Muss euch leider einigermassen aus dem blauen
Himmel auffordern, UNBEDINGT die Aufnahme zu hören, in
der Will Quadflieg den "Werther" liest. (Ascolta 1984
oder 1986, und es ist absolut theoretisch & egal, dass
er schon 70 ist!)<br>Leute, da geht man drauf!
Muss euch leider einigermassen aus dem blauen
Himmel auffordern, UNBEDINGT die Aufnahme zu hören, in
der Will Quadflieg den "Werther" liest. (Ascolta 1984
oder 1986, und es ist absolut theoretisch & egal, dass
er schon 70 ist!)<br>Leute, da geht man drauf!
Auch geschah es wohl zuweilen, dass er
[Nicolai]Windmühlen für Riesen ansah und dagegen focht. Noch
schlimmer aber bekam es ihm, wenn er manchmal wirkliche
Riesen für blosse Windmühlen ansah, z.B. einen Wolfgang
Goethe. Er schrieb eine Satire gegen dessen „Werther“,
worin er alle Intentionen des Autors aufs plumpste
verkannte. Indessen in der Hauptsache hatte er immer recht;
wenn er auch nicht begriff, was Goethe mit seinem
„Werther“ eigentlich sagen wollte, so begriff er doch ganz
gut dessen Wirkung, die weichliche Schwärmerei, die
unfruchtbare Sentimentalität, die durch diesen Roman aufkam
und mit jeder vernünftigen Gesinnung, die uns not
tat, in feindlichem Widerspruch war. Hier stimmte
Nicolai ganz überein mit Lessing, der an einen Freund
folgendes Urteil über „Werther“ schrieb:<br>[Fortsetzung im
Lessing-Club]<br>Aus: Zur Geschichte der Relgion und Philosophie in
Deutschland
Danke, jetzt kann ich Nicolai endlich verstehen,
ich dachte, der mache nur eine Parodie auf den
Werther, da entweder zuviel Zeit oder zuviel Geist
hatte...<br>Zum Glück, dass es damals noch kein Internet gab,
sonst hätte Goethe nur dort die Leute angepöbelt und
kein Werk fertiggestellt. ;-)
Na ja, der Umgangston war vor 250 Jahren nicht so
gepflegt wie heute. Er glich wohl sehr stark dem, was
heute im Internet gang und gäbe ist. Es gibt nichts
Neues unter der Sonne ;-)<br>Nicolai als Aufklärer sah
in Goethe - zurecht - genau das wieder auftauchen,
wogegen er sein Leben lang gekämpft hatte: ein völlig
irrationales Verhalten. Als einziger Aufklärer sah wohl
Lessing, was hier mit Goethe wirklich auf die Welt zukam.
Nicolai auf Werthers Grabe, 1775<br>Freuden des
jungen Werthers<br><br>Ein junger Mensch, ich weiß nicht
wie,<br>Starb einst an der Hypochondrie<br>Und ward denn auch
begraben.<br>Da kam ein schöner Geist herbei,<br>Der hatte seinen
Stuhlgang frei,<br>Wie's denn so Leute haben.<br>Der setzt'
notdürftig sich aufs Grab<br>Und legte da sein Häuflein
ab,<br>Beschaute freundlich seinen Dreck,<br>Ging wohl eratmet
wieder weg<br>Und sprach zu sich bedächtiglich:<br>»Der
gute Mensch, wie hat er sich verdorben!<br>Hätt er
geschissen so wie ich,<br>Er wäre nicht gestorben!«
Könnte es sein, dass sich beide ihrer Schwäche
bewusst waren, die über kurz oder lang zu ihrem
moralischen Verfall führen würde?<br>So konnte Werther z.B.
dem inneren Drang nicht widerstehen, und musste trotz
des Verbotes Lotte am Ende doch noch besuchen. Nähme
er sich nicht das Leben, würde die schon gespannte
Situation gewiss noch weiter eskalieren.<br>Wie's mit
Emilia und dem Prinzen steht, weiß ich nicht so recht.
Aber auch da will sie sich damit vor der potentiellen
Schande ihrer wahrscheinlichen nächsten Taten befreien,
indem diese durch den "Selbstmord" (bringt ihr Vater
sie nicht um?) das Eintreten jener unmöglich
macht.<br><br>Allerdings müsste man eigentlich den Werther noch einmal auf
genau das achtend durchlesen. Vielleicht reichte auch
seine Diskussion mit Albert über den Suizid allgemein
("Paradox! Paradox!"), wo dieser Gedanke schon vorgegriffen
wird. Und natürlich die letzten zig Seiten, die das
Thema ganz behandeln.<br><br><br>Warum kostet
eigentlich Emilia Galotti von Reclam 4,- DM, Leisewitzs
"Julius von Tarent" bei etwa gleicher Dicke 8,- DM ? -
Will anscheinend keiner Lesen, daher Auflage 3 Stück.
