Bericht über das offene Consulta-Treffen am 29.5. in Berlin
Am Mittwoch fand das zweite offene Vorbereitungstreffen der Consulta in
Berlin statt. Es kamen
nur 11 Leute (etwa 5 Leute ließen sich entschuldigenund wollen das nächste
Mal wiederkommen).
Dennoch waren wir ein vielfältiger Kreis: vom Student, Ex-Parteimitglied,
das keine Lust mehr auf
Parteien hat, über Leute aus der Anti-Kriegsarbeit, dem
Ex-sozialen-Zentrums-Projekt,
AktivistInnen der Gipfelprotestbewegung bis zu bisher nicht politisch
aktiven Jugendlichen. Wir
hoffen noch immer, das Menschen weiterer sozialer Hintergründe
vorbeischauen, wie z.B. der
Mensch aus der Obdachlosenbewegung, der letztes Mal da war, oder
Flüchtlinge,
Kita-StreikerInnen, Arbeitslose, Nachbarschaftsinitiativen,
HausbesetzerInnen, enttäuschte
GewerkschafterInnen oder sonstige rebellierende Subjekte...
Die Message unseres Zusammenkommens kann sein: Wir alle kämpfen in
verschiedenen sozialen
Bereichen und sind enttäuscht von der Wirkungslosigkeit unserer sozialen
Kämpfe, also lernen wir
uns kennen und begreifen, dass wir alle denselben Kampf kämpfen (hier und
anderswo) - nur
zusammen können wir was bewegen und Bewegung tut Not! Der Bericht über das
Treffen soll nicht
nur informieren, sondern auch motivieren und ist deshalb auch in einer
einfachen, motivierenden
Sprache geschrieben.
nächstes offenes Treffen: 12. Juni 19Uhr im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a /
Berlin)
Zunächst gab es eine kleine Vorstellungsrunde, in der jedeR äußern konnte,
was ihm/ihr wichtig ist
in Bezug auf die Consulta. Ich versuche mal dieses Brainstorming und die
anschließende Diskussion
übersichtlich darzustellen:
1. Grundidee
2. Warum eigentlich?
3. Wie gehen wir denn vor?
3.1. Fragebogen
3.2. virtuelle Diskussion vs. sozialer Kontakt
3.3. praktische Ansätze
A. Info-Board, Internet und Flyer
B. Versammlungen
4. alte Widersprüche vs. neue Energie
5. mögliche praktische Herangehensweise
6. nächstes Treffen
7. Kontakte knüpfen - beteiligen
1. Grundidee
Die Gundidee ist, lokal über sogenannte “Alltagsprobleme” zu beratschlagen,
diese allerdings
gleichzeitig in einen europaweiten/globalen Zusammenhang zu stellen. Das
soll durch die
Verknüpfung mit anderen Städten und Ländern geschehen. Die
“Vernetzungs-Werkzeuge” für
diese internationale Zusammenarbeit bzw. ein internationales Netzwerk
sozialer Bewegungen und
Gruppen ist gerade am Entstehen. Mensch kann sich unter
http://www.consultaeuropea.org
informieren und beteiligen.
Die lokale Vernetzung ist die große, schwierige Aufgabe, die wir uns
gestellt haben.
2. Warum eigentlich?
Konsens bestand darüber, dass diese Vernetzung (ob sie sich nun Consulta
oder anders nennt)
absolut notwendig ist, wenn wir wirklich ernsthaft soziale und
gesellschaftliche Veränderungen
herbeiführen wollen. “Revolutionäre Epochen sind immer Perioden des
Zusammentreffens - sie sind
Momente, wenn scheinbar seperate Prozesse zuammenkommen, um eine explosive
soziale Krise
zu provozieren.” (Aus einem Text über die Grassroots-Bewegung in
Argentinien) Es gibt dazu
eigentlich keine Alternative, meinte ein teilnehmender Mensch. Vernetzung
ist wichtig und kann die
antikapitalistische/antirassistische Bewegung stärken, meinte ein anderer.
