Nachdem wir uns im Fortgeschrittenen-Kurs durch etliche
zusammenhängende Kapitel der Sprüche Salomos durchgearbeitet haben,
wollen wir ab Kapitel 10,wo viele Einzelsprüche vorkommen, einige
Wortstudien betreiben. Hier einige Notizen zum Thema Freund:
Das häufigstes Wort "rea" bedeutet, wenn es ohne Artikel bzw.
mit Suffix reehu oder reecha steht fast immer Gefährte, Nächster, so
in 3,28.29; 6,1.3.29; 11,9.12; 16,29; 21,10; 24,28; 25,8.9.17.18;
26,19; 29,5. Selbst der oft mit Freund übersetzte Vers 22,11 kann
alternativ "dessen Freund ist der König"(ELB) auch mit "Sein Nächster
ist ein König" wiedergegeben werden.
In 17,17-18 fällt auf, dass sich im ersten Vers in Verbindung mit dem
Artikel vor "rea" die Bedeutung Freund aufdrängt, während in Vers
18 wieder indefinit ein Nächster ohne Artikel genannt wird. Das
entspricht der Verwendung im Deutschen, wenn eine Frau von einem
(guten) Freund spricht im Unterschied zu DEM Freund. Der bestimmte
Artikel zeigt auch im hebräischen einen größeren Grad an
Verbindlichkeit der Beziehung an.
Ähnlich ist es in 19,6 (mit Artikel = Freund), in dem Fall aber in
Unterscheidung zum Plural in Vers 4, wo das auch im Deutschen
allgemein und unverbindlich klingende "reim" bzw. "reehu" = Freunde
verwendet wird.
Entsprechend zum Artikel macht der status constructus von rea in
Verbindung mit einem Beziehungswort im deutschen Genitiv dies Wort
wiederum spezifischer, so in 27,9.10, wo außerdem der Schachen =
Nachbar erwähnt wird, in V14 aber schon wieder die Bedeutung Nächster
für rea eindeutig ist.
Wir folgern also: schachen / Nachbar ist weniger als rea =
Nächster, Kollege, Kumpel, Gefährte, Genosse.
Beziehungsintensiver ist das Wort ach = Bruder, das bereits in
17,17 vorkam, ebenso in 18,9.19. In Vers 24 wird jedoch außer dem rea
und ach noch der ohew = Freund erwähnt, woraus deutlich wird:
"ach" ist mehr als "rea", aber weniger als ein "ohew" = Freund
/ Liebender
Der ohew = enge Freund entspricht dem griechischen philos
bzw. dem Partizip philon und dem lateinischen caritas, amicitia
und amor. Daher lässt sich aber die theologisch oft überfrachtete
hermetische Abgrenzung von agape und filia bzw. den Verben
agapao und fileo im Neuen Testament für das hebräische
Herkunftswort ahaw bzw. ahawa = Liebe nicht durchhalten. Das
hat aber Jesus in seinen Reden, z.B. den aramäischen Abschiedsreden an
die Jünger verwendet. Auf der anderen Seite wertet ohew = Liebender
und zugleich Freund den hebräischen Freundesbegriff stark auf und
beschreibt die kostbarste menschliche Beziehung.
Beispiele stehen in Spr.10,12; 15,17 (filia, caritas); 17,9 (filia,
amicitias); 27,5; 5,19 (filia, amor). In 9,8 ist die Übersetzung
agapä / Hingabe für ohew naheliegend. In der LXX
(Septuaginta) hätte wiederum in 15,12 fileo gereicht (ein Freund
von).
Man muss also bei "ohew" jedes Mal abwägen, ob wie in 12,1; 17,19;
21,17; 22,11 und 29,3 ein Freund von Bändigung, Erkenntnis, Frevel
(nicht vertauschen mit Zank!), Reinheit und Weisheit gemeint ist oder
wie in 17,17; 18,24; 19,8 das Partizip "Liebender" bzw. 27,6
"Liebende" näherliegt.
Eine Kulmination bzw. Verdichtung im Gebrauch dieser Worte und damit
Zugleich eine Möglichkeit für sinnvolle Abgrenzung und gegen
Verwechslung sind folgende Texte:
17,17-19 (ohew, ach, rea)
18,17.19.24 (rea, ach, ohew)
19,4-8 (rea mit Artikel und im Plural, ohew)
27,6-10 (V6 ohew, V9-10 rea mit Artikel, ach, schachen, V14 rea)
Wichtigster Punkt ist für uns die Beachtung der Zeitformen Perfekt und Imperfekt und mit bzw. ohne Artikel gewesen.
1. Warum HABEN Nationen (ohne Artikel) gelärmt / getobt und WERDEN Völkerschaften Leeres murmeln (s. Ps.1,2, Parallelismus zu lärmen, daher nicht nachsinnen, symmetrischer, synonymer Parallelismus)? 2. Es WERDEN sich hinstellen / aufbauen Erdenkönige (artikelloses Wortpaar) und Fürsten haben gemeinsam beratschlagt gegen den HERRn und gegen seinen Gesalbten (= Messias / Christos, symmetrischer synonymer Parallelismus, bei dem das Beratschlagen der Führenden zum Messias bzw. seinem ersten Kommen passt und das freche Aufbauen der Erdenkönige zu HERR). 3. Wir WERDEN (oder kohortativ "lasst uns") deren (vom Messias und vom Herrn) Fesseln (das alternative mosar für "Warnung" kommt wegen des Parallelismus nicht infrage) niederreißen (starkes Piel) und deren Stricke weg von uns (mimänu mit nun energicum) loslassen (Hifil von schalach). 4. Der im Himmel Sitzende / Wohnende (Partizip) WIRD lachen, mein Herr (adonai) WIRD spotten ihnen gegenüber (für so rebellische und stolze Gemüter anscheinend nötig, aber nicht der lästerliche Spott der "lezim" aus Psalm 1,1) 5. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und in seiner Glut sie in Bestürzung versetzen. 6. Und ich (betontes "waani"), ich habe eingesetzt meinen König auf / über (beides "al") dem Zionsberg, dem Berg meiner Heiligkeit / meinem Heiligtumsberg (so Buber für das artikellose Wortpaar).
Wichtigster Punkt ist für uns die Beachtung der Zeitformen Perfekt und
Imperfekt und mit bzw. ohne Artikel gewesen.
1. Warum HABEN Nationen (ohne Artikel) gelärmt / getobt und WERDEN
Völkerschaften Leeres murmeln (s. Ps.1,2, Parallelismus zu lärmen,
daher nicht nachsinnen, symmetrischer, synonymer Parallelismus)?
2. Es WERDEN sich hinstellen / aufbauen Erdenkönige (artikelloses
Wortpaar) und Fürsten haben gemeinsam beratschlagt gegen den HERRn und
gegen seinen Gesalbten (= Messias / Christos, symmetrischer synonymer
Parallelismus, bei dem das Beratschlagen der Führenden zum Messias
bzw. seinem ersten Kommen passt und das freche Aufbauen der
Erdenkönige zu HERR).
3. Wir WERDEN (oder kohortativ "lasst uns") deren (vom Messias und vom
Herrn) Fesseln (das alternative mosar für "Warnung" kommt wegen des
Parallelismus nicht infrage) niederreißen (starkes Piel) und deren
Stricke weg von uns (mimänu mit nun energicum) loslassen (Hifil von
schalach).
4. Der im Himmel Sitzende / Wohnende (Partizip) WIRD lachen, mein Herr
(adonai) WIRD spotten ihnen gegenüber (für so rebellische und stolze
Gemüter anscheinend nötig, aber nicht der lästerliche Spott der
"lezim" aus Psalm 1,1)
5. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und in seiner Glut sie
in Bestürzung versetzen.
6. Und ich (betontes "waani"), ich habe eingesetzt meinen König auf /
über (beides "al") dem Zionsberg, dem Berg meiner Heiligkeit / meinem
Heiligtumsberg (so Buber für das artikellose Wortpaar).
(4)So verhält es sich (ergänztes Hilfsverb) nicht mit den Frevlern (auch Abgefallenen, im engeren Sinne vom Sinaibund), sondern sie sind (wieder ergänzt) wie Spreu, die der Wind (ruach als Wind im femininum, bei Geist im AT eher maskulinum) hinwegwehen wird (Imperfekt mit „nun ernergicum"). (5)Aus dem Grund werden sich Frevler im Gerichtsprozess nicht erheben und Sündigende in einer Zusammenkunft von Rechtschaffenen (ohne Artikel) (6)Denn der HERR erkennt einen Weg (ohne Artikel, also jeden einzelnen) von Rechtschaffenen und ein Weg von Frevlern wird sich verlaufen (im Sande, hier also keine Aussage über fortwährendes Gericht, 3.Sg. fem. Imperfekt von „awad" intransitiv, also nicht – wie im Piel – jemanden zugrunderichten, sondern sich verirren, umherirren)
(4)So verhält es sich (ergänztes Hilfsverb) nicht mit den Frevlern
(auch Abgefallenen, im engeren Sinne vom Sinaibund), sondern sie sind
(wieder ergänzt) wie Spreu, die der Wind (ruach als Wind im femininum,
bei Geist im AT eher maskulinum) hinwegwehen wird (Imperfekt mit „nun
ernergicum").
(5)Aus dem Grund werden sich Frevler im Gerichtsprozess nicht erheben
und Sündigende in einer Zusammenkunft von Rechtschaffenen (ohne Artikel)
(6)Denn der HERR erkennt einen Weg (ohne Artikel, also jeden
einzelnen) von Rechtschaffenen und ein Weg von Frevlern wird sich
verlaufen (im Sande, hier also keine Aussage über fortwährendes
Gericht, 3.Sg. fem. Imperfekt von „awad" intransitiv, also nicht – wie
im Piel – jemanden zugrunderichten, sondern sich verirren, umherirren)
Von: sentto-18334401-33-1208415702-jurek_schulz=web.de@...
[mailto:sentto-18334401-33-1208415702-jurek_schulz=web.de@...]
Im Auftrag von Andreas Eichberger Gesendet: Donnerstag, 17. April
2008 09:02 An: althebraeisch@... Betreff: [althebraeisch] Korrektur
zu Spr.3,1-10
Andreas Schöller hat mich freundlicherweise auf einen
Fehler bei Vers
4 aufmerksam gemacht: Zu "sechel" habe ich aus dem Kassel-Lexikon
Ps.110,10 zitiert, es muss aber 111,10 heißen (also nicht drei Einsen
und zwei Nullen, sondern vier und eine).
Außerdem habe ich das "und" vergessen. Richtig ist: "Beliebtheit
in
Gottes und (eines) Menschen Augen".
Message-ID: <002e01c8a069$6f5857d0$0300a8c0@Monka1>
Reply-To: "monika" <Monika@...>
From: "monika" <Monika@...>
To: <althebraeisch@...>
References: <fu6tkd+sqg6@eGroups.com>
Subject: =?ISO-8859-1?Q?Re:_=5Balthebraeisch=5D_Spr=FCche_3=2C13-18?=
Date: Thu, 17 Apr 2008 17:59:45 +0900
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This is a multi-part message in MIME format.