Aber warum nicht? Immerhin hat's S*** (darf hier wohl
nicht erwähnt werden) auch gelesen und vieles daraus in
den R*** übernommen (Etwa K***s Beschreibung im 1.
Akt).
hoerte mal so was: in beiden faellen ist
selbsttmord der einzige weg, die moralische integritaet zu
wahren. verstehe aber den sinn dieses weisen ausspruchs
nicht wirklich. vielleicht kannst du ihn
entschluesseln. vielleicht waere es zu unbuergerlich, ehe zu
brechen. obwohl es fragwueerdig ist, ob das werther
befriedigen wuerde. er muss ja einfach leiden, oder
nciht....?<br><br><br>(sorry, jugicomputor in schottland hat keine anstaendige
tastatur!!!!)
Ein aufgeschlagenes Exemplar von Lessings "Emilia
Galotti" liegt auf Werthers Pult, als er sich erschiesst.
Was soll das bedeuten?<br>Emilia Galotti tötet sich,
um die Ehre zu retten: die ihre, die ihres Vaters
und die ihres Ent- und Verführers, den sie nämlich
unterdessen liebt. Warum aber bringt sich Werther um?
HI! - Ist ein Gymnasiallehrer für Deutsch ein
"professioneller Literaturwissenschafter"? (Auch wenn's eine Frau
ist...) Viele wären es wohl gerne, zum Leidwesen der
Kids. <br>Die Vorstellung, Literatur könne man nur
verstehen mit dem Seziermesser in der Hand, ist genauso
falsch wie die andere, der Dichter schaffe aus dem
Unbewussten und sei von jeder Art von theoretischem Denken
oder Recherchen zum Thema unbeleckt. Ich fürchte,
letzteres verdanken wir unserem Freund Schiller, der in
seiner naiven und sentimentalischen Dichtung Goethe als
eine Art Naturtalent beschrieben hat, das keine
Reflexion einsetzt. Oder so ähnlich - ich habe den Text
jetzt nicht zur Hand.<br>Goethe, Schiller, Lessing -
sie alle haben viel weniger über Rechtschreibung
nachgedacht und viel mehr darüber, wie und warum sie auf
dieser Welt rumturnen. Und das macht sie, glaube ich
zeitlos.
Hallo,<br>bin gerade eurem Club beigetreten und
möchte erstmal ein großes Kompliment loswerden: Scöne,
daß es im großen, großen Internet neben streng
germanistischen Goethe-Sites auch noch so etwas wie diese
"Begeisterten-Gemeinschaft" gibt. Recht jugendlcihe Begeisterte noch dazu,
gilt JWG doch vielfach als Altherren-Autor.<br>Zu den
Themen der letzten Mails (Interpretation und Bücher, die
einen erschlagen): Als professioneller
Literaturwissenschaftler, für den Interpretation ja das tägliche Brot ist,
vergisst man immer wieder leicht, daß Literatur ja nicht
für die Wissenschaft, sondern für das "allgemeine
Publikum" geschrieben wird. Daß man wunder welch
tiefsinnige Analysen braucht, um einen klassischen Text zu
verstehen, ist Quatsch, aber ein bißchen background und
Methodik kann den Genuß von Literatur auch steigern.
Schlimm wird es nur dann, wenn - wie oft in der Schule -
der Eindruck entsteht, der Text sei eine Art
Geheimschrift, die man mit Interpretation entschlüsseln könne.
Das wird meist an Kafka vorexerziert und hinterher
bleibt mesit nur die Frage offen, warum der Autor uns
denn nicht gleich gesagt hat, was er meint... Von der
amerikanischen Kritikerin Susan Sontag gibt es einen schönen
Aufsatz "Gegen Interpretation", der sich schön polemisch
mit diesem Thema beschäftigt.<br>Ein moderner Autor,
dessen Bücher mich immer wieder neu erschlagen und der
stilistisch glaube ich viel von Goethe gelernt hat ist W.G.
Sebald. Vielleicht lasst ihr euch ja auch mal auf
"Schwindel. Gefühle", "Die Ausgewanderten" oder "Die Ringe
des Saturn" ein. Wie gesagt, mich haben diese Texte
absolut Sebald-süchtig gemacht...