3. Wie gehen wir denn vor?
Es gab auch sehr kritische und eher pessimistische Stimmen, was uns zu der
Diskussion brachte,
wie diese Vernetzung denn überhaupt gelingen kann und nicht, wie bei
bisherigen Versuchen und
Projekten, im Streit endet und zum Scheitern führt. Dazu gab es verschiedene
Ansätze und Ideen:
3.1. Fragebogen
Aus Spanien kommt der Vorschlag, in einem möglichst kollektiven und
horiontalen Prozess, einen
Fragebogen entstehen zu lassen. Dieser soll, angelegt an gewissen
Eckpunkten, Fragen über die
Gestaltung einer anderen Welt / eines anderen Zusammenlebens stellen.
(Vorschlag für die Eckpunkte:
1. Die klare Ablehnung der kapitalistischen Globalisierung und des Fehlens
von Basisdemokratie
und Basisbeteiligung, welches damit einhergeht.
2. Die klare Ablehnung aller Formen und Systeme von Herrschaft und
Diskriminierung, einschließlich
- aber nicht beschränkt auf - Patriarchat, Rassismus, Klassengegensätze und
religiösem
Fundamentalismus aller Art.
3. Ein Aufruf zur kritischen Reflexion, Debatte, direkten Aktion und der
Entwicklung von Alternativen
zum gegenwärtigen System als Werkzeuge zur sozialen Transformation.
4. Eine Bejahung der direkten und partizipatorischen Demokratie und der
Fähigkeit aller Menschen
die Welt zu gestalten, in der sie leben möchten und sich aktiv zu beteiligen
an den Entscheidungen
die sie betreffen.
5. Eine Organisierungsphilosophie die begründet ist auf Dezentralisierung,
Horizontalisierung,
Autonomie und dem Willen zur Koordination.)
Als wichtig wurde dabei ein undogmatisches Vorgehen gennant, das Raum für
neue Ideen lässt.
Einige fanden die Idee spannend und gut. Vor allem das Angehen sozialer
Konflikte außerhalb von
Parteien und Organisationen wurde positiv hervorgehoben. Wir einigten uns
darauf, den
“Wegweiser” aus Barcelona (http://www.consultaeuropea.org/de/guia-de.html)
zum nächsten
Treffen (siehe unten) durchzulesen und uns Gedanken und Anmerkungen dazu zu
machen, um ihn
beim nächsten Mal diskutieren zu können und eine Stellungnahme zu verfassen.
Außerdem sind
auch alle anderen Menschen aufgefordert sich dazu zu positionieren. Anderen
ging die Idee eines
Fragebogens nicht weit genug und es gab den Einwand, dass virtuelle
Diskussionen nicht soziale
Kontakte ersetzen können.
3.2. virtuelle Diskussion vs. sozialer Kontakt
Als wichtig wurde eine zweigleisige Herangehensweise genannt. Einerseits
eine theoretische
Analyse der Verhältnisse, die Ausarbeitung eines Fragenkatalogs dazu und die
breite,
internationale und horizontale Diskussion, wie eine gerechtere und sozialere
Welt aussehen soll.
Andererseits auch einen praktischen Umgang, der soziale Kontakte entstehen
lässt und uns
gegenseitig Einblick in andere soziale Kämpfe gibt.
3.3. praktische Ansätze
Als konkretes, praktisches Ziel wurde auch der Versuch genannt, eigene
(selbstverwaltete)
Projekte oder Lebenswirklichkeiten aufzubauen, der Prozess der Consulta als
Möglichkeit einer
Politisierung des Alltags. Jemand erwähnte, dass in der anti-autoritären
68er-Bewegung eigentlich
ja bereits die Eckpunkte der Consulta als Lebensprinzip verstanden wurden.
Er betonte die
Wichtigkeit eines politischen, anti-autoritären Lebensgefühls.
A. Info-Board, Internet und Flyer
Im Muvuca (Gneisenaustr. 2a) soll in den nächsten Tagen ein offenes und
öffentliches Info-Board
entstehen, wo regelmäßig neue Informationen, Diskussionen und Termine
ausgehängt werden.
Hier können auch alle Menschen Beiträge und Ergänzungen anbringen, welche
dann auch ins
Internet eingespeist werden. So verknüpft sich die virtuelle mit der reellen
Diskussion. Das Internet
bietet uns die Möglichkeit einer breiten Vernetzung und das Info-Board
öffnet die Diskussionen und
Prozesse der Wirklichkeit.
