<RPG>
Ort: Deck 4, Quartier T'Lia
Zeit: MD 7.0010
>"Diese Dinger scheinen sich auf unseren Schiff besser aus zu kennen
>als wir, es wird Zeit, dass wir das nutzen", meinte Xavier kalt und
>zog seinen Phaser.
>
>"Indem wir eine Geisel nehmen!?"
>
>"Du kannst es interpretieren, wie Du willst. Wir haben keine Ahnung,
>was es ist und ob wir von Leben sprechen können. Niemand hat diese
>Dinger auf unser Schiff eingeladen", schaute er entschlossen in ihre
>dunklen Augen. "Ich will eins dieser Dinger haben, lebend", zischte
>die Tür zum Quartier.
>
>Es war nun an T'Lia ihm zu folgen (oder nicht). Unentschlossen
>beobachtete sie, wie Xavier im Quartier verschwand, als das mysteriöse
>'Ploppen' durch den Gang halte. Erst undeutlich, dann schon etwas
>lauter. // Sie kommen!//
Durch T'Lias Nerven lief ein Zittern. Sie konnte den Plan des OPS
nicht gutheißen. Er handelte wieder einmal aus Instinkt, nicht aus ruhiger
Überlegung, und seine Kompromisslosigkeit erschreckte sie aufs Neue. Das
Licht im Gang flackerte und das Ploppen schien die Wände entlang zu laufen
und immer näher zu kommen. T'Lia begab sich ebenfalls ihr Quartier. Sie
konnte nur etwas ausrichten, wenn sie sich in Xaviers Nähe hielt.
Ort: ein Deck unterhalb
Zeit: zeitgleich
Salia hielt inne. Sie hatte Shada und Melina bis hierhin gebracht, weil der
OPS es ihr nahegelegt hatte, aber von hier konnten die beiden allein
weiterfliegen und zurück zum Maschinenraum gelangen. Die Zweifel wühlten in
ihr. Sie ahnte, dass Chimbar etwas im Schilde führte, wobei er sie nicht in
seiner Nähe haben wollte. Warum? Müsste Salia Einwände dagegen vorbringen,
wenn sie die Wahrheit kennen würde? Die Denobulanerin wollte umkehren und
sichergehen. Sie würde sich nicht blind befehligen lassen. Er war zwar zur
Zeit der kommandierende Offizier, aber er war nicht der Captain. Nein, das
war er nicht. Salia spürte, dass sie ihm misstraute. Ihm, seinem Vorhaben,
seiner Motivation. Sie konnte ihn nicht durchschauen, sie konnte nicht
sagen, was ihm wirklich am Herzen lag. Mit leichtem Schwung stieß sie sich
ab und flog zurück durch den Turboliftschacht nach oben.
Ort: Deck 4, Quartier T'Lia
Zeit: kurz darauf
Innerlich auf Selene fluchend, die mit ihrem dröhnenden Freudenkläffer ein
ganzes Geisterschiff zum Leben hätte erwecken können, hangelte sich Xavier
in der Schwerelosigkeit einhändig durch das Quartier und hielt Umschau, den
Phaser in der anderen Hand.
"Was suchst du?" wollte T'Lia hinter ihm wissen. Sie sprach mit gedämpfter
Stimme.
Xavier antwortete nicht. Er hatte bereits einen Platz entdeckt, von dem aus
sich ihm ein guter Überblick über das Quartier bot, mit freier Sicht auf die
Tür. Mit seinem Phaser machte er eine Bewegung, die T'Lia bedeutete, zu ihm
zu kommen und sich damit wohl aus der Schusslinie zu begeben. Er nahm hinter
einer geöffneten Schranktür Deckung. T'Lia runzelte die Stirn, flog aber zu
ihm hin. Als sie ihn erreicht hatte warf sie einen Blick auf die Waffe, sie
war auf Betäubung gestellt. Sie öffnete den Mund, um eine weitere Frage zu
stellen, doch der Bajoraner hob die Hand, um ihr Schweigen zu gebieten.
Beide starrten auf die Tür zum Gang, die noch einen Spaltbreit geöffnet
blieb, denn der Automatismus funktionierte natürlich nicht. Der Raum vor
ihnen lag im Halbdunkel. Wahllose Gegenstände, die in der Sichtlinie
schwebten, verwirrten das an Schwerkraft gewöhnte Auge. Selene verhielt sich
ruhig, hatte aber ihre Ohren aufgerichtet.
Auf einmal ging alles so schnell, dass T'Lia kaum in der Lage war, den
Geschehnissen mit ihren Sinnen und ihrem Bewusstsein zu folgen. Ein Schatten
huschte durch den Türspalt hindurch, unzählbare Beinchen trippelten über den
Boden auf sie zu, Xavier betätigte reflexhaft den Auslöser und ein roter
Energiestrahl fraß sich durch die Dunkelheit. Selene bellte unbändig.
