Pygmäen von Genozid bedroht
"Gejagt und wie Wild gegessen." Indigene Bevölkerung zwischen den
Fronten des seit 1998 dauernden Bürgerkriegs.
Die Hoffnung, dass die Demokratische Republik Kongo durch
Verhandlungen Frieden finden würde, hat sich ins Gegenteil verkehrt:
Neben Berichten über Plünderungen und Massaker an Zivilisten steht nun
der Vorwurf des Kannibalismus im Raum.
"Jagd" auf Pygmäen
Menschenrechtsorganisationen wie die "Gesellschaft für bedrohte
Völker" (GfbV) und Sprecher der Volksgruppen der Mbuti und Batwa
(Pygmäen) werfen allen beteiligten Parteien im Kongo-Konflikt
Plünderung, Vergewaltigung und kannibalistische Handlungen an ihren
Opfern vor.
Sinafasi Makelo, ein Delegierter der Mbuti, berichtete dem "Ständigen
UNO-Forum über Indigene Fragen" (PFII) vergangene Woche in New York
von "Gräueltaten bisher unbekannten Ausmaßes".
"Gejagt und wie Wild gegessen"
Sein Volk, so Makelo, habe manche Gräuel erlebt, nie zuvor jedoch,
"dass Menschen - wie kürzlich in der Provinz Ituri geschehen - gejagt
und wie Wild gegessen" würden.
Er richtete den Vorwurf des Kannibalismus sowohl gegen reguläre
Soldaten der kongolesischen Streitkräfte als auch gegen Angehörige von
Rebellengruppen sowie Stammeskämpfer.
"Akut in Existenz bedroht"
Beide würden aus offenbar rituellen Gründen Fleisch von Pygmäen essen,
im Glauben "dass dieses ihnen magische Kräfte verleihe." Es gebe sogar
Berichte über Märkte, auf denen Fleisch von Pygmäen angeboten werde.
Sein Volk, so Makelo, lebe politisch marginalisiert, in Armut, ohne
Land und in ständiger Bedrohung durch "Gewalt, Genozid und sogar
Kannibalismus". Seine "kulturelle und physische Existenz" sei mehr
denn je bedroht.
Sexuelle Übergriffe gegen Frauen
Die Frauen der Pygmäen seien zudem häufig sexueller Gewalt und
Vergewaltigungen ausgesetzt, erklärte Makelo. Dadurch verbreiteten
sich vorher unbekannte Geschlechtskrankheiten.
Von den Vereinten Nationen forderte der Minderheiten-Sprecher ein
internationales Tribunal zur Verfolgung der Verbrechen.
NGOs bestätigen Berichte
Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker hatten
Kirchenvertreter vergangene Woche aus der heftig umkämpften Provinz
Ituri berichtet, dass Leichen, die sie geborgen hatten, Organe
fehlten. Sterbenden seien Herz oder Leber entnommen worden.
Ulrich Delius, Afrika-Referent der GfbV forderte von der Europäischen
Union angesichts dieser Situation, sofort Friedenstruppen für einen
Einsatz im Osten Kongos zur Verfügung zu stellen.
Berichte bereits im Jänner
Bereits vergangenen Jänner wurden ähnlich schwere Vorwürfe gegen die
Rebellenorganisation MLC ("Mouvement de Libération du Congo") erhoben.
Diese habe nach einem Bericht der UNO-Mission für den Kongo (MONUC)
seit Oktober 2002 systematisch Verbrechen an Zivilisten verübt.
Diese umfassten willkürliche Exekutionen, sexuelle Übergriffe
gegenüber Frauen und ebenfalls Kannibalismus. Unter den Opfern waren
der Studie zufolge auch damals Angehörige der Mbuti.
Vorwürfe dementiert
Fünf dieser Verbrechen verdächtigte Milizionäre wurden damals
festgenommen. Der Vorwurf des Kannibalismus wurde jedoch von MLC-Chef
Jean-Pierre Bemba als nicht bewiesen dementiert.
Blutiger Kampf um Bodenschätze
Ursache für den Bürgerkrieg sind neben ethnischen Spannungen vor allem
die reichen Bodenschatzvorkommen der Region. Nachbarstaaten wie Uganda
und Ruanda unterstützen Rebellenorganisationen vor Ort, um ihren
Einfluss in der Region zu sichern.
Von Georg Krammer, ORF.a
deutschland zählt leider zu den hauptkriegstreibern...