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Katarina Witt sorgt sich um die Zukunft des deutschen Eiskunstlaufs   Beitragsliste  
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Katarina Witt sorgt sich um die Zukunft des deutschen Eiskunstlaufs

"Es herrscht Gleichmacherei und Mittelmaß" - Zweimalige
Olympiasiegerin fordert eine bessere Talentförderung und mehr
Disziplin

von Markus Burkhardt

Berlin - Sie trainiert weiter so intensiv, als bereite sie sich auf
Olympische Spiele vor. Crossläufe, Fitneßtraining,
Hantelübungen und
immer wieder Sprünge auf dem Eis. Selbst an ihrem 39. Geburtstag
vor
knapp drei Wochen legte sie keine Pause ein. Ihre letzte olympische
Goldkür liegt fast 17 Jahre zurück, doch die zweimalige
Olympiasiegerin Katarina Witt sagt stolz: "Ich beherrsche noch alle
Doppelsprünge, auch den Axel. Ich will den Zuschauern eine Topshow
für ihr Eintrittsgeld bieten.".
Kürzlich war Katarina Witt bei einer Eisgala in Riesa zu Gast, am
Dienstag und am 2. Januar (17 Uhr, ARD) will sie ihr Können in
Berlin demonstrieren.
Die harte Vorbereitung ist für sie auch eine Verpflichtung. "Ich
habe Angst um unser schönes Eiskunstlaufen in Deutschland. Wir
haben
zu wenige Spitzenläufer.
Eiskunstlaufen gehört in unserem Land zum Kulturgut. Das
können wir doch nicht kaputtgehen lassen. Deshalb laufe ich so
lange,
wie ich noch gute Leistungen bringe."
Die Sächsin, die seit 16 Jahren in Berlin lebt, umtreiben
angesichts der trüben Aussichten in der vorolympischen Saison
große
Sorgen, nicht nur was das Eiskunstlaufen angeht. "Im deutschen Sport
erreichen immer weniger Athleten die Weltspitze. Gleichmacherei und
Mittelmaß sind inzwischen Alltag."
Es würden zu viele Sportler durch die Fördersysteme geschleppt,
"die
weit weg von Titeln und Medaillen sind". Von den Sportfunktionären
werde zu wenig auf Leistungsbereitschaft geachtet, glaubt sie.
"Den Sportlern fehlt heute oft die Härte. Sie wechseln die
Eiskunstlaufvereine, weil ihre Trainer zu streng sind."
Mit Bequemlichkeit aber komme man nicht weit: "Es gibt Gebiete, auf
denen man sich kurzfristig und erfolgreich mit Mittelmäßigkeit und
ohne Talent durchmogeln kann.
Olympiasiegerin wird man so allerdings nicht", posaunt die
viermalige Weltmeisterin. Sie verweist auf den Beginn ihrer eigenen
Karriere: "In meiner Jugend, im damaligen Karl-Marx-Stadt, kam ich ab
der dritten Klasse zur Kinder-und-Jugend-Sportschule. Ab der
fünften
Klasse hatte ich Einzelunterricht. Die Schule nahm zwar auf
den Trainingsalltag Rücksicht, geschenkt wurde mir trotzdem
nichts."
Sie moniert, daß mittlerweile zu wenig Wert auf die Talentsuche
gelegt
werde: "In der DDR wurden doch nur deshalb so viele Talente entdeckt,
weil sie von Trainern systematisch gesucht wurden. Heute verläßt
man
sich auf interessierte und ehrgeizige Eltern, die ihre Kinder zu den
Eislaufvereinen bringen. Eine Vielzahl von Kindertrainern, die
auch mit der Ausbildung in den ersten Jahren beginnen, kann sich der
deutsche Sport offensichtlich nicht mehr leisten."
Im Fernsehen gebe es für alles mögliche Castings. "Für
Sportarten,
die zunächst kein Geld bringen, sondern etwas kosten, gibt es eine
solche Suche nicht", ärgert sich die sechsmalige Europameisterin.
Dabei verklärt Katarina Witt ihre Vergangenheit keineswegs:
"Natürlich
verlor das DDR-Sportsystem an weniger erfolgreichen Athleten schnell
das Interesse. Aber die Wertschätzung für einen erfolgreichen
Sportler blieb über das Ende seiner Karriere hinaus bestehen."
Heute
verblasse der sportliche Ruhm zu schnell. "Wer sich nicht in den
Medien hält, wird vergessen", sagt sie und glaubt auch, daß an
den
Sportschulen vieles schiefläuft. Im Osten hätten einige
Sportschulen überlebt, der Andrang dorthin sei wieder groß.
"Aber viele Sportler verlieren die Lust oder entwickeln sich einfach
nicht weiter. Sie bleiben trotzdem an den Schulen."
Dem Leistungsgedanken sei das Aussitzen abträglich. Witts
Vorschlag: "Will man etwas ändern, müssen vom Staat Eliteschulen
konsequent gefördert werden. Nur die Besten behalten ihren Platz.
Die
Länge der Schulzeit muß flexibel sein, Stundenplan und
Lehrumfang
müssen sich am Trainingspensum orientieren." Auch genüge es
nicht,
wenn man alle vier Jahre nach Olympischen Spielen jammert, daß
es wieder weniger Medaillen gegeben habe. Sie ist überzeugt:
"Erfolge im Leistungssport sind auch heute noch möglich. Man
muß es
allerdings ernsthaft wollen - und mit aller Konsequenz und Ausdauer
anstreben."

Artikel erschienen am Mo, 20. Dezember 2004






Mo 20. Dez 2004 8:03

neferka2002
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Guido Rick
neferka2002
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20. Dez 2004
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