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Content-Type: text/plain;
charset="ISO-8859-1"
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Hallo Andreas!
kannst du mir mal bei Gelegenheit
den hebräischen Text zu Sprueche 1-3 schicken.
Auch vielleicht so über Scanner, wie du es uns
mit Psalm 1 gechickt hast.
Dann kann ich ein bisschen im Original nachlesen.
Mit dem Tnach klappt das nämlich noch nicht.
Herzlichen Gruss von Monika Bruttel
----- Original Message -----
From: Andreas Eichberger
To: althebraeisch@...
Sent: Thursday, April 17, 2008 4:18 PM
Subject: [althebraeisch] Sprüche 3,13-18
13. O Glück eines Menschen / (oder als Nominalsatz) Glücklich ist ein
Mann / Mensch (ohne Artikel), der Weisheit gefunden hat (eig. er hat
Weisheit gefunden) und so wird (Imperfekt) ein Mensch Einsicht
erlangen (od. der Einsicht erlangen wird) (synonym)
Im Vergleich zum ähnlichen Anfang von Psalm 1 (s. Beitrag aus dem
anderen Kurs) fällt auf, dass hier der Artikel bei Mensch und das
Relativpronomen "ascher" fehlt und hier das allgemeinere Wort "adam"
im Vergleich zum dortigen "isch" (Mann) verwendet wird. Eine Parallele
ist allerdings, dass an beiden Stellen jetzt ein Mensch glücklich
gepriesen wird, der vormals etwas getan / erlebt hat (Perfekt) und
schließlich etwas geschehen / tun wird (Imperfekt). Leider kommt diese
Progression bei den meisten Übersetzung nicht zum Vorschein.
14. Denn ihr Erwerb ist / bedeutet Glück (oder als Adjektiv angenehm)
mehr ("mi" zur Bildung des Vergleichs bzw. Komparativs) als Erwerb von
Silber und mehr als Gold ist / stellt ihr Ertrag (Ergebnis) dar.
(symmetrischer Stufenparallelismus, da Gold das Silber steigert und
Ertrag / Resultat den bloßen Erwerb).
15. Kostbar ist sie mehr als Korallen und all deine Kostbarkeiten
(Wunschvorstellungen) werden ihr nicht gleichen / gleichwertig sein.
(symmetr-synon)
16. Länge an Tagen befindet sich an ihrer rechten Seite und an ihrer
linken Seite Reichtum (Besitz) und Schwere / Ehre / Gewichtigkeit.
(symm-synth, links ergänzt rechts, Reichtum und Gewicht die Länge an
Tagen)
17. Ihre Straßen / Wege / Vorgehensweisen ("däräch" auch im
übertragenen Sinn, vgl. die vom griech. "hodos" kommende Methode) sind
Wege / Art und Weisen von Freundlichkeit und all ihre Pfade sind /
bedeuten Frieden / Wohlergehen / Unversehrtheit / ("schalom",
umfassende prosperity). (syno)
18. Ein Lebensbaum (artikelloses Wortpaar zusammengefasst) ist sie
denen, die sich ihrer bemächtigen (sie festhalten, erinnert an das
gewaltsame Eindringen ins Reich Gottes in Lk.16,16), und (als) sie
Ergreifende werden (wird man) glücklich gepriesen (so das Pual von
"aschar" wie in Ps.41,3 eher als beglückt werden. (symm-syn)
------=_NextPart_000_002A_01C8A0B4.D1E0FEC0
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<A title=3Daeichberger2002@...=20
href=3D"mailto:aeichberger2002@...">Andreas Eichberger</A> </DIV>
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13. O Glück eines Menschen / (oder als Nominalsatz) Glücklich ist ein
Mann / Mensch (ohne Artikel), der Weisheit gefunden hat (eig. er hat
Weisheit gefunden) und so wird (Imperfekt) ein Mensch Einsicht
erlangen (od. der Einsicht erlangen wird) (synonym)
Im Vergleich zum ähnlichen Anfang von Psalm 1 (s. Beitrag aus dem
anderen Kurs) fällt auf, dass hier der Artikel bei Mensch und das
Relativpronomen "ascher" fehlt und hier das allgemeinere Wort "adam"
im Vergleich zum dortigen "isch" (Mann) verwendet wird. Eine Parallele
ist allerdings, dass an beiden Stellen jetzt ein Mensch glücklich
gepriesen wird, der vormals etwas getan / erlebt hat (Perfekt) und
schließlich etwas geschehen / tun wird (Imperfekt). Leider kommt diese
Progression bei den meisten Übersetzung nicht zum Vorschein.
14. Denn ihr Erwerb ist / bedeutet Glück (oder als Adjektiv angenehm)
mehr ("mi" zur Bildung des Vergleichs bzw. Komparativs) als Erwerb von
Silber und mehr als Gold ist / stellt ihr Ertrag (Ergebnis) dar.
(symmetrischer Stufenparallelismus, da Gold das Silber steigert und
Ertrag / Resultat den bloßen Erwerb).
15. Kostbar ist sie mehr als Korallen und all deine Kostbarkeiten
(Wunschvorstellungen) werden ihr nicht gleichen / gleichwertig sein.
(symmetr-synon)
16. Länge an Tagen befindet sich an ihrer rechten Seite und an ihrer
linken Seite Reichtum (Besitz) und Schwere / Ehre / Gewichtigkeit.
(symm-synth, links ergänzt rechts, Reichtum und Gewicht die Länge an
Tagen)
17. Ihre Straßen / Wege / Vorgehensweisen ("däräch" auch im
übertragenen Sinn, vgl. die vom griech. "hodos" kommende Methode) sind
Wege / Art und Weisen von Freundlichkeit und all ihre Pfade sind /
bedeuten Frieden / Wohlergehen / Unversehrtheit / ("schalom",
umfassende prosperity). (syno)
18. Ein Lebensbaum (artikelloses Wortpaar zusammengefasst) ist sie
denen, die sich ihrer bemächtigen (sie festhalten, erinnert an das
gewaltsame Eindringen ins Reich Gottes in Lk.16,16), und (als) sie
Ergreifende werden (wird man) glücklich gepriesen (so das Pual von
"aschar" wie in Ps.41,3 eher als beglückt werden. (symm-syn)
Andreas Schöller hat mich freundlicherweise auf einen Fehler bei Vers
4 aufmerksam gemacht: Zu "sechel" habe ich aus dem Kassel-Lexikon
Ps.110,10 zitiert, es muss aber 111,10 heißen (also nicht drei Einsen
und zwei Nullen, sondern vier und eine).
Außerdem habe ich das "und" vergessen. Richtig ist: "Beliebtheit in
Gottes und (eines) Menschen Augen".
Nach einigen Monaten im Anfängerkurs (auch über Skype und international) haben wir gestern den ersten Bibeltext gemeinsam gelesen und übersetzt:
Psalm 1 (1) Glücklich ist (im Nominalsatz ergänzt) der Mann (bzw. Mensch), der nicht im Rat (oder Ratschlag) von Frevlern (wie die Folgenden ohne Artikel) unterwegs gewesen (Perfekt im Unterschied zu den meisten Übersetzungen), auf einem Weg von Abirrenden (Sündigenden, Partizip) nicht stehengeblieben ist und sich nicht am Wohnsitz von Spöttern niedergelassen hat (bzw. gewohnt hat, wie etwa Lot); Der Gläubige ist oft nicht glücklich, wenn er hier und da nicht mitmacht und einwilligt, sondern später ist er "heilfroh" und "aschre" glücklich, dass er es nicht gemacht hat. Daher ist Perfekt auch sinnvoller. Interessant ist die gegenläufige Steigerung bzw. Abmilderung der Verben bzw. Substantive: In gehen ("halach"), stehenbleiben ("amad") und "sich niederlassen ("jaschaw") liegt eine Steigerung zum Negativen, wiederum sind die Frevler ("reschaim") die Schlimmsten, die dreist und absichtlich gottlos leben, die Sündigenden die Gewohnheitssünder ("chataim"), die einfach immer wieder das Falsche tun und "lezim" die in ihrer Haltung als Spötter verdorbenen. (2) ...; sondern in des HERRN Weisung ("thorat") ist sein Begehren und mit seiner Unterweisung wird er tagsüber und nachts murmeln ("jähegä" im Imperfekt) Für den Hebräer ist das in der Vulgata zu findende "meditari" viel zu theoretisch und kopflastig, da lesen vorlesen und beten mindestens murmeln bedeutet). (3) Er wird sein ("wehaja", also Perfekt mit waw consecutivum ergibt in der Übersetzung Futur) wie ein über Wasserbächen angepflanzter Baum, der zu seiner Zeit seine Frucht hergeben wird. Sein Laub (Singular) wird nicht verwelken und alles, was er unternehmen wird, wird Erfolg haben (alles im Imperfekt / Futur).
Nach einigen Monaten im Anfängerkurs (auch über Skype und
international) haben wir gestern den ersten Bibeltext gemeinsam
gelesen und übersetzt:
Psalm 1
(1) Glücklich ist (im Nominalsatz ergänzt) der Mann (bzw. Mensch), der
nicht im Rat (oder Ratschlag) von Frevlern (wie die Folgenden ohne
Artikel) unterwegs gewesen (Perfekt im Unterschied zu den meisten
Übersetzungen), auf einem Weg von Abirrenden (Sündigenden, Partizip)
nicht stehengeblieben ist und sich nicht am Wohnsitz von Spöttern
niedergelassen hat (bzw. gewohnt hat, wie etwa Lot);
Der Gläubige ist oft nicht glücklich, wenn er hier und da nicht
mitmacht und einwilligt, sondern später ist er "heilfroh" und "aschre"
glücklich, dass er es nicht gemacht hat. Daher ist Perfekt auch
sinnvoller.
Interessant ist die gegenläufige Steigerung bzw. Abmilderung der
Verben bzw. Substantive: In gehen ("halach"), stehenbleiben ("amad")
und "sich niederlassen ("jaschaw") liegt eine Steigerung zum
Negativen, wiederum sind die Frevler ("reschaim") die Schlimmsten, die
dreist und absichtlich gottlos leben, die Sündigenden die
Gewohnheitssünder ("chataim"), die einfach immer wieder das Falsche
tun und "lezim" die in ihrer Haltung als Spötter verdorbenen.
(2) ...; sondern in des HERRN Weisung ("thorat") ist sein Begehren und
mit seiner Unterweisung wird er tagsüber und nachts murmeln ("jähegä"
im Imperfekt)
Für den Hebräer ist das in der Vulgata zu findende "meditari" viel zu
theoretisch und kopflastig, da lesen vorlesen und beten mindestens
murmeln bedeutet).
(3) Er wird sein ("wehaja", also Perfekt mit waw consecutivum ergibt
in der Übersetzung Futur) wie ein über Wasserbächen angepflanzter
Baum, der zu seiner Zeit seine Frucht hergeben wird. Sein Laub
(Singular) wird nicht verwelken und alles, was er unternehmen wird,
wird Erfolg haben (alles im Imperfekt / Futur).
