<RPG>
Ort: VIP-Modul
Zeit: MD 7.0010
Mittlerweile war es im VIP-Modul so kalt geworden, daß eine ernsthafte
Gefahr für die dort Gefangenen bestand, zu erfrieren. Die Verletzten
waren, so gut es ging, in Decken gewickelt worden, und da sich alle
in einem einzelnen Raum versammelt hatten, war es dort dank der
Körperwärme der Anwesenden ein kleines bißchen wärmer als draußen
im Gang. Das würde aber längerfristig auch nicht helfen.
Norgor hatte weder Krak noch Skalpellos gefunden, und obwohl Tom
dem Grasner nicht wirklich traute, hatte er diese Nachricht vorerst
hingenommen. Dejah, Marya und er waren sich einig, daß es im
Augenblick am Wichtigsten war, den Kontakt zum Hauptschiff wiederher-
zustellen. Andernfalls würde zumindest Jen ihren Verletzungen sehr
bald erliegen.
Tom hatte von Norgor einigermaßen neutrale, trockene Kleidung erhalten,
wofür er dem Grasner durchaus dankbar war. Zum Glück war ihm Norgor
von Körperbau und Statur einigermaßen ähnlich, so daß die Kleidung
nicht saß wie "Wurst in Pelle". (Und sie war auch nicht so peinlich
wie die des Hedoniers, der sich inzwischen hatte überreden lassen, zu
den anderen zu stoßen.)
Quellik steckte in seinem Anzug und war wieder zu sich gekommen,
während Marya und Tom ihn aus seinem Quartier holten. Er war verwirrt
und konnte sich an nichts erinnern, was vorgefallen war, blieb aber
immerhin friedlich. Er schwebte nun, zwei seiner Tentakel um den Tisch
geschlungen, in einigem Abstand von den anderen und brütete vor sich
hin. Offenbar hatte ihm die Vorstellung, er könnte jemanden - genauer
gesagt, Marya - angegriffen und verletzt haben, einen Schock versetzt;
zumal sie ja nicht das erste Crewmitglied war, das er verletzt hatte.
Nun traute er sich scheinbar selbst nicht mehr über den Weg und hielt
sich deshalb still fern von den anderen.
Aber auch ihn konnte der Anzug nicht mehr sehr lange am Leben
halten. Genau wie ein Taucheranzug, verfügte auch Quelliks
Spezialanzug nur über Reserven für eine begrenzte Zeit. Die übliche
Dauer war auf 4 Stunden festgelegt, mit einer Reserve für maximal 1
Stunde. Die zweite Flasche mit Nährlösung war bei dem Crash
beschädigt worden, so daß es nach Ablauf dieser Zeit für den
Aquarianer kaum noch eine Chance gab, zu überleben. Das Wasser in
seinem Quartier konnte ihn ebenfalls nicht viel länger am Leben
halten, da es weder gereinigt noch mit Sauerstoff versorgt wurde; er
würde dort ebenso ersticken, wie in seinem Anzug, wenn die Reserven
aufgebraucht waren.
Dementsprechend konnten die drei FOs keine Zeit mehr mit der Suche
nach den anderen VIPs verschwenden; sie mußten versuchen, Hilfe aus
dem Hauptschiff zu bekommen. Marya blieb bei den Verletzten, und
Norgor versprach, ihr zu helfen. Tom vermutete zwar eher, daß er
sich drücken wollte, war aber eigentlich ganz froh, daß er ihn nicht
dabei hatte. Sein Mißtrauen dem Grasner gegenüber beunruhigte ihn
inzwischen beinahe mehr, als das Mißtrauen selbst - es gab einfach
keinen nachvollziehbaren Grund dafür.
Es gab zwei Zugänge vom VIP-Modul zum Antriebsteil der Explorer; der
eine, größere, lag auf der Vorderseite - also im Bug - und wurde durch
den Aufzug sowie einige Versorgungsschächte gebildet. Der zweite,
deutlich engere, lag im Heck und bestand nur aus Versorgungsleitungen
in Jeffriesröhren.
Prinzipiell würde man natürlich zunächst den Zugang im Bug
untersuchen, weil die Chancen, daß es hier ein Durchkommen gab,
allein durch die Größe deutlich größer waren. Allerdings lagen -
bzw. schwebten - in dieser Richtung auch die meisten Trümmer, so daß
Tom und Dejah zuerst die Versorgungsschächte im Heck untersucht
hatten. Diese hatten anfangs auch ganz vielversprechend ausgesehen,
bis Tom schließlich doch in einer Sackgasse gelandet war. Hier wurde
nun auch deutlich, warum es im VIP-Modul so kalt geworden war:
Sämtliche Leitungen im hinteren Schacht waren unterbrochen. Das hieß,
selbst _wenn_ im Hauptschiff die Lebenserhaltung wiederhergestellt
werden konnte, hier oben würde ihnen das nicht helfen. Ein Grund
mehr, möglichst bald einen Weg nach unten zu finden.
