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feudalismus · Meudalismus in Deutschland

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Beiträge: Auszug der Beiträge anzeigen Nach Datum sortieren ^  
#10 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Die 1. Okt 2002 22:12
Betreff: Wenn das Geld fließt ...
harald_wozni...
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... wie der Nil in der Wüste
 
Was tut man, wenn man mit dem Nil die Wüste bewässern will? Und was muss man tun, wenn sich der Reichtum von wenigen zum Nachteil der Mehrheit der Menschen in Deutschland auswirkt? Man baut einen Staudamm bzw. man setzt Schranken!
 

#11 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mit 23. Okt 2002 13:39
Betreff: Reichtum und Arbeitslosigkeit
harald_wozni...
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Neu eingefügt bei

Moderner Feudalismus in Deutschland (Meudalismus)
http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/index.htm:

"...

Bezogen auf die Arbeitslosenzahlen ergibt sich eine merkwürdige Parallele zu dem oben gezeigten Zuwachs der (offiziellen) Einkommen der Superreichen. Hier sehen Sie den Verlauf der Arbeitslosenzahlen von 1950 bis 1997 (orangene Linie, Statistische Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 1998, S. 119):

Legt man dieses Diagramm über das Diagramm der Einkommensentwicklung, ergibt sich folgendes Bild:

Es soll hier nicht spekuliert werden. Aber nach meiner Überzeugung ist diese Parallele kein Zufall.

..."


#12 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Fr 25. Okt 2002 6:57
Betreff: 400.000 Euro pro Stunde (Die Zeit)
harald_wozni...
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#13 Von: "Dr. Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mit 6. Nov 2002 18:06
Betreff: Pressereaktionen auf die Stundenlöhne der Meudalisten
harald_wozni...
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Die Presse hat auf die "Stundenlöhne der 100 reichsten Deutschen"
reagiert. Näheres unter http://www.dr-
wo.de/schriften/feudalismus/presse.htm

#17 Von: "Dr. Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mit 27. Nov 2002 16:41
Betreff: Bitte um Hilfe!
harald_wozni...
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Liebe Freunde,

Sie kennen wohl meinen Aufsatz "Wenn das Geld fließt wie der Nil in
der Wüste" in: http://www.dr-wo.de/schriften/nil/index.htm Dazu bitte
ich um Ihre Hilfe zu folgender Frage:

Welche Geldzahlungen oder Geldflüsse oder welche Geldbeträge eines
Kalenderjahres bezogen auf Deutschland müsste man zusammenzählen, um
die Geldmenge, die dort in den Diagrammen dargestellt wird, mit
realen Beträgen berechnen zu wollen?

Herzlichen Dank!

Harald Wozniewski

Nowackanlage 2
D-76137 Karlsruhe
Tel. +49(721)9203031 privat
Fax +49(721)9203032
www.dr-wo.de

#18 Von: "Reinhard Dowe" <reinhard.dowe@...>
Datum: Do 28. Nov 2002 10:30
Betreff: AW: Meudalismus: Bitte um Hilfe!
futurverlag
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Lieber Harald,

 

gern würde ich mich mit Deiner Bitte befassen, leider bin ich aber mit einer Erfindung (leider nicht meine!) so ausgelastet, dass ich darüber nicht nachdenken kann. Bei der Erfindung geht es um die Reduzierung der Abgaswerte (CO2) bei Heizungsanlagen. Das Sensationelle daran ist, dass dieses möglich ist ohne Mechanik, Technik oder Elektronik – nur unter Anwendung der Naturgesetze!

„Trittin wird sich freuen!“

 

Die Entwicklung wird bald unter k-bub.de zu sehen sein.

 

Über’s Geld gibt es ein schönes Buch von  Margit Kennedy „Geld ohne Zinsen und Inflation“ – aber ich denke, dass Du es schon kennst!

 

Ich hoffe, ich komme bald dazu, Deine Anliegen zu begleiten.

 

 

Mit besten Grüßen und Glückauf!

(Reinhard Dowe)

 

futurverlag.de + futur.futurverlag.de + bergbauliteratur.de + k-bub.de

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Dr. Harald Wozniewski [mailto:harald@...]
Gesendet: Mittwoch, 27. November 2002 17:41
An: feudalismus@...
Betreff: Meudalismus: Bitte um Hilfe!

 

Liebe Freunde,

Sie kennen wohl meinen Aufsatz "Wenn das Geld fließt wie der Nil in
der Wüste" in: http://www.dr-wo.de/schriften/nil/index.htm Dazu bitte
ich um Ihre Hilfe zu folgender Frage:

Welche Geldzahlungen oder Geldflüsse oder welche Geldbeträge eines
Kalenderjahres bezogen auf Deutschland müsste man zusammenzählen, um
die Geldmenge, die dort in den Diagrammen dargestellt wird, mit
realen Beträgen berechnen zu wollen?

Herzlichen Dank!

Harald Wozniewski

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#19 Von: <info@...>
Datum: Do 28. Nov 2002 19:08
Betreff: Fw: Meudalismus: Bitte um Hilfe!
bovermann2002
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Hallo zusammen,
 
m. E. ist es die sog. Geldmendge M3, also Bargeld, Giralgeld, Termingeld und Spareinlagen.
 
Wer sieht es anders, oder kann noch etwas hinzufügen?
 
Viele Grüße
 
Bernd Overmann
 
 
----- Original Message -----
Sent: Wednesday, November 27, 2002 5:41 PM
Subject: Meudalismus: Bitte um Hilfe!

Liebe Freunde,

Sie kennen wohl meinen Aufsatz "Wenn das Geld fließt wie der Nil in
der Wüste" in: http://www.dr-wo.de/schriften/nil/index.htm Dazu bitte
ich um Ihre Hilfe zu folgender Frage:

Welche Geldzahlungen oder Geldflüsse oder welche Geldbeträge eines
Kalenderjahres bezogen auf Deutschland müsste man zusammenzählen, um
die Geldmenge, die dort in den Diagrammen dargestellt wird, mit
realen Beträgen berechnen zu wollen?

Herzlichen Dank!

Harald Wozniewski

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#20 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Fr 29. Nov 2002 10:41
Betreff: Fw: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.
harald_wozni...
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----- Original Message -----
Sent: Friday, November 29, 2002 11:17 AM
Subject: Re: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.

Tja, liebe Genossen!
 
Das ist schon irre: Glaub(t)en die einen, man könne Arbeitslosigkeit bekämpfen, indem man und die alten Leute früher in Rente schickt und die "Arbeit" an die jungen Menschen "verteilt", glaub(t)en die anderen, dass das das Rentensystem sprengt. Die Katze beißt sich in den Schwanz!
 
Und während sich die zwei Lager endlos streiten (das geht schon seit Jahrzehnten so! Wie lange wollen Sozialdemokraten diesen Unfug eigentlich noch mitmachen?), merkt keiner, dass klammheimlich das Geld in den Taschen der allermeisten Menschen (nicht nominell, aber wertmäßig) immer weniger wird, weil es sich immer mehr bei wenigen Leuten konzentriert. Es ist so, als würde das Geld auf dem Tisch, an dem alle sitzen, heimlich über die Tischkante in wenigen Hosentaschen verschwinden. Das geht schon seit den 60er-Jahren so. Die Katze wird sich so lange in den Schwanz beißen, bis sie das erkennt. Mehr dazu unter "Wenn das Geld fließt wie der Nil in der Wüste" in: http://www.dr-wo.de/schriften/nil/index.htm
 
Wir im Ortsverein Südstadt hatten dazu gestern Abend übrigens eine interessante und lebhafte Diskussion.
 
Viele Grüße
 
Harald Wozniewski
 
Nowackanlage 2
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Tel. +49(721)9203031 privat
Fax +49(721)9203032
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----- Original Message -----
Sent: Thursday, November 28, 2002 11:57 AM
Subject: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.

Liebe Genossinnen und Genossen,

anbei die neueste Pressemitteilung der Jusos Karlsruhe
zu Frühverrentung und die Zukunft des Beamtenstatus.

Mit solidarischen Grüßen,

Parsa Marvi



_____________________________________________________


Pressemitteilung Jusos Karlsruhe

Karlsruhe, den 28.11.2002

Jungsozialisten: Zunahme der Frühverrentung bremsen!
Jusos: Höhere Abschläge bei der Frühverrentung/
Beamtenstatus bei Lehrern und Hochschulprofessoren
langfristig aufheben.

Das Führungstandem der Jusos Karlsruhe, Parsa Marvi
und Daniel Melchien, hat sich heute zur aktuellen
Diskussion um die Rentenversicherung und die Zukunft
des Beamtenstatus geäußert. “Mit Besorgnis sehen wir
den Trend, dass trotz leicht rückläufiger Zahl derer,
die in Frührente gehen, immer noch jeder zweite, der
in Rente geht, heute Frührentner ist. Das ist eine
große Belastung für unsere Volkswirtschaft und für den
Erhalt des Generationenvertrages. Deswegen muss diese
Bewegung gebremst werden“, so Marvi und Melchien.
Heute würden 3,6 Prozent abgezogen für jedes Jahr, was
man früher in Rente geht. Die Wissenschaftler, die das
ausgerechnet haben, sagen aber, das reicht nicht, hier
zahlt die Rentenversicherung quasi dazu. Deswegen
schlagen die Jusos eine neue Formel vor mit Abschlägen
in Höhe von 5 Prozent. Das sei keine Abstrafung für
diejenigen, die in ganz individueller Entscheidung
diesen Weg gehen wollten, sondern ein sehr
verantwortungsvoller Vorschlag. Es gehe auch um mehr
Generationengerechtigkeit.
“Außerdem dürfen wir auch die Arbeitgeber nicht aus
ihrer Verantwortung entlassen. Die haben die bisherige
Regelung genutzt, um sich in großem Stil von älteren
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu trennen. Dies
ist nicht nur für die Rentenkasse eine größere
Belastung gewesen, sondern auch wirtschaftlich falsch,
weil man damit auf langjährige Erfahrungen von
Menschen zu früh verzichtet. Und es gibt für diese
Entwicklung auch einen ganz persönlich
Verantwortlichen: Bundesminister a.D. Norbert Blüm.
Dieser Mann hat 16 Jahre lang behauptet, die Rente sei
sicher, und mit seiner Politik für die schwierige
Entwicklung gesorgt, die wir heute haben“, sagten
Marvi und Melchien.
Die Jusos sprachen sich gegen die von Bert Rürup
geforderte Erhöhung des Renteneintrittsalters aus. Vor
dem Jahr 2010 brauche man hierüber keine Entscheidung.
Wichtig sei, wie von Gerhard Schröder gefordert, in
erster Linie, dass das tatsächliche
Renteneintrittsalter wieder von einem Großteil
erreicht werde. Darauf zielte auch der Vorschlag der
Jusos ab.
Alleine wenn wir ein Jahr länger die Menschen in
Arbeit und Brot halten, dass sie nicht so früh in
Rente gehen, würden wir im Kern 1,2 Prozent
Beitragspunkte bei der Rentenversicherung einsparen,
das sind gut elf Milliarden Euro Nettoentlastung für
die Einzahler.
Die Jusos wünschen sich für diese Legislaturperiode
eine konsequente Umsetzung der Dienstrechtsreform. Man
müsse sich mittel- und langfristig sehr genau über den
Status von Lehrern und Professoren an Hochschulen
unterhalten. Aus Sicht der Jusos gebe es keine
zwingende Legitimation für eine Verbeamtung von diesen
Berufsgruppen. Das bedeute jedoch nicht, bereits
erworbene Ansprüche in irgendeiner Weise in Frage zu
stellen. Es gehe aber sehr wohl um die Zukunft und die
Notwendigkeit des Beamtenstatus. Als Vorbild sehen die
Jusos die damalige Reforminitiative von Heide Simonis,
die 1995 bei den Lehrern dazu übergegangen war, sie
nur noch als Angestellte einstellen zu lassen. Es sei
kein Ruhmesblatt der deutschen Politik in den 90er
Jahren, dass diese Initiative keinen Anklang gefunden
habe bei den Politikern. Würde man den
Simonis-Vorschlag wieder aufnehmen und bundesweit
durchsetzen, würde dass sowohl eine Entlastung für die
Sozialversicherungssysteme bedeuten, als auch einer
Lastenverlagerung in die Zukunft mit unbestimmten
Risiken für die Länderhaushalte aus dem Weg gehen.
Dies sei auch die ehrliche Variante, wenn über weitere
Strukturreformen bei der Rente diskutiert werde. Es
sei völlig unrealistisch anzunehmen, dass Beamte mal
in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
werden. Eine Grundgesetzänderung sei mit schwarz-gelb
nicht durchzusetzen. Deswegen brauchen wir keine
Debatten fürs Feuilleton, sondern praktikable Ansätze.
Auch Abgeordnete, Minister und Staatssekretäre, aber
auch Selbständige sollten aus Sicht der Jusos in die
Rentenversicherung mit einbezogen werden.
“Anstelle eines hektischen Kürzungsaktionismus bei
den Leistungen für Beamte, könnte Ministerpräsident
Teufel an dieser Stelle wirklich mal etwas tun für die
Sicherung des Generationenvertrages und eine
Bundesratsinitiative starten. Als Chef einer
Anti-Zukunftskoalition wird er sich dem aber wohl
verweigern“, meinten abschließend Marvi und Melchien.


=====
Parsa Marvi
Kaiserstr. 191
76133 Karlsruhe

Mobil: 0179-5982964
Festnetz: 0721-9091272

__________________________________________________________________

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#21 Von: "Dr. Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Fr 29. Nov 2002 9:16
Betreff: M3
harald_wozni...
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Vielen Dank für den Tipp.

Mein Problem geht noch etwas weiter. Ich möchte nicht nur die
Gesamtmenge des Geldes wissen. Ich will vielmehr die Verteilung des
gesamten Geldes auf die "Wirtschaftssubjekte" in einem Diagramm
nachvollziehen. Mit welchen Werten kann ich das machen?

Viele Grüße

dr. wo

#22 Von: <info@...>
Datum: Fr 29. Nov 2002 22:37
Betreff: Fw: Meudalismus: M3
bovermann2002
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Hallo zusammen,
 
hier muss zunächst noch eine Zwischenfrage ausdiskutiert werden. Wie sollen die "Wirtschaftssubjekte", also die Wirtschaftsteilnehmer, klassifiziert (eingeteilt) werden? Wie soll also die eine Achse des Diagramms eingeteilt bzw. beschriftet werden?
 
Viele Grüße
 
Bernd Overmann
 
----- Original Message -----
Sent: Friday, November 29, 2002 10:16 AM
Subject: Meudalismus: M3

Vielen Dank für den Tipp.

Mein Problem geht noch etwas weiter. Ich möchte nicht nur die
Gesamtmenge des Geldes wissen. Ich will vielmehr die Verteilung des
gesamten Geldes auf die "Wirtschaftssubjekte" in einem Diagramm
nachvollziehen. Mit welchen Werten kann ich das machen?

Viele Grüße

dr. wo




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#23 Von: "Reinhard Dowe" <reinhard.dowe@...>
Datum: Sam 30. Nov 2002 16:20
Betreff: AW: Meudalismus: Fw: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.
futurverlag
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Lieber Harald,

 

Deinen Kommentar finde ich zutreffend. Kein „Aber“!

Wenn ich jedoch den Beitrag von Parsa Marvi lese, dann frage ich mich, hast Du die Hoffnung, dass Du verstanden wirst?

Verzeih’ mir, ich habe die Hoffnung nicht .

 

Mit besten Grüßen

(Reinhard Dowe)

 

 

 



#25 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Son 1. Dez 2002 18:41
Betreff: Re: Meudalismus: Fw: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.
harald_wozni...
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Lieber Reinhard,
 
vielen Dank für deinen Zuspruch. Das mit dem verstanden werden ist doch immer ein Problem. Ich habe die Hoffnung, dass es nach un nach jedem einleuchtet, was wir vertreten. Aber ich bin sicher, dass die zwei Jusos mit ihrem Geschreibsel so gut wie gar nicht verstanden werden.
 
Viele Grüße
 
Harald
 
Nowackanlage 2
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Fax +49(721)9203032
www.dr-wo.de
----- Original Message -----
Sent: Saturday, November 30, 2002 5:20 PM
Subject: AW: Meudalismus: Fw: [SPD-Karlsruhe] Zukunft der Rente.

Lieber Harald,

 

Deinen Kommentar finde ich zutreffend. Kein „Aber“!

Wenn ich jedoch den Beitrag von Parsa Marvi lese, dann frage ich mich, hast Du die Hoffnung, dass Du verstanden wirst?

Verzeih’ mir, ich habe die Hoffnung nicht .