Mit Büchern ist es wie mit der Liebe: Es gibt das
Buch (oder die Person), das (oder die) dich sofort
erschlägt. 10 Jahre später liest du es wieder (triffst du
sie wieder) und du fragst dich, was um Himmels Willen
du damals in ihm (in ihr) gesehen hast. Es gibt das
Buch (die Person), das (die) auf dich beim ersten
Treffen kaum Eindruck macht, und 50 Jahre später stellst
du fest, dass du nun bald Goldene Hochzeit feierst.
Es gibt den Fall, dass du nach dem ersten "coup de
foudre" anfängst das Buch zu analysieren (bzw. an der
Beziehung zu arbeiten) - und siehe da: deine Liebe wird
grösser, tiefer, vielfältiger...<br>Der grosse Unterschied
ist, dass du bei Büchern polygam sein darfst.
Ach, kaum hab ich mich so gefreut über dein Mail,
modifizierst du es schon wieder...! ;-)<br>Bin ja prinzipiell
auch nicht gegen das Analysieren etc. (wäre sonst wohl
kaum in diesem Club!), aber erst muss man doch ein
Werk auf sich wirken lassen, eine Weile erschlagen
sein, bis sich dann langsam die Nueugier regt. Es hat
wer mal gesagt, ein Buch, das einem nicht erschlage,
sei nichts wert. (Ich glaube, es war
Kafka...?)<br>Das bringt mich gerade auf nen anderen Gedanken, der
eigentlich auch recht viel mit Goethe zu tun hat: Eines der
erschlagendsten Bücher, die ich je gelesen habe, ist Klaus Manns
"Mephisto". Sollte es nun eigentlich "analytisch" lesen für
die Matura, schaffe es aber irgendwie nicht... Kaum
fang ich irgendwo an zu lesen, bin ich wieder total
fasziniert von diesen unglaublichen Beschreibungen der
Leute, der Atmospäre hinter der Bühne und natürlich der
Hauptfigur. - Es ist in meiner Meinung überaus
offensichtlich, dass die Geschichte auf Gründgens gemünzt ist,
wenn auch der Nachsatz beigefügt wurde, es handle sich
bei den Figuren des Buches um Typen, nicht um
Personen... <br>Ich nehme an, die Filmversion mit Quadflieg
als Faust düfte der Inszenierung in den frühen
Vierzigerjahren ähnlich sein und möchte nun eigentlich gerne
erfahren, wie die anderen Mitglieder so zu dem allem
stehen...
Wenn du's nicht erfühlst, so wirst du's nie
erjagen...<br>Ich bin persönlich auch deiner Meinung; Literatur
lieben und Lust empfinden gehören für mich zusammen. Nun
gibt es aber Personen, die vorwiegend beim Analysieren
und Sezieren Lust empfinden. Und es gibt
DeutschlehrerInnen, die von Faust so überfordert sind, dass sie sich
an ein Büchlein oder so klammern, wo
Handlungsgerüste, philosophische Ansätze etc. zu finden
sind.<br>Das hat den Vorteil, dass <br>a) es wirkt, als ob
man/frau als LehrerIn etwas wüsste<br>b) man/frau das
wunderbar in Tests abfragen kann <br>c) man allen die
Literatur verleidet, denn wo käme man hin, wenn klassische
Dichtung etwas wäre, das allen gefällt<br>d) man/frau sich
dahinter verstecken kann und Goethe nicht an sich ran
lassen braucht.<br><br>"I have my books<br> And my
poetry to protect me<br> I am shielded in my armor<br>
Hiding in my room<br> Safe within my womb<br> I touch
no-one and no-one touches me<br><br> I am a rock<br> I
am an island"<br>(Paul Simon, 1966)
Nur so ne Meinungsfrage, weil ich mich im Moment
so darüber nerve, dass unsere Deutschlehrerin mit
uns den Faust I minutiös seziert.<br>D.h. Diagramme
von Handlungssträngen, Hinterfragungen vom
Leitmotiven, wo fangen sie an, wie sind sie strukturell
verankert, philosophischen Ansätzen, Deutungen eines
Wortes,...<br><br>Ich bin die letzte, die faszinierende Komplexität des
Stückes abzustreiten, aber mir schient doch, man sollte
es einfach so wie ne Bombe auf sich wirken lassen...
