Wir haben heute im Hebräisch-Unterricht einen Sprung ins letzte
Kapitel 40 von Exodus gemacht, also fast vier Kapitel mit allen
Einzelheiten für das Heiligtum hinter uns gelassen, um uns dem
Höhepunkt des Buches nähern.
V1-2
Gott sagt Mose, was er tun wird. Wie so oft haben wir auch hier reine
Imperfekt-Formen oder Perfektformen mit Waw-Consecutivum vor uns, die
einfach mit Futur übersetzt werden können. Rischon ist "der erste",
"ächad" der eine; also geht es um einen Tag, der zum ("le") Tag der
ersten Neuung ("chodäsch"), des ersten Neumonds und damit
Monatsbeginns hinzukommt. Das wäre bei uns also der 2. Januar, im
Hebräischen der Tag nach "rosch haschanah". "mischcan" kann status
constructus oder absolutus sein. Es entscheidet sich am von den
Masoreten hinzugefügten Patach oder Kamez. Einiges spricht gegen die
Genitivreihe, aber für "lass aufrichten (Hifil,
tatsächlich hat Mose es nicht allein gemacht) die Wohnung, das Zelt
der Begegnung (oder "Vergegenwärtigung" = Buber).
V3
Die Beschirmung kommt "al ha-aron", also über die Lade; "vor" hieße ja
"liphne". Man könnte sich also vorstellen, dass der Vorhang nicht bis
unten, sondern nur bis zur Lade bzw. dessen Deckel reicht. Damit
würden die Cherubim und der Sühnedeckel und der Ort, von wo aus Gott
redet, beschirmt.
V4
Wie im Tenach-Programm angemerkt, haben wir in diesem Vers aufeinander
folgend "schulchan" und "arachtha", was stark an den "schulchan
aruch", das ausgearbeitete jüdische Religionsgesetz erinnert, aber
auch die Menorah, die ja nach Tempelzerstörung und Verlust der
Bundeslade die Erinnerung an das Heiligtum wach halten soll. Im
Unterschied zu vielen kirchlichen Symbolen ermöglichen etliche
jüdische wenigstens eine unmittelbare Herleitung aus den Anweisungen,
die von Gott selbst stammen.
V5-6
"masach" leitet sich vom beschirmen im V3 ab und ist nicht dasselbe
wie der dort erwähnte Vorhang, also eher "Beschirmung", und zwar die
zweite. "liphne" kommt von Gesicht, daher ist beim vom mir empfohlenen
"angesichts von" noch die Herleitung zu heraus zu hören.
V8
Die dritte Beschirmung "masach" betrifft das Tor zum Hof, der um die
Wohnung angelegt werden soll. Die Wohnung (= Stiftshütte) hat keine
Tür, sondern lediglich eine Öffnung ("pätach", V6).
Erst wurden also die Gerätschaften und Utensilien für das Heiligtum
hergestellt; nun werden sie platziert bzw. "abgenommen". Dann kommt,
wie wir sehen werden, erst die Salbung von Dingen und dann erst die
von Menschen. Das entspricht nicht unbedingt unseren Vorstellungen, da
wir oft als erstes das Gesalbte, Heilige, Erfüllte vermuten, um das
sich dann einiges rankt. Auch in Hesekiel 37 sind zuerst die Knochen
da, die dann zusammenrücken, später kommt erste Leben in sie hinein.
Das in jüdisch-orthodoxen und christlichen Kreisen verbreitete
Argument, das heutige Israel könne gar nicht in Gottes Willen sein, da
es nicht erweckt ist, stimmt nicht mit Hesekiels Vision, aber auch
nicht mit der Reihenfolge hier in Exodus überein. Oft arrangiert Gott
zuerst etwas, was später mit Leben und Geist erfüllt wird.