Gestern haben wir tatsächlich nur zwei Verse behandelt, deren
Ergebnisse aber wert sind, festgehalten bzw. weitergegeben zu werden.
Danke, Andreas, für Deine Notizen!
Zu Vers 11:
Eine Bändigung ("musar", Lieblingswort von Salomo schon 1,2.3.7.8) des
(vom) HERRN wirst du, mein Sohn, doch nicht verschmähen (verwerfen,
Gegenteil von "bachar" = erwählen) und du wirst doch nicht überdrüssig
werden (von "koz", woher tatsächlich kotzen, zum Kotzen finden
herkommt, http://de.wiktionary.org/wiki/kotzen) gegenüber seiner
Zurechtweisung / Korrektur (s. 1,23, sym, syno)
Zu Vers 12:
Denn denjenigen, den der HERR lieben wird (Imperfekt bzw. Futur oft
unbeachtet, den wird er (auch) zurechtweisen / korrigieren ("jachach",
richten lassen, Hifil) und wird ihn doch gütig behandeln /
wohlgefällig aufnehmen / ihm wohlgesonnen sein ("raza", vgl. Spr.16,7,
Gen.33,10; Deut.33,11; Ps.44,4; 85,2; Koh.9,7) wie ein Vater einen /
einem Sohn
"raza" wäre mit "be" = Wohlgefallen haben an (intransitiv); hier steht
aber der Akkkusativ und hat damit die transitive Bedeutung
"wohlgefällig aufnehmen", "gütig behandeln"
In der Septuaginta ist "mastigoi" = geißelt eingefügt, während das
"we" und weggelassen worden ist.
Dadurch fehlt dem parallel geführten zweiten Halbsatz das
einschränkend und adversativ gebrauchte "und"
Das Ergebnis ist, dass die hier gar nicht erwähnte Prügelstrafe als
logische Folge des freundlichen Annehmens erscheint, während obige
Übersetzung zwar die korrigierende Erziehungsmaßnahme erwähnt, sie
aber in den Kontext väterlicher Zuwendung und entsprechenden
Maßhaltens stellt. Im Hebräischen Text steht also nicht, dass der
Vater jeden Sohn, den er freundlich annimt, verprügelt, sondern dass
er ihn auch bei nötiger Zurechtweisung gütig behandelt.
Das entspricht der Aufforderung von Paulus zum Maßhalten gerade im
Bereich der Erziehung: Eph.6,4 und Kol.3,20 (Väter sollen ihre Kinder
nicht zum Zorn reizen oder sie zu streng behandeln, "damit sie nicht
entmutigt werden")
Der Schreiber des Hebräerbriefes hat im Vers Hebr.12,6 den
Septuagintatext dieses Verses übernommen, der den jüdischen Adressaten
in der Diaspora sicherlich vertraut war. Interessant ist, dass dieses
Zitat nicht eingeführt wird als Schriftbeweis mit der Formel "wie
geschrieben steht", das Wort wird auch nicht Gott in den Mund gelegt,
sondern ist zunächst nur im Hebräischen Teil des inspirierten Buches
von Salomo.
Wenn auch in Hebr.12,6 das Geißeln erwähnt wird, ist wiederum nicht
von der assoziierten Rute die Rede, weshalb durchaus auch
Schicksalsschläge gemeint sein können, die Gott u.U. als
Erziehungsmaßnahme zulässt bzw. schickt.
Zusammenfassung: In vielen Übersetzungen sind also drei Fehler bzw.
Schwachstellen enthalten:
1) Das Imperfekt "jäahaw" wird mit Präsens und nicht Futur übersetzt
2) Das "und" wird im zweiten Halbsatz weggelassen, was die zweite
Aussage (wird gütig behandeln) an die erste (wird zurechtweisen)
anfügt. Die Elberfelder übersetzt z.B:: "den züchtigt er wie ein
Vater den Sohn, den er gern hat" und bezieht "wie ein Vater einen
(ohne Artikel) Sohn" auf das "Züchtigen" des ersten Halbsatz, obwohl
es nach dem "und" steht und auf das Lieben im zweiten Halbsatz
bezogen werden muß. Damit fällt außerdem der antithetische
Paralelismus (wird ihn doch gütig behandeln) des zweiten Halbsatzes
aus der Waagschale.
3) Die transitive Bedeutung von "raza" (gütig behandlen) wird nicht
beachtet und es wird statt dessen intransitiv "Wohlgefallen haben
an" übersetzt.
1. Mein Sohn, du wirst (Imperfekt) doch nicht meine Weisung vergessen
und dein Herz wird bewachen (Kassel, S.220, "nezirim" = Wächter) meine
Anweisungen / Gebote (syno).
2. Denn Länge an Tagen (ohne Artikel) und Jahren von / für
Lebendige(n) (artikelloses Wortpaar) und Heil(sein) / Wohlergehen
werden sie dir (hin)zufügen sie dir (hin)zu (Erfüllung zum 4. Gebot)
(syno)
3. Gunst und Wahrhaftigkeit werden / sollen dich doch nicht verlassen
/ im Stich lassen (Imperfekt)! Knüpfe sie (Imperativ, Kassel, S.298)
an deine Gurgel, schreib sie auf deine Herzklappen / -tafeln
(Jer.17,1; Ex.24,12 = Gesetzestafeln; Jer.31,31; 2.Kor.3,2-3)
4. Und so finde Gunst und Beliebtheit (Kassel, S.319 Ps.110,10;
1.Sam.25,3) in Gottes (eines) Menschen Augen (ohne Artikel)!
5. Hab zum HERRN Vertrauen in / mit (nicht von = min, s. Röm.10,10)
deinem ganzen Herzen = Sitz von Glauben und Unglauben, vgl. Hebr.3,12)
und lehne dich doch nicht an deinem Verstand an! (anti)
6. In /auf allen deinen Wegstrecken erkenne ihn und Er selbst wird
begradigen / gerade machen (Piel zu gerade sein) deine Pfade (stufe)
7. Du wirst doch nicht weise sein in deinen Augen! Respektiere den
HERRN und weiche ab von Bosheit!
8. Heilung (Buber: Heilsamkeit) wird es sein für deinen Bauchnabel
(Hes.16,4; Hohel.7,3) und Getränk (Hos.2,7) für deine Knochen (syno)
9. Mach den HERRN gewichtig ("cawed", verleih ihm Gewicht) aus / von
deinen Gütern / Besitz heraus, durch /vom ein Erstbestes (s. 1,7,
Singular ohne Artikel) deines Ertrags (teilweise Parall)
10. Es werden an Genüge angefüllt werden deine Speicher und von Most
(Gen.27,28; Deut.11,14; 33,28; Hos.1,11) überlaufen deine Keltern
(sym, syno)
(16) Denn ihre Fußpaare rennen zum Bösen und hasten zum Blutvergießen.
(syno)
(17) Denn grundlos gibt es ein ausgestreutes Fangnetz in den Augen
aller Flügelbesitzer.
(18) Und doch werden sie ihrem (eigenen) Blut auflauern und eigenen
Seelen heimlich nachstellen. (syno)
(19) So sind Wege von jedem, der Ausbeute erbeutet: Sie wird das Leben
ihrer Besitzer (Plural) wegnehmen.
(20) Weisheitsrede wird laut auf der Gasse rufen (jubeln, aber
Parallelismus), auf Plätzen wird sie ihre Stimme von sich geben. (sym,
syno)
(21) An der Spitze von lärmerfüllten Straßen wird sie schreien; an
Toreingängen in der Stadt wird sie ihre Sätze reden. (syno)
(22) Bis wann, ihr Unerfahrenen, werdet ihr Unerfahrenheit liebhaben,
und fanden Spötter für sich an Spott Gefallen und werden Törichte
Verständnis hassen?
(23) Ihr werdet zu meiner Zurechtweisung zurückkehren (oder nach V22
und werdet ihr ...?) Sieh hin / Stell dir vor: Ich werde hervorquellen
lassen / in Fluss bringen zu / für euch meinen Geist und euch meine
Reden wissen / erkennen lassen
(24) Weil ich euch gerufen / berufen habe und ihr euch verweigert /
gesträubt habt, ich meine Hand ausgestreckt habe und es keinen
Aufmerkenden / Aufmerksamen gab,
(25) ihr verworfen habt meine ganze Beratung und meine Zurechtweisung
nicht wolltet,
(26) werde auch ich bei / während eures Unglücks / eurer Bestrafung
scherzen / Witze machen, werde höhnen beim Kommen eures Schreckens,
(synon)
(27) beim Eintreffen eurer Panik wie eine Schoah / ein verheerendes
Gewitter und euer Unglück wie ein Orkan eintreffen wird bei der
Ankunft von Drangsal und Bedrängnis.
(28) Dann werden sie mich anrufen und ich werde nicht antworten, sie
werden nach mir auf der Suche sein und mich nicht finden. (syno)
(29) Anstelle davon dass sie Verständnis verabscheut und Gottesfurcht
/ Furcht des HERRN nicht erwählt haben, (syno)
(30) nicht wollten meine Beratung, verschmähten meine ganze
Zurechtweisung,
(31) werden sie essen vom Ertrag ihres Weges und von ihren Plänen
genug haben (syno)
(32) Denn die Abkehr der Unerfahrenen wird sie erschlagen (Kassel,
S81) und die Zufriedenheit der Törichten (Parallele zu V22 incl.
Parallelismus) richtet sie zugrunde (Piel) (syno)
(33) Und doch wir der mir Zuhörende / der, der auf mich hört,
vertrauensvoll (Kassel, S.41) und sorglos weg von der Furcht vor dem
Unheil sich lagern / niederlassen (wohnen "jaschaw").
Nach längere Pause hier wieder einige Ergebnisse unserer Bemühungen um
die "Gleichsprüche" Salomos, der seinem Sohn Rehabeam wichtige Dinge
auf den Weg mitgibt.
Wir haben nicht nur die Übersetzung abgewogen, sondern auch
beobachtet, inwieweit im jeweiligen Vers ein "Parallelismus membrorum"
vorhanden ist, also eine Parallelaussage in zwei Vershälften, wie es
auch in den Psalmen und poetisch gehaltenen Prophetien vorkommt. Dabei
gibt es vorwiegend den synonymen (syno) Parallelismus, bei dem beide
Vershälften im Prinzip das gleiche aussagen, sodass sich mindestens
zwei Verben und zwei Nomen entsprechen, manchmal noch mehr, den
synthetischen (synt), bei dem sich die Versteile inhaltlich ergänzen
und den antithetischen (anti), bei dem sich die Versteile jeweils
entgegenstehen. Eine Variante ist dabei der symmetrische (sym) Aufbau,
bei dem Anfang und Ende und die mittleren Worte parallel angeordnet
sind. Beim selteneren Stufenparallelismus (stufe), baut der zweite
Teil auf einer Aussage des Ersten auf, indem er ein Wort aufgreift und
weiterführt.