 

Mit besten Grüßen

(Reinhard Dowe)

 

 

 




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#27 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Son 8. Dez 2002 13:24
Betreff: Fw: Hans Eichel, Das Geld regiert, Vorwärts 12/2002, S. 42
harald_wozni...
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----- Original Message -----
Sent: Sunday, December 08, 2002 2:22 PM
Subject: Hans Eichel, Das Geld regiert, Vorwärts 12/2002, S. 42

"Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.", so beginnt der Untertitel von Hans Eichels Artikel "Das Geld regiert" in Vorwärts 12/2002, Seite 42. Falsch, lieber Hans! Die Armen werden nicht ärmer! Denn wer nichts mehr hat, kann künftig nicht noch weniger haben. Richtig ist vielmehr: Die Reichen werden weniger und reicher, und die Armen werden immer mehr!
 
Diese kleine Ungenauigkeit bei Hans Eichels Artikel ist nicht so unbedeutend, wie sie scheint. Hans Eichels Artikel insgesamt lässt kaum Hoffnung aufkommen, als würden er oder unsere Bundesregierung bald begreifen, dass der Reichtum von wenigen zwangsläufig die Armut von vielen anderen zur Folge hat und dass diese Entwicklung immer weiter schreitet. Es ist daher leider auch nicht zu erwarten, das unsere Bundesregierung alsbald das geeignete Mittel ergreifen wird, die Armut zumindest in Deutschland aufzuhalten und zu beseitigen. Denn: Solange es in Deutschland keine gesetzliche Begrenzung der Vermögensanhäufungen von in- und ausländischen Privatpersonen gibt, werden die Superreichen (die "Oberen Zahntausend") sich Deutschlands Vermögenswerte wie Unternehmen und Mietobjekte bald gänzlich einverleibt haben. Die Ausbreitung der Armut in Deutschland geht mit den Vermögensanhäufungen einher.
 
Lieber Hans, du schreibst: "Deutschland ist nun aber auch ein schönes Beispiel für die Chancen der Globalisierung. Viele Arbeitsplätze hängen in Deutschland vom internationalen Warenaustausch ab." Wenn du geschrieben hättest, "die Vermögensgewinne der Superreichen in Deutschland und der Welt hängen vom nationalen und internationalen Warenaustausch ab, und die Arbeitsplätze in Deutschland sind dabei für die Superreichen nur ein notwendigen Übel", dann hättest du den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich bin, wie du, für globalen Handel. Aber ich bin, anders als du, für eine gesetzliche Begrenzung des gewinnbringenden Vermögens bei natürlichen Personen.
 
Mehr dazu unter "Moderner Feudalismus in Deutschland " in: http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/index.htm
 
Harald Wozniewski, Karlsruhe

#28 Von: "Reinhard Dowe" <reinhard.dowe@...>
Datum: Mo 9. Dez 2002 17:10
Betreff: Betrifft: Fw: Hans Eichel, Das Geld regiert, Vorwärts 12/2002, S. 42
futurverlag
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--- In feudalismus@y..., "Harald Wozniewski" <harald@d...> schrieb:
>
> ----- Original Message -----
> From: Harald Wozniewski
> To: Vorwärts ; SPD-Karlsruhe@y...
> Sent: Sunday, December 08, 2002 2:22 PM
> Subject: Hans Eichel, Das Geld regiert, Vorwärts 12/2002, S. 42
>
>
> Lieber Harald,

Du hattest mir als Gruppenmitglied Deinen Text zugeschickt. Ich habe
ihn ausgedruckt und gespannt meiner Frau zum Lesen gegeben.
Ihr kurzer Kommentar: "Alles richtig!"

Dem schließe ich mich an; denn - wenn es einen "Wirtschaftskreislauf"
gibt -, dann muss alles "teilhabend" daran teilnehmen können, ob
das die Menschen sind oder das gehortete Kapital.

Unsere Gesellschaft krankt am Ausschluss und "stirbt", wenn der
Ausschluss nur groß genug wird!

Du weißt es, meine Frau weiß es, ich weiß es und viele andere auch;
nur Hans Eichel nicht und der Bundeskanzler - seltsam, dass alle
diese, die in ein solch verantwortliches Amt gewählt werden,
dieses Wissen verlieren.

Aber vielleicht sagen es die Wissenden nicht oft genug?

Dank für Deine Zeilen.
Beste Grüße
Reinhard

#31 Von: "Dr. Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Die 24. Dez 2002 12:13
Betreff: Neuer Presseartikel in Karlsruhe
harald_wozni...
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Die Presse hat erneut Interesse an unserem Thema gezeigt. Näheres
unter http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/presse.htm

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Bescherung!

Harald Wozniewski

#37 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mit 29. Jan 2003 12:19
Betreff: Der amerikanische Albtraum
harald_wozni...
Mail senden Mail senden
 

Paul Krugman zählt zu den renommiertesten Wirtschaftswissenschaftlern der Welt. Er lehrt an der Universität Princeton und war Berater von Expräsident Bill Clinton http://www.wiwiss.fu-berlin.de/w3/w3collie/krugman/krugman.htm

Lesen Sie dazu auch http://www.dr-wo.de/schriften/nil

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Der amerikanische Albtraum

Vom Millionär zum Milliardär: Befreit von allen Gleichheitsidealen, reißen die Reichen in den USA immer mehr Wohlstand an sich. Die Mittelschicht löst sich auf

Von Paul Krugman

Als ich ein Teenager war und auf Long Island nahe New York lebte, machte ich oft Ausflüge zu den Villen an der Nordküste. Diese Villen waren Monumente eines vergangenen Zeitalters, in der sich die Reichen ganze Armeen von Sklaven leisten konnten. Die brauchte man auch, um Häuser von der Größe europäischer Paläste zu unterhalten. Als ich diese Häuser sah, war diese Ära, die wir heute das Goldene Zeitalter nennen, längst Vergangenheit. Kaum eine der Villen auf Long Island war noch in Privatbesitz. Entweder waren sie zu Museen umfunktioniert worden, oder sie wurden als Kindergärten oder Privatschulen genutzt.

Denn das Amerika der fünfziger und sechziger Jahre, in dem ich aufwuchs, war eine Mittelklassegesellschaft. Die großen Einkommens- und Wohlstandsunterschiede des Goldenen Zeitalters waren verschwunden. Natürlich lebte so mancher reiche Geschäftsmann oder Erbe weit besser als der durchschnittliche Amerikaner. Aber sie waren auf eine andere Weise reich als die Räuberbarone, die sich um die Jahrhundertwende riesige Villen hatten bauen lassen, und sie waren nicht so zahlreich. Die Tage, in denen Plutokraten eine wichtige Rolle in der amerikanischen Gesellschaft gespielt hatten, politisch wie ökonomisch, schienen passé.

Die tägliche Erfahrung vermittelte uns den Eindruck, in einer einigermaßen gleichen Gesellschaft zu leben. Die wirtschaftlichen Disparitäten waren nicht besonders ausgeprägt. Berufstätige mit höherer Ausbildung - Manager der mittleren Ebene, Lehrer, sogar Anwälte - behaupteten oft, weniger zu verdienen als gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Wer als wohlhabend galt, ließ sich einmal pro Woche eine Putzfrau kommen und verbrachte den Sommerurlaub in Europa. Aber auch diese Wohlhabenden schickten ihre Kinder in öffentliche Schulen und fuhren im eigenen Auto zur Arbeit so wie jeder andere auch.

Doch das ist lange her. Heute leben wir wieder in einem Goldenen Zeitalter - ähnlich extravagant wie das Original. Villen und Paläste erleben ihr Comeback. 1999 porträtierte das New York Times Magazine den Architekten Thierry Despont, die "Eminenz des Exzesses", der darauf spezialisiert ist, Häuser für die Superreichen zu gestalten. Seine Kreationen entstehen gewöhnlich auf einer Fläche von 2000 bis 6000 Quadratmetern; Häuser am oberen Ende dieser Skala sind kaum kleiner als das Weiße Haus. Natürlich sind auch die Armeen von Bediensteten zurückgekehrt. Ebenso die Yachten.

Nur wenigen Leuten ist bewusst, wie sehr sich in diesem Land die Kluft zwischen den sehr Reichen und dem Rest innerhalb relativ kurzer Zeit verbreitert hat. Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, setzt sich unweigerlich dem Verdacht aus, "Klassenkampf" oder eine "Politik des Neides" zu betreiben. Und nur wenige Leute sind tatsächlich willens, über die weitgehenden Auswirkungen dieser sich immer weiter öffnenden Schere zu sprechen - ökonomische, soziale und politische Auswirkungen.

Doch was in den USA heute geschieht, kann nur verstehen, wer das Ausmaß, die Ursachen und Konsequenzen der zunehmenden Ungleichheit in den letzten drei Jahrzehnten begreift. Wer begreifen will, wieso es in Amerika trotz allen ökonomischen Erfolgs mehr Armut gibt als in jeder anderen großen Industrienation, der muss sich die Einkommenskonzentration an der Spitze ansehen.

I. Das neue Goldene Zeitalter

Das Durcheinander beim Ausscheiden von Jack Welch als Chef des US-Konzerns General Electric hatte einen positiven Nebeneffekt: Es gab Einblick in die Sozialleistungen, die die Wirtschaftselite einstreicht und die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleiben. Wie sich herausstellte, wurde Welch die lebenslange Nutzung eines Apartments in Manhattan (inklusive Essen, Wein und Wäsche) gewährt, ebenso die Nutzung von Firmenjets und einige andere geldwerte Vorteile im Wert von mindestens zwei Millionen Dollar pro Jahr. Diese Abfindung veranschaulicht, wie sehr Firmenlenker mittlerweile erwarten, ähnlich königlichen Hoheiten des Ancien Régime behandelt zu werden. Finanziell dürften diese Sonderleistungen Welch wenig bedeutet haben. Im Jahr 2000, seinem letzten kompletten Dienstjahr bei General Electric, bezog er ein Einkommen von 123 Millionen Dollar.

Man mag einwenden, es sei nichts Neues, dass die Chefs amerikanischer Konzerne eine Menge Geld kassieren. Aber es ist neu. Zwar waren sie im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeiter immer schon gut bezahlt, doch was ein Manager vor 30 Jahren verdiente und was er heute verdient, ist nicht zu vergleichen.

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind die Gehälter der meisten US-Bürger nur moderat gestiegen: Das durchschnittliche jährliche Einkommen wuchs inflationsbereinigt von 32 522 Dollar im Jahr 1970 auf 35 864 Dollar 1999. Zehn Prozent in 29 Jahren - ein Fortschritt, wenn auch ein bescheidener. Glaubt man dem Fortune Magazine, stiegen in derselben Zeit die Jahresgehälter der Firmenchefs der 100 größten US-Unternehmen aber von 1,3 Millionen Dollar - dem 39fachen des Gehaltes eines durchschnittlichen Arbeiters - auf 37,5 Millionen Dollar, dem mehr als 1000fachen Lohn eines normalen Arbeitnehmers.

Diese Explosion der Vorstandsgehälter in den vergangenen 30 Jahren ist an sich schon erstaunlich. Aber sie deutet nur auf einen größeren Zusammenhang hin: die erneute Konzentration von Einkommen und Wohlstand in den USA.

Offizielle Erhebungen belegen, dass ein wachsender Einkommensanteil an die oberen 20 Prozent der Familien fließt, und innerhalb dieser Schicht besonders an die obersten fünf Prozent, während die Familien in der Mitte immer weniger abbekommen. Dies sind die Fakten. Trotzdem beschäftigt sich eine ganze, gut finanzierte Industrie damit, sie zu leugnen. Konservative Denkfabriken produzieren reihenweise Studien, die diese Daten, die Methoden ihrer Erhebung und die Motive jener Statistiker diskreditieren sollen, die doch nur das Offensichtliche berichten. Vor vier Jahre hielt Alan Greenspan - wer konnte diesen Mann ernsthaft für objektiv halten? - eine Rede bei der Konferenz der US-Notenbank in Jackson Hole. Die Rede war ein einziger Versuch, die reale Zunahme von Ungleichheit in Amerika abzustreiten.

Tatsächlich jedoch haben Studien, die sich seriös um das Aufspüren hoher Einkommen bemühen, zu erschreckenden Ergebnisse geführt. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des unabhängigen Haushaltsamts des amerikanischen Kongresses hat beispielsweise Daten zur Einkommensteuer und andere Quellen herangezogen, um die bisherigen Schätzungen zu verbessern. Dabei stellte sich heraus, dass zwischen 1979 und 1997 die Nettoeinkommen des obersten Prozents der Bestverdienenden um 157 Prozent stiegen - gegenüber zehn Prozent bei den durchschnittlichen Einkommen. Noch aufrüttelnder sind die Ergebnisse einer Studie von Thomas Piketty und Emmanuel Saez vom französischen Forschungsinstitut Cepremap. Piketty und Saez nutzten Daten aus der Erhebung der Einkommensteuer, um die Einkommen von Wohlhabenden, Reichen und sehr Reichen bis zurück ins Jahr 1913 zu schätzen.

Aus diesen Berechnungen kann man einiges lernen. Zunächst, dass das Amerika meiner Jugend weniger als normaler Zustand unserer Gesellschaft gelten sollte, sondern eher als Interregnum zwischen zwei Goldenen Zeitaltern. In der amerikanischen Gesellschaft vor 1930 kontrollierten wenige Superreiche einen Großteil des Wohlstandes. Eine Mittelklassegesellschaft wurden wir erst, nachdem sich die Einkommenskonzentration während des New Deal von Präsident Franklin D. Roosevelt und besonders während des Zweiten Weltkriegs auflöste. Die Wirtschaftshistoriker Claudia Goldin und Robert Margo haben die Verengung der Einkommenskluft während dieser Jahre "Great Compression", Große Kompression, getauft. Bis in die siebziger Jahre blieben die Einkommen relativ gleichmäßig verteilt: Der rapide Anstieg der Einkommen der ersten Nachkriegsgeneration verteilte sich gleichmäßig auf die Gesamtbevölkerung.

Seit den siebziger Jahren klaffen die Einkommen allerdings zunehmend auseinander. Und die großen Gewinner sind die Superreichen. Ein häufig gebrauchter Trick, um die wachsende Ungleichheit herunterzuspielen, ist der Rückgriff auf relativ grobe statistische Aufschlüsselungen. Ein konservativer Kommentator wird zwar zum Beispiel einräumen, dass tatsächlich die obersten zehn Prozent der Steuerzahler einen immer höheren Anteil am nationalen Einkommen abbekommen. Aber dann kann er gelassen darauf verweisen, dass bereits ein Einkommen von 81 000 Dollar aufwärts zu diesen zehn Prozent zählt. Demnach reden wir nur von Einkommensverschiebungen innerhalb der Mittelschicht, oder?

Falsch. Die oberen zehn Prozent umfassen zwar tatsächlich eine Menge Leute, die wir der Mittelklasse zuordnen würden. Sie aber waren nicht die großen Gewinner. In Wahrheit profitierte das oberste eine Prozent der bestverdienenden zehn Prozent vom Einkommenszuwachs mehr als die folgenden neun Prozent der Steuerzahler. 1998 verdienten alle, die unter dieses eine Prozent fielen, jeweils mehr als 230 000 Dollar. Andererseits wanderten 60 Prozent der Zuwächse dieses einen Prozents in die Taschen von 0,1 Prozent, nämlich derjenigen, die über ein Einkommen von über 790 000 Dollar verfügten. Und fast die Hälfte dieser Steigerungen wiederum floss 13 000 Steuerzahlern zu, den obersten 0,01 Prozent, die über ein Einkommen von mindestens 3,6 Millionen Dollar, im Durchschnitt aber über Einnahmen von 17 Millionen Dollar verfügten.

Diese Schätzungen stammen aus dem Jahr 1998. Hat sich der Trend seitdem umgekehrt? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Alles weist darauf hin, dass die Einkommen an der Spitze im Jahr 2000 weiter nach oben schnellten. Seither fielen die hohen Einkommen wegen der fallenden Aktienkurse vermutlich etwas niedriger aus. Aber bereits für das Jahr 2001 weisen Erhebungen ein wieder wachsendes Auseinanderklaffen der Einkommen aus, was vor allem mit den Auswirkungen der Rezession auf die Geringverdiener zusammenhängt. Am Ende der derzeitigen Konjunkturschwäche werden wir uns mit ziemlicher Sicherheit in einer Gesellschaft wiederfinden, in der die Ungleichheit größer ist als in den späten Neunzigern.

