Auch geschah es wohl zuweilen, dass er
[Nicolai]Windmühlen für Riesen ansah und dagegen focht. Noch
schlimmer aber bekam es ihm, wenn er manchmal wirkliche
Riesen für blosse Windmühlen ansah, z.B. einen Wolfgang
Goethe. Er schrieb eine Satire gegen dessen „Werther“,
worin er alle Intentionen des Autors aufs plumpste
verkannte. Indessen in der Hauptsache hatte er immer recht;
wenn er auch nicht begriff, was Goethe mit seinem
„Werther“ eigentlich sagen wollte, so begriff er doch ganz
gut dessen Wirkung, die weichliche Schwärmerei, die
unfruchtbare Sentimentalität, die durch diesen Roman aufkam
und mit jeder vernünftigen Gesinnung, die uns not
tat, in feindlichem Widerspruch war. Hier stimmte
Nicolai ganz überein mit Lessing, der an einen Freund
folgendes Urteil über „Werther“ schrieb:<br>[Fortsetzung im
Lessing-Club]<br>Aus: Zur Geschichte der Relgion und Philosophie in
Deutschland