Sprüche 1,1-15
(1)Gleichnishafte Sprüche / Gleichsprüche (Buber), Vergleiche (maschal
als Verb im Hifil vergleichen) von Schlomo, dem Sohn Davids, dem König
Israels,
(2)für das Erkennen von Weisheit und Bändigung / Züchtigung, um
unterscheiden / verstehen zu lassen Worte der Einsicht / Differenzierung
(3)um anzunehmen / zu akzeptieren die Bändigung des Verstandes,
Gerechtigkeit / Rechtschaffenheit, gerechtes Urteil(svermögen)
/Rechtsempfinden und Geradheit (Pluralwort)
(4)um Unerfahrenen / Einfältigen Cleverness / Listigkeit zu geben / zu
schenken, dem Jüngling (Rehabeam) Wissen / Kenntnis und ein
Nachdenken / Abwägen
(5)Ein Weiser wird zuhören und Angenommenes / Belehrung hinzufügen
lassen / vermehren und wer einsichtsvoll ist, wird Steuerung /
Lenkung / Navigationsvermögen (von "chowel" Steuermann, "chibel"
Steuerruder) erwerben / sich aneignen,
(6)um unterscheiden / verstehen zu lassen einen Vergleich und Ironie /
eine Anspielung (von "luz" = spotten) Reden von Weisen und ihre
scharfsinnigen / listigen / schärfenden Rätsel(fragen) (von "chad"
scharf bzw. "chadad" = scharf sein/werden, im Hifil = schärfen, Spr.27,17)
(7)Ehrfurcht vor dem HERRN (auch denkbar: „eine fürchtende des HERRN",
part.fem.) ist Beginn (auch Urzeit, Gen.1,1; Erstling, Ex.23,19; das
Erstbeste im Sinne von Vorzüglichste, 1.Sam.15,21; Amos 6,6) Wissen,
Weisheit und Bändigung; Törichte / Narren zeigen Geringschätzung /
sind verächtlich (anti).
(8)Höre (Imperativ) (auf) (eine) Bändigung deines Vaters und du wirst
(Imperfekt) doch nicht (eine = keine) Weisung deiner Mutter (od.
umstellen deines Vaters Bändigung / deiner Mutter Weisung) verstoßen /
verlassen (synt)
(9)Denn ein Kranz von Gunst / Anmut (Buber: gunstverleihend) sind sie
für deinen Kopf (od. Beginn, Start, s.o.) und Halsketten (Plural) für
deinen Hals (Enakiter = Langhalsige) (syno)
(10)Mein Sohn, wenn Sünder dich verlocken (Piel, mehr als das kal =
töricht sein, pota = unerfahren = Rehabeam, vgl. Sündenfall durch
Verlockung und begehren), sei nicht willig (Spr.1,25; 1.Kön.20,8,
Jes.1,19; im Unterschied zu unwillig bzw. widerspenstig, meistens an
der falschen Stelle: Statt der Verlockung gegenüber widerspenstig ist
man es Gott gegenüber, statt willig Gott gegenüber ist man es der
Verlockung gegenüber) (synt)
(11)Wenn sie sagen: Geh mit uns, wir werden dem Blut auflauern, (s.
Zephanja = Gott verbirgt / verwahrt, V18 und Ps.10,8), nachspäen /
-stellen / heimlich Netze legen dem Unschuldigen grundlos (einfach so,
umsonst, ohne Lohn, dass es sich lohnt).
(12)Wir werden sie wie das Toten-/Schattenreich lebend
hinunterschlingen und als Ganze wie zur Grube (bur = graben, Gruft,
Grab) Hinabsinkende/-steigende (syno, fast sym)
(13)Jedes kostbare Gut werden wir finden, werden füllen unsere Häuser
mit Beute /Geplündertem (sym, syno)
(14)Dein Los wirst du in unserer Mitte werfen, nur ein Geldbeutel soll
für uns alle dasein.
(15)Mein Sohn, du wirst dich doch nicht mit ihnen auf den Weg begeben!
Verweigere / Halte deinen Fuß (vor) ihren Pfaden zurück! (syno)
Einige kleinere Korrekturen von Flüchtigkeitsfehlern in diesem
Beitrag, auf die mich Andreas II aufmerksam machte:
zu Vers 12, letzter Satz: "sman u idan" steht am Ende von Vers 12
(nicht 11)
zu Vers 13-14, 2. Abschnitt: Es geht um Psalm 2.
dort in Vers 12: "Dessen FÜßE ..."
im 4. Abschnitt wird aus der Passionsgeschichte zitiert; der Vers
steht nicht Matth.24,64, sondern 26,64.
sorry!
Nachdem ich eine einseitige Zusammenfassung zum Aramäischen als Datei
hinterlegt habe, hier noch einige Anmerkungen zu unserer Übersetzung
von Daniel 7, wenn auch aus einem gewissen Abstand heraus:
V10-11
Auf die Beschreibung der letzten ungewöhnlich bedrohlichen Bestie
folgt (wie auch des öfteren in der Offenbarung an Johannes) ein
Szenenwechsel in den Himmel, insbesondere dahin, wo "das Gericht" sich
setzt. Wir sprechen ja auch vom "hohen Gericht", wenn wir richterliche
Personen vor uns haben, vor denen wir aufstehen, bis es Platz nimmt.
Dies zeigt, wie sich jede menschliche Macht früher oder später vor
Gott zu verantworten hat, der nicht nach Willkür oder Sympathie
verfährt, sondern aufgrund von Büchern (vgl. Offb.20,12). So
großmäulig dieser letzte Herrscher (= Horn) auch war, so
unkompliziert, selbstverständlich und widerstandslos wird es "entsorgt".
Nach dem Perfekt in Vers 9 beginnt Vers 10 mit Partizipien (dem
Präsens entsprechend) und wechselt bei "dienen" und "stehen" ins
Imperfekt (= Futur: "werden dienen" und "werden stehen"; in den
meisten Übersetzungen nicht zu erkennen), um dann für die folgenden
Verse wieder ins prophetische Perfekt zurückzukehren, als erzähle der
Prophet die von ihm gesehene Szene rückblickend.
V12
Es fällt auf, dass hier noch einmal die anderen Tiere bzw. ihre
"Gewalt" ("schaltan" < Sultan) erwähnt wird, was nur heißen kann, dass
die vorausgehenden Tiere in der letzten Bestie weiterleben, so wie
auch das Standbild aus Daniel 2 eher auf eine zusammenhängende
Darstellung der verschiedenen Phasen eines Ganzen hindeutet und in
Offenbarung 13 die Attribute der Königreiche aus Daniel 7 sich in der
endzeitliche Bestie vereinen.
Das Wortpaar "sman u idan" am Ende von Vers 11 beinhaltet sowohl einen
chronologischen Zeitablauf als auch eine spezifische Frist bzw.
Zeitqualität (LXX "chronos" und "kairos").
V13-14
In dieser bedeutungsvollen Fortsetzung der Nachtvision sehen wir, wie
ein "war änosch" verbunden mit den Wolken des Himmels in den Thronsaal
hineinkommt, wo vorher nie ein Menschenkind gewesen ist, aber es heißt
ausdrücklich, dass er zu dem Hochbetagten vorgelassen bzw. geleitet
wurde. In Bezug auf das Kommen des Messias kennen wir diese Prophetie
in Verbindung mit dessen Wiederkunft auf die Erde. Das ist aber schon
die zweite Erfüllung, die erste hängt zusammen mit Hebr.4,14, wo davon
die Rede ist, dass Er die Himmel durchschritten hat, weshalb wir
seitdem einen Thron der Gnade und Begnadigung dort vorfinden.
Aber weshalb ist "war änosch" unbedingt ein Messiasattribut?
Auch in Psalm ist sowohl von dem Sohn Gottes die Rede ("bni ata", V7,
vom gewöhnlichen Wort "ben") als auch vom selteneren poetischen "bar"
in Vers 12: Dessen Küße sollen versöhnlich und demütig geküsst werden,
da ihm bereits richterliche Gewalt übertragen worden ist, durch die Er
die Völker mit eisernem Stab weiden wird (V9).
In Daniel 3,25 identifiziert Nebukadnezar einen vierten Mann neben den
Jünglingen im Feuerofen, der einem "bar elahin" (einem Gottessohn)
gleicht; eine Vorschattung des Messias.
Schließlich zeigt Psalm 8,5, dass "bän adam" die gewöhnliche
Formulierung für "Menschenkind" wäre, aber auch hier ist vorher vom
poetischeren "änosch" die Rede, der anderweitig mit dem Messias in
Verbindung gebracht wird (Hebr.2,5-9).
Nun wissen wir zwar nicht ganz genau, ob Jesus sich in seiner
irdischen Wirkungszeit immer wieder als "bän adam" (hebräisch) oder
mit dem (Spät-)Aramäischen "bar änosch" bezeichnet hat. Das Letztere
halte ich auf jeden Fall für wahrscheinlicher, da es im Aramäischen
gebräuchlicher ist (daher auch im Buch Esra). Das war auch solange
nichts Außergewöhnliches, bis der Hohepriester Jesus vor dem
versammelten Hohen Rat unter Eid zur Aussage über Seine
Gottessohnschaft zwang (Matth.24,64): Da zitierte er nämlich Daniel
7,13, und zwar in dem originalen Aramäisch des Buches Daniel, das
zugleich seine Muttersprache und die Sprache des Hohen Rates war. Das
Entsetzen des Hohenpriesters Kaiphas resultierte meines Erachtens
nicht nur aus diesem Augenblick bzw. dieser einen Aussage, die er für
lästerlich hielt, sondern ihm wurde bewusst, dass Jesus sich die Jahre
über, in denen er sich (natürlich ebenfalls in Aramäisch) als "bar
änosch" bezeichnet hatte, nicht nur eine schlichte Bezeichnung
zugelegt, sondern sich immer mit dem Messias aus Daniel 7
identifiziert hat (z.B. Matth.12,40; Lk.9,26; 17,26; Joh.6,53); so
mussten dem Hohenpriester im Nachhinein alle diese Aussagen durch
dieses Zitat nachträglich zur Lästerung werden. Das reichte, um seine
Kleider zu zerreißen. Ich würde so weit gehen, darin eine göttliche
Fügung zu sehen, dass eigentlich überraschend die zweite Hälfte des
Danielbuches, die die Visionen enthält, noch in Aramäisch beginnt,
sodass dieses Schriftzitat vor dem Hohen Rat gleichzeitig in der
bestehenden Amtssprache Jesu möglich war.
Noch einmal zurück zu Daniel 7,13-14: Auf jeden Fall haben wir hier
ein Inthronisationsmotiv vor Augen, wo die menschlich-gottlose
Herrschaft der souveränen und von Gott autorisierten Seines Messias
entgegengestellt wird, was allerdings erst im Millenium zur sichtbaren
Ausführung auf der Erde gelangt. Wie so oft liegen zwischen einzelnen
prophetischen Aussagen lange Zeitgräben und Intervalle; inhaltlich
gehören sie allerdings doch zusammen.