Es ist also keineswegs übertrieben, von einem zweiten Goldenen Zeitalter zu sprechen. Als die Mittelklasse in Amerika an Boden gewann, war die Klasse der Villenbauer und Yachtbesitzer weitgehend verschwunden. 1970 besaßen 0,01 Prozent der Steuerzahler 0,7 Prozent des Gesamteinkommens - sie verdienten also "nur" 70-mal so viel wie der Durchschnitt, nicht genug, um eine Riesenresidenz zu kaufen oder zu unterhalten. 1998 hingegen flossen mehr als drei Prozent des Gesamteinkommens den oberen 0,01 Prozent zu. Das bedeutet, dass die 13 000 reichsten Familien in Amerika über fast ebenso viel Geld verfügten wie die 20 Millionen ärmsten Haushalte; die Einkommen dieser 13 000 Familien waren etwa 300-mal so hoch wie die der durchschnittlichen Familien. Und dieser Wandel ist längst noch nicht abgeschlossen.

II. Rücknahme des New Deal

Mitte der Neunziger, als die Ökonomen eine Veränderung der Einkommensverteilung in Amerika ausmachten, formulierten sie drei Haupthypothesen über ihre Ursachen.

Die Globalisierungsthese verknüpfte die sich verändernde Einkommensverteilung mit dem Wachstum des Welthandels, besonders mit dem zunehmenden Import verarbeiteter Güter aus der so genannten Dritten Welt. Diese These besagt, dass Arbeiter - Leute, die in meiner Jugend oft ebenso viel verdienten wie Manager der mittleren Ebene mit College-Abschluss - gegenüber den billigen Arbeitskräften aus Asien nicht konkurrenzfähig waren. Folglich stagnierten die Löhne normaler Leute oder sanken sogar, während ein größerer Anteil des nationalen Einkommens an die besser Ausgebildeten ging.

Eine zweite Hypothese sah den Grund für die wachsende Ungleichheit nicht im Außenhandel, sondern in den Innovationen im Inland. Der ständige Fortschritt in der Informationstechnologie hatte demnach die Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften stimuliert. Die Einkommen verteilten sich also zunehmend nach Hirn statt nach Muskeln.

Die "Superstar"-Hypothese des Chicagoer Ökonomen Sherwin Rosen variierte die These vom technologischen Fortschritt. Rosen argumentierte, moderne Kommunikationstechnologien machten den Wettbewerb häufig zu einem Wettkampf, bei dem der Gewinner reich belohnt werde, während die Unterlegenen weit weniger bekämen. Als klassisches Beispiel dient die Unterhaltungsbranche. Rosen führte an, dass früher Hunderte von Komödianten ihr bescheidenes Auskommen durch Live Shows verdienen konnten. In den Zeiten des Fernsehens sind die meisten verschwunden, übrig geblieben sind ein paar TV-Superstars.

Die Verfechtern dieser drei Hypothesen trugen erbitterte Kämpfe aus. In den vergangenen Jahren haben jedoch viele Ökonomen ein Gespür dafür entwickelt, dass keiner dieser Erklärungsansätze trägt.

Die Globalisierung kann zwar die sinkenden Arbeitergehälter teilweise erklären, kaum aber den 2500-prozentigen Anstieg der Vorstandsgehälter. Technologischer Fortschritt mag erklären, warum die Top-Gehälter mit zunehmendem Bildungsgrad gestiegen sind. Aber es ist schwer, dies mit der wachsenden Ungleichheit unter den College-Absolventen in Einklang zu bringen. Die Superstar-Theorie ist auf den Star-Talkmaster Jay Leno anwendbar, erklärt aber nicht, wieso Tausende von Leuten ungeheuer reich wurden, ohne zum Fernsehen zu gehen.

Auch die Große Kompression - die substanziell sinkende Ungleichheit während des New Deal und des Zweiten Weltkriegs - ist mithilfe der gängigen Theorien schwer zu verstehen. Während des Kriegs ließ Roosevelt die Lohnentwicklung staatlich kontrollieren, um Einkommensunterschiede auszugleichen. Aber wäre die Mittelklassegesellschaft nur ein Kunstprodukt des Krieges gewesen, hätte sie dann weitere 30 Jahre lang Bestand gehabt?

Manche Ökonomen nehmen mittlerweile eine These ernst, die sie noch vor einer Weile für verrückt gehalten hätten. Diese These betont die Rolle sozialer Normen, die der Ungleichheit Schranken setzt. Der New Deal hatte demnach einen viel tieferen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft, als ihm selbst glühende Bewunderer jemals zugestanden hätten. Er setzte Normen relativer Gleichheit, die die kommenden 30 Jahre überdauerten.

Diese Normen wurden seit den siebziger Jahren ausgehöhlt.

Ein Beleg dafür ist die Entlohnung von Führungskräften. In den sechziger Jahren verhielten sich die großen amerikanischen Unternehmen eher wie sozialistische Republiken und nicht wie kapitalistische Halsabschneider, und die Firmenchefs verhielten sich eher wie auf das öffentliche Wohl bedachte Bürokraten und nicht wie Industriekapitäne.

35 Jahre später schreibt das Magazin Fortune: "Überall in Amerika kassierten die Führungskräfte in Aktien ab, während ihre Unternehmen vor die Hunde gingen."

Lässt man die aktuellen Vergehen beiseite und fragt, wie die relativ bescheidenen Gehälter der Top-Angestellten von vor 30 Jahren zu gigantischen Entlohnungspaketen anwuchsen, stößt man auf zwei Erklärungsstränge.

Der optimistischere stellt eine Analogie her zwischen der Explosion der Gehälter von Konzernchefs und der Explosion der Gehälter von Baseball-Spielern. Sie besagt, dass hoch bezahlte Chefs ihr Geld wert sind, weil sie einfach die richtigen Männer für diesen Job sind. Die pessimistischere Sicht - die ich plausibler finde - besagt, dass die Jagd nach Talenten eine untergeordnete Rolle spielt. Denn schließlich gingen die voll gepackten Lohntüten oft genug an Leute, deren Leistung bestenfalls mittelmäßig war. In Wirklichkeit werden viele so gut bezahlt, weil sie es sind, die die Mitglieder des Aufsichtsrats ernennen - und der wiederum legt ihre Kompensation fest. Es ist also nicht die unsichtbare Hand des Marktes, die zu den monumentalen Bezügen führt. Es ist der unsichtbare Handschlag in den Hinterzimmern der Unternehmenszentralen.

Vor 30 Jahren wurden Vorstände weniger großzügig bedacht, weil die Angst vor einem öffentlichen Aufschrei die höheren Gehälter unter Kontrolle hielt. Heute empört sich niemand mehr. Insofern spiegelt die Explosion der Gehälter von Führungskräften eher einen sozialen Wandel wider als die rein ökonomischen Kräfte von Angebot und Nachfrage.

Wie aber konnte sich die Unternehmenskultur so verändern?

Ein Grund ist die gewandelte Struktur der Finanzmärkte. In seinem Buch Auf der Suche nach dem Unternehmensretter argumentiert Rakesh Khurana von der Harvard Business School, in den achtziger und neunziger Jahren sei der Kapitalismus der Manager durch den Kapitalismus der Investoren ersetzt worden. Institutionelle Investoren ließen die Konzernchefs nicht länger selbst ihre Nachfolger aus der Mitte der Firma heraus bestimmen. Sie wollten heroische Führergestalten, oft von außerhalb, und waren bereit, immense Summen dafür zu bezahlen. Khurana brachte dies im Untertitel seines Buches auf den Punkt: Die irrationale Suche nach charismatischen Vorstandschefs.

Moderne Management-Theoretiker hingegen glauben nicht, dass dies so irrational war. Seit den achtziger Jahren wurde die Bedeutung von leadership, von persönlicher, charismatischer Führung, zunehmend betont. Als Lee Iacocca von Chrysler in den frühen Achtzigern eine Berühmtheit wurde, war er eine Besonderheit. Khurana berichtet, dass die Business Week 1980 lediglich einen Vorstandschef auf dem Titelblatt hatte. 1999 waren es bereits 19. Und als es für einen Konzernlenker erst einmal als normal oder sogar notwendig galt, berühmt zu sein, wurde es auch leichter, ihn reich zu machen.

III. Der Preis der Ungleichheit

Auch die Ökonomen trugen dazu bei, dass Gehälter in vorher undenkbarer Höhe möglich wurden. In den achtziger und neunziger Jahren behauptete eine Flut von akademischen Abhandlungen, dass die Filmfigur Gordon Gekko aus Oliver Stones Wallstreet Recht hatte: Gier ist gut. Wer Führungskräfte zur Spitzenleistung treiben wolle, müsse ihre Interessen mit denen der Aktionäre in Einklang bringen, argumentierten diese Studien. Und das sollte durch die großzügige Gewährung von Aktien oder Aktienoptionen geschehen.

Piketty und Saez schlagen vor, die Entwicklung der Gehälter in den Führungsetagen in einem breiteren Kontext zu sehen. Löhne und Gehälter sind von sozialen Normen bestimmt - weit mehr, als die Ökonomen und Verfechter des freien Marktes sich vorstellen mögen. In den dreißiger und vierziger Jahren wurden neue Gleichheitsnormen etabliert, vor allem auf politischem Wege. In den Achtzigern und Neunzigern wurden diese Normen demontiert und durch einen Ethos des anything goes ersetzt. Die Folge war die Explosion der Spitzeneinkommen.

Trotz allem: Amerika ist noch immer das reichste der großen Länder dieser Welt, mit einem realen Bruttoinlandsprodukt (BIP), das 20 Prozent höher ist als etwa das von Kanada. Aber: Die Lebenserwartung in den USA ist um einiges niedriger als in Kanada, Japan und jedem größeren Land Westeuropas. Im Durchschnitt haben wir Amerikaner eine Lebenserwartung, die etwas unter der der Griechen liegt. Dabei war es ein amerikanischer Glaubenssatz, dass die Flut alle Boote steigen lässt - dass also alle vom zunehmenden Wohlstand profitieren. Hat unser wachsender nationaler Reichtum sich etwa nicht in einem hohen Lebensstandard für alle Amerikaner niedergeschlagen?

Die Antwort ist: Nein. Amerika hat zwar ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als alle übrigen großen Industrieländer, das aber vor allem weil die Reichen viel reicher sind als anderswo. Wir Amerikaner sind stolz auf unserer rekordverdächtiges Wirtschaftswachstum. Nur: In den letzten Jahrzehnten kam nur wenig von diesem Wachstum bei normalen Familien an. Das durchschnittliche Familieneinkommen ist nur um 0,5 Prozent jährlich gestiegen.

Darüber hinaus spiegeln die Einkommensstatistiken die zunehmenden Risiken der Arbeitswelt für normale Arbeiter kaum wider. Als der Autokonzern General Motors noch als Generous Motors bekannt war, konnten sich die meisten Mitarbeiter ihres Jobs ziemlich sicher sein. Sie wussten, die Firma würde sie nur im Extremfall feuern. Viele hatten Verträge, die ihnen eine Krankenversicherung garantierten, selbst bei einer Entlassung. Ihre Pensionen hingen nicht vom Aktienmarkt ab. Mittlerweile sind Massenentlassungen auch bei etablierten Unternehmen üblich. Und Millionen von Leuten mussten erleben, dass ein betrieblicher Pensionsplan keineswegs eine komfortable Rente garantiert.

Manche Leute mögen dem entgegnen, dass das System der USA bei aller Ungleichheit auch für höhere Einkommen sorge. Dass also nicht nur unsere Reichen reicher sind als anderswo, sondern dass es auch der typischen amerikanischen Durchschnittsfamilie besser gehe als den Menschen in anderen Ländern, ja sogar unseren Armen.

Doch das ist nicht wahr. Man sieht das am Beispiel von Schweden, der großen bête noire der Konservativen. Die Lebenserwartung in Schweden liegt um drei Jahre höher als in den USA. Die Kindersterblichkeit ist halb so hoch und Analphabetentum weit weniger verbreitet als in Amerika.

Zwar weist Schweden ein geringeres Durchschnittseinkommen auf als die USA, aber das liegt vor allem daran, dass unsere Reichen so viel reicher sind. Einer normalen schwedischen Familie hingegen geht es besser als der entsprechenden amerikanischen Familie: Die Einkommen sind höher, und die höhere Steuerlast wird durch die öffentliche Gesundheitsvorsorge und die besseren öffentlichen Dienstleistungen wieder wettgemacht. Und selbst schwedische Familien, die zu den 10 Prozent der Ärmsten gehören, verfügen über ein 60 Prozent höheres Einkommen als vergleichbare amerikanische Familien. Mitte der Neunziger lebten nur 6 Prozent aller Schweden von weniger als 11 Dollar pro Tag. In den USA waren es 14 Prozent.

Der Vergleich zeigt: Selbst wenn man die große Ungleichheit in den USA als den Preis ansieht, den wir für unsere große Wirtschaftskraft bezahlen, ist nicht klar, dass das Ergebnis diesen Preis wert ist. Denn die Ungleichheit in den USA hat ein Niveau erreicht, das kontraproduktiv ist.

Zum Beispiel die außergewöhnlich hohen Gehältern der heutigen Top-Manager. Sind sie gut für die Wirtschaft?

Nach dem Platzen der Spekulationsblase zeigt sich, dass wir alle für diese dicken Lohnpakete aufkommen mussten. Wahrscheinlich haben die Aktionäre und die Gesellschaft insgesamt einen Preis bezahlt, der die Geldmenge, die an die Manager gezahlt wurde, bei weitem übertraf.

Ökonomen, die sich mit Wirtschaftskriminalität beschäftigen, versichern, Verbrechen sei ineffizient - in dem Sinne, dass ein Verbrechen die Wirtschaft mehr kostet als das Gestohlene. Verbrechen leiten Energie und Ressourcen weg von dem, was nützlich ist: Kriminelle verwenden ihre Zeit eher aufs Stehlen als aufs Produzieren, potenzielle Opfer aufs Schützen ihres Eigentums. Das gilt auch für Wirtschaftskriminalität. Manager, die ihre Tage damit verbringen, das Geld ihrer Aktionäre in die eigenen Taschen zu leiten, haben keine Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben (denken Sie an Enron, WorldCom, Tyco, Global Crossing, Adelphia ...).

Das Hauptargument für ein System, in dem einige Leute sehr reich werden, war immer: Die Aussicht auf Reichtum ist ein Leistungsanreiz. Nur: Für welche Leistung? Je mehr bekannt wird, was in amerikanischen Firmen vor sich ging, desto unklarer wird, ob diese Anreize die Manager dazu gebracht haben, in unser aller Interesse zu arbeiten.

IV. Ungleichheit und Politik

Im September debattierte der Senat über den Vorschlag, US-Bürger, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, um in den USA keine Steuern zahlen zu müssen, mit einer einmaligen Steuer auf Kapitalgewinne zu belegen. Senator Phil Gramm wetterte dagegen: Dieser Vorschlag stamme "direkt aus Nazideutschland". Ziemlich heftig, aber nicht heftiger als die Metapher, die Daniel Mitchell von der Heritage Foundation in einem Beitrag in der Washington Times benutzte, um eine Gesetzesvorlage zu charakterisieren, die Unternehmen daran hindern sollte, ihren Firmensitz aus Steuergründen zu verlegen. Er verglich dieses Vorhaben mit dem infamen Erlass des Verfassungsgerichts von 1857, der den Bundesstaaten im Norden vorschrieb, geflohene Sklaven in die Südstaaten zurückzubringen.

Solche Äußerungen sind Indikatoren großer Veränderungen in der amerikanischen Politik. Zum einen sind unsere Politiker immer weniger geneigt, sich auch nur den Anschein von Mäßigung zu geben. Zum anderen neigen sie immer stärker dazu, die Interessen der Wohlhabenden zu bedienen. Und ich meine wirklich die Wohlhabenden, nicht nur die, denen es finanziell gut geht. Nur wer mindestens über ein Nettovermögen von mehreren Millionen Dollar verfügt, könnte es für nötig befinden, ein Steuerflüchtling zu werden.

Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Politiker auf die sich öffnende Einkommensschere reagieren, indem sie vorschlagen, den Reichen Geld aus der Tasche zu ziehen. Vermutlich hätte das Wählerstimmen gebracht. Stattdessen nutzt die Wirtschaftspolitik vor allem den Wohlhabenden. Die wichtigsten Steuererleichterungen der vergangenen 25 Jahre, unter Reagan in den Achtzigern und jetzt unter Bush, hatten alle eine Schieflage: Sie begünstigen die ohnehin schon ziemlich Reichen.

