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25.02.2004 Deutsche Hallenmeisterschaften Dortmund 2004

Nadine Kleinerts „besseres Training“

Kugelstoß: 18,70 m reichten der Magdeburgerin zwar zum Titel, aber nicht zur Wunsch-Erfüllung

Der Titel im Kugelstoß war eigentlich schon vor dem ersten Versuch vergeben. Zu eindeutig war die Überlegenheit von Nadine Kleinert. Und die Prognose bewahrhei-tete sich auch im Wettbewerb. Mit 18,70 m schockte die Magdeburgerin bereits im ersten Stoß die Konkurrentinnen. Danach ließ die 28-jährige noch vier weitere 18-Meter-Versuche folgen. Doch ihr persönliches Ziel verfehlte Kleinert trotzdem. „Ich hatte mir die 19 Meter vorgenommen. Darum bin ich nicht zufrieden. Es war ein besseres Training“, erklärte die Vize-Weltmeisterin von 2001. Für die anstehende Hallen WM hat sich die 1,90 m große Sportlerin trotz des unerfüllten 19-Meter-Wun-sches noch mehr vorgenommen. „Wenn ich dort unter die besten Sechs kommen will, muss ich in die Bereiche meiner Hallenbestleistung von 19,35 m kommen“, so Kleinert. Als größte Konkurrentinnen schätz die Magdeburgerin die Ost-Europäerinnen ein. „Wenn es um ein gutes Preisgeld geht, sind die immer mit dabei.“

Durch Astrid Kumbernuss‘ Verzicht auf die Hallensaison gewann die Schwerinerin Nadine Beckel Silber. Doch mit 17,38 m konnte sie das WM-Ticket nicht auch beim finalen Wettkampf nicht lösen. Genauso erginge es der Drittplatzierten Kristin Marten mit 17,01 m. Die Stoßerin aus Thum hat sich in dieser Hallensaison jenseits der 17-Meter-Marke eingependelt und konnte in diesem Winter den größten Leis-tungssprung aufweisen. Trotzdem hält Karl-Heinz Leverköhne Martens Leistungen für ausbaufähig. „Ihre Zubringerleistungen sind besser als ihre Resultate. Ein Leistungs-sprung von 50 Zentimetern wäre deshalb kaum verwunderlich.“, glaubt Leverköhne.

Verlassen gefühlt

Doch nicht nur weil neben Kumbernuss auch Kathleen Kluge auf die Halle verzichtet, da sie momentan an der Drehstoßtechnik feilt, fühlte sich die neue deutsche Meis-terin ein wenig verlassen in der Helmut-Körnig-Halle. „Wenn ich beim Training das Radio aufdrehe, habe ich mehr Stimmung als hier“, kritisierte Nadine Kleinert die Hallensprecher sowie das Publikum. Beide Parteien schenkten den Athletinnen kaum Beachtung. „So macht das Kugelstoßen einfach keinen Spaß.“ Stattdessen freut sich Kleinert bereits auf die Olympischen Spiele in Athen. „Dort stoßen wir separat. Das kann eine gute Werbung für unsere Disziplin werden.“


Es bleibt zu hoffen, dass in Athen weitere Starterinnen als nur Nadine Kleinert den DLV vertreten werden. Eine gesunde Astrid Kumbernuss hätte dem kleinen Geld von nur sieben Athletinnen auch in Dortmund gut getan. Und selbst Kleinert vermisste die Olympiasiegerin von 1996. „Wenn sie mitstößt, ist es gleich etwas ganz anderes.“

Quelle: Leichtathletik News

25.02.2004 Bloß kein Risiko
Deutsche Leichtathleten schonen sich für Athen 2004 - oder sie sind einfach schlecht

Durch die deutsche Leichtathletik sollte bei den nationalen Hallen-Meisterschaften am Wochenende in Dortmund ein Ruck gehen. Doch nicht nur in der Politik bleibt der immer wieder erhoffte Schub aus. Zwar wurden die Titelkämpfe überstrahlt von der Weltjahrsbestzeit über 200 m durch Tobias Unger (Kornwestheim), der in 20,59 Sekunden triumphierte, doch insgesamt dominierte - im internationalen Vergleich - zumeist Mittelmaß.