Nach langer Zeit wenden wir uns in unserem Hebräisch-Kurs mal wieder
einem Propheten zu. Der schlichten (und für uns erholsamen)
Sprachstufe der Thora steht nun die Herausforderung eines
Späthebräisch mit vielen sog. "hapax legomenoi", also nur einmal
vorkommenden Vokabeln, und hier im 7. Kapitel des noch aramäischen
Textes im Buch Daniel gegenüber.
Vereinfacht habe ich einige Besonderheiten des Aramäisch im Vergleich
zum Hebräisch anhand dieser Verse von Daniel 7 skizziert:
1. Bei vielen Worten ist der Konsonanten bzw. Buchstabenbestand (fast)
identisch, jedoch verschiebt sich die Vokalisation oft
von "o" zu "e/ä" bzw. "a" und
von "a" zu "e" und
von "i" zu "a"
wie z.B. von "rosch" zu "resch", "schanah" zu "schenah", "chalom" zu
"cheläm", "schamajim" zu "schemaja", "chaja" zu "chewa", "lajla" zu
"lelja", "basar zu "besar" usw.
2. Am Wortende steht oft statt einem "he" ein "aleph" als "mater
lectionis" (nicht hörbare "Lesemutter") wie in den beiden letzten
Beispielen und beim Plural der Substantive statt "im" ein "in"
3. Das Suffix für die 3.Person Singular "o" (waw) wird zu "e" (he mit
Dageschpunkt).
4. Oft wird an Substantive ein "a" (aleph) angehängt, das an das
Akkusativzeichen "et" (aleph taw) erinnert.
5. Entsprechend zu den unter 1. aufgeführten Lautverschiebungen wird
aus der Konjugation Kal nach dem Muster "pa-al" ein "pe-al",
also z.B. aus dem "cataw" (schreiben) ein "cetaw";
beim Partizip verschieben sich die Vokale von "o" nach "a" wie bei
"aneh" und "chaseh" im Singular und "amrin" (Vers 5) im Plural.
Aus dem Hiphil wird ein Haphel wie bei "megichan",
aus dem Nifal ein Pe-il wie bei "merithu", "nethilat" und "mehiw"
(Vers 4),
aus dem Hithpael ein Hithpaal wie bei "mistacal" (Vers 8)
Doch nun zum Text selbst:
Vers 1
Die Bedeutung der Namen sind:
"Bel-schazar" = Bel (Göttername, der "Gebieter" bedeutet) schirme den
König (entsprechend zu "God save the king")
"Bawel" = nach 1. Mose 11,9 Verwirrung (balal vermischen)
"Daniel" = Mein Richter ist Gott
Das 1. Jahr dieses belegten Königs ist 553 v.Chr.
Da das Wort "resch" in diesem Vers zweimal verwendet wird, liegt
beidemale die Bedeutung "Haupt-, Summe" nahe, also er schaute
"Hauptgesichte" und schrieb die "Haupt-Sache" bzw. "Hauptsache von der
Begebenheit" nieder. Vielleicht hatte Daniel verschiedene Visionen,
diese hier, mit dem der prophetische Teil seines Buches beginnt ist
zweifellos das wichtigste bzw. das Hauptgesicht, auf dem alle anderen
aufbauen und aus dem sie sich entfalten.
Verse 2-3
Die vier Winde sind (wie in Offenbarung 7,1) vier Windrichtungen, also
nicht Geister, was "ruach" ja auch bedeuten kann. Während hier von
vier verschiedenen Tieren die Rede ist, die aus dem (Völker-)Meer
aufsteigen, ist es bei Johannes ein Tier (Off.13,1)
Vers 4
"kadma" ist nicht das erste, sondern das "vorderste", das Daniel
sieht. Es vereinigt die Raubtiernatur des Löwen mit der Übersicht des
Adlers. Geflügelte Löwenfiguren bewachten die Tore des Königspalastes
in Babylon, wofür dieses Tier ein Sinnbild ist. Mit dem Ausraufen der
Federn und dem Verleihen eines menschlichen Herzens könnte der in
Dan.4 beschriebene Niedergang von Nebukadnezar und seine Veränderung
nach der Demütigung und Wiedereinsetzung angedeutet sein.
Vers 5-6
Der Bär mit den so unterschiedlichen Seiten symbolisiert das
medo-persische Reich, dessen persische Seite sich militärisch dominant
verhielt und den medischen Einfluss mehr und mehr verdrängte. Mit dem
schnellen Raubtier, Panther oder Leopard (imperialistischer Charakter
aller Reiche) ist das Griechenland Alexanders des Großen gemeint, der,
als er mit 33 Jahren starb, innerhalb von wenigen Jahren seine
Herrschaft von Europa über Afrika bis nach Indien (vier Flügel für
vier Himmelsrichtungen?) ausgedehnt hatte. Während die drei Zähne im
Maul des Bären ungedeutet bleiben, beziehen viele Ausleger die vier
Köpfe auf die vier Generäle (Diadochen), die nach Alexanders Tod das
Reich unter sich aufteilten. Aus dem aramäischen Wort für Herrschaft
"schaltan" ist später der "Sultan" geworden.
Verse 7-8
Nun ist von diesem außergewöhnlichen ("jatir") Tier die Rede, das es
in der Natur gar nicht gibt, dessen Eisen ("parsäl" statt hebr.
"barsäl") nur an das in der Vision Dan.2,40 und damit an das noch
aufsteigende römische Weltreich erinnert. Irgendwann steigt nach den
10 Hörnern, während schon drei von ihnen "entwurzelt" ("akar") sind
oder in dem Zusammenhang werden, dieses bemerkenswerte kleine Horn
auf. Das Besondere ist die visuelle (Menschenaugen) und auditive
("Großmaul") Kommunikation. Spätestens hier wird man erneut an die
Vision in Off.13 (V1-3 und 5-7) erinnert, wo im Prinzip eine
Komprimierung aller Weltreiche auf eins beschrieben wird, so als gäbe
es, wie Johannes sagt, schon immer antichristliche Strukturen und
Persönlichkeiten (1.Joh.2,18), die aber zur Zeit des kleinen Horns
ihre ultimative, finale Erfüllung finden.
Vers 9
In dem Augenblick schwenkt die Vision (wie so oft auch bei Johannes)
in den Himmel und zum Thron eines noch Mächtigeren, vor dem sich alle
diese Reiche zu verantworten haben werden. Der "Hochbetagte" hat ein
schneeweißes Gewand und volles "wollenes" Haar (keine Altersglatze!).
Da in Bezug auf die Flammen ("schewiwin") das vergleichende "ke" fehlt
ist wohl gemeint, dass Sein Thron aus Feuerflammen besteht, aus dessen
Rädern es flackerte. Daher halten es in Seiner Gegenwart entweder
beschirmende ("cherubim") oder selbst brennende ("seraphim") Engel aus.
V9-11
Auch hier führt Mose alles genauso aus, wie der HERR ihn instruiert
hatte. Nach der Positionierung sämtlicher Geräte nun also die
Handlungen, die sie und die dazugehörigen Menschen in die Lage
versetzen, einen Dienst für Gott zu tun. Erst das Salböl macht alles
geschmeidig, sodass es in der Hand Gottes "wie Butter" funktioniert.
Es wird aktiv geheiligt, heilig gemacht (kadasch im Piel) durch das Öl
(V9-10). Ob am Ende von Vers 10 wirklich eine Steigerung zu heilig im
Sinne von "hochheilig" bzw. "Allerheiligstem" gemeint ist, ist nicht
eindeutig, es kann auch ein Heiligtum für Heiligungen gemeint sein
("kodäsch kadaschim").
V12-16
Die Menschen (V12) bedürfen vor der "Ölung", Bestreichung bzw. Salbung
der Reinigung durch Wasser. Die Geräte sind ja vorher nicht benutzt
worden für andere Zwecke. Der Mensch braucht mindestens im Sinne der
Fußwaschung Jesu eine Reinigung vom Staub seiner Wege. Wenn man auch
die anderen Dinge neutestamentlich andenkt, geht es vor der Salbung
und Bevollmächtigung für den Dienst durch den Heiligen Geist um
Reinigung des Gefäßes und das Anlegen der Heils- und Feierkleider.
Bemerkenswert ist, dass Gott den Dienst der Priester nicht dem Volk,
sondern sich selbst widmet (V13 und 15): "uchihen li", "und sie werden
mir priestern" / priesterlich dienen. Da auch wir im Neuen Bund ein
priesterliches Volk sind (1.Petr.2) müssen wir uns darüber Gedanken
machen, was es heißt, nicht nur für ein (gottloses) Volk in Fürbitte
und insofern priesterlich einzutreten, sondern auch Gott als Priester
zur Verfügung zu stehen. Das "olam" am Ende von Vers 15 zeigt, dass
Aaron und seinen Söhnen ein auf Dauer angelegtes Priestertum
zugesprochen wird (im Deutschen Futur = es wird so kommen), allerdings
wie wir wissen kein ewiges im Sinne von unbegrenztes. Das zeigt, dass
"olam" (wie das griechische "aion") kein quantitativer, sondern ein
qualitativer Begriff ist.
V17-33
An der Zeitbestimmung in Vers 17 wird einem noch einmal bewusst, dass
alle die Kapitel von 2.Mose 13 bis 4.Mose 12 nur einen recht geringen
Zeitraum von etwas über einem Jahr beschreiben, während die vierzig
Jahre Wüstenwanderung in wenigen Kapiteln abgehandelt wird. Die
prophetische Sicht der Geschichte kann einen kürzeren Zeitraum
beleuchten, in dem viel passiert und Gott Geschichte schreibt, während
ein Zeitraum des Ungehorsams seines Volkes oder auch einer Gemeinde
oder wie die Zerstreuung unter alle Völker für fast 1900 Jahre fast
unkommentiert bleiben kann. Gottes Zeit ist eben eine andere Zeit.
Zurück zur Einweihung des Zeltes der Vergegenwärtigung: Nun erst
kommen die geweihten Gegenstände in das vorbereitete Heiligtum hinein
V20). Immer wieder wird betont, dass Mose nach der Anweisung des Herrn
handelte (V19,21,23,25,27,29,32). Nun kommt Leben in das Heiligtum
hinein, es wird geräuchert, das erste Opfer wird dargebracht.
V34-38
So als hätte Gott darauf gewartet, dass alle Detailarbeit endlich
erledigt ist, kommt unmittelbar nach dem Beenden des ganzen Werkes die
Wolke ("anan") und die Schwere ("chebod") des HERRN verhüllend auf die
Zeltwohnung. Die Herrlichkeit des HERRn kann eben nur dadurch das Zelt
ausfüllen, dass sie eine "Gegenwartsschwere" ist, also eine physische
Erscheinung. Daher war das Zelt schon voll, als Mose eintreten wollte:
besetzt!
Das war in Zukunft (daher "jis-u" in Vers 36, und "jaalä", V37, bzw.
in Bezug auf das Feuer "tihejä", V38) immer das Zeichen, dass die
Wolke anzeigte, wann es aufzubrechen galt, wörtlich die Zeltpflöcke
herauszureißen. Das bedurfte einer gewissen inneren und äußeren
Flexibilität. Bequem war dabei nur, dass sie sich immer sicher sein
konnten, den Willen des Herrn für ihren Weg zu erkennen. Aber hätten
wir das gern, immer sicher zu sein, aber auch immer im Gehorsam
spontan aufzubrechen und ruhig auszuhalten, bis die Wolke sich erhob?