Das stärkste Beispiel dafür, wie die Politik zunehmend die Wohlhabenden begünstigt, ist das Ansinnen, die Erbschaftsteuer abzuschaffen. Diese Steuer trifft überwiegend die Reichen. 1999 wurden nur zwei Prozent aller Erbschaften überhaupt besteuert, und die Hälfte des Steueraufkommen stammte von 3300 Haushalten - also von nur 0,16 Prozent aller amerikanischen Haushalte, deren Besitz aber durchschnittlich 20 Millionen Dollar wert war. Die 467 Erben, deren Besitz 20 Millionen Dollar überstieg, zahlten ein Viertel der Steuer.

Eigentlich wäre zu erwarten, dass eine Steuer, die so wenige Leute trifft, aber so große Erträge bringt, politisch sehr populär ist. Zudem könnte diese Steuer demokratische Werte fördern, weil sie die Möglichkeit der Reichen einschränkt, Dynastien zu formen. Woher also der Druck, sie aufzuheben, und warum war diese Steuererleichterung das Herzstück der Steuerreform George W. Bushs?

Die Antwort fällt leicht, wenn man sieht, wem die Abschaffung der Steuer zugute kommt. Zwar würden nur wenige von einer Aufhebung der Erbschaftsteuer profitieren. Aber diese wenigen haben eine Menge Geld, und beruflich kontrollieren sie meist noch mehr. Genau diese Sorte Mensch zieht die Aufmerksamkeit von Politikern auf sich, die auf der Suche nach Wahlkampfspenden sind.

Aber auch ein breiteres Publikum wurde davon überzeugt, dass die Erbschaftsteuer eine schlechte Sache sei. Wer so denkt, ist meist überzeugt, dass kleine Unternehmen und Familien die Hauptlast der Steuer tragen - was schlicht nicht stimmt. Diese falschen Vorstellungen aber wurden gezielt gefördert - etwa durch die Heritage Foundation. Die wiederum wurde von reichen Familien gegründet.

Konservative Anschauungen, die gegen Steuern für Reiche kämpfen, sind nicht zufällig so verbreitet. Geld kann nicht nur direkten Einfluss kaufen, sondern man kann es auch verwenden, um die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Die liberale Gruppierung People for the American Way veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel Eine Bewegung kaufen. Darin berichtet sie, wie konservative Stiftungen, Denkfabriken und Medien große Summen zur Verfügung stellen, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen.

V. Plutokratie?

Weil die Reichen immer reicher werden, könnten sie sich außer Gütern und Dienstleistungen auch eine Menge anderer Sachen kaufen. Mit Geld lässt sich Einfluss auf die Politik erwerben, selbst Unterstützung aus intellektuellen Kreisen, wenn man es geschickt anstellt. Wachsende Einkommensunterschiede in den USA haben also nicht etwa dazu geführt, dass die Linken aufschreien und den Reichen ans Leder wollen. Stattdessen entstand eine Bewegung, die den Wohlhabenden mehr von ihren Erträgen belassen und ihnen das Weitervererben ihres Reichtums erleichtern will.

Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines sich selbst verstärkenden Prozesses. Während sich die Kluft zwischen Reichen und Armen weitet, kümmert sich die Wirtschaftspolitik zunehmend um die Interessen der Elite. Gleichzeitig bleibt für öffentliche Dienstleistungen, vor allem für Schulen, kaum noch Geld bleibt.

1924 erstrahlten die Villen an der Nordküste von Long Island noch in ihrem vollen Glanz, ebenso wie die politische Macht der Klasse, die sie besaß. Als der Gouverneur von New York, Al Smith, vorschlug, öffentliche Parks anzulegen, erntete er bitteren Protest. Ein Villenbesitzer, der "Zuckersultan" Horace Havemeyer, entwarf ein abschreckendes Szenario: Die Nordküste würde von "Gesindel aus der Stadt überrannt". - "Gesindel?", antwortete Smith, "Sie reden von mir." Letztlich bekamen die New Yorker ihre Parks, aber um ein Haar hätten die Interessen einiger hundert reicher Familien die Bedürfnisse der Mittelklasse von New York City ausgestochen.

Diese Zeiten sind vorbei. Wirklich? Die Einkommensunterschiede sind wieder so groß wie in den zwanziger Jahren. Ererbter Wohlstand spielt noch keine bedeutende Rolle, aber mit der Zeit - und der Aufhebung der Erbschaftsteuer - züchten wir uns eine Elite der Erben, die sich vom normalen Amerikaner so weit entfernt haben wird wie der alte Horace Havemeyer. Und die neue Elite wird - wie die alte - enorme politische Macht haben.

Kevin Philipps schließt sein Buch Wohlstand und Demokratie mit einer Warnung: "Wenn wir die Demokratie nicht erneuern und die Politik wieder zum Leben erwecken, wird der Wohlstand ein neues, weniger demokratisches Regime zementieren - eine Plutokratie." Eine extreme Einschätzung. Aber wir leben in extremen Zeiten.

Bin ich zu pessimistisch? Selbst meine liberalen Freunde sagen mir, ich solle mir keine Sorgen machen, unser System sei elastisch, die Mittelachse werde halten. Ich hoffe, dass sie Recht haben. Unser Optimismus, dass unsere Nation am Ende letztlich doch immer ihren Weg findet, rührt aus der Vergangenheit her - einer Vergangenheit, in der Amerika eine Mittelklassegesellschaft war. Aber damals war das Land noch ein anderes.

Nachdruck aus dem "New York Times Magazine" vom 20. Oktober 2002

Aus dem Amerikanischen von Sandra Pfister



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#40 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Die 11. Feb 2003 18:03
Betreff: Die Einkommensentwicklung steht Kopf.htm
harald_wozni...
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Die Einkommensentwicklung steht Kopf

von

Harald Wozniewski

1. Seit je her ist es gebräuchlich, bei der Beantwortung der Frage, ob und wie sich die Einkommen der arbeitenden Bevölkerung verändert haben, die Einkommen mit einem der verschiedenen Lebenshaltungsindizes zu vergleichen. Dieser Methode bedienen sich gerne jene Interessenvertreter, die ein Steigen der Einkommen auch der unteren Bevölkerungsschichten behaupten wollen. Unter der Überschrift "Einkommensverteilung: Von sozialer Schieflage keine Rede" beschreibt die Broschüre des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Globalisierung - Bedrohung oder Chance?, 1999, Seite 30, denn auch: " Wer bei den Gehältern nur die Millionen im Blick hat, die Matthäus, Schumacher und Co. bekommen, macht es sich zu einfach. Denn er übersieht, dass die Bruttolöhne insgesamt deutlich zugelegt haben - seit Mitte der 80er Jahre sind sie in den alten Ländern je Arbeitnehmer um preisbereinigt 15 Prozent gestiegen." In Busch/List/Schröder/Seffen/Weiß/Werner, Verdienst, Vermögen und Verteilung - Reichtumsbericht Deutschland, Köln 1998, Seite 10 heißt es: "Das verfügbare Einkommen der Privathaushalte ist zwischen 1960 und 1994 in Westdeutschland von 188 Milliarden DM auf fast 1,9 Billionen DM angewachsen - es hat sich also verzehnfacht. Selbst wenn man die Preissteigerung herausrechnet und zu einer Pro-Kopf-Betrachtung übergeht, ergibt sich für den Gesamtzeitraum noch ein Anstieg um 170 Prozent." Gemessen am Lebenshaltungsindex wird also immer wieder steigender Wohlstand bei der gesamten Bevölkerung festgestellt.

2. Ein ganz anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man die Einkommen der Menschen mit der Geldmenge vergleicht, die in unserer Volkswirtschaft existiert. Der Begriff der Geldmenge ist keineswegs eindeutig. Er ist mindestens so schwer zu definieren wie der Begriff des Geldes überhaupt. Hier ist allerdings kein Raum, dieses Problem zu vertiefen. Dazu sei nur auf Kulke, Der Zusammenhang zwischen der Höhe des Volkseinkommens und der Geldmenge, Berlin 1975, verwiesen. Vereinfacht gesagt ist die Geldmenge die Menge an Zahlungsmitteln, die in unserer Volkswirtschaft existiert und die sich auf die Subjekte unserer Volkswirtschaft verteilt. Dabei darf man nicht meinen, die Geldmenge sei eine über die Jahre hinweg konstanten Größe. Im Gegenteil: Gleich welche Geldmenge man betrachtet, sie alle sind in großen Schritten gewachsen. Eine dieser begrifflich verschiedenen Geldmengen ist die Geldmenge M3, die von der Deutschen Bundesbank bzw. von der Europäischen Zentralbank ermittelt (und zugleich kontrolliert) wird. Sie wollen wir unserer folgenden Betrachtung zu Grunde legen.

Bevor wir uns dem Vergleich der Geldmenge M3 mit dem Einkommen der Bevölkerung in Deutschland zuwenden, wollen wir kurz einen Blick allein auf die Einkommensentwicklung der Bevölkerung werfen. Die Einkommen haben sich nämlich in der Bevölkerung sehr unterschiedlich entwickelt, was bereits die Einkommensteuerstatistiken des Statistischen Bundesamtes zeigen. Diese Statistiken zeigen zwar nicht das jeweils verfügbare Geld der Menschen in Deutschland. Denn es fehlen alle Geldbeträge, die die Steuerpflichtigen als Kosten (meist von Unternehmen) absetzen dürfen (wollte man der Frage nachgehen, über wie viel Geld die Menschen in Deutschland tatsächlich verfügen können, wären auch diese Beträge interessant). Naturgemäß haben Personen mit hohen Einkommen auch hohe absetzbare Kosten. Dennoch ist auch die so gesehen verkürzte Einkommensentwicklung beeindruckend (besser: erdrückend). Das folgende Diagramm zeigt von 1961 bis 1995 (die Statistik für 1998 liegt leider noch nicht vor) die Einkommensentwicklung der tausend best verdienenden Steuerpflichtigen, der nächst best verdienenden zehntausend Steuerpflichtigen, dann der nächsten hunderttausend Steuerpflichtigen, der nächsten Million Steuerpflichtigen und schließlich der übrigen Steuerpflichtigen (die dem Diagramm zu Grunde liegenden Zahlen sowie die Fundstellen finden Sie in der beigefügten Excel-Tabelle):

Die hier zu sehende Entwicklung der Einkommen der "übrigen Bevölkerung" wollen wir nun mit der Entwicklung der Geldmenge M3 vergleichen. Die Daten von M3 liegen leider nur ab 1974 vor. 1974 lag das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der "übrigen Bevölkerung" bei 20.541 DM. Die Geldmenge M3 betrug 452,205 Milliarden DM. Das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der "übrigen Bevölkerung" hatte somit an der Geldmenge M 3 einen Anteil von 4,54 Millionstel Prozent. Bis 1995 war das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der "übrigen Bevölkerung" nominell zwar mit 47.988 DM deutlich gewachsen. Verglichen aber mit der Geldmenge M3, die nunmehr bei 2.007,441.Milliarden DM angekommen war, war es rapide gesunken nämlich auf fast die Hälfte, auf einen Anteil von nur noch 2,39 Millionstel Prozent!

Die Erklärung für diese widersprüchlichen Ergebnisse ist relativ einfach. Alle Lebenshaltungsindizes beobachten einen bestimmten Warenkorb und die Preisentwicklung der darin liegenden Waren. Diese Warenkorb ist aber nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in unserer Volkswirtschaft tatsächlich umgesetzt wird. Unternehmenskapital z. B. ist in keinem Lebenshaltungsindex berücksichtigt, obwohl dieses für Kapitaleinkünfte eine herausragende Rolle spielt. Dem tatsächlich gesamten Güterumsatz steht indes die Geldmenge gegenüber, so dass wir auch nur durch einen Vergleich mit der Geldmenge ein realistisches Bild der Einkommensentwicklung erhalten. Das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der "übrigen Bevölkerung", das wie gesagt 1974 bei 20.541 DM lag, hätte, wenn es mit der Entwicklung der Geldmenge M3 hätte mithalten sollen, bis 1995 nicht nur auf 47.988 DM sondern bis 91.185 DM steigen müssen.

Vergleichen wir nun die Entwicklung der Einkünfte der 1000 Reichsten mit der Geldmenge M3:

Die Entwicklung dieser Einkünfte hat von 1974 bis 1983 mit der Entwicklung der Geldmenge M3 ungefähr Schritt gehalten. Bis 1989 hat sie die Entwicklung der Geldmenge bei weitem übertroffen. Dann ist sie (scheinbar) wieder auf ihr früheres (relatives) Niveau zurückgefallen. Tatsächlich aber machen sich hier die durch den Zusammenschluss mit der DDR neu entstandenen, steuerbegünstigten Kapitalanlagemöglichkeiten bemerkbar.

3. Nach alledem bleibt festzustellen, dass die Einkommen des Großteils der Bevölkerung seit Jahrzehnten wertmäßig stetig geringer werden, selbst wenn sie - gemessen an einem Lebenshaltungsindex - zu wachsen scheinen. Mit anderen Worten: Die Masse der Bevölkerung kann sich im Vergleich zu den Reichen stetig weniger leisten, und sie nimmt folglich immer weniger an der Volkswirtschaft teil. Der Einbruch der Konjunktur ist die logische Folge.


#43 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mo 24. Feb 2003 7:05
Betreff: Reichste Deutsche - manager-magazin.de.html
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Die 250 Reichsten Deutschen
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R A N K I N G

Der deutsche Geldadel

Von Klaus Boldt, Wolfgang Hirn und Heide Neukirchen

Deutschlands Milliardäre sind ärmer geworden. Doch einigen wenigen Mega-Reichen gelang es sogar in der Wirtschaftsflaute, ihr bereits stattliches Vermögen weiter aufzustocken. Wer ist drin, wer draußen? Die neue Rangliste des manager magazins zeigt es.

Hamburg - Der dramatische Börsencrash und die anhaltende Konjunkturflaute haben nicht nur auf den Konten der Kleinanleger, sondern auch in den Vermögen der Superreichen tiefe Spuren hinterlassen. Viele Milliardäre sind ärmer geworden. Bei einigen Mega-Reichen war der Vermögensverlust sogar derart empfindlich, dass sie im neuen, ausgeweiteten Ranking "Die 250 reichsten Deutschen" des manager magazins nicht mehr auftauchen.

Manfred Lautenschläger (MLP), Rolf Gerling (Gerling Versicherung) oder Karl Ehlerding (WCM) etwa haben in den vergangenen Monaten herbe Niederlagen hinnehmen müssen: Der Wert ihrer einst so prallen Aktienpakete schmolz dahin, ihre Firmenanteile wurden immer wertloser. Kürzlich meldete sogar der Gerade-eben-noch-Milliardär Gerhard Schmid (Mobilcom) private Insolvenz an.

Doch einige der Mega-Reichen sind in den schweren Zeiten noch reicher geworden, so etwa die Brüder Albrecht mit ihren Aldi-Märkten. Anna Albrecht, die Mutter des reichsten Deutschen, brachte es auf den Punkt: "Je schlechter es den Leuten geht, desto besser geht es uns."

Die vollständige Liste und alle Details zu den 250 reichsten Deutschen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 3/2003 des manager magazins.
Kein Wunder also, dass Theo Albrecht, Verwaltungsratschef der Discountkette Aldi Nord, mit einem Vermögen von rund 15 Milliarden Euro (Vorjahr: 14,6) das Ranking anführt. Zu diesem Ergebnis kommt das manager magazin in seiner zum dritten Mal durchgeführten Untersuchung.

Auf Platz zwei folgen die Familien Boehringer und von Baumbach, denen der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim gehört und deren Vermögen mit 14,5 Milliarden Euro beziffert wird. Karl Albrecht, Bruder von Theo und Ex-Chef von Aldi Süd, liegt mit 13 Milliarden Euro bereits auf Rang drei.

Unter den Top Ten rangieren auch: Werner Otto (Otto Versand), Susanne Klatten (Altana, BMW), Friedrich Karl Flick (Flick-Holding), Reinhold Würth (Würth-Gruppe), Adolf und Ludwig Merckle (Ratiopharm) sowie Curt Engelhorn (vormals Boehringer Mannheim).

Weiter zur: Bildergalerie der Mega-Vermögenden



Die reichsten Deutschen

Ranking: Die Top Ten im Überblick
Hintergrund: Die Mega-Reichen
Methode: So hat mm die Vermögen ermittelt




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#44 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Fr 28. Feb 2003 9:45
Betreff: Nette Geste! Fw: [Attac-geld] neue gruppe bei attac??
harald_wozni...
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----- Original Message -----
From: <Gerhard.Juettner@...>
To: <attac-geld@...>
Cc: <harald@...>
Sent: Thursday, February 27, 2003 10:24 AM
Subject: Re: [Attac-geld] neue gruppe bei attac??