Zu den 16 Sportlern, die die Qualifikationsnorm für die Hallen-WM in Budapest (5. bis 7. März) bereits vorher geschafft hatten, kamen noch vier weitere hinzu. Doch Medaillenchancen haben wohl nur Zwei-Meter-Springerin Daniela Rath (gewann gestern mit 1,95 m) und die Stabhochspringer Tim Lobinger (Erster mit 5,75 m) und Björn Otto (Zweiter mit 5,70 m). Und Doppelmeister Unger, der auch über 60 m gewann? "Da werden schon noch einige auftauchen und schneller sein", meinte der 24-jährige Schwabe. "Mein Ziel ist der 200-m-Endlauf."

Von den wenigen Highlights abgesehen, stellt sich die deutsche Leichtathletik im Februar 2004 vor allem als eine Ansammlung von Spitzen-Athleten dar, die momen-tan wegen noch nicht überwundenen Verletzungen oder Krankheiten nicht starten können oder die die Halle aussparen, weil ihr Fokus total auf die Olympischen Spiele in Athen (13. bis 29. August) gerichtet ist. So die Olympiasieger Nils Schumann (800 m) und Heike Drechsler (Weitsprung), Spitzenkräfte wie Astrid Kumbernuss (Kugel) und Ingo Schultz, Grit Breuer (beide 400 m) sowie Yvonne Buschbaum und Annika Becker (beide Stabhochsprung).

"Für Olympia geht doch niemand ein Risiko ein", sagte Rüdiger Nickel, der Vizeprä-sident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), ehrlich, "da wäre er ja be-scheuert." Doch wer wird rechtzeitig fit? Auf keinen Star kann verzichtet werden. So nannte Nickel bereits jetzt die Namen Breuer und Schumann (beide an der Achilles-sehne operiert) und sogar den dauerverletzten Martin Buß, Hochsprung-Weltmeister von 2001 (Knie-Operationen), als Kandidaten, denen man wohl einen "Sonderweg gestatten sollte". Sie müssen Qualifikationsnormen im Zweifelsfall erst später er-bringen als die anderen.

Aber dass insgesamt wenig Hoffnung auf Besserung und eine Steigerung des Ni-veaus in der deutschen Leichtathletik besteht, zeigte sich einmal mehr in Dortmund. Lediglich die erst 18-jährige, erfrischend auftretende Weitspringerin Sophie Krauel gibt beim Nachwuchs (zu dem Unger nicht mehr zählt) wirklich Anlass zur Hoffnung.

Am Rande der Meisterschaften hat Verbandspräsident Clemens Prokop Initiativen des DLV beim Europäischen (EAA) und dem Welt-Leichtathletikverband (IAAF) angekündigt, international größere Chancengleichheit durch eine konsequentere Doping-Bekämpfung zu erreichen. Nur Spötter dürfen behaupten, dass der DLV nun über diese Schiene versucht, wieder näher an die Weltspitze heranzukommen.

Zufrieden war man zumindest bei der LG Nike Berlin, die durch Claudia Marx (200 m) und überraschend auch durch die 4 x 200-m-Staffel (Nadine Balkow, Marx, Anja Neupert, Katharina Gröb) zu zwei Titeln kam. Weitere Berliner Medaillen: Bronze für André Höhne (5000 m Gehen/SCC) und Hochspringer Marius Hanniske (LG Nord). Bei der WM in Budapest wird Marx allerdings trotz geschaffter Norm nicht starten. Mit dem Meeting in Chemnitz am Freitag endet für sie die Hallensaison. Olympia geht auch für Claudia Marx vor.


Quelle: Berliner Morgenpost

23.02.2004 Auch im Olympiajahr geht der Patient am Stock
 
Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Dortmund gab es nur wenige Topleistungen zu bejubeln. Es überwog internationales Mittelmaß.