Wir haben heute im Hebräisch-Unterricht einen Sprung ins letzte
Kapitel 40 von Exodus gemacht, also fast vier Kapitel mit allen
Einzelheiten für das Heiligtum hinter uns gelassen, um uns dem
Höhepunkt des Buches nähern.
V1-2
Gott sagt Mose, was er tun wird. Wie so oft haben wir auch hier reine
Imperfekt-Formen oder Perfektformen mit Waw-Consecutivum vor uns, die
einfach mit Futur übersetzt werden können. Rischon ist "der erste",
"ächad" der eine; also geht es um einen Tag, der zum ("le") Tag der
ersten Neuung ("chodäsch"), des ersten Neumonds und damit
Monatsbeginns hinzukommt. Das wäre bei uns also der 2. Januar, im
Hebräischen der Tag nach "rosch haschanah". "mischcan" kann status
constructus oder absolutus sein. Es entscheidet sich am von den
Masoreten hinzugefügten Patach oder Kamez. Einiges spricht gegen die
Genitivreihe, aber für "lass aufrichten (Hifil,
tatsächlich hat Mose es nicht allein gemacht) die Wohnung, das Zelt
der Begegnung (oder "Vergegenwärtigung" = Buber).
V3
Die Beschirmung kommt "al ha-aron", also über die Lade; "vor" hieße ja
"liphne". Man könnte sich also vorstellen, dass der Vorhang nicht bis
unten, sondern nur bis zur Lade bzw. dessen Deckel reicht. Damit
würden die Cherubim und der Sühnedeckel und der Ort, von wo aus Gott
redet, beschirmt.
V4
Wie im Tenach-Programm angemerkt, haben wir in diesem Vers aufeinander
folgend "schulchan" und "arachtha", was stark an den "schulchan
aruch", das ausgearbeitete jüdische Religionsgesetz erinnert, aber
auch die Menorah, die ja nach Tempelzerstörung und Verlust der
Bundeslade die Erinnerung an das Heiligtum wach halten soll. Im
Unterschied zu vielen kirchlichen Symbolen ermöglichen etliche
jüdische wenigstens eine unmittelbare Herleitung aus den Anweisungen,
die von Gott selbst stammen.
V5-6
"masach" leitet sich vom beschirmen im V3 ab und ist nicht dasselbe
wie der dort erwähnte Vorhang, also eher "Beschirmung", und zwar die
zweite. "liphne" kommt von Gesicht, daher ist beim vom mir empfohlenen
"angesichts von" noch die Herleitung zu heraus zu hören.
V8
Die dritte Beschirmung "masach" betrifft das Tor zum Hof, der um die
Wohnung angelegt werden soll. Die Wohnung (= Stiftshütte) hat keine
Tür, sondern lediglich eine Öffnung ("pätach", V6).
Erst wurden also die Gerätschaften und Utensilien für das Heiligtum
hergestellt; nun werden sie platziert bzw. "abgenommen". Dann kommt,
wie wir sehen werden, erst die Salbung von Dingen und dann erst die
von Menschen. Das entspricht nicht unbedingt unseren Vorstellungen, da
wir oft als erstes das Gesalbte, Heilige, Erfüllte vermuten, um das
sich dann einiges rankt. Auch in Hesekiel 37 sind zuerst die Knochen
da, die dann zusammenrücken, später kommt erste Leben in sie hinein.
Das in jüdisch-orthodoxen und christlichen Kreisen verbreitete
Argument, das heutige Israel könne gar nicht in Gottes Willen sein, da
es nicht erweckt ist, stimmt nicht mit Hesekiels Vision, aber auch
nicht mit der Reihenfolge hier in Exodus überein. Oft arrangiert Gott
zuerst etwas, was später mit Leben und Geist erfüllt wird.
V35
Herzensweisheit ist eine gute Übersetzung für "chochmat-lew", da beide
Worte artikellos sind; sie ist mehr als Cleverness und Intelligenz.
Aber steht da wirklich, dass Gott sie MIT Herzensweisheit erfüllt?
Dafür spricht, dass damit das vorige Subjekt weitergeführt wird und
dass der zweite zu "mileh" gehörende Akkusativ evtl. wie weggefallen
ist. Aber ohne weiteres und ohne ein Wegfallen anzunehmen, kann auch
ganz einfach gemeint sein: "Herzensweisheit erfüllte sie". Warum
eigentlich nicht?
"Betolaat ha schani" kann auch doppelten /zweifachen Karmesin bedeuten.
Am Ende des Satzes ist gut zu erkennen, dass "asa" und "melachah"
("tun" und "Ausführung") zusammengehören und "choschwe" und
"machaschawot" ("Planungen planen"). Also Kunsthandwerk ist im
Unterschied zum normalen Handwerk die reiflicher, kunstvoller,
hintergründiger geplante und designete Arbeit.
V1-2
Wer mit Herzensweisheit erfüllt ist, gilt als herzensweise. "col-isch"
wörtlich "jeder-mann". Der HERR beruft nicht immer die Fähigen; aber
er befähigt die Berufenen. Wir wissen nicht, inwieweit Bezalel und
Ahaliaw vorher solche Fähigkeiten besaßen; spätestens die
Herzensweisheit hatten sie vorher nicht. Das Herz ist der Sitz von
Wille, Entschlossenheit. Wofür schlägt unser Herz? Hier ist von in
ihrem Herzen "motivierten" Menschen die Rede, deren Herz sie in die
Nähe der Arbeit hinbewegte, ganz anders wie bei Menschen, die
instinktiv Diensten und Arbeiten ausweichen. Diese hier sind gedrängt
zur Freiwilligkeit. "Dienst am Heiligtum" kann auch "Dienst der
Heiligkeit", also heiligen Dienst über den am Heiligtum hinaus meinen.
Auch im NT ist mit "ergon" oft nicht nur eine Arbeit und ein Werk,
sondern ein "Werk des Dienstes", ein heiliger, für Gott ausgesonderter
und geweihter Dienst gemeint.
V3
Von Mose oder "angesichts Moses" nahmen sie die Sonderspende in
Empfang. Überwiegend ist mit "Terumah" ein freiwilliges Sonderopfer,
also projektbezogen, gemeint. Das ist das Thema dieses Abschnitts: Was
alles aus Freiwilligkeit möglich ist; hier dass Menschen zum Dienst
und zum Opfer bewegt werden, und das nicht nur einmal, sondern in
beeindruckender Regelmäßigkeit "baboker baboker" ("Morgen für Morgen").
V4
Diese Opfern nahm dermaßen überhand, dass auch kein Weiser übrigblieb,
der nicht bei Mose vorstellig wurde mit der Bitte, diesem "Treiben"
ein Ende zu bereiten.
V5-6
Damit diese weisen Leute die von Gott gebotene Aufgabe erledigen
konnte, war das Gebot von Mose nötig, doch mit diesem ausufernden
Spenden aufzuhören. Wie anders stellt sich doch unsere christliche
Wirklichkeit dar! Wie wenig Freiwilligkeit und Ausstrecken nach
niedrigen Diensten in dem Wissen, dass Gott über mehr setzen und den,
der sich erniedrigt, erhöhen wird! Wann hat man schon mal gehört, dass
ein Spendenaufruf in die andere Richtung ging? Bitte aufhören! Es ist
mehr als genug, als verarbeitet und ausgegeben werden kann!
Interessant ist die Nuance, dass die Spender damals wohl Sachspenden
als ihr freiwilliges Opfer anbrachten.
V7
Das Volk wurde also gehemmt, gehindert (Nifal wohl mit passiver
Bedeutung), weiter zu opfern, denn es war genügend Arbeitsmaterial
vorhanden, zum arbeiten und sogar zum übriglassen (Infinitiv).
Die ganze Geschichte um Bezalel hat damit zu tun, dass für Gott das
Beste gerade gut genug ist: "Mein Äußerstes für Sein Höchstes". Die
kunstvolle Anfertigung des Heiligtums hat Gott geehrt, war sogar von
Ihm gewollt und keineswegs ein Hinderungsgrund, sondern eher eine
Plattform dafür, dass Gott sich mit Seiner Herrlichkeit auf dieses
Heiligtum niederlassen konnte, wie wir anschließend in Kapitel 40
weiterlesen werden. Solange die Dome und ausgefeilte Musik und
Predigten und Dienste kein Ersatz für das Eigentliche, die Gegenwart
Gottes und die Begegnung mit Ihm (im Zelt der Begegnung) sind, können
sie ein Ausdruck unserer Wertschätzung und Würdigung Gottes sein.
Natürlich kann Gott jederzeit herabfahren, sodass all dieses
Kunstvollen nicht bedarf, aber wo Gott bewusst mit den besten von Ihm
geschenkten Gaben verherrlicht wird, ist er willkommen und eingeladen.
Nach dem Ende von Kapitel 34 sind wir nun nach unserer Weihnachtspause
zur Berufung Bezalels nach 35,30 gesprungen. Neben der Analyse der
zahlreichen Namen war das Thema "Ruach Elohim", Gottes Geist:
V30:
Das "re-u", mit dem Mose seine Rede beginnt, kann sowohl "seht!" als
auch "fürchtet" heißen, da der Imperativ der 2. Person Plural bei den
Pe-Jod-Verben und den Lamed-He-Verben formgleich ist. Da die Form die
Bedeutung nicht eindeutig klärt, sehen wir uns nach eindeutigen
"fürchtet"-Stellen im Textumfeld des Pentateuch um und stellen fest,
dass "jarah" nie im Imperativ verwendet wird, sondern (auch bei
Verneinung) nur als Jussiv in der Imperfektform, was ja auch besser
zur ermutigenden Bedeutung "fürchtet euch doch nicht" bzw. "ihr werdet
euch doch nicht fürchten" passt, während ein Befehl ja schon wieder
furchteinflößend wäre. Jedenfalls wird dadurch das Missverständnis mit
"ra-ah" vermieden.
Mose berichtet, dass Gott jemanden berufen hat, das heißt Mose hat es
zuerst erfahren und teilt es dem Volk und dem Betroffenen mit.
Be-zal-el = Im-Schatten-Gottes
Ur-i = mein Licht
Chur = weiß (Sohn von Kaleb)
Jehuda = Lobpreis
"Lejehuda" kann auch "zum Stab/Stamm Juda gehörig" statt "vom Stamm"
bedeuten.
Die Bedeutungen der direkten Vorfahren und Bezalels selbst haben mit
Licht zu tun und er soll wie sein ganzer Stamm "zum Lob" beitragen,
als Kunsthandwerker.
