| 14.01.2004 | Archäologe sieht Verstoß gegen Olympische Charta Würzburger Wissenschaftler möchte Kugelstoß-Wettbewerbe im antiken Olympia verhindern - Zerstörungen befürchtet Athen. Als ein "makabres Schauspiel unter falschen Vorzeichen und eklatanten Verstoß gegen die Olympische Charta" hat Prof. Dr. Ulrich Sinn die Austragung des Kugelstoß-Wettbewerbs bei Olympia 2004 in Athen an der antiken Stätte bezeich-net. Diese wurden mit Zustimmung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von Athen ins klassische Olympia verlegt. Der Zuschauerzustrom und das Medien-aufgebot bedrohen nach den Worten des Ordinarius für klassische Archäologie in Würzburg die Integrität des Ursprungsorts der antiken Spiele, einem seit 1875 hauptsächlich von deutschen Archäologen ausgegrabenen Gelände. Olympia selbst weise keine Infrastruktur auf für ein solches auf Fernsehwirkung abgestelltes Spek-takel, so der seit 1985 führend an den Ausgrabungen des Deutschen Archäo-logischen Instituts in Olympia beteiligte Wissenschaftler. Laut Sinn haben vor gut 20 Jahren Politiker und Konzertveranstalter einen Versuch unternommen, die promi-nente Stätte für Massenveranstaltungen zu nutzen. Der Griechische Archäologische Dienst habe diesem Ansinnen in Wahrnehmung seiner Verantwortung aus konser-vatorischen Gründung sofort einen Riegel vorgeschoben. Sinn: "Damals wurde auch das Verfahren eingeleitet, Olympia in den Katalog des von der UNESCO aner-kannten Weltkulturerbes aufzunehmen. Im Heiligtum und im umgebenden Alpheiostal gelten seither strenge Auflagen der Landschaftspflege. Die deutschen Ausgräber haben Hand in Hand mit den zuständigen griechischen Stellen Zeit, Ideenreichtum und sehr viel Geld in die Konservierung und behutsame Rekonstruk-tion der antiken Ruinen investiert." Es sei eine großartige Meisterleistung, wie exakt die Anlage bei den Ausgrabungen freigelegt wurde. 15 000 Zuschauer erwartet Der Archäologe stellt fest, das IOC habe mit großem Effekt in seiner "Olympischen Charta" verankert, "da ss die Olympischen Spiele unter Bedingungen abgehalten werden, die in verantwortungsvoller Weise den Problemen der Umwelt Rechnung tragen" . Um den Spitzenathleten Wettkampfbedingungen des heute üblichen Stan-dards zu bieten, seien im Stadion selbst aufwändige Vorkehrungen vonnöten. 15 000 Zuschauer sollten Augenzeuge des Spektakels werden. Auch die Medien kämen nicht ohne ihre Infrastruktur aus. Gerüste und so manche bequeme Sitzgelegenheit würden die Erdwälle zerwühlen und ruinieren, auch nötige Vorkehrungen für Hygiene und Versorgung. Das Stadion und mit ihm das bis heute in einer wundervollen Landschaft gelegene Zeusheiligtum von Olympia würden zwangsläufig schweren Schaden nehmen. Quelle: Nordkurier |