Hallo Stephan,
ich befürchte, du hast die Feldkurven nicht aufgezeichnet sondern nur
auf dem DMM beobachtet? Sonst könntest Du die Kurven mal hochladen.
Also wenn man in einem normalen Platten-Kondensator eine Entladung
machen würde, würde die Feldstärke natürlich einfach gegen Null gehen.
Beim Gewitter sieht das anders aus. Man muss sich so einen Cb wie zwei
große Ladungszentren vorstellen (stimmt nicht ganz, ist ganz grob aber
richtig): Oben (also im Amboß) hat man + Ladungen und unten, beim
Niederschlag sehr stark negative Ladungen. Normalerweise bekommt man
also am Anfang des Gewitters stark negative Felder. Bei Entladungen
(die können auch weiter weg sein!) entlädt sich z.B. ein Blitz zum
Boden. Das heißt, die negative Ladungen (die vorher dominiert haben)
werden stark weniger und die positiven vom oberen Teil machen jetzt
das Feld aus. Bei richtig starken Gewittern kann der Ausschlag schon
mal vom einen Ende der FM-Skala zur anderen reichen. Meistens lädt
sich die Schicht aber schnell wieder auf. (Auf meiner homepage sind da
einige Kurven wo man das recht schön sieht www.qsl.net/dh1stf ). Bei
Wolke-Wolke-Blitzen hat man auch einen peak in die plus-Richtung,
analoge Erklärung. Nur wenn man weiter weg ist vom Gewitterzentrum
gibts auch Entladungen nach minus, die sind dann aber bei weitem nicht
mehr so stark...
Noch was: Es ist immer ganz nützlich die Polarität zu kennen. Die FM
kann man da ganz einfach überprüfen: Man nimmt eine Metallplatte (oder
Pappendeckel mit Alufolie) und schließt die Platte an den Plus-Pol
eines Netzteils an (15-30 Volt o.ä.) Dann hält man die Platte ganz nah
über die laufende FM und beobachtet in welche Richtung sich die
Ausgangsspannung bewegt. Dann weiß man genau, ob vielleicht der Motor
falsch rum dreht und man die FM "falsch rum" ans DMM anschließen muss.
Auf jeden Fall will ich mal dazu aufrufen, besonders
Gewitteraufzeichnungen hier online zu stellen. Ich habe nämlich so
einen Verdacht, dass sich bei diesen Kurven ganz charakteristische
Stadien durchlaufen, die man eventuell für Gewitterwarnungen nutzen
könnte.
Ciao Stefan, DH1STF
--- In feldmuehle@..., "Stephan" <meyerste1970@w...> schrieb:
> Hallo FM-Freunde, zur Anregung eines Diskussion
> sende ich euch mal die Schilderung meines gestrigen Erlebnisses mit
> der FM.
>
> Am 28.April kam ich wie immer abends um 17 Uhr von der Arbeit und
> fuhr entlang des Taunus, an dessen sanften Hügeln sich ein
> Gewitter
> zu formieren drohte. Habe dann statt mein Zuhause direkt die "Eiserne
> Hand", eine über 400m hohe Erhebung im Taunus, angesteuert. Auf
> einem
> Parkplatz, der an der Strasse lag und in 50m Entfernung von Bäumen
> umgeben war, stellte ich die FM aufs Autodach. Mit einem digitalen
> Voltmeter konnte ich nun das Auf und Ab der elektr. Feldstärke des
> aufziehenden Gewitters beobachten. Die FM ist nicht geeicht, daher
> kann ich nur eine relative Beurteilung der Feldstärke machen.
>
> Meine Vermutung war, daß bei einer Entladung die Feldstärke
> zusammenbrechen sollte. Dies war jedoch nicht immer der Fall.
> Teilweise war die Feldstärke recht gering, nach einem sichtbaren
> Blitzschlag jedoch zeigte das Messgerät einen Wert am Anschlag.
> Die
> Stärke verringerte sich wieder und das Schauspiel wiederholte sich.
> Den umgekehrten Fall habe ich auch beobachtet. Ein Offsetfehler liegt
> nicht nahe, da dieser viel zu groß wäre.
> Liegt das an der Verteilung der Ladungen in den Wolken? Kann durch
> einen Blitzschlag ein Augleich von Ladungen dermaßen stattfinden,
> daß
> lokal die Feldstärke (stark) ansteigt?
>
>
> Viele Grüße
> Stephan