Hallo Angela,
Angela schrieb:
>
> moin,
>
> kennt hier jemand die Flensburger Waldorfschule?
> Oder weiß einer von Euch etwas über sie zu berichten?
> Wenn ich den vorhergehenden Bericht von Wolkensteine lese, bekomme
> ich hier schon wieder eine Krise.
Ich kann verstehen, daß Dich der Bericht von Wolkensteine bestürzt,
verunsichert und Dich zweifeln läßt, ob Du Deinen Kindern das antun
willst. Aber ich glaube auch, daß Dein Ansatz richtig ist: Was macht die
Flensburger Waldorfschule aus? Ich denke, ich sollte einfach mal von
meinen Erfahrungen berichten:
Ich selbst bin Kind zweier (staatlicher) Lehrer (Gymnasium und
Grundschule) und hatte von daher immer den auch von Wolkensteine
angesprochenen Kontakt zu Nicht-Waldorfschülern. Ich habe beobachtet,
daß die reinen Waldorfschüler, die überzeugte Waldorfeltern hatten,
sonntags in die "Christengemeinschaft" gingen, etc. im Leben nach der
Schule in ein Loch fielen, aus dem sie sich nur retten konnten, in dem
sie sich waldorfnahen Organisationen / Waldorfschulen etc. angeschlossen
haben. Die sind dort glücklich und kommen mit ihrem Leben klar.
Des weiteren war ich (glaube ich) auch nicht so "unangepasst". Ich habe
Geige gespielt, war neugierig auf waldorf-spezielle Dinge. Vor allem
habe ich mir in der Schule, im Unterricht, gegenüber Lehrern nicht viel
von dem anmerken lassen, was ich von zu Hause kannte und was nicht
waldorf-konform war (Fernsehen, Fussball fällt mir da spontan ein).
Wichtig schien mir auch zu sein, daß ich aus einem ordentlichen Haushalt
kam: Eltern lebten zusammen, hatten ordentliche Berufe; möglicherweise
hat auch geholfen, daß sie sich mit pädagogischen Dingen ganz gut
auskannten.
Bei MitschülerInnen, die nicht diese Kriterien erfüllten
(alleinerziehende Mütter, kein richtiger Beruf, seltsame Hobbies),
konnte ich beobachten, daß diese bei den Lehrern durchaus
Schwierigkeiten hatten, obwohl sie vom Wissen und von der Leistung her
keinen Anlass zur Kritik boten. Das musste dann schon durch extrem gute
Leistungen und besonders innige Beziehungen der Eltern zur
Schule/Christengemeinschaft wieder gut gemacht werden, z.B. viel im
Schulleben mithelfen... Dann hatte man es schon einfacher.
> Also als "Neue" auf dem Gebiet der Waldorfpädagogik weiß ich schon
> so langsam nicht mehr was ich von dem Ganzen halten soll.
Was Du davon halten sollst, kannst Du nur herausfinden, indem Du Dich
hier erkundigst, die Schule selbst besuchst, mit Lehrern und Eltern
sprichst.
> Hier höre ich von einigen Schüler, die wir zufällig beim Judo
> kennengelernt habe, nur Gutes.
Das will ich nicht ausschließen, denn auch ich erinnere mich häufig nur
an die schönen Dinge, von denen es auch jede Menge gab (Klassenfahrten,
Klassenspiele, Ausflüge, einige "offene" oder selbstkritische Lehrer).
> Sind die Schulen regional unteschiedlich?
Das glaube ich bestimmt. Auf Klassenfahrten haben wir auch andere
Waldorfklassen kennengelernt, die aus ihrem Alltag berichteten. Da war
alles dabei: von ganz offen, wie ich es von meinen Eltern kannte, bis zu
ganz waldorf-fest, sowohl unter Lehrern, Schülern und Schule. Also: Sieh
Dir die Schule an, das hilft am besten.
> Hat es vielleicht etwas mit "Früher" und "Heute" zu tun?
Auch das ist sicherlich richtig. Waldorfschulen verändern sich, wie
alles andere auch. Ich glaube, junge Schulen (bis ca. 30 Jahre) sind
recht "offen", die älteren halten alles "Schlechte" (d.h.
nicht-waldorf-konforme) gern fern.
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfen. Aber frag' gern weiter.
Liebe Grüße
Daniel