Dortmund - Durch die schwächelnde deutsche Leichtathletik sollte bei den nationa-len Hallen-Meisterschaften am Wochenende in Dortmund ein Ruck gehen, doch der erhoffte Schub blieb aus. Zwar wurden die Titelkämpfe überstrahlt von der Welt-jahresbestzeit über 200 Meter durch Tobias Unger (Kornwestheim), der in 20,59 Sekunden triumphierte, doch insgesamt dominierte - im internationalen Vergleich - zumeist Mittelmaß.

Zu den bisher schon feststehenden 16 Sportlern, die die Qualifikationsnorm für die Hallen-Weltmeisterschaften vom 5. bis 7. März in Budapest bereits vorher geschafft hatten, kamen noch vier weitere hinzu. Mehr Masse als Klasse also, denn Medai-llenchancen haben selbst bei dieser international eher unbedeutenden Veranstaltung nicht einmal eine Handvoll Deutsche. Lediglich Zwei-Meter-Springerin Daniela Rath (gewann den Hochsprung in Dortmund mit 1,95 m) sowie die Stabhochspringer Tim Lobinger (Erster mit 5,75 m) und Björn Otto (Zweiter mit 5,70 m) zählen in Ungarn zu den nationalen Hoffnungsträgern. Sprint-Ass Unger, der auch die 60 Meter gewann, glaubt dagegen nicht an einen Podestplatz in Budapest: "Da werden schon noch einige auftauchen und schneller sein", schwante dem 24-jährige Schwaben, "mein Ziel ist der 200-m-Endlauf."

Generell stellte sich die deutsche Leichtathletik im Februar 2004 vor allem als eine Ansammlung von Athleten dar, die momentan wegen noch nicht überwundenen Ver-letzungen oder Krankheiten nicht starten können, oder aber die Halle aussparen, weil ihr Fokus auf die Olympischen Spiele in Athen (13. bis 29. August) gerichtet ist. So die Olympiasieger Nils Schumann (800 m) oder Heike Drechsler (Weitsprung), Spitzenkräfte wie Astrid Kumbernuss (Kugelstoßen) oder Ingo Schultz, Grit Breuer (beide 400 m), Yvonne Buschbaum, Annika Becker (beide Stabhochsprung) und Claudia Gesell (800 m).

"Für Olympia geht doch niemand ein Risiko ein", sagte Rüdiger Nickel, Vizepräsi-dent des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), "da wäre er ja bescheuert." Doch wer wird rechtzeitig fit? So nannte Nickel bereits jetzt Schumann und Breuer (beide an der Achillessehne operiert) sowie den dauerverletzten Martin Buß, Hoch-sprung-Weltmeister von 2001 (Knie-Operationen), als Kandidaten, denen man wohl einen "Sonderweg gestatten sollte". Sprich: Sie müssen Qualifikationsnormen im Zweifelsfall erst später erbringen als die anderen.

Schließlich braucht der DLV in Athen jeden Mann, um nach der Pleite bei der WM 2003 in Paris (einmal Silber, dreimal Bronze) die hohen Olympia-Ziele - sechs Me-daillen, Platz drei in der Länderwertung - zu erreichen. Selbst Manfred von Richt-hofen, Präsident des deutschen Sportbundes, hat der deutschen Leichtathletik "akute Krankheitserscheinungen" attestiert, die sich nicht so schnell beheben ließen.

Dass tatsächlich wenig Hoffnung auf Besserung besteht, zeigte sich einmal mehr in Dortmund. So sprach es Bände, dass das Comeback der 35-jährigen Weitspringerin Susen Tiedtke mit peinlichen 6,19 Meter (Platz drei) nach 18 Monaten Wettkampf-pause noch zu den wenigen Aufsehen erregenden Momenten der Titelkämpfe gehör-te. Die Berlinerin will später vor allem im Dreisprung angreifen, weil da das Niveau beim DLV so gering ist, dass sie sich bessere Chancen auf eine Olympia-Teilnahme ausrechnet als im Weitsprung.

Am Rande der Meisterschaften hat Verbands-Präsident Clemens Prokop Initiativen des DLV beim europäischen (EAA) und dem Weltleichtathletik-Verband (IAAF) angekündigt, international größere Chancengleichheit durch eine konsequentere Doping-Bekämpfung zu erreichen. Nur Spötter dürfen behaupten, dass der DLV nun über diese Schiene versucht, wieder näher an die Weltspitze heranzukommen.

