Eigentlich wollte ich schon längst berichtet haben, doch erst einmal
Zeit finden. ALs die da war, bekam ich Rückenschmerzen, die mich
nicht nur von der Uni, sondern auch von meinem Computer fernhielten,
konnte ich doch weder stehen, sitzen noch liegen. Da ich mich aber
jetzt auf dem Weg der Besserung befinde - mit Cortison geht alles -,
stelle ich auch hier kurz vor, was ich Cooktechnisches im NOvember
erlebt habe. Die beiden Bereichte befinden sich in leicht
abgewandelter Form auch auf meiner Homepage. Ich bitte um Nachsicht.
1. 14./15. November 2008; Deutsche Naturforscher im 18. Jahrhundert -
Kassel und Göttingen:
Die Tagung zu Deutschen Naturforschern im 18. Jahrhundert, die einen
Bezugpunkt zu Kassel und/oder Göttingen hatten ist vorbei und ich
muss sagen: sie hat mir gut gefallen, obwohl ich, das gestehe ich
hier freimütig, eigentlich wegen des Samstagsprogramm gereist war, in
dem es um Forster, Lichtenberg und Humboldt gehen sollte, eröffnete
mir doch der Freitag, der der Erforschung Sibiriens und Russisch-
Amerikas gewidmet war, neue Perspektiven. So wurde alle Teilnehmer
vom Referenten Han Vermeulen darüber aufgeklärt, dass die
wissenschaftliche Völkerkunde nicht, wie es zu lesen ist erst im 19.
Jahrhundert ihren Anfang nahm, sondern bereits im 18. Jahrhundert -
und zwar vor allem durch deutsche Forscher in russischen Diensten.
Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Meeresforschung war dabei
für mich besonders interessant, dass es bisher ein noch nicht
wirklich ediertes buch des 18. Jahhrunderts gibt, dass die
"Beschreibung von ausergewöhnlichen Meerthieren" zum Thema hat.
Schließlich war eine Expedition, und das war für mich als Cookianer
interessant, sogar unter der Leitung von Joseph Billings statt, der
Cook auf seiner dritten Reise begleitet hatte. Ich für meinen Teil
möchte in meiner Eigenschaft als Mediävist auch darauf aufmerksam
machen und werde, wenn mir das Buch von Han Vermeuden in die Hände
kommt, dass bereits im Mittelalter einige ethnologische Forschung
betrieben wurde. Nach diesem mit Kassel und Göttingen wenig zutun
habendem Vortragsprach der Ausrichter und Koordinator Rolf Siemon
über Georg Thomas Asch, der als Deutscher in St. Peterburg als
leitender Mediziner tätig war und seiner Alma Marta Göttingen die
komplette Sammlung von sibirischen Ethnografica vermachte, was er,
wie ich nachfragte auf nicht legalem Weg tat und wohl auch nicht ganz
zum Uneigennutz, wollte er sich doch als Stifter profiliert wissen.
Nach einer kleinen Pause sprach der Ornithologe und Grafiker Ulrich
Wannhoff von einer Reise, die er auf den Spuren von Carl Heinrich
Merck unternommen hatte, dabei segelte er von Sibirien nach Alaska
und hatte einen interessanten Vortrag mit Bildern dabei, auf denen
viele Tiere und Natur zusehen waren. Den ersten tag beschloss Gudrun
Bucher mit einem Vortrag über Georg Heinrich von Langsdorff, der auf
der russischen Weltumsegelung 1803 - 1806 teilgenommen hatte. Der
Samstag begann um 9. 00 Uhr mit einem Vortrag über den Kasseler
Geologen Rudolf Erich Raspe, der für Kassel bereits im 18.
Jahrhundert feststellte, dass die Welt als solches nicht nur wenige
tausend Jahre alt sein kann. Hinzu kommt die Tatsachse, dass dieser
Raspe Baron Münchhausen erfunden hatte. Ein besonderes Bonmot war
dabei die Tatsache, dass der Referent Friedrich Freiherr Waitz von
Eschen war, der nicht nur Geologe ist, sondern auch einst
Bergbauunternehmer und einen äußerst gelungenen und angenehmen
Vortrag hielt. Der Vortrag über Georg Forster, der sich anschloss
wurde gehalten von Gundolf Krüger, der der Kustos der Ethnologischen
Sammlung von Göttingen ist. Sein Vortrag bot die Fakten da, glänzte
aber leider nicht besonders. Prof. Ulrich Joost jedoch, der über
Lichtenberg referierte, sprengte zwar mit seinem Vortrag die Zeit,
referierte aber so frei über die Sudelbücher Lichtenbergs, in denen
dieser bereits den Faradei' schen Käfig entwarf, die
Relativitätstheorie anbahnte und auch den Kopierer fast vorwegnahm.