Vielleicht auch eine zu emotionale Vorgangsweise....<br>Man
kann immer noch im Nahhineine analysieren, aber Faust
ist in erster Linie ja eine Art "Gesammtkunstwerk"
und kein Deutsch-Philosophischer Lehrkurs,
oder?<br><br>Überdies scheint es mit bezüglich der so oft im Text
geäusserten Unfähigkeit der Wörter, das Eigentliche
rüberzubringen, gerade in diesem Stück besonders absurd, "in
Worten zu klauben"...<br><br>Oder ist eine sachliche
Analyse für das Verstehen notwendig & der einzige Weg,
dieses Werk auch nur annähernd zu erschliessen?
Damit wieder mal was geschieht hier, und damit
Goethe nicht nur als der ach so tiefe und ernsthafte
Denker nun gleich allen vergrault wird:<br><br>Zwischen
Lavater und Basedow<br><br> <br> Zwischen Lavater und
Basedow<br>Saß ich bei Tisch des Lebens froh.<br>Herr Helfer,
der war gar nicht faul,<br>Setzt' sich auf einen
schwarzen Gaul,<br>Nahm einen Pfarrer hinter sich<br>Und
auf die Offenbarung strich,<br>Die uns Johannes der
Prophet<br>Mit Rätseln wohl versiegeln tät;<br>Eröffnet' die
Siegel kurz und gut,<br>Wie man Theriaksbüchsen öffnen
tut,<br>Und maß mit einem heiligen Rohr<br>Die Kubusstadt und
das Perlentor<br>Dem hocherstaunten Jünger
vor.<br>Ich war indes nicht weit gereist,<br>Hatte ein Stück
Salmen aufgespeist. <br><br> Vater Basedow, unter dieser
Zeit,<br>Packt einen Tanzmeister an seiner Seit<br>Und zeigt
ihm, was die Taufe klar<br>Bei Christ und seinen
Jüngern war;<br>Und daß sichs gar nicht ziemet
jetzt,<br>Daß man den Kindern die Köpfe netzt. <br><br> Drob
ärgert sich der andre sehr<br>Und wollte gar nichts
hören mehr,<br>Und sagt: es wüßte jedes Kind,<br>Daß es
in der Bibel anders stünd.<br>Und ich behaglich
unterdessen<br>Hätt einen Hahnen aufgefressen. <br> * <br> Und, wie
nach Emmaus, weiter gings<br>Mit Geist- und
Feuerschritten,<br>Prophete rechts, Prophete links,<br>Das Weltkind in der
Mitten.
Ob schon einer der heutigen Schreiberlinge<br>G.
neudeutsch einer "Patchwork"-Religion<br>bezichtigt hat.
Wundern wuerde es mich <br>nicht, auch wenns den Kern der
Sache wohl <br>nur sehr verschwommen beschreiben
wuerde...
"Als Dichter und Künstler bin ich Polytheist,
Pantheist hingegen als Naturforscher, und eins so
entschieden als das andere. Bedarf ich eines Gottes für meine
Persönlichkeit, als sittlicher Mensch, so ist dafür auch schon
gesorgt."<br><br>(Goethe an F. H. Jacobi anno 1831) <br><br>Ne Seite mit
interessanten infos, obgleich nicht unbedingt-Faust-I &
II-bezogen:<br><br><a
href=http://www.humanismus.de/hvd/diesseits/artikel/299/goethe.htm
target=new>http://www.humanismus.de/hvd/diesseits/artikel/299/goethe.htm</a>
HI!<br><br>Bin neu hier, und eigentlich hat mich
diese Nachricht veranlasst beizutreten. Ist lange her,
dass ich Faust II gelesen habe. Würde mich
interessieren, weil ich bei Goethe "Christentum" eigentlich nie
gefunden habe, auch nicht in F II, wie du das meinst ...
