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Daniel 7,10-14: Weltgericht und der Menschensohn   Beitragsliste  
Antworten | Weiterleiten Beitrag #22 von 43 |
Nachdem ich eine einseitige Zusammenfassung zum Aramäischen als Datei
hinterlegt habe, hier noch einige Anmerkungen zu unserer Übersetzung
von Daniel 7, wenn auch aus einem gewissen Abstand heraus:

V10-11
Auf die Beschreibung der letzten ungewöhnlich bedrohlichen Bestie
folgt (wie auch des öfteren in der Offenbarung an Johannes) ein
Szenenwechsel in den Himmel, insbesondere dahin, wo "das Gericht" sich
setzt. Wir sprechen ja auch vom "hohen Gericht", wenn wir richterliche
Personen vor uns haben, vor denen wir aufstehen, bis es Platz nimmt.
Dies zeigt, wie sich jede menschliche Macht früher oder später vor
Gott zu verantworten hat, der nicht nach Willkür oder Sympathie
verfährt, sondern aufgrund von Büchern (vgl. Offb.20,12). So
großmäulig dieser letzte Herrscher (= Horn) auch war, so
unkompliziert, selbstverständlich und widerstandslos wird es "entsorgt".
Nach dem Perfekt in Vers 9 beginnt Vers 10 mit Partizipien (dem
Präsens entsprechend) und wechselt bei "dienen" und "stehen" ins
Imperfekt (= Futur: "werden dienen" und "werden stehen"; in den
meisten Übersetzungen nicht zu erkennen), um dann für die folgenden
Verse wieder ins prophetische Perfekt zurückzukehren, als erzähle der
Prophet die von ihm gesehene Szene rückblickend.
V12
Es fällt auf, dass hier noch einmal die anderen Tiere bzw. ihre
"Gewalt" ("schaltan" < Sultan) erwähnt wird, was nur heißen kann, dass
die vorausgehenden Tiere in der letzten Bestie weiterleben, so wie
auch das Standbild aus Daniel 2 eher auf eine zusammenhängende
Darstellung der verschiedenen Phasen eines Ganzen hindeutet und in
Offenbarung 13 die Attribute der Königreiche aus Daniel 7 sich in der
endzeitliche Bestie vereinen.
Das Wortpaar "sman u idan" am Ende von Vers 11 beinhaltet sowohl einen
chronologischen Zeitablauf als auch eine spezifische Frist bzw.
Zeitqualität (LXX "chronos" und "kairos").
V13-14
In dieser bedeutungsvollen Fortsetzung der Nachtvision sehen wir, wie
ein "war änosch" verbunden mit den Wolken des Himmels in den Thronsaal
hineinkommt, wo vorher nie ein Menschenkind gewesen ist, aber es heißt
ausdrücklich, dass er zu dem Hochbetagten vorgelassen bzw. geleitet
wurde. In Bezug auf das Kommen des Messias kennen wir diese Prophetie
in Verbindung mit dessen Wiederkunft auf die Erde. Das ist aber schon
die zweite Erfüllung, die erste hängt zusammen mit Hebr.4,14, wo davon
die Rede ist, dass Er die Himmel durchschritten hat, weshalb wir
seitdem einen Thron der Gnade und Begnadigung dort vorfinden.
Aber weshalb ist "war änosch" unbedingt ein Messiasattribut?
Auch in Psalm ist sowohl von dem Sohn Gottes die Rede ("bni ata", V7,
vom gewöhnlichen Wort "ben") als auch vom selteneren poetischen "bar"
in Vers 12: Dessen Küße sollen versöhnlich und demütig geküsst werden,
da ihm bereits richterliche Gewalt übertragen worden ist, durch die Er
die Völker mit eisernem Stab weiden wird (V9).
In Daniel 3,25 identifiziert Nebukadnezar einen vierten Mann neben den
Jünglingen im Feuerofen, der einem "bar elahin" (einem Gottessohn)
gleicht; eine Vorschattung des Messias.
Schließlich zeigt Psalm 8,5, dass "bän adam" die gewöhnliche
Formulierung für "Menschenkind" wäre, aber auch hier ist vorher vom
poetischeren "änosch" die Rede, der anderweitig mit dem Messias in
Verbindung gebracht wird (Hebr.2,5-9).
Nun wissen wir zwar nicht ganz genau, ob Jesus sich in seiner
irdischen Wirkungszeit immer wieder als "bän adam" (hebräisch) oder
mit dem (Spät-)Aramäischen "bar änosch" bezeichnet hat. Das Letztere
halte ich auf jeden Fall für wahrscheinlicher, da es im Aramäischen
gebräuchlicher ist (daher auch im Buch Esra). Das war auch solange
nichts Außergewöhnliches, bis der Hohepriester Jesus vor dem
versammelten Hohen Rat unter Eid zur Aussage über Seine
Gottessohnschaft zwang (Matth.24,64): Da zitierte er nämlich Daniel
7,13, und zwar in dem originalen Aramäisch des Buches Daniel, das
zugleich seine Muttersprache und die Sprache des Hohen Rates war. Das
Entsetzen des Hohenpriesters Kaiphas resultierte meines Erachtens
nicht nur aus diesem Augenblick bzw. dieser einen Aussage, die er für
lästerlich hielt, sondern ihm wurde bewusst, dass Jesus sich die Jahre
über, in denen er sich (natürlich ebenfalls in Aramäisch) als "bar
änosch" bezeichnet hatte, nicht nur eine schlichte Bezeichnung
zugelegt, sondern sich immer mit dem Messias aus Daniel 7
identifiziert hat (z.B. Matth.12,40; Lk.9,26; 17,26; Joh.6,53); so
mussten dem Hohenpriester im Nachhinein alle diese Aussagen durch
dieses Zitat nachträglich zur Lästerung werden. Das reichte, um seine
Kleider zu zerreißen. Ich würde so weit gehen, darin eine göttliche
Fügung zu sehen, dass eigentlich überraschend die zweite Hälfte des
Danielbuches, die die Visionen enthält, noch in Aramäisch beginnt,
sodass dieses Schriftzitat vor dem Hohen Rat gleichzeitig in der
bestehenden Amtssprache Jesu möglich war.
Noch einmal zurück zu Daniel 7,13-14: Auf jeden Fall haben wir hier
ein Inthronisationsmotiv vor Augen, wo die menschlich-gottlose
Herrschaft der souveränen und von Gott autorisierten Seines Messias
entgegengestellt wird, was allerdings erst im Millenium zur sichtbaren
Ausführung auf der Erde gelangt. Wie so oft liegen zwischen einzelnen
prophetischen Aussagen lange Zeitgräben und Intervalle; inhaltlich
gehören sie allerdings doch zusammen.




Do 16. Aug 2007 11:26

aeichberger2002
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Nachdem ich eine einseitige Zusammenfassung zum Aramäischen als Datei hinterlegt habe, hier noch einige Anmerkungen zu unserer Übersetzung von Daniel 7, wenn...
Andreas Eichberger
aeichberger2002
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16. Aug 2007
11:27

Einige kleinere Korrekturen von Flüchtigkeitsfehlern in diesem Beitrag, auf die mich Andreas II aufmerksam machte: zu Vers 12, letzter Satz: "sman u idan"...
Andreas Eichberger
aeichberger2002
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16. Aug 2007
22:05
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