Also hatten sich die beiden FOs ihren Weg zurück erkämpft und waren
nun damit beschäftigt, die Trümmer beiseite zu schaffen, um so zu
dem Aufzug durchzudringen. Sie arbeiteten nun schon eine Weile
schweigend, Seite an Seite, wobei Tom Rücksicht auf Dejahs
gebrochenes Bein zu nehmen versuchte. Die Vulkanierin klagte nicht
und erwähnte ihr Handicap mit keinem Wort, konnte sich ab und zu
jedoch einen Schmerzenslaut nicht ganz verkneifen, wenn ihr Bein
unplanmäßig belastet wurde oder irgendwo anstieß. Auch die Sorge um
Prothero verbarg sie vor dem CO, der seinerseits seine Sorge um die
Crew und insbesondere Shada und Melina für sich behielt. Beide
konzentrierten sich auf das, was sie taten, was manchmal schon beinahe
meditative Züge hatte.
Als sie schließlich eine Pause machten, warf Tom Dejah einen
Seitenblick zu. "Es ist vielleicht nicht gerade der beste Moment",
meinte er dann, "aber ich wollte mich noch bei Ihnen bedanken."
Dejah beließ es bei einem fragenden Hochziehen ihrer Augenbraue.
"Sie haben mich vor dem Admiral in Schutz genommen."
"Ich habe lediglich auf eine fehlerhafte Argumentation hingewiesen",
erwiderte Dejah nach kurzem Nachdenken. Die Situation, von der der
Skipper sprach, schien unendlich lang her zu sein - dabei waren es
kaum mehr als 36 Stunden. Da brauchte selbst die EO einen kurzen
Moment, um zu schalten.
Trotz der heiklen Lage, in der sie sich befanden, mußte Tom leicht
schmunzeln. "Dennoch... Ich weiß, daß Sie selbst Bedenken haben, was
meine Außeneinsätze angeht."
Dejah sah keinen Zusammenhang zwischen den beiden Tatsachen, glaubte
aber zu erfassen, worauf der Skipper hinaus wollte. Wenn er jetzt
allerdings so etwas wie einen Freibrief von ihr haben wollte, konnte
er lange warten. "Diese Bedenken bestehen nach wie vor", beschied sie
ihm daher.
"Ja, ich weiß... und ich weiß auch, daß Sie recht haben... Darum geht
es auch nicht. Ich wollte einfach nur... Ach, vergessen Sie's." Tom
drehte sich um und fing an, die verkeilten Trümmerteile zu untersuchen,
an denen sie Halt gemacht hatten. Dejah zog erneut eine Braue nach
oben, verbuchte sein Verhalten dann aber als 'typisch menschlich' und
begann ihrerseits, einen Weg zu suchen.
Ort: Maschinenraum
Zeit: MD 7.0340
Noch immer war der Maschinenraum der Hauptsammelpunkt für den
Informationsaustausch; immerhin wurde hier auch die meiste Arbeit im
Hinblick auf die Reparaturen geleistet. So war denn der Maschinenraum
quasi Ersatzbrücke, Bereitschaftsraum und Offiziersmesse in einem;
letzteres deshalb, weil Versammlungen der Offiziere ja normalerweise
dort stattfanden.
Da sich die Mannschaftsmesse im - wegen der mangelnden Energie noch
immer geräumten - Vorderteil des Schiffes befand, hatten Otto und
Petra einen kleinen Lagerraum in Beschlag genommen, wo sie die
Essensvorräte, die keine Zubereitung brauchten, zusammengetragen
hatten. Dort wurden nun die Leute, die sich selbst fortbewegen
konnten, mit Keksen, Brot und Wasser versorgt. Nicht viel, aber es
reichte immerhin, um Hunger und Durst zu stillen. Wer selbst nicht
kommen konnte, weil er verletzt war, wurde von Kameraden versorgt.
Mittlerweile klappte das ganz gut.
Seit Xavier verschwunden war, hatte niemand so richtig das Kommando,
und so wurden notwendige Entscheidungen entweder gemeinschaftlich -
sozusagen demokratisch von den Anwensenden - oder von den jeweiligen
Abteilungsleitern selbst getroffen. Im Augenblick konnte man Xavier
in seiner Rettungskapsel genauso wenig helfen, wie den Leuten im VIP-
Modul.