Da die bisher produzierten Texte und “Wegweiser” in einer sehr akademischen
Sprache
geschrieben sind, wollen wir auch hier den Zugang öffnen und beim nächsten
Treffen eine
Rohfassung eines Flyers diskutieren, der in einfachen und verständlichen
Worten erklärt, warum es
so wichtig sein soll, dass wir uns vernetzen und was es mit der Idee der
Consulta auf sich hat und
was die praktischen Ansätze sein können.
Die Internetseite http://www.soziale-consulta.de sammelt weiterhin alles,
was es in digitaler Form
über die Consulta zu lesen gibt und dient als elektronisches Archiv. Die
hier erscheinenden Texte
sollen dann wieder auf dem Info-Board veröffentlicht werden. Durch die
Struktur des Internets
können solche Info-Boards überall entstehen, auch die Homepage kann
dezentralisiert werden.
B. Versammlungen
Als grundlegendes Element sahen viele (inspiriert auch von Argentinien)
Versammlungen an. Die
Idee hierzu war, dass bei wichtigen sozialen Themen eine grosse Vielfalt an
sozialen und
politischen Gruppen betroffen und angesprochen sind (z.B. der Berliner
Bankenskandal und die nun
einsetzende Umverteilung von unten nach oben, die gleichzeitige
Umstrukturierung und neu
entstehenden Groß-Bauprojekte an der Spree, die Privatisierung und
Kommerzialisierung
öffentlicher Plätze und Bahnhöfe, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit
durch rassistische
Gesetze, teure “öffentliche” Verkehrsmittel, Innenstadtsäuberungen,...
etc.). Diese Vielfalt soll auf
Versammlungen zusammenkommen, um sich über die verschiedenen Kämpfe
auszutauschen und
gemeinsamme Handlungsansätze zu erkennen. Dazu sollen alle Leute aktiv
eingebunden werden
und der bisherige Ansatz von Veranstaltungen, wo die Menschen zum
konsumieren hingehen,
aufgebrochen werden. Dazu sollen die Diskussionen vor allem auch offen und
nicht taktisch sein,
meinte ein erfahrener Aktivist. Ziel solcher Versammlungen sollte es sein,
gemeinsamme Aktionen
zu planen, da ohne praktische Ansätze ein Diskussionszirkel entstehen würde,
nicht aber eine
aktive soziale und politische “grassroots”-Bewegung, die durch ihre
Analysen, Aktionen und
Projekte eine andere Welt sichtbar macht.
4. alte Widersprüche vs. neue Energie
Als allgemein gut wurde erachtet, dass die Consulta einen positiven Ansatz
hat und nicht den
Charakter einer “Anti”-Bewegung. Durch die Dezentralität und Horizontalität
ist die Consulta
vielmehr ein Werkzeug der internationalen sozialen Bewegungen und Gruppen,
um sie zu stärken
und die Gesellschaft zu politisieren. Durch die Vernetzung oder das
Zusammentreffen von
Menschen aus verschiedenen Zusammenhängen werden Horizonte erweitert. Nicht
nur politisch,
sondern auch persönlich, was mehreren TeilnehmerInnen wichtig ist. Es soll
auch darum gehen, die
zuschauende Mehrheit wieder mehr anzusprechen und aus der selbstgewählten
Isolation
herauszukommen. Doch ist es möglich bestehende Widersprüche außen vor zu
lassen, bzw. auf
einen gemeinsammen Nenner zu kommen? Oder enden wir wieder in alten
Streitigkeiten und
splittern uns auf und werden unrelevant? Diese Frage zieht sich wie ein
roter Faden durch die
letzten Treffen und Diskussionen. Wir brauchen viel Neues und müssen bunt
sein, meint einer der
Anwesenden.
Als wichtiger Punkt wurde Transparenz und Nachvollziehbarkeit genannt, was
auch (aber nicht nur)
einen Level eröffnen soll, welcher keine neuen Leute ausschließt. Neue Leute
sollen nicht das
Gefühl haben, nichts sagen zu können, sondern dazu ermutigt werden. Es gibt
keine ExpertInnen!
Alle Informationen und Diskussionen sollen so offen und transparent wie
möglich sein, damit jedeR
sie nachvollziehen kann. Was zählt ist die Meinung und die Gedanken eines/r
jeden, unabhängig
von Sprache, Ausdrucksfähigkeit, Erfahrung und Gruppenzugehörigkeit.