V31
Da der zu "male" (im Piel voll machen) gehörende doppelte Akkusativ
nicht eindeutig auszumachen ist und vor "ruach elohim" kein "be" steht
wie die meisten Übersetzungen in Angleichung an die folgende
Aufzählung vermuten lassen, kommt ebensogut Gottes Geist als
erfüllendes Subjekt infrage. Dafür spricht auch, dass die drei hier
genannten "Füllinhalte" in Jesaja 11,2 benannte Attribute des Geistes
Gottes sind, nämlich "chochmah"(Weisheit), "Tewunah"(Einsicht, in
geringer Abwandlung zu "binah") und "daat"(Kenntnis).
Außerdem fällt der fehlende Artikel zu "ruach" und "elohim" auf,
weshalb weniger an die dritte Person der Dreieinigkeit und eher als
eine Zuteilung "vom Gottesgeist" zu denken ist: "Gottes Geist hat ihn
erfüllt mit ..." Das stellt wiederum eine Parallele zu Johannes 20,22
dar, wo auch vor Pfingsten eine Zuteilung vom Heiligen Geist durch den
Hauch ("ruach") Jesu geschieht, der jedoch nicht die Innewohnung des
personalen Gottesgeistes nach Pfingsten vorwegnimmt und ersetzt.
Eher erkennen wir hier einen wichtigen Unterschied zwischen
Geisteswirkungen im Alten und Neuen Testament: Im Alten Bund geschahen
Erfüllungen und Befähigungen, ohne dass die Menschen in ihrem
Charakter wesentlich verändert wurden, während im Neuen Bund umgekehrt
die Innewohnung des Geistes Gottes sowohl charakterliche Veränderung
und Frucht (Liebe usw.) hervorbringt als auch Gaben und andere
Wirkungen. Deswegen gehört für uns z.B. 1.Kor 13 und 14 zusammen und
man darf sich fragen, ob manchmal selbst ein spektakuläres
Geisteswirken lediglich auf AT-Niveau stattfindet, was aber auch nicht
mangelhafter ist als gar keins.
V32-33
Nach diesem theologischen Exkurs haben wir uns wieder den konkreten
Beschreibungen der Tätigkeiten zugewandt, zu denen "planen"(chaschaw)
ebenso gehört wie alle möglichen Fertigkeiten. Ob Bezalel sie vorher
besaß oder nicht ist nicht so wichtig wie die Tatsache, dass er damit
Gott dienen konnte, was daran erinnert, dass wir Gott auch mit unserem
Verstand lieben sollen und können.
V34
Zu einer Leiterberufung gehört auch die Befähigung zur Unterweisung,
also die Lehrgabe, die auch vom Geist Gottes ins Herz "hineingelegt"
werden kann, aber auch die Zuteilung eines sich ebenso vervielfältigen
Assistenten, hier "Ahaliaw". Das "O" kommt zwar bei "Ohäl" vor, aber
mit Suffix heißt es eben "Ahali" = mein Zelt, "aw" = ist Vater. Ihm
ging es dem Namen nach gut, denn außerdem ist er der Sohn von
"Achi-samach" = mein Bruder stützt, zum Richterstamm = Dan gehörig.
Wir haben einige Verse übersprungen und sind gestern auf den letzten
Abschnitt von Ex 34 zugegangen.
V27
Gott betrachtet Mose nicht nur als Sekretär, sondern als den Mittler
und ersten Adressaten seines Redens: Schreib es DIR (nicht hinter die
Ohren). Das Aufschreiben geschieht primär für Mose, der es
weiterzugeben hat. Gott wählt nur noch den indirekten Weg in der
Kommunikation mit diesem halsstarrigen Volk. Mose, mit er eigentlich
einen Neuanfang machen wollte, wovon dieser ihn abgebracht hat, bleibt
Gottes erste Wahl. Mit diesen Geboten sind die vorhergehenden und
andere Einzelgebote gemeint. "Al pi" = auf das hin, was aus dem Mund
kommt (wie "auf zweier Zeugen Mund"), also auf die Aussage dieser
Worte hin. "pi" ist status constructus.
Mit Mose hat Gott einen Bund geschlossen, und wie als Zusatz "und mit
Israel". Die Satzstellung, die andere Übersetzungen vermuten lassen,
wäre: "carati itcha we ät jisrael berit", aber zuerst ist der
vollständige Satz, dann der Nachsatz, "und mit Israel". Bemerkenswert!
Wie gesagt: Mose ist Gottes erste Adresse, selbst für den nach Mose
benannten Bund am Sinai.
V28
Wie beim ersten Aufstieg ist von 40 Tagen und Nächten die Rede, hier
allerdings mit dem Zusatz, dass Mose nicht aß und nicht trank.
Letzteres ist nur übernatürlich möglich und findet seine Begründung
nur darin, "dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von
jedem Wort, das durch den Mund Gottes geht". Denn nur beim Reden
Gottes mit ihm war Mose dazu in der Lage.
V29
Grundsätzlich wird hier richtig übersetzt, dass Moses Gesichtshaut
strahlte. Das entspricht auch dem Strahlen in Habakuk 3,4. Da sich
aber das Verb "karan" eindeutig mit dem Substantiv "kärän" = Horn
zusammenhängt und das lateinische und das deutsche Wort für Horn auch
noch daran erinnert, ist in der Vulgata cornu = Horn daraus geworden
und an anderen Bibelstellen auch. Die darstellende Kunst hat daher dem
Mose (wie Michelangelo im Petersdom) Hörner verpasst bzw. ihn als
gehörnt dargestellt, was zwar erschreckend gewesen wäre, aber nicht
eine Decke benötigt hätte; abgesehen davon ist es schwer vorzustellen,
wie diese Hörner immer wieder wachsen und verschwinden sollen.
Auch die Übersetzung "Horn" für "kärän" in 1.Sam.2,1 im Loblied von
Hanna und in Ps.75,5 und Amos 6,13 (und Ps.89,19) ist unbefriedigend.
Für diese Stellen gibt das Cassel-Wörterbuch "Strahl" (des Blitzes)
an, was doch gut zum Verb passt, das im Kal nur in Ex 34,29.30 und 35
vorkommt.
V30
Dieser Vers ist eine gute Übung zur Unterscheidung von "ra-ah" und
"jarah", da beide im Imperfekt verwendet werden. Wir merken uns: Wenn
am Anfang eines Verbs ein "j" steht kann es sowohl die 3. Person
Singular des Imperfekts als auch den Beginn einer Wurzel anzeigen.
Daher steht bei "jir-u" das doppelte "j", das die ursprüngliche Wurzel
erkennen lässt, auch wenn das zweite "j" nicht gehört und nur als
Lesemutter (mater lectionis) stehenbleibt.
V31
Hier haben wir den körperlichen Ausdruck von "schuw" umkehren,
umwenden, bekehren vor uns. Die Menschen haben sich also von Mose
abgewandt und wenden sich ihm nun wieder zu, nachdem er sie rief. Das
ist eigentlich ein Bild auf die Bekehrung: Wir haben uns von der
Herrlichkeit Gottes abgewandt, schließlich aus Scham und Schuld wie
Adam und Eva, nun ruft Er uns in Jesus zu sich zurück, da wir durch
die Versöhnung keine Angst vor Ihm haben brauchen; und wer es hört,
bekehrt sich zu Ihm, wendet sich Ihm wieder zu.
V32
Hier werden Aaron und die Stammesfürsten auch wieder nur zu Mittlern
für das Volk für das, was Gott dem Mose geboten hatte, was er ihnen
weitergibt. Das ist höhere geistliche Diplomatie.
V33-35
Einerseits heißt es in Vers 33, dass Mose den Schleier erst nach
seiner Mitteilung an die Fürsten aufs Gesicht legt, andererseits dass
er ihn für die Begegnung mit Gott wieder abtut und später in der
Begegnung mit dem Volk wieder auflegt. Das lässt fragen, ob es nicht
noch eine dritte Phase außer schleierlos bei Gott und verschleiert
beim Volk gibt. Nach Vers 33 kann man sich das auch so vorstellen,
dass Mose unverschleiert aus der Begegnung mit Gott kam und so auch
die Worte an Aaron und die Fürsten weitergab, dann aber anschließend
für die nächste Zeit den Schleier auftrug, wo es zum Alltagsgeschäft
ging und ihn erst dann wieder zur Begegnung mit Gott abnahm.
Das korrespondiert mit der Interpretation dieses Vorgangs von Paulus
in 2.Kor.3, wo es ja auch heißt, dass auf die (unverschleierte) Lesung
des Mose- bzw. AT-Textes hin sich ein Schleier auf die Zuhörer legt,
sodass sie mit hörenden Ohren nicht hören und mit sehenden Augen nicht
sehen und verstehen und Hilfe empfangen.
V1
Im ganzen Kapitel haben wir uns (wie in Exodus 20) dafür entschieden,
das Pluralwort im Deutschen als "Gott" zu übersetzen. Damit wird auch
die unerträgliche Konkurrenz und Verwechslungsgefahr deutlich.
Götzendienst ist ja eben nicht der direkte offensichtliche Abfall vom
lebendigen Gott, sondern eine religiöse Variante.
V2
Aaron befriedigt das religiöse Gefühl, das sich den Götzendienst
etwas kosten lassen und damit kulturell und vom Opfer her
ernstgenommen werden will. Er nimmt das Heft in die Hand und wird
aktiv, macht mit handwerklicher Arbeit etwas daraus. Angesichts
dessen wirkt seine Entschuldigung Mose gegenüber (Ende V25) "wa jeze
ha egäl" ("da kam das Kalb heraus") schon sehr fadenscheinig.
V5
Zu einer Religion gehört unbedingt ein Altar bzw. eine Opferstätte.
Bishierher ist alles sehr geistig-religiös. Aaron versucht, das Fest
dem HERRN zu weihen. Selbst das anschließende essen und trinken hört
sich gar nicht schlecht an. Allerdings ist das Ganze offensichtlich
dann doch entgleist. Wir wissen, dass "zachak" im Piel auch für
eindeutig intime Handlungen verwendet wird, da Abimelech am "zachak"
erkannte, dass Isaak und Rebekka Mann und Frau waren, was dem Namen
Jizchak eine weitere Bedeutung verlieh (Gen 26,8). Und dahört die
Harmlosigkeit dieses netten Festes auf, weil es wohl ungeordnet
abgegangen ist.
V6
Während das Volk erst Mose als den benannte, der er aus Ägypten
heraufführte, später das Gottkalb, schreibt Gott es durchgehend Mose
zu und Mose umgekehrt Gott. Das geht in diesem Kapitel immer hin und
her. Zumindest will Gott damit sagen: "Du, das ist deine Sache,
kümmere dich darum! Die schreiben den Exodus doch glatt diesem
anderen Gott zu!"
V10
Gott weiß, dass Mose sich seinem Zorn in den Weg stellen könnte und
wie sehr ihn die Fürbitte eines Menschen bewegen kann. Er möchte
eigentlich nicht besänftigt werden und macht dem Mose ein aufregendes
Angebot, um ihn vom Gebet für das Volk abzuhalten.