Seit der Gefangennahme des fremden Wesens durch den OPS waren im
Schiff nirgends mehr die Spinnenwesen gesichtet oder gehört worden,
und so mußte die Besatzung nun doch wieder selbst mit den
Reparaturen klar kommen. Immerhin hatte ihnen die Hilfe der Fremden
einige Stunden Vorsprung verschafft, und zumindest die potentiellen
Todesarten Erfrieren und Ersticken schienen gebannt. Natürlich
konnte das Schiff noch immer in Stücke brechen oder beim Versuch,
die Maschinen wieder in Gang zu setzen, explodieren; aber die sehr
viel drängenderen Probleme der Lebenserhaltung waren vorerst
gebannt.
Schließlich konnte eine sichtlich erschöpfte CING den anderen
anwesenden Offizieren - Salia, T'Lia und K'Traz - berichten, daß die
interne Kommunikation in Grenzen wiederhergestellt war. "Wir können
vorerst nur die Sprechanlagen in den Wänden benutzen", faßte sie
gerade zusammen, "aber leider immer noch nicht die Kommunikatoren.
Was wiederum bedeutet, daß wir zu den Bereichen des Schiffes, die
besonders stark beschädigt wurden, nach wie vor keinen Sprechkontakt
herstellen können."
"Das ist trotzdem schon ein großer Fortschritt", ließ Salia ihr PADD
dolmetschen. Finja sah trotzdem nicht sehr glücklich aus; so lange
sie die Kommunikatoren nicht in Gang bekamen, konnten sie auch keinen
Kontakt zum VIP-Modul herstellen. Was wiederum bedeutete, daß sie
noch immer nichts über das Schicksal der FOs wußten.
"Wir sollten es vorerst dabei belassen", meinte T'Lia, "und uns
wichtigeren Dingen zuwenden."
Salia hätte zu gern widersprochen, und sie sah den selben Impuls auch
in den Augen der CING, aber sie beide wußten, daß die Vulkanierin Recht
hatte.
"Wie stehen die Chancen, die Schwerkraft wiederherzustellen?" wollte
diese nun wissen.
"Wir sind fast fertig. In etwa 30 Minuten können wir wahrscheinlich
einen Test machen."
"Gut, das ist Zeit genug, um die Crrrrew zu inforrrrmierrrrren",
sagte K'Traz, der ein bißchen aussah wie ein alter Wischmop. Sein
Fell war struppig und verschmiert, da der kräftige Caitianer überall
kräftig mit angepackt und geholfen hatte, die Verletzten zu bergen.
Hierbei kam ihm sein Jahr als Rettungssanitäter sehr zuhilfe, wenn es
auch nicht half, die Erschütterung zu mildern, die auch er beim Fund
eines Schwerverletzten oder gar Toten empfand.
"Hoffentlich gibt es durch die Wiederherstellung der Schwerkraft nicht
noch mehr Verletzte", gab Salia ihrer Sorge Ausdruck. "Wenn die ganzen
herumschwebenden Trümmer zu Boden krachen, könnte das schwerwiegende
Folgen haben."
"Wir werden die Schwerkraft ganz langsam wiederherstellen, nicht in
einem einzigen Schritt", beruhigte Finja sie und unterdrückte ein
Gähnen. "Da kracht nichts herunter."
"Gut. Dann informieren wir die Crew; wir können dabei gleich prüfen,
welche Wandsprechanlagen funktionieren und welche nicht."
</RPG>
<SUM>
* MD 7.0010: Es ist saukalt im VIP-Modul. Krak und Skalpellos bleiben
verschwunden, während die schwer verletzte Jen wieder aufgetaucht ist.
Tom und Dejah suchen einen Weg ins Hauptschiff, da Jen und Quellik
in absehbarer Zeit sterben werden, wenn sie keine Hilfe bekommen. Sie
entdecken, daß sämtliche Versorgungsleitungen gekappt sind, so daß
die Reparaturen im Hauptschiff ihnen nicht helfen werden.
* MD 7.0340: Finja berichtet K'Traz, T'Lia und Salia, daß die
Kommunikation insoweit wieder funktioniert, daß die Wandsprechanlagen
benutzt werden können. Die Kommunikatoren funktionieren dagegen
weiterhin nicht. Gegen MD 07.0410 soll damit begonnen werden, schritt-
weise die Schwerkraft wiederherzustellen.
</SUM>
---
submitted by Bianka Martinovic
aka
Thomas Mitchell, FltCpt., CO USS Explorer
SD 171227.1640