Nach dem Ende von Kapitel 34 sind wir nun nach unserer Weihnachtspause
zur Berufung Bezalels nach 35,30 gesprungen. Neben der Analyse der
zahlreichen Namen war das Thema "Ruach Elohim", Gottes Geist:
V30:
Das "re-u", mit dem Mose seine Rede beginnt, kann sowohl "seht!" als
auch "fürchtet" heißen, da der Imperativ der 2. Person Plural bei den
Pe-Jod-Verben und den Lamed-He-Verben formgleich ist. Da die Form die
Bedeutung nicht eindeutig klärt, sehen wir uns nach eindeutigen
"fürchtet"-Stellen im Textumfeld des Pentateuch um und stellen fest,
dass "jarah" nie im Imperativ verwendet wird, sondern (auch bei
Verneinung) nur als Jussiv in der Imperfektform, was ja auch besser
zur ermutigenden Bedeutung "fürchtet euch doch nicht" bzw. "ihr werdet
euch doch nicht fürchten" passt, während ein Befehl ja schon wieder
furchteinflößend wäre. Jedenfalls wird dadurch das Missverständnis mit
"ra-ah" vermieden.
Mose berichtet, dass Gott jemanden berufen hat, das heißt Mose hat es
zuerst erfahren und teilt es dem Volk und dem Betroffenen mit.
Be-zal-el = Im-Schatten-Gottes
Ur-i = mein Licht
Chur = weiß (Sohn von Kaleb)
Jehuda = Lobpreis
"Lejehuda" kann auch "zum Stab/Stamm Juda gehörig" statt "vom Stamm"
bedeuten.
Die Bedeutungen der direkten Vorfahren und Bezalels selbst haben mit
Licht zu tun und er soll wie sein ganzer Stamm "zum Lob" beitragen,
als Kunsthandwerker.
V31
Da der zu "male" (im Piel voll machen) gehörende doppelte Akkusativ
nicht eindeutig auszumachen ist und vor "ruach elohim" kein "be" steht
wie die meisten Übersetzungen in Angleichung an die folgende
Aufzählung vermuten lassen, kommt ebensogut Gottes Geist als
erfüllendes Subjekt infrage. Dafür spricht auch, dass die drei hier
genannten "Füllinhalte" in Jesaja 11,2 benannte Attribute des Geistes
Gottes sind, nämlich "chochmah"(Weisheit), "Tewunah"(Einsicht, in
geringer Abwandlung zu "binah") und "daat"(Kenntnis).
Außerdem fällt der fehlende Artikel zu "ruach" und "elohim" auf,
weshalb weniger an die dritte Person der Dreieinigkeit und eher als
eine Zuteilung "vom Gottesgeist" zu denken ist: "Gottes Geist hat ihn
erfüllt mit ..." Das stellt wiederum eine Parallele zu Johannes 20,22
dar, wo auch vor Pfingsten eine Zuteilung vom Heiligen Geist durch den
Hauch ("ruach") Jesu geschieht, der jedoch nicht die Innewohnung des
personalen Gottesgeistes nach Pfingsten vorwegnimmt und ersetzt.
Eher erkennen wir hier einen wichtigen Unterschied zwischen
Geisteswirkungen im Alten und Neuen Testament: Im Alten Bund geschahen
Erfüllungen und Befähigungen, ohne dass die Menschen in ihrem
Charakter wesentlich verändert wurden, während im Neuen Bund umgekehrt
die Innewohnung des Geistes Gottes sowohl charakterliche Veränderung
und Frucht (Liebe usw.) hervorbringt als auch Gaben und andere
Wirkungen. Deswegen gehört für uns z.B. 1.Kor 13 und 14 zusammen und
man darf sich fragen, ob manchmal selbst ein spektakuläres
Geisteswirken lediglich auf AT-Niveau stattfindet, was aber auch nicht
mangelhafter ist als gar keins.
V32-33
Nach diesem theologischen Exkurs haben wir uns wieder den konkreten
Beschreibungen der Tätigkeiten zugewandt, zu denen "planen"(chaschaw)
ebenso gehört wie alle möglichen Fertigkeiten. Ob Bezalel sie vorher
besaß oder nicht ist nicht so wichtig wie die Tatsache, dass er damit
Gott dienen konnte, was daran erinnert, dass wir Gott auch mit unserem
Verstand lieben sollen und können.
V34
Zu einer Leiterberufung gehört auch die Befähigung zur Unterweisung,
also die Lehrgabe, die auch vom Geist Gottes ins Herz "hineingelegt"
werden kann, aber auch die Zuteilung eines sich ebenso vervielfältigen
Assistenten, hier "Ahaliaw". Das "O" kommt zwar bei "Ohäl" vor, aber
mit Suffix heißt es eben "Ahali" = mein Zelt, "aw" = ist Vater. Ihm
ging es dem Namen nach gut, denn außerdem ist er der Sohn von
"Achi-samach" = mein Bruder stützt, zum Richterstamm = Dan gehörig.