V11
Aber Mose lässt sich nicht darauf ein. Wie würden wir angesichts
einer solchen Offerte reagieren? Mose redet Gott zu, umschmeichelt
ihn ("chalah") und stellt ihm zwei Fragen: "Was bringt dieser Zorn
über das Volk, das DU heraufgeführt hast? Warum soll den Ägyptern
Spott und Missdeutung ermöglicht werden? Das schadet Deinem Image und
Ruf!"
V12
Das "sich reuen / besänftigen LASSEN" ist mit der reflexiven und
passiven Bedeutung im Nifal das Ergebnis eines Einflusses von außen.
Das löst möglicherweise den Widerspruch auf, dass es ja auf der
anderen Seite heißt, dass Gott nicht Reue zeigt. In Genesis 6,6
steht "nacham" ebenfalls im Nifal; wieder geht es um den Einfluss von
außen, in dem Fall die Einwirkung der Beobachtung der Bosheit der
Menschen, die Ihn deren Erschaffung gereuen lässt.
Dagegen ist die Lehre aus Numeri 23,19, dass Gott es sich nicht
plötzlich bei sich selbst anders überlegt (wie Bileam bei seinem
Aufbruch zu Balak dachte), sondern Er für sich bleibt dabei. Das
steht im Hithpael, also dem Reflexiv zum Piel, was bedeutet: Er
überlegt es sich nicht selbst anders, im Unterschied dazu, dass er
von außen umgestimmt wird und sich umstimmen lässt (Nifal).
V13
Das ist immer ein guter Weg im Gebet, auch in der Fürbitte, sich und
Gott an die Dinge zu erinnern, die er schon zugesagt hat. Denke nicht
an diese Generation, sondern an die, mit der Du den Bund geschlossen
und was du ihnen versprochen hast. Ich habe doch nur zwei Söhne, wie
soll da so ein riesiges Volk, wie es das jetzt schon ist, daraus
werden? Das Land soll der Nachkommenschaft Abrahams "leolam" = auf
Dauer gegeben werden. (Das Bibelstudium über "olam" hänge ich bei
Gelegenheit extra an)
V14
Gott ließ sich umstimmen (Nifal von "nacham", s.V12)! Gebet übt
Einfluss auf Gott aus.
V13
Der Bund mit Gott und dem Bewohner des Landes schließt sich aus.
Alles wird in der Einzahl personifiziert formuliert: Also hier Gott
und da der Israelit, der sich Ihm und dem Landesbewohner
gegenübersieht. Der mit Gott Verbündete hat die mit Gott
konkurrierenden Elemente zu beseitigen, was auch mit Opfern verbunden
ist. Aschera muss nicht als Personnenname übersetzt werden, sondern
heißt auch Pfahlbaum (vielleicht ein Fruchtbarkeitssymbol).
V14
Über das niederwerfen / anbeten ist bereits gesprochen worden. Die
eifersüchtige Gottheit (El) hat als Name gemäß Seiner
Selbstoffenbarung "Jahwe kana", so wie "Jahwe zidkeinu" oder "Jahwe
rophe", also "eifernder JHWH / Herr" ist sein Name. Das
Substantivieren des Adjektivs "kana" zu "Eiferer" finde ich auch
deshalb gewaltsam, weil es direkt anschließend noch einmal als
Adjektiv verwendet wird: "El kana", wo ja auch niemand "Gottheit, ein
Eiferer ist Er" übersetzt, abgesehen davon, dass der Satz durch zu
viele Kommata zerhackt werden würde.
V15
Das "pän" am Satzanfang bedeutet "sonst", sodass die folgende Sätze
die Konsequenz aus Nichtbeachtung der Vorigen darstellen. Interessant
ist, dass das "Huren" (nicht im moralischen, sondern im religiösen
Sinn untreu um andere buhlen) zuerst geschieht und dann erst das
Herzurufen und Einladen "zur Party" mit Essen und allem drum und dran.
"sanah" ist mit dem NT-Wort "porneuo" auf einer Ebene. Man kann von
jemand weg untreu buhlen, dann mit "min" oder wie hier "achere",
jemandem anderen hinterher sein.
V16
Die nächste Konsequenz betrifft die kommende Generation. Was wird
passieren? Es geht weniger um die Frage, wie jüdisch-israelische
Kinder (nicht) zustandekommen, sondern dass ein israelischer Mann
durch eine heidnische Frau von seinem Gott weggezogen wird, natürlich
mit dem Nebeneffekt, dass deren Kinder mit der Muttersprache und der
Mutterreligion aufwachsen und gar nicht mehr als israelische Kinder
verstanden werden können. "elohim" muss auch hier nicht als "Götter"
azufgefasst werden, sondern wie sonst auch als "Gott".
V8
Nachdem Mose recht kühn und mit Wünschen für sich selbst Gott
gegenüber aufgetreten nimmt er nun eine ausgesprochen demütige
Haltung ein, ganz konkret in seinem Sich-Beugen ((jikod) und
Niederwerfen. "Schahah" hat im Hithpael gleichzeitig die Bedeutung
von "anbeten" (entspr. dem griechischen "proskyneo"). Beide Aspekte,
also der körperlich-äußere und der geistlich-innere, könnten
durch "kniefällig Eherbietung erweisen" anklingen.
V9
Nun wirft Mose die Gunst und Intimität Gottes mit ihm in die
Waagschale, um sich ganz rückhaltlos für sein Volk einzusetzen. Er
identifiziert sich sogar (wie Daniel) mit der Schuld seines Volkes
("avon" und "chatah" im Singular als Kollektivbegriff) und erwartet,
dass Gott mit demselben Argument, das Er nannte, um nicht in ihrer
Mitte sein zu können, nun verzeiht und doch einen Weg findet sie sich
zueigen zu machen.
V10
Gottes Lösung angesichts der unaushaltbaren unmittelbaren Gegenwart
unter diesem hartnäckigen Volk ist der Bund des Landnahme, der schon
vor dem Sinaibunnd Abraham und seinen Nachkommen zugeschworen wurde.
Dieser "geschnittene" (carat) Bund kommt dem Wunsch nach
Beständigkeit, Verlässlichkeit auf einem schweren, unwägbaren Weg
entgegen. Hier haben wir über die fortbestehende Gültigkeit der Bünde
gesprochen, die nicht wie der Sinaibund zum Abschluss gekommen und
durch den Neuen Bund ersetzt worden sind.
V11
"Bewahre für dich" muss nicht heißen, dass es ihm gelingt, alles
umzusetzen; das Halten der Gebote und des Bundes ist ein darauf
ausrichten und ihn bewachen. Der gütige Gott erkennt auch die
unverbesserliche Gerichtsreife in einer Nation wie bei den
Kanaanitern, die Menschenopfer gebracht und perverse Dinge getrieben
haben. Sie werden ausgetrieben wie Dämonen ("garasch",
griech. "ekballein").
V12
Das großzügige Bundesangebot Gottes, was seinem Volk eine gewissen
Sicherheit und ein Patronat des mächtigsten Herrschers beschert,
erlaubt nicht den Kompromiss, gleichzeitig mit den Feinden Gottes
Frieden und Bündnisse zu schließen. Der Bund mit Gott ist exclusiv.
Wir erben mit den größten Verheißungen Gottes und dem Reichtum Seiner
Kinder auch Seine Feinde und Widersacher. Wenn Gott ihnen den Krieg
erklärt, können wir nicht mit ihnen paktieren.
Lieber Andreas,
Nachdem ich die Rückblenden anhand des Textes noch mal durchgegangen
bin, wurde mir bewußt, wieviel mir in den vergangenen drei Jahren
entgangen ist, weil ich mich mehr auf die Vorbereitung als die
Nachbereitung konzentriert habe.
Die Informationen, Erkenntnisse und Rückschlüsse, die während unserer
Hebräischstunden besprochen wurden, verschütteten allzu schnell und
ich hatte nicht den gleichen Gewinn davon, als wenn ich Notizen
gemacht hätte und es danach noch mal in Ruhe durchgearbeitet hätte.
Deswegen bin ich dankbar für Deine Mühe. So etwas hätte ich mir schon
immer gewünscht. Also laßt uns dafür sorgen, dass noch mehr Schüler
teilnehmen, damit sich der Aufwand auch lohnt.
Andreas Schoeller
Das liegt nun schon etwas länger zurück, aber einiges sollte
festgehalten werden zum Nachvollziehen oder Einblick nehmen in das,
was wir in unseren Hebräisch-Telefonkonferenzen so besprechen außer
hebräisch lesen.
V1
Ich hatte darauf hingewiesen, dass Mose und Gott sich immer
gegenseitig zuschreiben, das Volk aus Ägypten heraufgeführt zu haben,
also wenn Mose mit Gott darüber spricht, sagt er "das Volk, das du
(Gott) heraufgebracht hast" und umgekehrt ist es wenn Gott wie hier
zu Mose spricht. Das ist der Versuch, über dem Tun des anderen, eine
Verantwortlichkeit anzusprechen. In negativer Hinsicht kennen wir
das, wenn Eltern die gemeinsamen Kinder als die des jeweils anderen
erklären, um dem anderen die Schuld für irgendetwas zu geben oder
auch dessen Zuständigkeit anzusprechen: "Dein Sohn / Deine Tochter
hat gesagt / getan".
V2
Über den Boten gibt es viel zu bedenken. Er bleibt ein Geheimnis,
aber auch in der Vorschattung auf den Messias. Von ihm war schon in
Exodus 23,20-23 die Rede. Er ist an der Landnahme unmittelbar
beteiligt.
V3
Schön dass wir das "kesche oräph" wörtlich übersetzen können mit hart
am Nacken (status constructus), also hartnäckig, oder starr am Hals,
also halsstarrig.
V7
Zelt der Begegnung, der Vergegenwärtigung, der Zusammenkunft, des
Zeugnisses
All das steckt im Wort "edah", woher "moed" kommt.
Für mich ein Grundmotiv der Begegnung mit Gott, insbesondere in einem
Gottesdienst, wo eine Zeit der Vergegenwärtigung dessen ist, was Gott
für uns getan hat, aber auch der Zusammenkunft untereinander, aber
vor allem mit Gott. Die Gegenwart ist ja Gottes Dimension.
V9
Hier wird beschrieben, was immer wieder geschah. Das ist aber kein
Automatismus, sondern geht zurück auf die ständige Treue Gottes, der
immer wieder sich denen naht, die nach Ihm fragen. Man darf die Treue
Gottes nicht mit einem Naturgesetz gleichsetzen. Dass die Schöpfung
in großer Regelmäßigkeit funktioniert, hat mit Gottes unmittelbar
ausgeübter und aufrecht erhaltener Treue zu tun. Das gleiche gilt für
die Begegnung mit Gott in Gottesdiensten und Zeichenhandlungen. Dass
Gott im Gottesdienst anwesend ist, ist kein Automatismus aufgrund von
umgesetzten geistlichen Regeln, auch die Begegnung von Gott im
Abendmahl funktioniert nicht automatisch, sondern alles geht auf die
Treue Gottes zurück.
V11
Obwohl Gott so direkt und unmittelbar mit Mose redete, was selbst wir
im Neuen Bund uns nur wünschen können, genügt das dem Mann Gottes
nicht, wie die folgenden Verse zeigen.