Nach längere Pause hier wieder einige Ergebnisse unserer Bemühungen um
die "Gleichsprüche" Salomos, der seinem Sohn Rehabeam wichtige Dinge
auf den Weg mitgibt.
Wir haben nicht nur die Übersetzung abgewogen, sondern auch
beobachtet, inwieweit im jeweiligen Vers ein "Parallelismus membrorum"
vorhanden ist, also eine Parallelaussage in zwei Vershälften, wie es
auch in den Psalmen und poetisch gehaltenen Prophetien vorkommt. Dabei
gibt es vorwiegend den synonymen (syno) Parallelismus, bei dem beide
Vershälften im Prinzip das gleiche aussagen, sodass sich mindestens
zwei Verben und zwei Nomen entsprechen, manchmal noch mehr, den
synthetischen (synt), bei dem sich die Versteile inhaltlich ergänzen
und den antithetischen (anti), bei dem sich die Versteile jeweils
entgegenstehen. Eine Variante ist dabei der symmetrische (sym) Aufbau,
bei dem Anfang und Ende und die mittleren Worte parallel angeordnet
sind. Beim selteneren Stufenparallelismus (stufe), baut der zweite
Teil auf einer Aussage des Ersten auf, indem er ein Wort aufgreift und
weiterführt.
Sprüche 1,1-15
(1)Gleichnishafte Sprüche / Gleichsprüche (Buber), Vergleiche (maschal
als Verb im Hifil vergleichen) von Schlomo, dem Sohn Davids, dem König
Israels,
(2)für das Erkennen von Weisheit und Bändigung / Züchtigung, um
unterscheiden / verstehen zu lassen Worte der Einsicht / Differenzierung
(3)um anzunehmen / zu akzeptieren die Bändigung des Verstandes,
Gerechtigkeit / Rechtschaffenheit, gerechtes Urteil(svermögen)
/Rechtsempfinden und Geradheit (Pluralwort)
(4)um Unerfahrenen / Einfältigen Cleverness / Listigkeit zu geben / zu
schenken, dem Jüngling (Rehabeam) Wissen / Kenntnis und ein
Nachdenken / Abwägen
(5)Ein Weiser wird zuhören und Angenommenes / Belehrung hinzufügen
lassen / vermehren und wer einsichtsvoll ist, wird Steuerung /
Lenkung / Navigationsvermögen (von "chowel" Steuermann, "chibel"
Steuerruder) erwerben / sich aneignen,
(6)um unterscheiden / verstehen zu lassen einen Vergleich und Ironie /
eine Anspielung (von "luz" = spotten) Reden von Weisen und ihre
scharfsinnigen / listigen / schärfenden Rätsel(fragen) (von "chad"
scharf bzw. "chadad" = scharf sein/werden, im Hifil = schärfen, Spr.27,17)
(7)Ehrfurcht vor dem HERRN (auch denkbar: „eine fürchtende des HERRN",
part.fem.) ist Beginn (auch Urzeit, Gen.1,1; Erstling, Ex.23,19; das
Erstbeste im Sinne von Vorzüglichste, 1.Sam.15,21; Amos 6,6) Wissen,
Weisheit und Bändigung; Törichte / Narren zeigen Geringschätzung /
sind verächtlich (anti).
(8)Höre (Imperativ) (auf) (eine) Bändigung deines Vaters und du wirst
(Imperfekt) doch nicht (eine = keine) Weisung deiner Mutter (od.
umstellen deines Vaters Bändigung / deiner Mutter Weisung) verstoßen /
verlassen (synt)
(9)Denn ein Kranz von Gunst / Anmut (Buber: gunstverleihend) sind sie
für deinen Kopf (od. Beginn, Start, s.o.) und Halsketten (Plural) für
deinen Hals (Enakiter = Langhalsige) (syno)
(10)Mein Sohn, wenn Sünder dich verlocken (Piel, mehr als das kal =
töricht sein, pota = unerfahren = Rehabeam, vgl. Sündenfall durch
Verlockung und begehren), sei nicht willig (Spr.1,25; 1.Kön.20,8,
Jes.1,19; im Unterschied zu unwillig bzw. widerspenstig, meistens an
der falschen Stelle: Statt der Verlockung gegenüber widerspenstig ist
man es Gott gegenüber, statt willig Gott gegenüber ist man es der
Verlockung gegenüber) (synt)
(11)Wenn sie sagen: Geh mit uns, wir werden dem Blut auflauern, (s.
Zephanja = Gott verbirgt / verwahrt, V18 und Ps.10,8), nachspäen /
-stellen / heimlich Netze legen dem Unschuldigen grundlos (einfach so,
umsonst, ohne Lohn, dass es sich lohnt).
(12)Wir werden sie wie das Toten-/Schattenreich lebend
hinunterschlingen und als Ganze wie zur Grube (bur = graben, Gruft,
Grab) Hinabsinkende/-steigende (syno, fast sym)
(13)Jedes kostbare Gut werden wir finden, werden füllen unsere Häuser
mit Beute /Geplündertem (sym, syno)
(14)Dein Los wirst du in unserer Mitte werfen, nur ein Geldbeutel soll
für uns alle dasein.
(15)Mein Sohn, du wirst dich doch nicht mit ihnen auf den Weg begeben!
Verweigere / Halte deinen Fuß (vor) ihren Pfaden zurück! (syno)