SPRENG DIR WAS! - DIE ERGEBNISSE
Gemeinsam mit der Fabrik Zeitung führte das stadt.labor eine Umfrage
durch, welches Bauwerk in Zürich zu sprengen sei. An einem bombastischen
Gala-Abend werden die Ergebnisse nun im stadt.labor präsentiert. Vor der
Bekanntgabe kann auf die Top 3 gewettet werden, wir spielen die
schönsten Spreng-Songs, es wird ein Film über die soziale Brisanz der
Sprengung eine Plattensiedlung in Sheffield (GB) vorgeführt* und als
Höhepunkt des Abends sprengt funkel werk ein Modell des
Gewinner-Bauwerks.
Dienstag, 27. April, 20.00
stadt.labor - plattform und werkstatt
Bogen 13, Viadukstrasse 13,
vis-à-vis Kehrrichtverbrennungsanlage
* Controlled Demolition, Jörg Siepmann, D 1997, 45 min
"Alles bricht zusammen, nur das Einreissen der Häuser funktioniert
perfekt", sagt ein Mieter, der sein langjähriges Zuhause verlassen
musste um der Vision der kontrollierten Zerstörung Platz zu machen. Im
betroffenen Viertel leben Menschen, für die das "freie" kapitalitische
Wirtschaftssystem keine Verwendung mehr hat. 80 Prozent sind arbeitslos
und fristen - auf die Sozialhilfe angewiesen - ein Leben am Rande des
Existenzminimums. Einer zum Beispiel besitzt nur noch eine einzige
Glühbirne, die er vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer mitnehmen muss, wenn
er dort Licht haben will. Nur Mick gehört zu den wenigen, die noch einen
festen Job haben: Er ist Sprengmeister. Minutiös bereitet er den "Blow
down day" vor, an dem auch die Ministerin anreisen wird, um die
einstürzenden Neubauten zu bewundern. Denn das ist das einzige, was in
diesem sozialen Ghetto noch funktioniert: die kontrollierte Zerströrung.
Jörg Siepmanns Dramaturgie schlägt einen Bogen zwischen der politisch
verordneten Zerstörung und dem lakonischen Skeptizismus der Bewohner.
Die akkurate Demontage des Alten ist noch kein Glücksversprechen für
Sheffields Zukunft, wie die Schlusspointe des Films offenbart. "Jetzt
kann ich sehen, soweit das Auge reich", sagt ein Anwohner. Aber die
gigantische Staubwolke, die uns der Regisseur zu Beginn des Films
vorenthalten hat, legt eine andere Perspektive nahe.