Nach der Mittagspause schließlich kam der große Rahmen von Humboldt,
den uns zunächst Ulrike Zeuch als Kulturvermittler in Südamerika
näherbrachte und schließlich Kerstin Aranda als Russlandreisenden,
wobei ihr Vortrag recht langweilig war, obwohl auch sie sich auf die
Reise gemacht hatte auf Humboldt Spuren. Aber russische Bergwerke der
Sowjetzeit waren dann doch nicht mein Ding und Takashi Mori, den ich
bereits vom Georg-Forster-Kolleqium kannte, war der selben Meinung.
Die abschließende Podiumsdiskussion konnte ich leider nicht mehr
Verfolgen, weil ich nach Wuppertal zurück musste, unter http://
www.naturkundemuseum-kassel.de/museum/was-gibts-neues/was-war-
los.html aber, kann man darüber noch einiges Erfahren. Hinzu kommt
die Tatsache, dass bereits alle Vorträge der Tagung veröffentlicht
sind und in der Zeitschrift Philippia 13/4 (2008) des
Naturkundemuseum für 4,50 € erworben werden können.
2. Kunstausstellung in Münster; Orte der Sehnsucht - Mit Künstlern
auf Reisen: 20. November 2008 (Nachtrag): Der gestrige Tag dauerte
lange, war aber jede Anstrengung wert. Drei Stunden waren wir durch
die Ausstellung "Orte der Sehnsucht - Mit Künstlern auf Reisen".
Gegliedert war die Ausstellung nach Orten und ging dann chronologisch
vor, so dass Mittelater (Ebsdorfer Weltkarte), Frühneuzeit (Albrecht
Dürer, Hanse, Fugger, Italienische Republiken) 18. Jahrhundert (Cook,
Goethe Winckelmann) und schließlich 19. (Naher Osten, Imperialismus)
und 20. Jahrhundert (Fotografien von New York, Metropolis) abgedeckt
wurden. mehr als 500 Jahrhunderte in drei Stunden war ein guter
Schnitt. Das Hauptaugenmerk der Veranstaltung liegt klar in der
Kunst. Die ausgewählten Bilder waren dabei vor allem nicht abstrakt,
sondern stellten das Fremde der Fremde tatsächlich dadurch da, dass
sie nach der Natur die Alterität zeigten, ohne sie noch einmal
abstrakt zu entfremden. Einen großen Teil nahm dabei natürlich Europa
ein und dabei vor allem Italien, dass ja schon immer ein Ort der
Sehnsucht war, ob Dürer, Goethe oder Winckelmann alle hatten dort
ihre größte Rückbesinnung. So konnte man in der Ausstellung auch
Bilder Goethes sehen, die dieser selber gemalt hatte. Mir als
Cynologen war natürlich aufgefallen, dass in den Darstellungen
Italiens durch die Künstler des Barocks immer ein Hund beigestellt
wurde. Auf einem Bild konnte man sogar erkennen, dass ein schlafender
Hund nachträglich in das Bild gemalt wurde. Noch über den Südsee teil
muss ich berichten, der zwar durch Cook eröffnet wurde, aber sich
schließlich durch Paul Gauguin besonders vertreten wurde. Die Bilder
der Teilnehmer von Cooks Reisen, die wahrscheinlich das Bild der
Südsee mehr prägten, als Paul Gauguins Malereien, waren wenig
vertreten. Trotzdem war die Ausstellung groß, gut gemacht, doch den
Katalog, der im Laden den stolzen Preis von 35 €, im Museum von 25 €
trägt, habe ich mir nicht gegönnt - noch nicht.
So ich hoffe, das regt dazu an, den Winterschlaf räumlich (warum mal
nicht nach Münster?) und/oder auch geistig (das Heft kostet nicht
viel und die Beiträge sind alle gut geschrieben - und vor allem -
recht kurz) aufzugeben und sich einwenig zu regen.
Liebe Grüße
Heiko