Gleichzeitig erklang ein schrilles Kreischen, schlimmer als ein ungeöltes
Türscharnier oder kratzende Nägel auf einer Metallfläche, so dass sich die
Härchen an Arm und Nacken aufrichteten. Dann war der Spuk vorbei. Xavier
glitt zu dem schwarzen Schatten an der gegenüberliegenden Wand, der das
Spinnenwesen darstellte. Es rührte sich nicht mehr. Auf wundersame Weise
hatte er es tatsächlich getroffen. Ein vorsichtiger Stupser in den haarigen
Körper mit seinem Phaser überzeugte ihn davon, dass es 'bewusstlos' war,
oder zumindest zeitweilig gelähmt.
"Und jetzt?" fragte T'Lia mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton und
näherte sich ebenfalls.
"Sorgen wir dafür, dass es uns nicht mehr entwischen kann, wenn es wieder
erwacht." Xavier machte sich bereits an den langen, dünnen, ebenfalls
haarigen Beinen zu schaffen. Offenbar wollte er sie zusammenbinden und das
Wesen so fesseln.
"Und dann?" fragte T'Lia weiter. Sie war jetzt herangekommen und schaute dem
Bajoraner über die Schulter. Eine Falte stand auf ihrer Stirn. Sie hatte die
Erklärungen Melinas im Maschinenraum nicht mit angehört und so wusste sie
nicht, was es mit den Spinnenwesen auf sich hatte, außer, dass sie offenbar
Eindringlinge waren. Dennoch missfiel ihr Xaviers Behandlung des Wesens und
sie erkannte auch den Sinn dahinter nicht.
Xavier drehte sich zu ihr um, als er mit dem Verschnüren fertig war, kam
jedoch nicht mehr dazu, zu antworten.
Salia tauchte auf einmal in der Tür auf. Sie überblickte rasch die Szene im
Halbdunkel und zog daraus ihre Schlüsse.
"Was haben Sie getan? Haben Sie ein weiteres von ihnen getötet? Wie soll uns
das weiterbringen?"
Sie stieß sich ab und flog auf die kleine Gruppe zu. Das Blitzen in ihren
Augen gab wieder, was die leidenschaftslose Computerstimme des Padds, in das
sie ihre Worte eintippte, nicht vermochte.
Aus Xaviers Gesicht war nicht abzulesen, was er von der unerwarteten Störung
hielt, ob er verärgert darüber war, dass Salia seinen Befehlen zuwider
gehandelt hatte, oder ob er überhaupt überrascht war. Er machte aber auch
keine Anstalten, eine Erklärung abzugeben.
"Es ist nur betäubt", schaltete sich T'Lia ein.
Salia war trotzdem nicht beruhigt.
"Haben Sie sich überlegt, was das für Folgen haben kann? Die Wesen haben,
wie Sie selbst erkannt haben, Zugang zu all unseren sensiblen Bereichen.
Falls sie das bis jetzt dazu genutzt haben, um uns zu helfen, gehe ich davon
aus, dass sie das auch genauso rasch in einen Nachteil für uns umwandeln
können, wenn sie davon erfahren, dass wir ihnen mit Waffengewalt
entgegentreten."
"Es gab schon einen Toten", erinnerte Xavier sie.
"Das war unbeabsichtigt."
"Was wir ihnen natürlich hätten sagen können", spottete Xavier.
"Wir haben kein Recht..."
"Die Wesen haben nicht das Recht, sich auf unserem Schiff aufzuhalten und
ungefragt Veränderungen vorzunehmen. Wir verteidigen uns gegen
Eindringlinge."
"Wir wollten mit ihnen kommunizieren."
"Und dann hat sich die Situation eben geändert."
"Ich kann Ihren Entscheidungen nicht zustimmen, Sir." Die Computerstimme
konnte das letzte Wort nicht so ironisch betonen, wie Salia es gern getan
hätte.
"Wollen Sie das Kommando übernehmen?" schoss Xavier die Frage heraus.
Salia war momentan aus der Fassung gebracht durch die letzte Frage, die sie
nicht recht deuten konnte. Wenn Xavier sie damit konfrontieren wollte, dass
Salia seine Befähigung zum Kommandanten zumindest in der momentanen
Situation anzweifelte, so hatte er sie richtig eingeschätzt. Gleichzeitig
hatte er ihr angeboten, dass sie selbst das Kommando übernehmen könnte, wenn
sie es wünschte. Ironisch? Rhetorisch? Sie wurde nicht schlau aus ihm. Auch
T'Lia war verunsichert. Sie wusste nicht, auf welche Seite sie sich stellen
sollte. Sie kannte nicht alle Fakten.
Während Salia an ihrer Antwort tippte, bemerkte T'Lia, wie ihr Gefangener
sich rührte und machte die beiden anderen Offiziere darauf aufmerksam.
Ort: Maschinenraum
Zeit: MD 7.0020
Melina war extrem müde, doch zu aufgeregt, um sich dessen bewusst zu werden.
In Shada jedoch wirkten die Schmerzmittel, die Anstrengung, die sie eben mit
ihrem gebrochenen Bein unternommen hatte, und nicht zuletzt die neuerliche
Entmutigung, die sie empfand, wenn sie an Tom dachte, so zusammen, dass sie
sich zusammenreißen musste, um die Augen noch offenzuhalten. Mutter und
Tochter fragten sich stumm, was oben auf Deck 4 gerade vor sich ging,
während sie den Maschinenraum betraten.
