Hallo, ihr Lieben!
Mir geht es heute nicht so gut. Ich hatte gedacht, ich werde
leichter damit fertig, dass ich nun doch MS habe. Aber dem ist nicht
so. Ich habe heute meinen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis
weggeschickt und da ist mir doch bewusst geworden, dass ich die MS
die ganze Zeit über nur verdrängt habe. Aber ich muss den Tatsachen
nun mal ins Auge sehe, das hat mir auch mein Hausarzt gesagt. Ich
muss gestehen, dass mir das außerordentlich schwer fällt.
Ende September ging ich doch zu meinem Hausarzt, weil mir der
rechte Arm immer einschlief und die Hand taub wurde, so dass mir
alles aus der Hand fiel. Auch war ich den ganzen Tag müde, hatte
ständig Kopfweh und ich fiel des öfteren hin. Mein Hausarzt überwies
mich zum Orthopäden. Aber da bekam ich erst 4 Wochen später einen
Termin. Einen Tag vor diesem Termin, fiel ich die Treppe hinunter.
So hat sich der Besuch beim Orthopäden gelohnt. Der stellte eine
Bänderdehnung fest. Aber die ist inzwischen wieder vollkommen
ausgeheilt. Er überwies mich zum MTR (spezielle Röntgenaufnahme), um
einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Da wurden
sogenannte „Herde" festgestellt. Ich fragte, was das bedeutet. Man
sagte mir, dass der Verdacht auf MS besteht und dass es sein könnte,
dass ich irgendwann im Rollstuhl lande. Na prima, dachte ich. Der
Orthopäde überwies mich daraufhin zur Neurologin. Die machte EEG und
noch andere Untersuchungen. Das EEG war nicht in Ordnung und auch
die Strommessungen nicht. Also überwies sich mich weiter in die
Klinik, für eine Rückenmarksentnahme und weitere Untersuchungen. Ich
war 3 Tage im Krankenhaus und froh, als ich wieder daheim war. Mit
der Klinik war ich überhaupt nicht zufrieden. Abends nach dem
Eingriff wollte ich ein Schmerzmittel. Zur Antwort bekam ich: Das
habe wir nicht. Und das in einem Krankenhaus. Danach war ich wieder
bei der Neurologin. Die meinte, dass die Untersuchungen negativ
ausgefallen sind; also kein MS. Ich fragte, was die „Herde" denn nun
sind, schließlich sind sie ja da und die Symptome ebenso. Da sagte
sie mir: Dann ist das halt bei ihnen so. Damit müssen sie leben.
Ich war dann zwei Wochen vor Weihnachten bei meinem Hausarzt und
habe ihm die ganzen Befunde von MRT und den Krankenhausbericht
gebracht. Der wusste ja von der ganzen Sache noch nichts. Er hatte
mich damals ja zum Orthopäden überwiesen und von dem weiteren
Verlauf wusste er nichts. Er hat das Ganze durchgelesen und ich
fragte, was denn nun Sache sei. Die Neurologin hatte ja gesagt: Dann
ist das halt so bei ihnen. Die „Herde" sind zwar da, aber der
Rückenmarksbefund war negativ. Ich sagte, dass mich die Aussage
nicht befriedigt. Mein Hausarzt hat das auch gesagt und meinte, er
kümmert sich darum. Er hat auch gleich die Neurologin angerufen und
gefragt, was ist. Zu mir meinte er, er würde mich anrufen, sobald er
was in Erfahrung gebracht hätte. Wenn nicht, müsse ich nochmals in
ein Krankenhaus. Da sagte ich gleich, dass ich aber in dieses wo ich
war, nicht mehr gehen werde. Dr. Perleberg meinte, er würde mich
nach Heidelberg überweisen, da ist eine Spezialklinik. Freitag Abend
hat er mich dann angerufen und gesagt, dass er mir ja versprochen
hatte, sich um die ganze Sache zu kümmern und er müsse mir leider
mitteilen, dass ich doch MS habe. Da hatte er mir ja ein
Weihnachtsgeschenk gemacht. Er hat sich die ganzen Befunde zufaxen
lassen; auch die von Fremdlabor( dieser Rückenmarksbefund ich aber
eindeutig positiv; trotz Wiederholung). Nun ist es hieb und
stichfest. Es ist MS. Da war ich erst einmal bedient und konnte die
Diagnose gar nicht richtig fassen. Hieß es doch, da das Rückenmark
negativ sei, hätte ich kein MS. Aber das war die Probe, die in dem
Krankenhaus, in dem ich lag direkt gemacht wurde. Das Ergebnis vom
Fremdlabor war noch nicht da. Darum hat sich erst mein Hausarzt
gekümmert. Mit der Neurologin hat sich mein Hausarzt sofort in
Verbindung gesetzt und mit ihr gesprochen und hat gleich für mich
einen Termin bei ihr gemacht. Da habe ich einen Medikamentenplan
bekommen. Ich musste Kortisontabletten nehmen. Zuerst hochdosiert,
dann immer weniger. Insgesamt 28 Tage lang. An den ersten drei
Einnahmetagen haben mir die Nebenwirkungen sehr zu schaffen gemacht.
Mir war übel, ich habe erbrochen, mir war schwindlig und ich hatte
zugeschwollenen Augen. Aber dann war das überstanden und es ging mir
wieder gut. Aber nun merke ich, dass ich wieder müde bin. Und das
schon kurz nach dem Aufstehen. Werde mal mit meiner Ärztin darüber
reden, wenn ich wieder hin muss. Ich war natürlich geschockt, als
ich das erfahren habe. Aber nun weiß ich wenigstens, woran ich bin
und kann mich dementsprechend vorbereiten. Ich muss mich noch damit
auseinandersetzen, denn so ganz habe ich die Diagnose noch nicht
realisiert. Aber ich muss mich dennoch mit der Krankheit
auseinandersetzen, was andres bleibt mir ja nicht übrig. Ich
verdränge halt die Krankheit, denn ich möchte nicht auch noch das
haben. Mit der SP habe ich genug zu tun. Aber die ist besser
geworden, seit ich bei Euch in der Liste bin.
Ich wünsche Euch noch was.
LG von Claudi