> Hallo zusammen,
>
> Harald Klimenta schrieb:
>
> > ich fände es sehr vernünftig, eine deutschland-weite AG zur
> > Verschuldungsthematik/Vermögensungleichheit zu gründen, in der es um
> > das "Wesen von Geld", die "Wirkungen von Geld", von der
> > Zerstörung von Sozialkapital durch Vermögens- und
> > Armutszunahme geht. daran würde ich mich gerne beteiligen.
>
> Hierzu möchte ich auf folgende interessante Beiträge hinweisen:
> http://www.dr-wo.de/schriften/monopoly/monopoly.htm
> http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/feudalismus.htm
> http://www.dr-wo.de/schriften/ee/index.htm
>
> Grüßle, gj
>
> P.S.: Es wäre natürlich erfreulich, wenn Harald Wozniewski zumindest sich
an
> der Diskussion hier auf der Liste beteiligen könnte. (Anmeldung über
> http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/attac-geld)
>
> --
> Kein Krieg gegen den Irak!
> http://www.resistthewar.de
>
> +++ GMX - Mail, Messaging & more  http://www.gmx.net +++
> Bitte lächeln! Fotogalerie online mit GMX ohne eigene Homepage!
>
>

#45 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Sam 1. Mrz 2003 18:27
Betreff: Paul Krugman im Spiegel 1/2003 http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,228734,00.html
harald_wozni...
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WELTWIRTSCHAFT

"Koalition der Eliten"

US-Ökonom Paul Krugman über die zwiespältigen Aussichten für die Weltwirtschaft, die notwendigen Reformen in Deutschland und seinen publizistischen Kampf gegen Präsident Bush

SPIEGEL: Professor Krugman, die Wirtschaftslage in den USA hat sich nach dem Einbruch in 2001 wieder aufgehellt. Ist die US-Wirtschaft über das Gröbste hinweg?

Paul Krugmann

gehört zu den schärfsten Kritikern der Wirtschaftspolitik der Regierung Bush. Der Ökonom lehrt an der Universität in Princeton und schreibt zweimal pro Woche eine viel beachtete Kolumne in der "New York Times". Krugman, 49, gilt als Wunderkind seiner Disziplin und Anwärter auf den Nobelpreis, weil er jung an Jahren eine bahnbrechende Theorie über internationalen Handel veröffentlichte. Er verbrachte 1982/83 "erhellende Monate" im Weißen Haus unter Ronald Reagan und gehörte zu den Beratern Bill Clintons, bekam aber keinen Job wegen seines Freimuts und seiner Unabhängigkeit. Für das Verhältnis George W. Bushs zur Wirtschaft prägte er den treffenden Ausdruck "crony capitalism" - Kapitalismus unter Busenfreunden.

Krugmann: Die wirtschaftliche Lage ist seit einem Jahr im Grunde nahezu unverändert: kaum Erholung bei Investitionen, aber dafür ein starker Konsum, der die Ökonomie vor einem Abschwung bewahrt. Die Optimisten sagen die ganze Zeit, dass die Unternehmen schon bald beginnen werden, wieder neu zu investieren - was nicht geschieht. Die Pessimisten glauben, dass die Verbraucher zurückstecken - auch das ist bislang nicht passiert. Klar ist, dass die US-Wirtschaft zu langsam wächst, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten. Das drückt auf die Preise und damit auf die Gewinne und lässt die Zahl der Arbeitslosen weiter steigen. Die Parallelen zur Situation in Japan Anfang der neunziger Jahre sind stärker, als uns lieb sein kann.

SPIEGEL: Trauen Sie sich eine Konjunkturprognose für 2003 zu?

Krugman: Meine Vorhersage wäre zwei bis drei Prozent Wachstum übers Jahr gerechnet. Wenn Sie mich allerdings fragen, ob die US-Wirtschaft in eine neue Rezession stürzen kann, muss ich sagen: ja, absolut. Kann sie im Gegenteil um fünf Prozent nach oben drehen? Ebenfalls gut möglich.

SPIEGEL: Die Republikaner planen eine weitere Runde von Steuersenkungen, um der Wirtschaft noch einmal Schwung zu geben. Die Demokraten sind entschieden dagegen und verweisen auf die wachsenden Staatsschulden. Auf welcher Seite stehen Sie bei diesem Streit?

Krugman: Ein hoher Beamter im Finanzministerium hat einmal gesagt, dass der Staat im Grunde genommen nichts anderes ist als eine riesige Versicherungsanstalt, die nebenbei noch ein nationales Verteidigungsunternehmen unterhält. Die vernünftigste Position wäre also, die dauerhaften Steuersenkungen, die 2001 beschlossen wurden, wieder zurückzunehmen, weil wir sie uns derzeit nicht leisten können und sie dem Auftrag des Staates zuwiderlaufen, ausreichend Vorsorge für seine Verpflichtungen in der Zukunft zu treffen. Ich gebe zu, diese Position ist in der politischen Debatte nicht so leicht zu vermitteln, was auch die Schwierigkeiten der Demokraten ausmacht, die Diskussion zu ihren Gunsten zu entscheiden.

SPIEGEL: Was soll die Regierung Ihrer Meinung nach tun: Einfach dasitzen und abwarten, dass sich die Dinge schon fügen?

Krugman: Wenn ich wie Bush die Kontrolle über Senat, Repräsentantenhaus und das Weiße Haus hätte, würde ich erstens die Finanzhilfen für die Bundesstaaten aufstocken, zweitens die Sozialabgaben senken und drittens die Arbeitslosenzahlungen verbessern, denn dieses Geld wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort wieder ausgegeben. Mein Schwerpunkt läge auf einer Entlastung der Mittelschichten und Geringverdiener. Doch was bekommen wir stattdessen? Klassische konservative Steuerpolitik, von der vor allem die Wohlhabenden profitieren, die Wirtschaft und die Investoren. Wenn man die Vorschläge durchrechnet, die derzeit vom Weißen Haus in Umlauf gebracht werden, dann gehen zwei Drittel der Vergünstigungen an die oberen fünf Prozent der Bevölkerung.

SPIEGEL: Liegt es nicht in der Natur einer Steuerreform, dass diejenigen, die die meisten Steuern zahlen, auch am meisten von ihr profitieren? Von diesen oberen fünf Prozent in der amerikanischen Einkommenspyramide kommen immerhin auch 50 Prozent der Einkommensteuern.

Krugman: Man kann auch eine ganz andere Rechnung aufmachen: Wenn Sie sich nämlich die Steuersenkungen für das oberste ein Prozent der Gesellschaft ansehen, dann stellen Sie fest, dass auf diese kleine Gruppe gut 40 Prozent der vorgesehenen 1,35 Billionen Dollar an Erleichterungen, wenn sie erst einmal voll greifen, entfallen, und das, obwohl ihr Beitrag zum Steueraufkommen des Staates nur bei 24 Prozent liegt. Es ist genau dieses Ungleichgewicht zu Gunsten der Reichen, das charakteristisch ist für alles, was die Bush-Regierung tut. Sie repräsentiert, was man gemeinhin Plutokratie nennt, eine Koalition der Eliten.

SPIEGEL: Die deutsche Bundesregierung setzt statt auf Steuerentlastungen auf Steuererhöhungen, mit zweifelhaftem Erfolg: Die Konjunkturprognosen für 2003 sind noch einmal nach unten korrigiert worden, die Arbeitslosenquote hängt bei knapp 10 Prozent. Was wäre in diesem Fall Ihre Empfehlung?

Krugman: Bei Ihnen sieht es besonders trostlos aus, das stimmt. Was Deutschland dringend braucht, ist eine Abwertung der Währung, aber das ist ja nun, nach Einführung des Euro, nicht mehr möglich. Zunächst einmal würde ich versuchen, die Europäische Zentralbank davon zu überzeugen, doch bitte mehr wie die hiesige Notenbank zu handeln. Die Zinssätze in Europa sind eindeutig zu hoch, und es spricht absolut nichts dagegen, das Inflationsziel etwas höher zu setzen. Darüber hinaus? Strukturreformen, was sonst.

SPIEGEL: In diesem Fall also doch Vorbild USA?

Krugman: Wenn Amerika zu viel Vertrauen in freie Märkte setzt, dann Deutschland eindeutig zu wenig. Da ist doch alles sehr eng gezurrt, von den Kündigungsregeln bis zum Ladenschluss. Was Deutschland heute fehlt, ist eine Margaret Thatcher.

SPIEGEL: Die USA bereiten sich auf einen neuen Waffengang gegen Saddam Hussein vor. Wird ein Krieg der US-Wirtschaft schaden oder im Gegenteil, wie manche glauben, sogar einen zusätzlichen Schub geben?

Krugman: Jede Militärausgabe steigert die Nachfrage, das ist schon richtig. Anderseits werden sowohl Washington als auch die einzelnen Bundesstaaten in diesem Jahr wegen der schlechten Haushaltslage gezwungen sein, gerade die Sozialbudgets zusammenzustreichen, so dass der Nettoeffekt eher negativ sein wird. Ich denke, dass die wirtschaftlichen Folgen eines neuen Irak-Kriegs zunächst eher unbedeutend sind. Richtig teuer wird es erst, wenn die USA gezwungen sind, im Golf auf Dauer große Truppenkontingente zu stationieren.

SPIEGEL: Das Jahr 2002 war auch das Jahr der spektakulären Firmenpleiten. Sie haben prophezeit, dass das Enron-Debakel im Rückblick für das Selbstverständnis Amerikas wichtiger sein könnte als der 11. September. Sehen Sie sich im Nachhinein in Ihrer Einschätzung bestätigt?

Krugman: Ich muss zugeben, dass es mich überrascht und auch ein wenig bestürzt hat, wie schnell die Erinnerung an Skandale wie den Fall von Enron oder WorldCom aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden ist.

SPIEGEL: Sie haben auch den US-Wähler falsch eingeschätzt. Die Republikaner haben bei den Zwischenwahlen im November einen glänzenden Wahlsieg eingefahren, Präsident Bush ist nach wie vor ungemein populär. Anscheinend stören sich die Amerikaner nicht besonders an dem, was Sie eine Koalition der alten Eliten nennen.

Krugman: Ich war leider nie besonders gut in der Prognose, wie Wähler reagieren. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass ein Land in Vorbereitung auf einen Krieg das Beste ist, was einer Regierung passieren kann. Krieg macht sich im Fernsehen immer gut.

SPIEGEL: Sie glauben wirklich, dass die Kriegsvorbereitungen die Bürger hinreichend von dem deprimierenden Stand ihrer Aktiendepots ablenken? Man sollte annehmen, dass sie allen Grund haben, wütend zu sein, zumal die Regierung erkennbar bremst, wenn es um eine effektivere Aufsicht der Unternehmen geht.

Krugman: Sicher, die Leute finden ihre Depots halbiert, aber dann schalten sie den Fernseher ein und sehen ihren Präsidenten, mit wehenden Flaggen im Hintergrund, und sie nehmen einfach an, dass er auf ihrer Seite steht. Sie wollen nicht glauben, dass er Teil des Systems ist, das sie um ihre Altersrücklagen gebracht hat. Es ist ein sehr verstörender Gedanke, dass ausgerechnet die Autoritäten, an die man sich um Hilfe wendet, mit der Räuberclique unter einer Decke stecken könnten. Die Psychologen nennen das kognitive Dissonanz.

SPIEGEL: Sie schreiben nahezu wöchentlich gegen Präsident George W. Bush und seine Regierung an. Glaubt man Ihren Artikeln, dann sitzt im Weißen Haus eine Bande von Betrügern und Lügnern, die nur ein Ziel kennt: die Reichen noch reicher zu machen und die Armen noch ärmer. Meinen Sie das ernst?

Krugman: Niemand erwartet, dass der Präsident ein Heiliger ist. Jeder geht davon aus, dass diejenigen, die im Weißen Haus sitzen, die Wahrheit ein wenig zu ihren Gunsten biegen. Aber in welchem Ausmaß diese Regierung die Öffentlichkeit zu täuschen versucht, das ist schon ziemlich spektakulär. Ich habe manchmal das Gefühl, ich lebe nicht in einer der ältesten Demokratien der Welt, sondern auf den Philippinen unter einem neuen Marcos.

SPIEGEL: Wo täuscht und belügt Sie denn Ihre Regierung?

Krugman: Das beginnt bei der doppelten Buchführung in Wirtschaftsplänen, bei denen derselbe Billionenbetrag einfach zweimal für verschiedene Zwecke gezählt wird. Sie finden diesen entstellenden Umgang mit Fakten aber auch, wenn es um den Irak-Krieg geht und die Frage, welche Beweise tatsächlich gegen Saddam Hussein vorliegen, oder um die engen Beziehungen von Regierungsmitgliedern zu großen Konzernen. Da hat sich eine Art Muster entwickelt, das fraglos etwas Neues in der amerikanischen Politik darstellt.

SPIEGEL: Nach den Bilanzskandalen bei WorldCom und Enron ist es vergleichsweise ruhig geworden. War's das? Oder drohen möglicherweise weitere Betrugsfälle?

Krugman: Die derzeitige Ruhe ist wahrscheinlich trügerisch. Man muss sich nur die Gewinne ansehen, die die 500 wichtigsten, bei Standard & Poors aufgeführten US-Unternehmen zwischen 1997 und 2001 ausgewiesen haben, und diese dann mit den Zahlen des Nipa, der Volkseinkommensstatistik des US-Wirtschaftsministeriums, vergleichen, die man nicht schönen kann und die sich bemerkenswerterweise in diesem Zeitraum kaum bewegt haben. Wir können deshalb mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass die S&P-500-Unternehmen als Gruppe genommen ihre Profite um etwa 30 Prozent zu hoch angegeben haben, was bedeutet, dass da noch einige Enrons auffliegen werden.

SPIEGEL: Es gibt viele Experten, die Notenbankchef Alan Greenspan vorwerfen, die Börsenblase mit seiner Zinspolitik begünstigt zu haben. Denken Sie das auch?

Krugman: Man kann daran Zweifel haben, ob er die Blase hätte verhindern können, aber er hat es jedenfalls nie ernsthaft versucht. Tatsächlich hat er die Börse sogar hochgeredet. Er war einer der prominentesten Vertreter dieses grenzenlosen Millenniums-Optimismus. Er wurde zum Cheerleader, und wenn es etwas gibt, was ein Zentralbanker nie sein sollte, dann das.

SPIEGEL: Die Frage ist allerdings, ob es Aufgabe der Notenbank ist, sich um Aktienpreise zu sorgen. Soll sie wirklich über die Zinsen intervenieren?

Krugman: Das ist eine schwierige Debatte, die unter Ökonomen derzeit auch sehr ernsthaft geführt wird. Einerseits wissen wir genau, wie Blasen entstehen und zu welchen gesamtwirtschaftlichen Problemen sie führen können. Auf der anderen Seite steht die Frage, ob wir den Auftrag der Zentralbank wirklich noch weiter ausdehnen wollen. Meine Haltung ist da sehr schwankend, man kann mit gutem Grund beide Positionen vertreten.

SPIEGEL: Haben Sie selbst Geld an der Börse verloren?

Krugman: Ja, aber nicht sehr viel.

SPIEGEL: Sie schreiben mittlerweile zweimal in der Woche für die "New York Times", bringen Bücher heraus, halten Vorträge. Kommen Sie noch zum Unterrichten?

Krugman: Ich bereite mich gerade auf meine nächste Vorlesung vor. Ich bin, ehrlich gesagt, auch ziemlich froh, dass ich nicht vom Schreiben leben muss, sondern noch eine Karriere als Wissenschaftler habe. Deshalb kann ich ganz andere Risiken eingehen als ein normaler Journalist. Ich bin nicht auf guten Zugang zum Weißen Haus angewiesen, ich kann es mir mit allen dort verderben.

SPIEGEL: Das haben Sie offenbar geschafft.

Krugman: Es ist schon eigenartig, denn als ich im Herbst 1999 meine Kolumne mit der "New York Times" vereinbarte, dachte ich eigentlich daran, gut gelaunte Anmerkungen zu den Eigentümlichkeiten der New Economy zu liefern. Stattdessen finde ich mich nun wieder als die einsame Stimme der Wahrheit in einem Meer von Korruption. Manchmal denke ich, dass ich eines Tages in einem dieser Käfige in Guantanamo Bay lande (lacht). Aber ich kann ja immer noch in der Bundesrepublik um Asyl bitten. Ich hoffe, Sie nehmen mich im Notfall auf.

SPIEGEL: Professor Krugman, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Das Gespräch führten die Redakteure Jan Fleischhauer und Gerhard Spörl.



