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Exodus 34,27-35: Moses Gesicht erstrahlt auch ohne Hörner   Beitragsliste  
Antworten | Weiterleiten Beitrag #15 von 43 |
Wir haben einige Verse übersprungen und sind gestern auf den letzten
Abschnitt von Ex 34 zugegangen.
V27
Gott betrachtet Mose nicht nur als Sekretär, sondern als den Mittler
und ersten Adressaten seines Redens: Schreib es DIR (nicht hinter die
Ohren). Das Aufschreiben geschieht primär für Mose, der es
weiterzugeben hat. Gott wählt nur noch den indirekten Weg in der
Kommunikation mit diesem halsstarrigen Volk. Mose, mit er eigentlich
einen Neuanfang machen wollte, wovon dieser ihn abgebracht hat, bleibt
Gottes erste Wahl. Mit diesen Geboten sind die vorhergehenden und
andere Einzelgebote gemeint. "Al pi" = auf das hin, was aus dem Mund
kommt (wie "auf zweier Zeugen Mund"), also auf die Aussage dieser
Worte hin. "pi" ist status constructus.
Mit Mose hat Gott einen Bund geschlossen, und wie als Zusatz "und mit
Israel". Die Satzstellung, die andere Übersetzungen vermuten lassen,
wäre: "carati itcha we ät jisrael berit", aber zuerst ist der
vollständige Satz, dann der Nachsatz, "und mit Israel". Bemerkenswert!
Wie gesagt: Mose ist Gottes erste Adresse, selbst für den nach Mose
benannten Bund am Sinai.
V28
Wie beim ersten Aufstieg ist von 40 Tagen und Nächten die Rede, hier
allerdings mit dem Zusatz, dass Mose nicht aß und nicht trank.
Letzteres ist nur übernatürlich möglich und findet seine Begründung
nur darin, "dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von
jedem Wort, das durch den Mund Gottes geht". Denn nur beim Reden
Gottes mit ihm war Mose dazu in der Lage.
V29
Grundsätzlich wird hier richtig übersetzt, dass Moses Gesichtshaut
strahlte. Das entspricht auch dem Strahlen in Habakuk 3,4. Da sich
aber das Verb "karan" eindeutig mit dem Substantiv "kärän" = Horn
zusammenhängt und das lateinische und das deutsche Wort für Horn auch
noch daran erinnert, ist in der Vulgata cornu = Horn daraus geworden
und an anderen Bibelstellen auch. Die darstellende Kunst hat daher dem
Mose (wie Michelangelo im Petersdom) Hörner verpasst bzw. ihn als
gehörnt dargestellt, was zwar erschreckend gewesen wäre, aber nicht
eine Decke benötigt hätte; abgesehen davon ist es schwer vorzustellen,
wie diese Hörner immer wieder wachsen und verschwinden sollen.
Auch die Übersetzung "Horn" für "kärän" in 1.Sam.2,1 im Loblied von
Hanna und in Ps.75,5 und Amos 6,13 (und Ps.89,19) ist unbefriedigend.
Für diese Stellen gibt das Cassel-Wörterbuch "Strahl" (des Blitzes)
an, was doch gut zum Verb passt, das im Kal nur in Ex 34,29.30 und 35
vorkommt.
V30
Dieser Vers ist eine gute Übung zur Unterscheidung von "ra-ah" und
"jarah", da beide im Imperfekt verwendet werden. Wir merken uns: Wenn
am Anfang eines Verbs ein "j" steht kann es sowohl die 3. Person
Singular des Imperfekts als auch den Beginn einer Wurzel anzeigen.
Daher steht bei "jir-u" das doppelte "j", das die ursprüngliche Wurzel
erkennen lässt, auch wenn das zweite "j" nicht gehört und nur als
Lesemutter (mater lectionis) stehenbleibt.
V31
Hier haben wir den körperlichen Ausdruck von "schuw" umkehren,
umwenden, bekehren vor uns. Die Menschen haben sich also von Mose
abgewandt und wenden sich ihm nun wieder zu, nachdem er sie rief. Das
ist eigentlich ein Bild auf die Bekehrung: Wir haben uns von der
Herrlichkeit Gottes abgewandt, schließlich aus Scham und Schuld wie
Adam und Eva, nun ruft Er uns in Jesus zu sich zurück, da wir durch
die Versöhnung keine Angst vor Ihm haben brauchen; und wer es hört,
bekehrt sich zu Ihm, wendet sich Ihm wieder zu.
V32
Hier werden Aaron und die Stammesfürsten auch wieder nur zu Mittlern
für das Volk für das, was Gott dem Mose geboten hatte, was er ihnen
weitergibt. Das ist höhere geistliche Diplomatie.
V33-35
Einerseits heißt es in Vers 33, dass Mose den Schleier erst nach
seiner Mitteilung an die Fürsten aufs Gesicht legt, andererseits dass
er ihn für die Begegnung mit Gott wieder abtut und später in der
Begegnung mit dem Volk wieder auflegt. Das lässt fragen, ob es nicht
noch eine dritte Phase außer schleierlos bei Gott und verschleiert
beim Volk gibt. Nach Vers 33 kann man sich das auch so vorstellen,
dass Mose unverschleiert aus der Begegnung mit Gott kam und so auch
die Worte an Aaron und die Fürsten weitergab, dann aber anschließend
für die nächste Zeit den Schleier auftrug, wo es zum Alltagsgeschäft
ging und ihn erst dann wieder zur Begegnung mit Gott abnahm.
Das korrespondiert mit der Interpretation dieses Vorgangs von Paulus
in 2.Kor.3, wo es ja auch heißt, dass auf die (unverschleierte) Lesung
des Mose- bzw. AT-Textes hin sich ein Schleier auf die Zuhörer legt,
sodass sie mit hörenden Ohren nicht hören und mit sehenden Augen nicht
sehen und verstehen und Hilfe empfangen.




Die 12. Dez 2006 11:33

aeichberger2002
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Wir haben einige Verse übersprungen und sind gestern auf den letzten Abschnitt von Ex 34 zugegangen. V27 Gott betrachtet Mose nicht nur als Sekretär, sondern...
Andreas Eichberger
aeichberger2002
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12. Dez 2006
11:37
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