Na, so viel ist hier ja nicht los...<br>Wie fandet ihr denn Steins Faust
I/II-<br>Inszenierung? Abgesehen von Bruno Ganzens<br>Sprachstil war ich recht
angetan...<br>Gruesse,<br>Erik
Ich hab mir für einmal noch gar nicht so Gedanken
gemacht, WIE ich's finde, weil es kompliziert genug war,
mich durchzukämpfen (vor allem, wenn die netten Leute
plötzlich wieder mal zur allgemeinen Verwirrung andere
Namen annehmen...)<br>Es ist irgendwie tzotz des
riesigen Umfangs noch skizzenhaft, da ist so viel, dass er
irgendwie zum Ausdruck bringen möchte, so viele
Assoziationen, Vergleiche, Verbinungen.<br>Das letze Stück des
zweiten Teils, finde ich, schliesst aber dann doch wieder
an den ersten Teil an, aber es war halt alles, wie's
Mephisto über das abgefackelte Häuschen bemerkt, schon
alles mal da...<br>Grad zu Faust: Wir schauen in der
Schule gerade die Gründgens/Quadflieg-Verfilmung. Das
ist umhauend!!! Hab's schon mal an einem Stück
gesehen und konnte für desn Rest des Tages keinen klaren
Gednken mehr fassen. vor allem Quadflieg... du meine
Güte. Bei Gründgens schreck ich wegen dem politischen
immer ab... Sag mal, wie historisch ist eigentlich
Klaus Manns "Mephisto"?<br><br>Bei all den grossen
Gefühlen muss ich aber auch noch was böses über Johann
Fuchsgang sagen: Was soll das, bitte sehr, als er in der
italienischen reise von einem Tempel in Assisi spricht: "Ein
bescheidener Tempel, wie er sich für eine so kleine Stadt
schickte" - Seit wann haben sich Tempel grössenmässig zu
schicken? Er, Goethe, der noch so wetterte im sheakespeaes
Tag....???? Hilfe! Was ist passiert? Nennt sich das
REIFEN????
Hallo Eva!<br><br>Mein Pc ist zwischenzeitlich
zusammengebrochen. Nun habe ich einen neuen. Hier hat sich ja wenig
getan. Habe zwischenzeitlich mal wieder den Faust
gelesen. Faust 1 fand ich wieder einmal großartig. Aber
durch Faust 2 mußte ich mich regelrecht durchquälen.
Ehrlich gesagt war ich nicht sehr von ihm überzeugt.
Dabei glaube ich, daß Faust 2 ein durchaus persönlicher
Text ist. Aber das ist eben seine Schwäche. Hier
versucht Goethe sein ganz persönliche Utopie zu erzwingen,
wobei er sich jederlei Kulturgutes bedient. Darin liegt
aber gewissermaßen auch das Lächerliche und Verfehlte
des Textes, daß er jederlei überpersönliche Fassaden
aus Antike und Christentum aufbaut, aber dabei doch
überaus persönlich ist. Siehst Du das auch so?
Nu, jetzt sind schon 5 Mitgleider beisammen, das
freut mich natürlich ausserordentlich. Aber höchste
Zeit, dass wir mal was machen hier, sonst schlafen wir
bald alle ein.<br>Wie wär's wenn ihr mal kurz scheiben
würdet, WAS euch an JWG so fasziniert. Lieblingswerk,
Lieblingsfigur? Ich bin sicher, da kommt mal ein Gespräch in
Gang....<br>Und dann sollte ich mal, exhibitionistisch wie ich
bin, den Anfang machen, wie?<br>Also, über's erste,
was ich sage, dürfte schon mal ein Streit ausbrechen,
nämlich über den "Werther"? Da findet sich doch gweiss
jemand unter euch, der ihn bis aufs Blut hasst, wie ich
ihn verehre, oder? Da habe ich nämlich schon die
interssantesten Schimpfereien hören dürfen darüber. Ein Kollege
von mir was sogar so wütend, dass er sich rundwegs
weigerte, weiterzulesen. Schliesslich hat er dann noch mit
"Clavigo" und "Egmont", auf den JWG-Geschmack zu kommen,
und dann habe es ihm erst richtig ausgehenkt. Ach,
Gott, was erzähl ich da wieder für unpassende
Geschichten?<br>Das Genialste, das es überhaupt gibt, ist natürlich
die Faust-Verfilmung mit Quadflieg und Gründgens. Die
ist so umwerfend, phantastisch, überwältigend, dass
ich sie gar nicht weiter mit Lobesworten bewerfen
willl, sondern euch dringendst zum Sehen empfehlen!!!
<br>Die Szene "Wald und Höhe", da Quadflieg-Faust
gleichsam an eine Mauer gekettet ist, gekreuzigt während
des ganzen Monologs... unbeschreiblich! Da er
schliesslich in Verzweifluing davonstürtzt, möge das
Weltgebilde über ihm zusammenkrachen, ist es so dramatisch,
man glaubt sich auf dem Höhepunkt, - und dann, dann
setzt Mephisto noch eins drauf!<br>Jaja, ich will euch
ja gleich von meiner abgeschmackten Schwärmerei
befreien...<br>Und erwarte sehnlichst eure Beiträge!