Quelle: Die Welt

21.02.2004 Hoffen auf den letzten Schub

Die WM-Pleite hat in der deutschen Leichtathletik wenig bewirkt

Bei rechtem Licht besehen ist der 70. Geburtstag, den der Sportbund-Präsident und ehemalige Hockeyspieler Manfred von Richthofen am 9. Februar beging, kein An-lass, ein paar Gedanken an die deutsche Leichtathletik zu verschwenden. Ein Schuh wird erst draus, wenn man ein Interview aufruft, das der Freiherr zum runden Wiegen-fest der Tageszeitung Die Welt gewährte. Sinngemäß stellte das Blatt fest, mit Blick auf die Athener Spiele liefe es für den deutschen Sport nicht schlecht, nur die olym-pische Kernsportart hinke hinterher. „Keine Frage, die Leichtathleten werden es schwer haben“, antwortete Richthofen, die hätten Probleme des Übergangs des Nachwuchses ins Erwachsenenalter: „Da gibt es echte akute Krankheitserschei-nungen.“ Sie bis Athen zu beheben werde „mit Sicherheit“ nicht geschehen. Sieht man davon ab, dass die Geschichte mit dem Übergang nur ein Symptom der Ma-laise ist, zeigt die Richthofensche Einlassung, wie sehr die Pleite des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) bei der WM 2003 in Paris höchste Stellen selbst ein halbes Jahr später noch bekümmert.

Und die Aussicht auf künftig freundlichere Kommentare ist, vorsichtig formuliert, eher durchwachsen. Gleichwohl verordnete sich der DLV bei einer dreitägigen Aufarbei-tung der trüben WM- Tage in Kienbaum/Brandenburg vorsichtigen Optimismus und begründete ihn mit dem umwerfenden Argument: weil in Paris so viel schief ging und es schlimmer kaum kommen kann. Zudem wollte DLV-Sportchef Rüdiger Nickel ei-nen „Ruck durchs Trainerteam“ gespürt haben und auch, dass „alle mit Engagement die Scharte von Paris ausmerzen“ wollen. Die Sache mit dem Engagement, musste Nickel erkennen, hielt sich jedoch in Grenzen. Offenbar gefrustet ob des Erreichten, kündigte Chefcoach Bernd Schubert noch vor dem Jahreswechsel an, sein Amt zum 1. Oktober 2004 zur Verfügung zu stellen. Auch wenn, klar doch, das Gegenteil be-hauptet wird: Der Verband geht nach Athen mit einem angeschlagenen Cheftrainer. Optimal ist anders.

Zerschlagen hat sich auch die Hoffnung, winters mit ein paar herausragenden Hallen-ergebnissen endlich wieder Pluspunkte beim Sportkonsumenten zu sammeln. Doch im Trommelfeuer der überragenden deutschen Wintersportler und der international erfolgreichen Handballer und Volleyballerinnen blieb den Leichtathleten nichts anders übrig, als erneut die Köpfe einzuziehen.

Veritables Weltformat präsentierten nur zwei: Hochspringerin Daniela Rath mit zwei 2-m-Sprüngen und Stabhochspringerin Annika Becker mit dem Rekordsatz über 4,68 m. Nur: Becker hat sich verletzt verabschiedet und die wieder üppige Liste prominen-ter Hallenverweigerer (u.a. Breuer, Drechsler, Buschbaum, Gesell, Kumbernuss, Schulz und Schumann) verlängert.

Nichts deutet im Moment auf die Umsetzung der großen Pläne hin, die für Athen geschmiedet wurden: Bis zu sechs Medaillen und Platz drei in der Länderwertung. So muss der DLV in Dortmund, wo am Wochenende bei der Hallenmeisterschaft der erste Knotenpunkt im Olympiajahr erreicht wird, mal wieder auf das setzen, worauf er bei seinen Titelkämpfen immer setzt, zuletzt aber meist vergeblich: „auf den letzten Schub“ (Sportchef Nickel).

Quelle: Süddeutsche Zeitung


Son 29. Feb 2004 11:27

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