#46 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Sam 1. Mrz 2003 19:02
Betreff: Das CDU-Forum...
harald_wozni...
Mail senden Mail senden
 
... ist oft das sachlichste Forum, das ich kenne: http://forum.cdu.de/forum/thema1/ovr/aaaa000H0.ovr
 
Kompliment!
 
dr. wo

#50 Von: feudalismus@...
Datum: Mit 19. Mrz 2003 15:11
Betreff: Laden einer neuen Datei in Y! Group feudalismus
feudalismus@...
Mail senden Mail senden
 
Guten Tag!

Mit dieser E-Mail möchten wir Ihnen mitteilen, daß eine neue Datei in
das Datei-Verzeichnis von Y! Group feudalismus geladen
wurde.

   Datei:             /infoblatt.zip
   Datei geladen von: harald_wozniewski <harald@...>
   Beschreibung:      Flugblatt zu den politischen Schriften im Internet

Sie können mit folgender URL auf diese Datei zugreifen:

http://de.groups.yahoo.com/group/feudalismus/files/infoblatt.zip

Mehr Infos zur gemeinsamen Nutzung von Dateien innerhalb Ihrer Y!
Group finden Sie unter:

http://help.yahoo.com/help/de/groups/files

Mit freundlichen Grüßen

harald_wozniewski <harald@...>
Die Nutzung von Yahoo! Groups ist Gegenstand der
http://de.docs.yahoo.com/info/utos.html

#55 Von: "Reinhard Dowe <reinhard.dowe@...>" <reinhard.dowe@...>
Datum: Fr 18. Apr 2003 18:45
Betreff: Können wir noch einen richtigen Weg finden?
futurverlag
Mail senden Mail senden
 
Harald Wosniewski stellt in diesem Forum Fragen (zip-Datei) wie:
	 Warum gibt es so viele Konkurse und so viel Arbeitslosigkeit?
	 Warum sind die Sozialkassen leer?
	 Müssen Arbeitnehmer auf Gehaltserhöhung verzichten, damit die
Konjunktur besser läuft?
	 Was helfen "Investitionen" gegen Arbeitslosigkeit?
	 etc.

Wir können - wie es in den Wissenschaften seit Jahrhunderten
geübt
und auch in den Wirtschaftsinstituten seit Jahrzehnten praktiziert
wird - jede Frage einzeln be- bzw. abhandeln und dafür unendlich
viele plausible Begründungen finden. So lernen wir es schon in
Kindesjahren, wachsen damit auf und denken (!), dass es gar nicht
anders sein könnte.
Eigentlich ist auch gar nichts dagegen einzuwenden, alles einzeln zu
betrachten und für jede einzelne Frage auch sogleich mehrere
plausible Antworten zu finden - wenn wir dabei nicht bedroht
würden,
an unseren seit den 70-iger Jahren stetig wachsenden Problemen zu
ersticken.

All die "guten Antworten", die wir doch nun schon zur Genüge
kennen,
haben und werden uns nicht weiterhelfen, solange wir nicht bereit
sind, eine "Gesamtschau" vorzunehmen!

Dieses Forum eignet gerade dazu, eine solche "Gesamtschau" anzuregen
und dazu einzuladen, daran teilzunehmen!

Wir leben ja nicht in einer "Wildnis unter Urwaldbedingungen". Wir
sind eine demokratische, staatliche Gemeinschaft mit einem von so
manchen Menschen in totalitären Staaten beneidetem Grundgesetz.
Sind
wir uns dessen überhaupt bewusst?

Sollten wir nicht beginnen, Fragen zu formulieren wie:
	 Wie lange kann eine Gemeinschaft es (noch) verkraften, wenn
von 40 Mill. Arbeitsfähigen, 5, 6, oder (?) Mill. von der
Schaffung
des gemeinsamen Wohlstandes ausgeschlossen werden?
	 Wer ist eigentlich zuständig, diesen Problemen zu begegnen?
	 Ist es die Bundesanstalt für Arbeit? (neu: Bundesagentur für
Arbeit)
	 Ist es die Wirtschaft, wie es die Politik gern behauptet?
	 Oder ist es nicht doch eine "höchst politische" Aufgabe?
	 Kann es überhaupt eine Lösung geben, wenn wir schon in der
Öffentlichkeit zu keiner einhelligen Meinung gelangen?

Ich denke, wir brauchen Leute, die den Problemen "ganzheitlich"
begegnen! Wir sollten nur Leute in Funktionen schicken, die sich der
Gesamtheit - dem Wohl für Alle - annehmen. Wir leben heute (noch
nie
zuvor!) in einem Staat, der die Verwirklichung des Einzelnen
ermöglicht - ganz besonders jetzt mit den Möglichkeiten des
Internets.

Ich bin optimistisch, ich glaube daran, dass das nicht schief gehen
kann!

Ich wünsche angenehme Festtage
und verbleibe mit besten Grüßen
Reinhard Dowe

#57 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mit 23. Apr 2003 12:26
Betreff: SPD-Mitgliederbegehren.html
harald_wozni...
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Wir sind die Partei!


Das SPD-Mitgliederbegehren

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sorgen uns um die Zukunft unserer SPD. Wir sind überzeugt davon, dass wir nur mit einem klaren sozialdemokratischen Profil Erfolg haben können. Nur wenn wir wissen, wofür wir uns einsetzen, können wir die Menschen auch für unsere Ideen gewinnen. Das ist für uns keine Frage von linken und rechten Flügeln in der Partei und keine Frage von "Modernisierern" oder "Traditionalisten". Es geht um die gemeinsame Idee einer gerechten Gesellschaft, die persönliche Freiheit mit Solidarität verbindet.

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen zu unserer SPD-geführten Bundesregierung und unserem Bundeskanzler Gerhard Schröder. Gemeinsam haben wir seit 1998 viele wichtige Reformen erkämpft. Dafür tragen wir gemeinsam Verantwortung und darauf können wir gemeinsam stolz sein.

Wir sind die Partei, in der die Mitglieder die Richtung unserer Politik mitbestimmen. Wir melden uns zu Wort, weil Korrekturen notwendig sind, um als SPD Erfolg zu haben und Arbeit und soziale Gerechtigkeit zu schaffen.

Deshalb starten wir das erste Mitgliederbegehren in der Geschichte unserer Partei, um allen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands diesen Entscheidungsvorschlag nach § 39 a des Organisationsstatuts zur Abstimmung mit JA oder NEIN vorzulegen:

"Sozialdemokratische Politik muss sich an folgenden sieben Punkten orientieren:

  1. Wir sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit. Wir stehen für Erhalt und Ausbau des Sozialstaates. Wir wollen die sozialen Sicherungssysteme durch mehr solidarischen Ausgleich erneuern. Nach dem Solidarprinzip aufgebaute und finanzierte Renten- und Krankenversicherungen sollen alle Bürgerinnen und Bürger einbeziehen. Zur Finanzierung des Sozialstaates müssen alle Einkommensarten nach ihrer Leistungsfähigkeit beitragen. Eine Privatisierung von Lebensrisiken darf es mit uns nicht geben. Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und Krankengeld sind unsozial und führen zu einer gefährlichen Schwächung des Konsums.
    Höherer Wohlstand und seine gerechte Verteilung stehen nicht im Widerspruch zueinander - im Gegenteil, sie bedingen sich. Deshalb haben wir viel zur Entlastung der Menschen mit geringeren Einkommen getan. Statt die öffentlichen Haushalte nur über Ausgabenkürzungen zu sanieren, brauchen wir jetzt einen angemessenen Beitrag der Großvermögen. Die Vermögensteuer muss wieder eingeführt werden. Steuersenkungen für Reiche durch eine Zinsabgeltungssteuer und weitere Senkungen des Spitzensteuersatzes lehnen wir ab.
  2. Wir sind die Partei der Arbeit. Mehr Beschäftigung ist möglich. Druck auf Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Arbeitslose schafft weder Arbeitsplätze noch Investitionen, sondern löst nur Ängste aus - auch mit wirtschaftlichen Folgen. Wir brauchen mehr Kaufkraft bei den unteren und mittleren Einkommensschichten, damit private Nachfrage die Konjunktur stützt und Beschäftigung schafft. Wir brauchen deutlich mehr öffentliche Investitionen. Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen ist unverändert notwendig, aber aus einer Wirtschaftskrise können wir uns nicht heraussparen, sondern nur herauswachsen.
    Arbeitnehmerrechte sind kein Hindernis, sondern Voraussetzung für produktive und qualifizierte Arbeit. Wir sind stolz auf das neue Betriebsverfassungsgesetz und die Verbesserungen des Kündigungsschutzes. Wir haben dafür gesorgt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf gleicher Augenhöhe mit ihren Arbeitgebern verhandeln. Bei den Arbeitnehmerrechten darf es deshalb keine Rückschritte geben. Starke Gewerkschaften sind für uns ein unverzichtbarer Teil des Wirtschaftslebens.
  3. Wir sind die Partei der Zukunft. Wir stehen für nachhaltige Entwicklung und wir wollen Deutschland mit öffentlichen Investitionen in Umwelt, Bildung und Forschung modernisieren. Mit zusätzlichen Anstrengungen in Ostdeutschland wollen wir gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen. Wir wollen Modernisierung und Globalisierung weder bekämpfen, noch als scheinbare Sachzwänge einfach hinnehmen, sondern sozial und ökologisch gestalten.
  4. Wir sind die Partei der Frauen. Wir treten für gesetzliche Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen ein. Dazu gehört vor allem auch ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, das gleichen Lohn für gleiche Leistung schafft. Unsere Initiativen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen weitergeführt und verstärkt werden.
  5. Wir sind die Partei der Jugend. Wir stehen für mehr Chancengleichheit bei Bildung und Ausbildung. Wir brauchen die Weiterführung des Jump-Programms gegen Jugendarbeitslosigkeit und eine Umlagefinanzierung, um die Verantwortung der Wirtschaft für ein ausreichendes Ausbildungsangebot durchzusetzen. Wir müssen mehr Geld in unsere Schulen und Hochschulen investieren. Der Kanzler hat Recht: Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
  6. Wir sind die Partei der Kommunen. In den Städten und den Gemeinden entscheidet sich, wie gut die Menschen leben. Hier liegt mit über 2/3 der öffentlichen Investitionen ein Schlüssel zu Wachstum und Beschäftigung. Deshalb wollen wir eine Gemeindefinanzreform, die den Kommunen langfristig und konjunkturunabhängig mehr Spielraum für Zukunftsinvestitionen gibt. Das geht nicht über kleine Kompetenzverschiebungen, sondern nur über eine erneuerte Gewerbesteuer, die alle Unternehmen und Selbständigen nach ihrer tatsächlichen Leitungsfähigkeit erfasst.
  7. Wir sind die Partei des Friedens. In der Irak-Krise haben wir das bewiesen. Wir wollen keine Militäreinsätze außerhalb des Völkerrechts. Wir wollen eine friedliche europäische Außenpolitik, die Krieg nicht als Mittel der Politik sieht. Wir wollen Krisen durch Prävention verhindern. Wir wollen in der Tradition Willy Brandts eine soziale, ökologische und faire Weltwirtschaftsordnung durchsetzen."

 

 

Wichtiger Hinweis:

Unterstützung des Mitgliederbegehrens nur auf den offiziellen Formularen - Unterstützung per e-Mail ist nicht möglich.

 

E-Mail direkt

#58 Von: "Reinhard Dowe <reinhard.dowe@...>" <reinhard.dowe@...>
Datum: Do 24. Apr 2003 19:49
Betreff: Sollten wir uns trauen, uns einmal selbst zu helfen?
futurverlag
Mail senden Mail senden
 
Lieber Harald, liebe Teilnehmer der Yahoogroup!

Ich habe das SPD-Mitgliederbegehren gelesen und ich freue mich, dass
ich hier keine Unterschrift leisten muss, denn ich bin schon einige
Jahre kein Mitglied mehr und dies nach mehr als 30-jähriger
Mitgliedschaft. Die einzige Forderung in dem Begehren, die in der Tat
etwas bewirken könnte, ist das Begehren, die Vermögenssteuer
wieder einzuführen. Aber ich denke, dass dieses angesichts der
politischen Mehrheitsverhältnisse auch nur halbherzig eingebracht ist.
Ansonsten ist das Papier nur eine Forderung nach gerechter und
angemessener Verteilung der vorhandenen Mittel und Schulden.
Ein Ansatz, der auf die Bewältigung des Problems des fehlenden
Einkommens von den etwa 5 (?) Millionen Arbeitslosen und den daraus
resultierenden weiteren Schwierigkeiten, ist darin nicht zu finden.
Wie sollte auch ein Ansatz darin zu finden sein? Es wäre ein
Phänomen!

Aber ich möchte die Frage aufwerfen: "Warum gibt es keinen
Ansatz?" (Haralds Anregung und Vorschlag nehme ich sehr ernst und
möchte ihn daher bei meiner Frage zunächst ausklammern; wir
werden ihn später bestimmt separat (!) noch ausführlich erwägen
müssen!)

Meine Frage möchte ich gern mit einem realen Beispiel untermauern.

Für die Behebung der Krise (oder der Krisen) gibt es seit Jahrzehnten
überall die selben Vorschläge zu hören. Entgegenstehende Meinungen
werden zigfach übertönt. Die "herrschende und nicht zu übertönende"
Meinung stammt aus einer Vielzahl fast gleichartiger
Wirtschaftsinstitute mit ganz geringen Sekundärunterschieden.

Und nun mein Beispiel:

Ende der 80-er Jahre hatte die Autoindustrie des Westens (Amerika +
Europa) massiv unter der japanischen Konkurrenz zu leiden. Da
entschloss sich das Massachusetts Institute of Technology in Boston
zu einem Projekt. MIT führte sehr unterschiedliche Personen
zusammen, gab ihnen ein Jahr Zeit und ausreichende Mittel, das
Phänomen in der Autoindustrie zu untersuchen. MIT versprach gleich
zu Beginn, auf das Ergebnis keinen Einfluss nehmen zu wollen.
Das Projekt war erfolgreich, obwohl das dort Arbeitete zum Teil mit
sehr unkonventionellen und wissenschaftlich nicht gerade bevorzugten
Methoden und Mitteln erbracht und erforscht worden war.
1992 erschien in Deutschland das hervorragende und für die
westliche Autoindustrie das viel beachtete und wegweisende Buch: "Die
zweite Revolution in der Autoindustrie!"

Soweit das Beispiel!

Ich denke, dass wir von keinem unserer Institute eine annähernd
praktikable Lösung unserer Probleme erwarten können und
dürfen; und dies schon seit über 30 Jahren! Es kann auch kein
Institut mit einem solchen Projekt betraut werden. Die Leute sind
viel zu sehr befangen und nicht frei!

Das Internet bietet heute eine Chance, die 1992 noch nicht vorhanden
war. Vielleicht könnte eine von den Mitgliedern begrenzte Yahoogruop
einen Ansatz, einen Weg, eine Richtung, eine Tendenz - was weis ich -
aufzeigen, die dem Erfolg der MIT-Studie nacheifert!

Harald liefert hierfür mit seinem Ansatz bereits etwas sicherlich
schon Be- und Nachdenkenswertes.

Ein weiter Gedanke der zugrunde gelegt werden könnte, ist:
4 oder 5 Millionen Arbeitslose mit je 20 bis 30 Jahren Beruferfahrung
(einschl. Ausbildung) haben ein Potential von 100 Millionen
(100.000.000) Jahren Berufserfahrung. Zugleich gibt es 90.000
Bedienste in der Gerster-Behörde. Könnten wir diese Behörde
aus dem
nunmehr schon vierzigjährigen Verwaltungsschlaf aktivieren und nur
mit den Freiwilligen (nicht Schröders Drückebergern) heuristisch
arbeiten (es stehen doch alle Berufe zur Verfügung!)- wir
könnten ungeahnte Ergebnisse erzielen. Die Leute sollten die
Chance und Freiheit erhalten, endlich einmal das erarbeiten zu
dürfen, von dem sie schon lange träumten. Die Potentialsteigerung
durch gegenseitige Bereicherung und Unterstützung ist unabschätzbar -
vorausgesetzt wir zerstören nicht alles durch ein "idiotisches"
Managementgehabe!

Aber vielleicht bin ich ja auch nur ein unverbesserlicher Träumer!
Aber wie lange träumten die Menschen, den Mond zu erreichen. Noch
vor 50 Jahren war auch das für die meisten unvorstellbar!
Beste Grüße
Reinhard Dowe

Für Kontakte:
Schweidnitzer Str. 40
45891 Gelsenkirchen
Tel. 0209 72222 Fax 0209 72111
Reinhard.Dowe@...