5. mögliche praktische Herangehensweise
Eine Herangehensweise wäre, lokal über soziale Alltagsprobleme zu
beratschlagen, über das
entstehende (internationale) Netzwerk in Kontakt mit anderen Städten und
Ländern zu stehen und
damit auch die Diskussionen in einen über-lokalen Kontext zu stellen. Auch
horizontale Prinzipien
sollten mehr diskutiert werden, da sie ein wichtiger Bestandteil der
Consulta-Idee sind und
Voraussetzung für ein Netzwerk der verschiedenen sozialen Bewegungen und
Gruppen. Als wichtig
wurde auch herausgestellt, dass nicht nur die Jugend in diesen Prozess
eingebunden wird,
sondern alle Altersschichten.
6. nächstes Treffen
Das nächste offene Treffen ist am Mittwoch, den 12. Juni 2002, um 19Uhr im
Mehringhof
(Gneisenaustr. 2a / U Mehringdamm / Berlin-Kreuzberg). Eingeladen sind alle
Menschen aus
sozialen und politischen Gruppen und Bewegungen. Das Treffen und die Idee
lebt von der Vielfalt
der teilnehmenden Menschen - Lasst uns endlich miteinander und nicht
vereinzelt kämpfen! Allein
machen sie dich ein!
Für das nächste Treffen haben wir folgendes vor:
1. Diskussion des ”Wegweisers”
(http://www.consultaeuropea.org/de/guia-de.html) und
Verfassung eines Positionspapiers
2. Diskussion eines verständlichen Vorstellungsflyers
3. weitere Planung von konkreten, praktischen Umsetzungen
Außerdem soll auch jedeR einbringen, was ihm/ihr wichtig ist.
7. Kontakte knüpfen - beteiligen
- jeden zweiten Montag offenes Treffen (vorerst noch) im Mehringhof
(Gneisenaustr. 2a / U
Mehringdamm / Berlin-Kreuzberg)
- deutschsprachige offene Mailingliste zur Diskussion und Vernetzung im
deutschsprachigen Raum
(Einschreiben: consulta_de-subscribe@... - bald gibts eine neue
Mailingliste bei
einem unkommerziellen Anbieter, also schaut erstmal auf die Homepage:
http://www.soziale-consulta.de)
- internationale offene Mailingliste zur Diskussion und Vernetzung auf
europäischer Ebene:
http://www.consultaeuropea.org/mailman/listinfo/esc
- Mailingliste für den Prozess der internationalen Homepage (kollektive
Entwicklung):
http://www.consultaeuropea.org/mailman/listinfo/cse-webdev
- Berliner Consultagruppe/offenes Consulta-Treffen:
E-Mail: consulta-berlin@...
Kontaktadresse: Consultagruppe c/o Netzwerk Selbsthilfe e.V., Gneisenaustr.
2a, 10961 Berlin
- Tübinger/Reutlinger Consultagruppe:
E-Mail: consulta-tuebingen@...
weitere Consultagruppen aus verschiedenen Ländern stehen auf der
internationalen Homepage
http://www.consultaeuropea.org
Dort gibt es auch noch mehr Infos...
Auf der Homepage http://www.soziale-consulta.de werden Texte und
Diskussionen rund um die
Consulta gesammelt. Sie ist gedacht als virtueller Netzwerkknoten im
deutschsprachigen Raum.
Im Muvuca (Ex-Ex) im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a / U Mehringdamm /
Berlin-Kreuzberg) entsteht
ein Info-Board, das zur Kommunikation genutzt werden kann. Es ist öffentlich
und offen und wird
betreut, das heisst, wenn ihr dort was hinterlässt, wird das auch im
Internet veröffentlicht und
andererseits, wenn ihr im Internet was veröffentlicht, kommt das auch ans
Info-Board. So nutzen
wir zum einen die Vernetzungsmöglichkeiten des Internets und andererseits
können sich auch
Menschen ohne Netzzugang an den Diskussionen beteiligen. Das (dezentrale)
Entstehen weiterer
Info-Boards wird begrüsst. Wenn ihr eins aufmacht, informiert a
--
GMX - Die Kommunikationsplattform im Internet.
http://www.gmx.net