Hallo,
ich habe heute mal das umstrittene Dokument des ZdK gesucht. Falls es
jemand nachlesen möchte:
http://www.zdk.de/data/erklaerungen/pdf/Nein_zur_Judenmission_2009_03_09_(Brosch\
uere)_1238657494.pdf
Seite 23-24 stehen einige äusserst bekannte Theologinnen und Theologen,
die daran mitgewirkt haben.
Der umstrittene Kernsatz ist wohl Seite 21 zu finden:
"Weil Gottes Bund Israel bereits das Heil erschlossen hat, braucht
die Kirche nicht um das Heil Israels besorgt zu sein, die Juden nicht
zum christlichen Glauben zu bekehren und sie nicht um ihres Hei -
les willen zur Taufe zu veranlassen."
Da muss ich eingestehen, dass P=>{A,B,C} jeweils sehr verschiedene Paar
Schuhe sind und hier etwas sehr forsch verknüpft sind.
Vorher wurde differenziert (Seite 8):
"Er [=Der Gesprächskreis Juden und Christen] ist sich dabei bewusst,
dass der Verzicht auf die Judenmission
sehr wohl zu lässt, ja fordert, dass Christen vor Juden und Juden
vor Christen von ihrem Glauben Zeugnis geben."
Die Auseinandersetzungen liegen wohl auch auf sprachlichen Ebenen (enger
Missionsbegriff bei den einen mit Assoziationen bis hin zur Zwangstaufe
versus Missionsbegriff als umfassenden Begriff für Zeugnis bei den
anderen). In der Stellungnahme von Erzischof Zollitsch
http://www.dbk.de/aktuell/meldungen/01909/index.html
kommt zudem zum Ausdruck, dass es neben der von den Bischöfen monierten
mangelnden christologischen Tiefe auch um ein Autoritätsproblem geht,
wem solche Lehräusserungen zustehen.
Im Alltag treibt das die Menschen hier nicht sonderlich um, aber
theologisch steckt da natürlich Sprengstoff drin, wenn die verschiedenen
Segmente der Theologie und der Kirche hier keine gemeinsame sprachliche
Linie finden und sich das in einem Land dann in einer solchen
Auseinandersetzung zuspitzt. Wenn die Vorreiter des jüdisch-christlichen
Dialoges ihre Anliegen nicht mit traditioneller Dogmatik so vermitteln,
dass die Aussagen in einem gemeinsamen Sprachspiel vereinbart werden
können, ist das nicht zukunftsfähig (umgekehrt gilt das erst recht, weil
die Wirkungsgeschichte der christlichen Dogmatik hier ihre Defizienz zur
Genüge erwiesen hat).
Man kann als kleiner Christ auf der Straße nur hoffen, dass die
momentanen Autoritätsprobleme auf den verschiedenen Ebenen zwischen
Deutscher Bischofskonferenz und Zentralrat der deutschen Katholiken
nicht die Sachfragen belasten.
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Eine intensive Lektüre der Dokumente von ZdK und Bischof Müller in
Zuordnung zu anderen bekannten Dokumenten der christlichen Reflexion auf
die Beziehung zum Judentum (Evangelische Kirche des Rheinlandes etc.)
würde mich persönlich interessieren.
Herzlichen Gruß,
Franz Böhmisch