#59 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Fr 25. Apr 2003 9:32
Betreff: Fw: Meudalismus
harald_wozni...
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----- Original Message -----
Sent: Friday, April 25, 2003 11:29 AM
Subject: Meudalismus

Sehr geehrte/r Frau/Herr Richter,
 
vielen Dank für Ihre Stellungnahme in "Wohlstand für alle" http://www.dr-wo.de/themen/wohlstand.htm
 
Ich bin mit Ihnen der Meinung, dass der Kommunismus oder Sozialismus nicht die Lösung ist. Die Gier, von der Sie sprechen, aber auch der Ehrgeiz sind ein in meinen Augen wichtige menschliche Antriebe um etwas zu leisten. Das Gegenteil sind Frustration und Fatalismus. In Sozialismus und Kommunismus führen programmgemäß ("kopfgesteuert") zur Enteignung der Menschen und verhindern bzw. bremsen das Engagement der allermeisten Menschen. Solches Engagement ist weder durch Zwang noch durch Überredung auf Dauer wiederzugewinnen. Privilegierte Menschen sind von Enteignung aber auch im Sozialismus und Kommunismus ausgenommen. Sogar der Papst lebt im Luxus - auch wenn er definitionsgemäß kein Privateigentum haben mag.
 
Ich bin ein Kapitalist! Unter Kapitalismus verstehe ich eine Gesellschafts- und Rechtsordnung, in der die Menschen Eigentum erwerben dürfen und in der die Menschen mit Eigentum auch Einkommen erwirtschaften dürfen. Ich finde es z. B. völlig in Ordnung, dass, wenn jemand einem anderen Geld leiht, er dafür Zinsen bekommt. Ich finde es auch absolut richtig, dass jeder Unternehmer rein betriebswirtschaftlich handelt. Nur so ist die Aussicht auf Effizienz am größten. Von "Konjunkturprogrammen" des Staates halte ich gar nichts. Denn die Gelder dafür werden immer politsch verteilt und nicht betriebswirtschaftlich.
 
Aber Deutschland ist (wie manch andere Länder auch) kein kapitalistisches Land mehr, sondern ein (modern) feudalistisches Land. Der Übergang von kapitalistisch zu feudalistisch ist nicht kategorisch, sondern leider fließend (und daher schwer zu bemerken). In "Moderer Feudalismus in Deutschland" habe ich dazu geschrieben:
 

Der klassische Feudalismus zeichnete sich dadurch aus, dass die "Rechtsordnung" dem Feudalherren die Macht über ein großes Gebiet einräumte, welches Lebensraum vieler Menschen war, und diese Menschen lebenslang der rechtlichen und faktischen (ritterlichen) Macht des Lehnsherrn unterworfen waren. Waren auf der einen Seite die Lehnsmänner recht- und besitzlos und tagein tagaus mit (Sklaven-) Arbeit beschäftigt - um überleben zu können, natürlich! -, bezogen die Lehnsherren die Früchte der Arbeit der Lehnsmänner. Die Einzelheiten waren in allen Zeiten und Ländern verschieden. Das System war insofern leicht zu überschauen, weil das Gebiet des Lehnsherren zugleich den Kreis seiner Lehnsmänner abgrenzte (im wesentlichen jedenfalls). Eine "historische" Beschreibung des klassischen Feudalismus erhalten Sie unter http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_392.htm Friedrich Engels, Über den Verfall des Feudalismus und das Aufkommen der Bourgeoisie, geschrieben Ende 1884.

Der moderne Feudalismus unterscheidet sich davon dadurch, dass es keine geographische Abgrenzung mehr gibt. Der/die moderne Feudalherr/in besitzt nicht ein zusammenhängendes Land von beachtlicher Größe, sondern einige hundert Mietshäuser oder eine oder mehrere Fabriken mit Tausenden Arbeitnehmern. Das kann über ganz Deutschland verstreut sein. Er kann auch lediglich indirekt (durch Aktien und durch Anleihen) "Herrscher" über andere sein. Entscheidend ist, wie hoch sein Reichtum im Vergleich zum "Gesamtreichtum" des Gemeinwesens und der Zahl der Köpfe des Gemeinwesens ist. Wenn ein Gemeinwesen mit Hilfe von Sozialleistungen für Einzelne das Schlimmste verhindern muss, ist m. E. die Grenze schon überschritten.

Exkurs Marxismus: Marx hatte manches richtig erkannt. Er hat m. E. aber unzweckmäßige (um nicht zu sagen: falsche) Schlüsse gezogen. Die einzige Parallele zwischen den Thesen von Marx und meinen Thesen ist die Feststellung der wirtschaftlichen Realität, nämlich, dass man durch Kapitalbesitz Geld verdienen kann und dass die Reichen schneller reicher werden als die Armen (falls die überhaupt reicher werden).

Feudalismus beginnt also irgendwo dort, wo hunderte Menschen mit ihrer Arbeit für das Wohl eines einzigen anderen Menschen sorgen. Im Falle Reinhold Würth sind es - wie er selbst stotz vorträgt - rund 40.000. Aber das ist nicht das einzige Manko:
 
Der Kapitalismus der 60er Jahre in Deutschland war in der glücklichen Lage, dass das Vermögen in Deutschland noch so gut verteilt war, dass damit die Einkommen aus Vermögen ebenso wie die Ersparnisse durch Vermögen (z. B. eigene Wohnung, anstatt Miete) so breit verliefen, dass überall in der Volkswirtschaft genügend Geld zur Unterhaltung der Konjunktur vorhanden war. In "Wenn das Geld fließt wie der Nil in der Wüste" und in "Die Einkommensentwicklung steht Kopf" habe ich die Veränderung in Deutschland seit den 60er Jahren grob beschrieben. Die Folge der Vermögenskonzentrationen ist IMMER zugleich ein Einkommensrückgang bei der Masse der Bevölkerung und letztlich die Verarmung der Massen. Das war zuletzt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts der Fall in Deutschland und anderswo - ist aber in vielen anderen Ländern der Welt auch in den letzten Jahrzehnten zu bemerken.
 
Ebenso wie der Sozialimus führt also auch der Feudalismus zur Enteignung der nicht privilegierten Menschen, zwar nicht "kopfgesteuert", aber infolge ökonomischer Gegebenheiten. Das lässt sich in der Geschichte immer wieder beobachten - stets bis zum Zusammenbruch mit Krieg, Aufstand oder Revolution.
 
Ihren Optimismus, durch Appelle an die Reichen, sie mögen wohltätig sein, den modernen Feudalismus zu verhindern, zu beseitigen oder auch nur zu mildern, teile ich nicht. Denn dadurch würde die Wüste rechts und links des Nils nicht verschwinden. Das aber muss nach meiner Überzeugung das Ziel sein, damit wir die ganzen volkswirtschaftlichen Probleme gelöst bekommen. Der Reiche kann noch so sozial und menschenfreunlich eingestellt sein. Allein sein Reichtum ist so gesehen volkwirtschaftlich schädlich. Mir sind viele Reiche persönlich sehr sympatisch. Das ist gar keine Frage. Ich habe aber mehr Mitleid mit den Menschen, die verzweifelt um ihre Existenz kämpfen oder frustiert sind, resigniert haben oder über die ich täglich in der Stadt stolpere, weil sie am Straßenrand hocken und betteln. Eine Beschränkung von Vermögen auf 50 Mio. Euro ist ein weitaus leichteres Schicksal.
 
Unsere Politiker von SPD, CDU/CSU oder gar FDP sind von alledem leider noch weit entfernt. Selbst die PDS hat andere Ziele.
 
Gerne unterhalte ich mich mit Ihnen darüber auch persönlich oder treten Sie doch der "Group" http://de.groups.yahoo.com/group/feudalismus bei!
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. Harald Wozniewski
Nowackanlage 2
D-76137 Karlsruhe
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www.dr-wo.de
 
Ihr Gästebucheintrag:

Sehr geehrter Herr Wozniewski,
ihre Ausführungen sind sehr interessant.Nur sind ihre Argumente nicht neu. Marx und Engels haben darüber nachgedacht und konsequent gehandelt: sie haben den Sozialismus erdacht und er wurde praktiziert.Erfolg gleich null! Die Frage ist: Warum.Die Antwort ist relativ einfach. Wie schon Marx formulierte ist die Triebkraft der Wirtschaft nicht die soziale Verantwortung, sonderndie Habgier und Macht.Dies ist leider auch so, wenn die Güter verteilt sind.Wenn alles Kapitalverteilt ist, gibt es nicht 500 habierge Superreiche, sondern 80 Millionen(Deutschland), d.h jeder versucht den andern zu übervorteilen! dASführt zu einer chaotischen jeder gegen jeden Witschaft in der nichts funktioniert.Auch die rigidesten Strafandrohungen konnten dies im Sozalismus nicht verhindern. Koruption,Seilschaften und Vetternwirtschaft waren dort an der Tagesordnungen.Also war der Sozialismus keine Lösung, denn alle wollen für ihreArbeit immer mehr,ohne Rücksicht auf den Erfolg.Sicherlich hat der Sozialismus ein Auskommen für alle geschaffen, aber auf welchem Niveau!Armut für alle,durch Misswirtschaft.Der Großunternehmer ist zwar kein uneigennütziger Wohltäter, aber er ist fähig ein funkitonierendes Unternehmen zu schafen,das funktioniert und Mehrwerte schaft.Eine Lösung in ihrem Sinne könnte folgendermaßen aussehen.Eine reiche Frau, wie Herr Albrecht, sollte dazu ermutigt werden, seine Fähigkeiten und seine Macht für die Förderung der Unterprivilegierten einzusetzen.Könnte ein Herr Albrecht seine Steuern in ein soziales Unternehmen stecken und es selber leiten, würde bei seiner Genialität ein fantastische Sache rauskomen.Nicht die Reichen beneiden und diskriminieren, sondern sie verpflichten ein Teil ihres Vermögens für die Allgemeinheit einzusetzen.Es gab ja Reiche die privaten Sozialismus wollten, sie sind gescheiter-siehe Foto Porst. Er hat den Fehler gemacht zu glauben,seine Angestellten hätten die selben Fähigkeiten wie er.Die soziale Verantwortung der Reichen muß geweckt werden! Wie wäre es mit einer Hitparade des sozialen Engagements der Superreichen. Jedes Jahr wird von ein Institution(siehe Nobelpreis) ein Orden verliehen für das beste soziale Engagemnet?? Im heutigen System hat der Reiche nur drei Möglichkeiten seinen Gewinn zu verwenden`:1)in sein Unternehmen zu investieren-eine recht gute Lösung 2)es einer Bank zu geben-eine schlechte Lösung, da er die Kontrolle verliert. Banken haben viele geldgierige Kunden, und sie sind aus diesem Grunde selber geldgierig.3)er hortet das Geld-das ist die schlimmste Lösung, da es der Wirtschaft entzogen wird.Kunstwerke,Schlösser und Goldbarren bringen nichts.Zu 1) möchte ich noch folgendes hinzufügen:ein Pleiteunternehmen aufzukaufen und es wieder rentable zu machen, hat hohen sozialen Stellenwert.Selbst wenn von 30 000 Angestellten 200 entlassen werden, bleiben immer noch 28000 in Arbeit.Aber nur die besten der besten schaffen das.
Ich würde gerne an einer richtigen vernüftigen persöhnlichen Diskussion teilnehmen.
Ich bin übrigens auch recht vermögend-habe mich aber immer persöhnlich mit Geld und Tat für soziale Dinge eingesetzt.
Mit freundlichen Grüßen
U.Richter

#60 Von: "Reinhard Dowe <reinhard.dowe@...>" <reinhard.dowe@...>
Datum: Sam 26. Apr 2003 11:36
Betreff: Ich bin ein Kapitalist.
futurverlag
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Hallo Harald,

in Deiner Antwort an "Richter" beginnst du den 2. Absatz mit dem
Bekenntnis: "Ich bin ein Kapitalist." Anschließend führst du aus, was
du unter Kapitalismus verstehst.
Marx definierte die 'Kapitalisten' in einem  Gegensatz zu
den 'Feudalen' als Personen, die die verfügbaren Mittel (egal ob
eigene oder geliehene) einsetzen, um diese Mittel zu mehren. Die
Feudalen hingegen horteten ihre Schätze in den Schatzkammern. Für
Marx war dieses eine dem Kapitalismus untergeordnete Erscheinung,
eine "Vorstufe zum Kapitalismus".

Nun hat Marx seine Theorie(n) vor 150 Jahren sehr umfassend
entwickelt und kaum Raum gelassen, das Grundsätzliche zu
hinterfragen. Daher gibt es bis heute eigentlich nur Ergänzungen und
weitere Vertiefungen - aber eine grundlegende Aufarbeitung unter
Einbeziehung der inzwischen eingetretenen Ereignisse und
Veränderungen ( z. B. des Jahres 1989 ! ) fand meines Wissens bisher
nicht durchgehend statt.

Die Definition von Marx war für mich noch nie so recht überzeugend;
denn waren nicht alle Menschen schon zuvor Kapitalisten, sofern sie
nur verfügbare Mittel besaßen? Waren nicht alle Menschen, die etwas
Verfügbares hatten, zu Tausch oder Handel bereit, wenn nur die
Aussicht auf Vermehrung (Gewinn oder was auch immer!) groß genug war?
Horten war, was Marx offensichtlich genau umgekehrt sah, die nächst
höhere Stufe über "Tausch und Handel"! (Stichwort: Vincent van Gogh
heute!) Soweit nur zu einer notwendigen geschichtlichen Aufarbeitung!

Nun Harald, bin ich ein paar Jahre älter als du. Und ich habe
erfahren, dass ich etwa alle 7 Jahre meine Ansichten sehr grundlegend
geändert habe. Das geht nicht allen Menschen so, besonders dann
nicht, wenn sie gezwungen sind, ein Leben lang fast Tag für Tag die
gleichen Arbeiten und Tätigkeiten auszuführen. Das trifft zu für den
Fließbandarbeiter, aber auch für den Rechtsanwalt oder Zahnarzt. Ich
dachte, ich hätte in meinem Leben 5 Berufe ausgeübt, aber meine Frau
meinte, es wäre mindestens 8! So wird es dann wohl zwangsläufig sein,
alle 7 Jahre die Ansichten grundlegend zu ändern.

Aus dieser Erfahrung heraus, halte ich es für noch "unerfahren"
(Verzeihung!), wenn jemand sagt: "Ich bin ein Kapitalist!" Denn
jeder, der das sagt, möchte gern "ein netter, ein harmloser"
Kapitalist sein! Die Kapitalisten mögen alle sehr nett sein, aber
sind sie auch "harmlos"?

Wenn ich heute die Westdeutsche Allgemeine Zeitung lese, dann erfahre
ich auf der ersten Seite, dass Herr Dieter Hundt gesagt haben
soll: "Mutige Reformen sind notwendiger denn je. Es ist jetzt nicht
die Zeit für Mitgliederbefragungen und Parteitage." Harald, möchtest
du ein solcher Kapitalist sein, der die Demokratie missachtet und auf
ein neues "Chaotensystem" zusteuern möchte? Im Wirtschaftsteil lese
ich: "Die Zahl der Lipobay-Klagen in den USA sei inzwischen auf 8.600
gestiegen. In 740 Fällen seien Vergleiche geschlossen, 199,5 Mio.
EURO gezahlt worden." Harald, möchtest du ein Kapitalist sein wie
einer der Bayerchefs? Wie viel Mittel werden zur Zeit gegen SARS
eingesetzt und wie viel Mittel werden nicht eingesetzt für die 3.000
Kinder, die täglich in Afrika an Malarie sterben?

Rene Descartes sagte: "Ich denke, also bin ich!" und begründete unser
wissenschaftliches Denken. Sollten wir nicht beginnen
umzudenken: "Ich handle und so bin ich!"

Hatte nicht Christus schon gesagt: "An ihren Früchten sollt ihr sie
erkennen!"

(Ich gehöre keiner Konfession an, aber ich glaube, Christus wird erst
wieder auferstehen, wenn er sicher sein kann, nicht erneut geopfert
zu werden!) :-)

Beste Grüße
Reinhard Dowe

Für Kontakte:
Schweidnitzer Str. 40
45891 Gelsenkirchen
Tel. 0209 72222 Fax 0209 72111
Reinhard.Dowe@...

#61 Von: "Reinhard Dowe <reinhard.dowe@...>" <reinhard.dowe@...>
Datum: Sam 26. Apr 2003 19:37
Betreff: Ein Beispiel zu "Sollten wir uns trauen ..."
futurverlag
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In meinem Beitrag: "Sollten wir uns trauen, uns einmal selbst zu
helfen?" unterbreite ich den Vorschlag, verfügbare 100.000.000 Jahre
Berufserfahrung und -ausbildung nutzbar zu machen.

Heute möchte ich an einem konkreten Beispiel aufzeigen, von
welchen "unvorstellbaren" Potentialen ich spreche.

