V8
Nachdem Mose recht kühn und mit Wünschen für sich selbst Gott
gegenüber aufgetreten nimmt er nun eine ausgesprochen demütige
Haltung ein, ganz konkret in seinem Sich-Beugen ((jikod) und
Niederwerfen. "Schahah" hat im Hithpael gleichzeitig die Bedeutung
von "anbeten" (entspr. dem griechischen "proskyneo"). Beide Aspekte,
also der körperlich-äußere und der geistlich-innere, könnten
durch "kniefällig Eherbietung erweisen" anklingen.
V9
Nun wirft Mose die Gunst und Intimität Gottes mit ihm in die
Waagschale, um sich ganz rückhaltlos für sein Volk einzusetzen. Er
identifiziert sich sogar (wie Daniel) mit der Schuld seines Volkes
("avon" und "chatah" im Singular als Kollektivbegriff) und erwartet,
dass Gott mit demselben Argument, das Er nannte, um nicht in ihrer
Mitte sein zu können, nun verzeiht und doch einen Weg findet sie sich
zueigen zu machen.
V10
Gottes Lösung angesichts der unaushaltbaren unmittelbaren Gegenwart
unter diesem hartnäckigen Volk ist der Bund des Landnahme, der schon
vor dem Sinaibunnd Abraham und seinen Nachkommen zugeschworen wurde.
Dieser "geschnittene" (carat) Bund kommt dem Wunsch nach
Beständigkeit, Verlässlichkeit auf einem schweren, unwägbaren Weg
entgegen. Hier haben wir über die fortbestehende Gültigkeit der Bünde
gesprochen, die nicht wie der Sinaibund zum Abschluss gekommen und
durch den Neuen Bund ersetzt worden sind.
V11
"Bewahre für dich" muss nicht heißen, dass es ihm gelingt, alles
umzusetzen; das Halten der Gebote und des Bundes ist ein darauf
ausrichten und ihn bewachen. Der gütige Gott erkennt auch die
unverbesserliche Gerichtsreife in einer Nation wie bei den
Kanaanitern, die Menschenopfer gebracht und perverse Dinge getrieben
haben. Sie werden ausgetrieben wie Dämonen ("garasch",
griech. "ekballein").
V12
Das großzügige Bundesangebot Gottes, was seinem Volk eine gewissen
Sicherheit und ein Patronat des mächtigsten Herrschers beschert,
erlaubt nicht den Kompromiss, gleichzeitig mit den Feinden Gottes
Frieden und Bündnisse zu schließen. Der Bund mit Gott ist exclusiv.
Wir erben mit den größten Verheißungen Gottes und dem Reichtum Seiner
Kinder auch Seine Feinde und Widersacher. Wenn Gott ihnen den Krieg
erklärt, können wir nicht mit ihnen paktieren.