben'), Bruno Ambrosio, Präsident der Pim Fortuyn gewidmeten Stiftung, und der Journalist Fausto Biloslavo.
Der Film, vom Produzenten selbst 'zensiert' und in mutiger Weise von einem Provinzfernsehsender nach Italien gebracht, läuft noch nicht, und schon geht das erste Telefonat ein. Es ist eine in Triest lebende holländische Dame. Sie greift an und beschwert sich über den Zuschnitt der Sendung, der, so behauptet sie, darauf abziele, den Islam zu 'dämonisieren'. 'Sie vergessen', behauptet sie, 'dass die anti-moslemische Kampagne in Holland nach dem 11. September glühend geworden ist'. . . . Di Meo geht zum Gegenangriff über.
Eine weitere Zuschauerin ruft an, um der anderen scharf zu widersprechen, und es steht 1:1. Ein gewisser Herr schreit: 'Mohammed ist ein Schwindler'. Und ein anderer: 'Man muss das gesamte islamische Recht kennen'. Eine Frauenstimme: 'Unsere Migranten haben in der Vergangenheit Kultur mitgebracht, die Mohammedaner bringen Barbarei und Unzivilisiertheit mit'. (Außerhalb der Sendung melden sich mit unwiederholbaren Worten einige wegen des Films und der Sendung indignierte Maghrebiner telefonisch.)"
Kommentar von Maurizio Porro (S. 1 und S. 16):
"Es handelt sich um den Kurzfilm, der allen Festivals Angst gemacht hat und der die Drehbuchschreiberin Hirsi Ali, die Montag an der [Fernsehsendung] 'Otto e mezzo' teilnehmen wird, noch heute zwingt, versteckt zu leben. Der Regisseur . . . polemisiert vor allem auf Grund der Lage der Frau gegen die islamische Welt. Wahrscheinlich brach auch Pietro Germi, als er 'Scheidung auf Italienisch' ['Divorzio all'italiana'] machte, mit vielen Tabus, aber er hatte die Freiheit, es zu tun, und wurde nicht gesteinigt. . . . 'Submission', von dem eine Kopie aus Holland gekommen ist, wo es ihn auf DVD gibt, wird auf jeden Fall eine kuriose Reihe von Voraufführungen in Italien erleben: Der Lega-Abgeordnete Eduard Ballaman wird ihn Montag in die Abgeordnetenkammer, Dienstag in den Senat und Mittwoch ins Europaparlament mitnehmen, will den Film aber auch in Norditalien zeigen lassen, obwohl das Diktat des Produzenten, der vor allem Zwischenfälle vermeiden will, sein Gewicht haben wird.
Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass Van Gogh weder verletzen noch beleidigen, sondern auf die Sache aufmerksam machen wollte. 'Ich habe den Regisseur vor Jahren kennengelernt', sagt Felice Laudadio, 'als er beim von mir geleiteten Festival zu Gast war, und er erschien mir nicht als ein ideologischer Extremist, sondern nur als ein Regisseur, der der gesellschaftlichen Situation seines Hollands gegenüber aufmerksam und polemisch eingestellt war'."
Übersetzung (und freundliche Grüße von): Ralph Raschen (www.bendetto.com/pocodaridere)