Wenn ich Ihnen etwas "Unvorstellbares" vorstellen möchte, dann geht
das nur, wenn ich das "Unvorstellbare" bereits kenne - es also für
mich nicht mehr "unvorstellbar", sondern "vorstellbar" ist.

Das, was ich Ihnen vorstelle, ist aber auch nur ein einzelnes
Beispiel, welches aber konkret ist. Wie viele Beispiele es noch gibt,
werden wir erst erfahren, wenn wir beginnen, das Projekt umzusetzen.

Jetzt das Beispiel, erzählt in der Form, wie es ablief und wie ich es
erlebte:

Als Wertanalytiker lernte ich, dass es möglich ist, auf Erfindungen
zu stoßen, wenn man nur systematisch (es liegt sogar eine DIN-Norm zu
Grunde!) genug vorgeht. Angespornt von einem Bericht in den VDI-
Nachrichten, der von der Erfindung der gekröpften Pleuelstange
handelte, erwähnte ich in einem Gespräch mit meiner Steuerberaterin
Maria Kempkes, dass ich auf der Suche nach "Erfindern" sei. Prompt
sagte sie: "Ich kenn' da jemand mit einer Erfindung im Heizungsbau,
der ruft dich an! Du weist - Kunde - Datenschutz!" Vierzehn Tage
später meldete sich Klemens Brückner am Telefon. Wir vereinbarten
einen Termin und ich besuchte ihn in Geldern.

Für das weitere ist es notwendig zu wissen (hier nur grob erklärt!),
dass für das Verbrennen (bei optimaler Verbrennung!) von 1 kg Heizöl
(1,2 l) oder 1 m³ Erdgas etwa 1,5 m³ Sauerstoff benötigt wird. Wollen
wir den Sauerstoff und den Brennstoff zusammenführen, dann
transportieren wir zugleich den in der Luft befindlichen Stickstoff,
der fast 80% des Volumens ausmacht. Wir heizen also über 10 m³
Stickstoff  mit auf, der uns zusammen mit dem Kohlendioxyd die
Energie durch den Schornstein in die Atmosphäre treibt und zu dem
saueren Regen führt und unsere Umwelt zerstört.

Praxis und Wissenschaft gingen bisher davon aus, dass nicht der
Brennwert des Brennstoffes nutzbar gemacht werden kann, sondern nur
der Heizwert, der etwa 11% niedriger liegt. Erst 1985 begann jemand
damit, die "latente Abwärme" (wie sie wissenschaftlich genannt wird)
zu nutzen. Inzwischen entwickelte sich der Vollbrennwertheizkessel,
der mit hohem Aufwand erheblich bessere und umweltfreundlichere Werte
erzielt als die althergebrachten Heizkessel. Der Staat unterstützt
diese Technik mit hohen Zuschüssen und finanziert aufwendige Beratung.

Herr Brückner hatte als Maschinenbauermeister, Landmaschinenmeister
und seiner fast 50-jährigen Berufserfahrung, den Heizkessel in seinem
Mehrfamilienwohnhaus selbst eingebaut. Und als ihm der
Schornsteinfeger nun mitteilte, das der Heizkessel in absehbarer Zeit
ausgewechselt werden müsse, begann er zu "tüfteln"!

Erfolgreich hatte er etwas zustande gebracht, was eigentlich
unmöglich war. Mit einfachsten Mitteln, ohne Elektronik und ohne
Mechanik hatte er sein Ziel erreicht. Der Schornsteinfeger hatte die
notwendigen Messungen vorgenommen. Erstaunt stellte er fest, dass er
zuvor noch nie eine so blendend funktionierende Anlage zu Gesicht
bekommen habe. Herr Brückner hatte den Antrag auf
Gebrauchmusterschutz gestellt und zeigte mir nun voller Stolz eine
Erfindung.

Als ich begriff, was Herr Brückner erfunden hatte, (ich komme ja
nicht vom Fach!) bot ich ihm an, die Probleme bei der
Gebrauchsmusterschutzgewährung auszuräumen und die Vermarktung des
Produktes mit ihm gemeinsam zu betreiben. Wir gründeten eine Firma -
doch damit begannen auch unsere Probleme, die überwiegend darin
bestanden, dass es trotz Beweise für unmöglich gehalten wird und
diese Erfindung ganz und gar nicht zu den derzeit von Rot/Grün
bevorzugten Prioritäten und favorisierten Systemen passte.

Das Potential der Erfindung:

Herkömmliche Heizkessel erreichen eine Jahreswirkungsgrad von 65 %.

Neue Heizkessel erreichen einen Jahreswirkungsgrad von 89 %, wenn die
Gesamtanlage einschl. Rohrleitungen und Heizkörpern etc. aufeinander
abgestimmt ist.

Aber leider liegen diesen Werten unterschiedliche Ausgangs- und
Berechnungsvoraussetzungen zugrunde, so dass auch hier ein Vergleich
eher irreführend als hilfreich ist.

In der Praxis sind alte Heizkessel zumeist schon mit den neueren
Brennern ausgerüstet. In diesen Fällen reduziert Herr Brückner mit
seiner Erfindung, dem "Klemens Brückner Umweltbrenner" (www.k-bub.de)
die Abgase - je nach Bauart des Kessels - bis im günstigsten Fall auf
3 %. (Ein Wert, der selbst mit dem Vollbrennwertkessel nicht erreicht
wird.) Zugleich spart er 20% Energie ein, ohne den Wohn-Komfort
einzuschränken. Bundesweit umgesetzt bedeutet das eine Energie-
Verbrauchminderung von mehr als 5 % des Gesamt-Jahresbedarfs
Deutschlands! Unvorstellbar!!!!

Jedenfalls ist diese Erfindung die neueste Revolution im Heizungsbau!

Ich denke, ich habe etwas Unvorstellbares vorgestellt. Und weil es
den meisten bisher unvorstellbar blieb, übersteigen unsere Ausgaben
die Einnahmen und wir sehen die Insolvenz auf uns zukommen.

Seit mehr als 30 Jahre fallen die Arbeitslosen mit ihren
Berufserfahrungen und ihrer -ausbildung aus unserem System heraus.
Vielleicht gibt uns dieses Beispiel einen blassen Schimmer von dem,
was uns in den Jahren zuvor schon verloren ging.

Wann packen wir es endlich an?

Beste Grüße
Reinhard Dowe

Für Kontakte:
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#63 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mo 28. Apr 2003 8:34
Betreff: Fw: [SPD-Karlsruhe] Gerhard Schröder am Montag, den 5. Mai in Karlsruhe
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----- Original Message -----
Sent: Monday, April 28, 2003 10:32 AM
Subject: Fw: [SPD-Karlsruhe] Gerhard Schröder am Montag, den 5. Mai in Karlsruhe

----- Original Message -----
Sent: Saturday, April 26, 2003 12:35 PM
Subject: [SPD-Karlsruhe] Gerhard Schröder am Montag, den 5. Mai in Karlsruhe

Liebe Genossinnen und Genossen,

am Montag, den 05. Mai 2003 findet ab 16 Uhr im
Hörsaal Audimax der Universität Karlsruhe eine
Veranstaltung mit Bundeskanzler Gerhard Schröder
statt. Auf Einladung von Prof. Dr. hon. caus. Reinhold
Würth (Gründer des Würth-Konzerns) als Leiter des
Entrepreneurship-Centres wird Schröder zum Thema "Neue
Chance für Deutschland" einen Vortrag halten. Die
Veranstaltung endet gegen 17.30 Uhr. Link-Tip:
http://www.jusos-karlsruhe.de
Bitte die Juso-Homepage ansehen, das Desgin wird immer
besser!

Schöne Grüße,

Parsa Marvi


=====
Parsa Marvi
Kaiserstr. 191
76133 Karlsruhe

Mobil: 0179-5982964
Festnetz: 0721-9091272

 

Frage hierzu von Harald Wozniewski, Karlsruhe:
 
Ist unser Genosse Gerhard Schröder von den Meudalisten gekauft? Gerhard weiß es wohl gar nicht.
 
Das ist der Gastgeber:
 
Er hetzt in seinen Büchern über Sozialpolitik:
"Der mangelnde Wille zur Selbständigkeit in Deutschland ist mit Sicherheit auch das Resultat von 30 Jahren verfehler Gesellschaftspolitik: Der bis zum Exzess übertriebene Sozialstaat hat die Bürger der Eigenverantwortung entwöhnt und die Durchschnittlichkeit auf allen Gebieten gefördert", Reinhold Würth, Wirtschaftswissen Jugendlicher in Baden-Württemberg, Künzelsau 2001, Vorwort S. 5
"Als ich 1949 als 14-Jähriger in die kleine, solide Schraubenhandlung meines Vaters als Lehrling eintrat,...", "... Gleichmacherei der deutschen Gesellschaftspolitik der letzten 30 Jahre...", "..., dann hat dies sicher zu tun mit der deutschen Gesellschaftspolitik der letzten 30 Jahre und der Pervertierung der Ludwig Erhard'schen sozialen Marktwirtschaft.", "Die Sozialfanatiker in dieser Republik haben das gewollt...", Reinhold Würth, Strömungen der Zeit, Künzelsau 2001, S. 137, 139, 142, 143
 
 
Er hat doch wirklich am wenigsten zu jammern! Bei so einem Stundenlohn:
 

Welchen Stundenlohn müsste jemand haben, um nach 40 Arbeitsjahren folgende Vermögen verdient zu haben?

Rang Namen der 100 reichsten Deutschen Unternehmen Vermögen in Milliarden Euro Vermögen in Euro Netto-Jahreseinkommen (x / 40 =) Brutto-Jahreseinkommen (bei 48,5% Einkommensteuer) - monatlich - täglich bei 230 Tagen im Jahr Stundenlohn in Euro bei 8 Stunden Arbeit pro Tag

15

Reinhold Würth Adolf Würth Gruppe (Schrauben)

4,5

4.500.000.000,00

112.500.000,00

231.958.762,89

19.329.896,91

1.008.516,36

126.064,55

 
 
Ich glaube, dass Gerhard wirklich nicht weiß, dass wir wieder in einem (modern) feudalistischen Land leben und dass darin die Ursachen unserer Wirtschaftsprobleme liegen. "Wer die Ursachen eines Problems verkennt, der kann das Problem auch nicht lösen." (alte Bauernregel)
 
Viele Grüße
 
Dr. Harald Wozniewski
Nowackanlage 2
D-76137 Karlsruhe
Tel. +49(721)9203030 Büro
Tel. +49(721)9203031 privat
Fax +49(721)9203032
www.dr-wo.de
 
 
 

#64 Von: "Harald Wozniewski" <harald@...>
Datum: Mo 28. Apr 2003 9:12
Betreff: Re: Meudalismus: Ich bin ein Kapitalist.
harald_wozni...
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Lieber Reinhard,
 
vielen Dank für deine Reaktion. Lass mich zwischen deinen Zeilen antworten:
 
----- Original Message -----
Sent: Saturday, April 26, 2003 1:36 PM
Subject: Meudalismus: Ich bin ein Kapitalist.


Hallo Harald,

in Deiner Antwort an "Richter" beginnst du den 2. Absatz mit dem
Bekenntnis: "Ich bin ein Kapitalist." Anschließend führst du aus, was
du unter Kapitalismus verstehst.
Marx definierte die 'Kapitalisten' in einem  Gegensatz zu
den 'Feudalen' als Personen, die die verfügbaren Mittel (egal ob
eigene oder geliehene) einsetzen, um diese Mittel zu mehren. Die
Feudalen hingegen horteten ihre Schätze in den Schatzkammern. Für
Marx war dieses eine dem Kapitalismus untergeordnete Erscheinung,
eine "Vorstufe zum Kapitalismus".
 
Nun hat Marx seine Theorie(n) vor 150 Jahren sehr umfassend
entwickelt und kaum Raum gelassen, das Grundsätzliche zu
hinterfragen. Daher gibt es bis heute eigentlich nur Ergänzungen und
weitere Vertiefungen - aber eine grundlegende Aufarbeitung unter
Einbeziehung der inzwischen eingetretenen Ereignisse und
Veränderungen ( z. B. des Jahres 1989 ! ) fand meines Wissens bisher
nicht durchgehend statt.

Ich von Marx kaum etwas gelesen und daher auch davon keine Ahnung. Ich versuche vom "kleinsten gemeinsamen Nenner" von dem auszugehen, was die Menschen heute unter Kapitalismus verstehen. "Vorstufe" in welchem Sinn? Historisch oder volkswirtschaftlich? Für mich ist, wie du weißt, moderner Feudalismus ein Auswuchs des Kapitalismus.

Die Definition von Marx war für mich noch nie so recht überzeugend;
denn waren nicht alle Menschen schon zuvor Kapitalisten, sofern sie
nur verfügbare Mittel besaßen? Waren nicht alle Menschen, die etwas
Verfügbares hatten, zu Tausch oder Handel bereit, wenn nur die
Aussicht auf Vermehrung (Gewinn oder was auch immer!) groß genug war?
Horten war, was Marx offensichtlich genau umgekehrt sah, die nächst
höhere Stufe über "Tausch und Handel"! (Stichwort: Vincent van Gogh
heute!) Soweit nur zu einer notwendigen geschichtlichen Aufarbeitung!

Nun Harald, bin ich ein paar Jahre älter als du. Und ich habe
erfahren, dass ich etwa alle 7 Jahre meine Ansichten sehr grundlegend
geändert habe. Das geht nicht allen Menschen so, besonders dann
nicht, wenn sie gezwungen sind, ein Leben lang fast Tag für Tag die
gleichen Arbeiten und Tätigkeiten auszuführen. Das trifft zu für den
Fließbandarbeiter, aber auch für den Rechtsanwalt oder Zahnarzt. Ich
dachte, ich hätte in meinem Leben 5 Berufe ausgeübt, aber meine Frau
meinte, es wäre mindestens 8! So wird es dann wohl zwangsläufig sein,
alle 7 Jahre die Ansichten grundlegend zu ändern.

Aus dieser Erfahrung heraus, halte ich es für noch "unerfahren"
(Verzeihung!), wenn jemand sagt: "Ich bin ein Kapitalist!" Denn
jeder, der das sagt, möchte gern "ein netter, ein harmloser"
Kapitalist sein! Die Kapitalisten mögen alle sehr nett sein, aber
sind sie auch "harmlos"?

Die Formulierung von mir ist etwas schief, weil ich selbst über kein nennenswertes Kapital verfüge. Gemeint ist das so, wie wenn jemand sagt, er sei Marxist. Also auch wenn vielleicht in ein paar Jahren anders denke: Ich bin ein Kapitalist. Aber ich bin Antifeudalist bzw. Antimeudalist.

Wenn ich heute die Westdeutsche Allgemeine Zeitung lese, dann erfahre
ich auf der ersten Seite, dass Herr Dieter Hundt gesagt haben
soll: "Mutige Reformen sind notwendiger denn je. Es ist jetzt nicht
die Zeit für Mitgliederbefragungen und Parteitage." Harald, möchtest
du ein solcher Kapitalist sein, der die Demokratie missachtet und auf
ein neues "Chaotensystem" zusteuern möchte? Die Frage / den Zusammenhang verstehe ich nicht ganz.
 
Im Wirtschaftsteil lese
ich: "Die Zahl der Lipobay-Klagen in den USA sei inzwischen auf 8.600
gestiegen. In 740 Fällen seien Vergleiche geschlossen, 199,5 Mio.
EURO gezahlt worden." Harald, möchtest du ein Kapitalist sein wie
einer der Bayerchefs? Wie viel Mittel werden zur Zeit gegen SARS
eingesetzt und wie viel Mittel werden nicht eingesetzt für die 3.000
Kinder, die täglich in Afrika an Malarie sterben?
Du könntest auch fragen, ob ich wie G. W. Bush einen Krieg anfangen wollte. Wenn ich sage: "Ich bin ein Mensch" - fragst du mich das gleiche wie oben?

Rene Descartes sagte: "Ich denke, also bin ich!" und begründete unser
wissenschaftliches Denken. Sollten wir nicht beginnen
umzudenken: "Ich handle und so bin ich!"

Hatte nicht Christus schon gesagt: "An ihren Früchten sollt ihr sie
erkennen!"

(Ich gehöre keiner Konfession an, aber ich glaube, Christus wird erst
wieder auferstehen, wenn er sicher sein kann, nicht erneut geopfert
zu werden!) :-)

Beste Grüße
Reinhard Dowe

Für Kontakte:
Schweidnitzer Str. 40
45891 Gelsenkirchen
Tel. 0209 72222 Fax 0209 72111
Reinhard.Dowe@...
Viele Grüße
 
Dr. Harald Wozniewski
Nowackanlage 2
D-76137 Karlsruhe
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