Hallo,<br>bin gerade eurem Club beigetreten und
möchte erstmal ein großes Kompliment loswerden: Scöne,
daß es im großen, großen Internet neben streng
germanistischen Goethe-Sites auch noch so etwas wie diese
"Begeisterten-Gemeinschaft" gibt. Recht jugendlcihe Begeisterte noch dazu,
gilt JWG doch vielfach als Altherren-Autor.<br>Zu den
Themen der letzten Mails (Interpretation und Bücher, die
einen erschlagen): Als professioneller
Literaturwissenschaftler, für den Interpretation ja das tägliche Brot ist,
vergisst man immer wieder leicht, daß Literatur ja nicht
für die Wissenschaft, sondern für das "allgemeine
Publikum" geschrieben wird. Daß man wunder welch
tiefsinnige Analysen braucht, um einen klassischen Text zu
verstehen, ist Quatsch, aber ein bißchen background und
Methodik kann den Genuß von Literatur auch steigern.
Schlimm wird es nur dann, wenn - wie oft in der Schule -
der Eindruck entsteht, der Text sei eine Art
Geheimschrift, die man mit Interpretation entschlüsseln könne.
Das wird meist an Kafka vorexerziert und hinterher
bleibt mesit nur die Frage offen, warum der Autor uns
denn nicht gleich gesagt hat, was er meint... Von der
amerikanischen Kritikerin Susan Sontag gibt es einen schönen
Aufsatz "Gegen Interpretation", der sich schön polemisch
mit diesem Thema beschäftigt.<br>Ein moderner Autor,
dessen Bücher mich immer wieder neu erschlagen und der
stilistisch glaube ich viel von Goethe gelernt hat ist W.G.
Sebald. Vielleicht lasst ihr euch ja auch mal auf
"Schwindel. Gefühle", "Die Ausgewanderten" oder "Die Ringe
des Saturn" ein. Wie gesagt, mich haben diese Texte
absolut Sebald-süchtig gemacht...