Finja untersuchte gerade die Probe, die Xavier ihr vor einiger Zeit gebracht
hatte. Eigentlich schien es wichtiger, dass sich die Chefingenieurin der
Aufgabe widmete, die Systeme der Explorer wieder zum Laufen zu bringen. Doch
hatte der OPS von ihr eine rasche Analyse verlangt. Sie hatte auch
tatsächlich entdeckt, dass das Gewebe einige faszinierende Eigenschaften
aufwies, wie eine hohe elektrische Leitfähigkeit. Finja blickte von ihrer
Arbeit auf, als Shada und Melina eintraten. Die Frauen tauschten sich rasch
über die neuesten Entwicklungen aus, dann widmete sich Finja wieder der
Konsole.
Shada zog sich mit Melina in ihre altbekannte Ecke zurück. Sie hätten die
Mannschaftsmesse aufsuchen können, die als behelfsmäßiges Krankenquartier
fungierte, doch Shada überwältigte auf einmal die Müdigkeit. Sie nahm ihrer
Tochter das Versprechen ab, sich mit ihr ebenfalls für ein paar Stündchen
schlafen zu legen, wickelte sich in ihre Decke und schlief fast sofort ein.
Melina aber blieb wach. Ihre Augen, die den Bewegungen der Techniker
folgten, fühlten sich trocken and und schmerzten und wollten doch nicht
zufallen. Schließlich streifte sie die Decke wieder von sich ab und ließ sie
im Raum schweben. Keiner achtete auf das Mädchen, als es sich leise aus der
Tür des Maschinenraums schob.
Während im Maschinenraum mittlerweile alles hell erleuchtet lag, war der
Gang davor noch vom Halbdunkel der Notbeleuchtung umfangen. Doch Melina
fürchtete sich nicht mehr. Ihre Gedanken hatten sich auf ein Ziel
ausgerichtet, das alle anderen Phantasien, Ängste und Befürchtungen aus
ihrem Kopf verbannre. Sie wollte noch einmal zur Beltane. Irgendetwas musste
sich doch mit deren Sensoren machen lassen. Vielleicht musste jemand nur
lange genug auf die Anzeigen starren, dann würde sich endlich das lang
ersehnte Fenster in das abgeschnittene Diplomatenmodul zu Tom auftun... Sie
wusste, es war momentan nicht Priorität der Besatzung, den Verbleib der
wenigen dort eingeschlossenen Personen aufzuklären, aber für Melina hatte es
oberste Priorität.
Die Shuttlebucht war ja auch nicht weit entfernt. Was sollte ihr auf dem Weg
schon groß passieren? Sie hatte diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, als
ein ihr nur allzu bekanntes Geräusch sie erschreckte. Ein einzelnes Plopp
war es und es erscholl direkt rechts von ihr. Obwohl sie es schon oft gehört
hatte und es noch nie bedrohlich für sie geendet hatte, überkam sie diesmal
ein unheilvolles Gefühl. Langsam wendete sie ihren Kopf in die Richtung. Die
großen, schwarz-glänzenden Augenpaare, ein zentrales großes und zwei
kleinere seitlich davon gelegen, starrten ihr entgegen. Sie hatte keine
trippelnden Schritte gehört, also hatte sich das Wesen vielleicht direkt
hierher transportieren lassen. Doch blieb ihr keine Zeit, weiter darüber
nachzudenken.
Plötzlich schoss mit der Geschwindigkeit eines Phaserstrahls etwas
silbrig-weiß glänzendes aus dem Unterleib des Wesens hervor. Dieses war mit
seinen Beinen fest an der Wand verankert, sonst wäre es wohl selbst von dem
Rückstoß davon geflogen. Melina spürte, wie etwas klebriges ihre Beine
umfing. In Sekundenschnelle wickelte es sich von dort immer höher um ihren
ganzen Körper, während sich das Mädchen selbst drehte wie ein Kreisel, so
dass ihr schwindelig wurde. Ihre Arme wurden an ihren Körper gepresst und
sie stieß einen gellenden Schrei aus, der jedoch fast sofort erstickt wurde,
als sich die Fäden auch um ihr Gesicht wanden und sie damit effektiv
knebelten. Dann sah und hörte sie nichts mehr. Sie konnte auch nicht spüren,
dass sie fortgezogen wurde, wie eine Raupe an einer Schnur. In ihr war nur
Panik.
</RPG>
<SUM>
-MD 7.0010: Xavier gelingt es, eines der Spinnenwesen zu betäuben, doch wird
er überraschen von Salia gestellt, die an seinen Entscheidungen zweifelt.
-MD 7.0020: Finja untersucht die Spinnwebenprobe, als Shada und Melina
wiederkommen. Melina schleicht sich heimlich fort und wird auf dem Weg zur
Shuttlebucht attackiert.
</SUM>
submitted by
Anja B.
aka
Lt. T'Lia, WIS
Shada und Melina Owens, ZIV
USS Explorer
SD 171113.0120