Freue mich riesig, dich als erstes Mitglied in
diesem Forum willkommen zu heissen ud hoffe auf einen
unterhaltsamen Meinungsaustausch.<br>Jean Paul kenne ich nur so
vom hören sagen, noch nie was von ihm gelesen. Aber
haben nicht seine Ideen Novalis beeinflusst?
(Vielleicht bin ich auch etwas verwirrt...) - den auf jeden
Fall find ich toll, besonders wegen der "Hymenen an
die Nacht".<br>sorry, befinde mich grade im Proben
und Aufführungsstress und fasse mich deshalb eher
kurz.<br>Auf bald<br>Eva
Hallo Eva, <br><br>schön, daß es jetzt einen
Goetheclub gibt. Vielleicht erhält man hier ja neue
Anregungen zum Lesen von Goethe. Ich muß leider sagen, daß
ich ihn nur zum Teil kenne. Faust 1 habe ich gelesen,
Iphigenie, Tasso, Werther, Wahlverwandtschaften. Einige
Gedichte. Aber vieles kenne ich eben auch nicht.<br>Zur
Zeit lese ich gerade Jean Paul "Der Komet". Kennst Du
Jean Paul? Ein Zeitgenosse Goethes, und sicher auch
ein sehr interessanter Schriftsteller, und in
mancherlei Hinhsicht ein Widerpart von Goehte.
Prometheus<br><br>Bedecke deinen Himmel,
Zeus,<br>Mit Wolkendunst!<br>Und übe, Knaben gleich,<br>Der
Disteln köpft,<br>An Eichen dich und Bergeshöhn!<br>Mußt
mir meine Erde<br>Doch lassen stehn,<br>Und meine
Hütte,<br>Die du nicht gebaut,<br>Und meinen Herd,<br>Um dessen
Glut<br>Du mich beneidest. <br><br>Ich kenne nichts
Ärmeres<br>Unter der Sonn als euch Götter.<br>Ihr nähret
kümmerlich<br>Von Opfersteuern<br>Und Gebetshauch<br>Eure
Majestät<br>Und darbtet, wären<br>Nicht Kinder und
Bettler<br>Hoffnungsvolle Toren. <br><br>Da ich ein Kind war,<br>Nicht
wußte, wo aus, wo ein,<br>Kehrte mein verirrtes
Aug<br>Zur Sonne, als wenn drüber wär<br>Ein Ohr zu hören
meine Klage,<br>Ein Herz wie meins,<br>Sich des
Bedrängten zu erbarmen. <br><br>Wer half mir wider<br>Der
Titanen Übermut?<br>Wer rettete vom Tode mich,<br>Von
Sklaverei?<br>Hast du's nicht alles selbst vollendet,<br>Heilig
glühend Herz?<br>Und glühtest, jung und gut,<br>Betrogen,
Rettungsdank<br>Dem Schlafenden dadroben? <br><br>Ich dich ehren?
Wofür?<br>Hast du die Schmerzen gelindert<br>Je des
Beladenen?<br>Hast du die Tränen gestillet<br>Je des
Geängsteten?<br><br><br>Hat nicht mich zum Manne geschmiedet<br>Die
allmächtige Zeit<br>Und das ewige Schicksal,<br>Meine Herren
und deine?<br><br><br>Wähntest du etwa,<br>Ich sollte
das Leben hassen,<br>In Wüsten fliehn,<br>Weil nicht
alle Knabenmorgen-<br>Blütenträume
reiften?<br><br><br>Hier sitz ich, forme Menschen<br>Nach meinem
Bilde,<br>Ein Geschlecht, das mir gleich sei,<br>Zu leiden,
weinen,<br>Genießen und zu freuen sich,<br>Und dein nicht zu
achten,<br>Wie ich.
Mignon<br> So laßt mich scheinen, bis ich
werde;<br>Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!<br>Ich eile von
der schönen Erde<br>Hinab in jenes feste Haus.
<br><br>Dort ruh ich eine kleine Stille,<br>Dann öffnet sich
der frische Blick,<br>Ich lasse dann die reine
Hülle,<br>Den Gürtel und den Kranz zurück. <br><br>Und jene
himmlischen Gestalten,<br>Sie fragen nicht nach Mann und
Weib,<br>Und keine Kleider, keine Falten<br>Umgeben den
verklärten Leib. <br><br>Zwar lebt ich ohne Sorg und
Mühe,<br>Doch fühlt ich tiefen Schmerz genung.<br>Vor Kummer
altert ich zu frühe –<br>Macht mich auf ewig wieder
jung!