<RPG>
Ort: Gänge
Zeit: MD 6.0915
>"...Wenn Sie also offen und ehrlich mit Ihrer Tochter
>umgehen, dann erklären Sie es ihr vielleicht genau so. Loben Sie sie.
>Und tadeln Sie sie, wenn Sie meinen, dass Melina es hätte besser
>wissen können. Aber sehen Sie auch, dass Ihre Erziehung und Ihre Mühen
>offenbar gefruchtet haben."
Nach dieser längeren Rede der Counselor war Shada eine ebenso lange Zeit
still. Marya ließ ihr die Zeit zum Nachdenken. Die beiden Frauen
schlenderten ohne Eile den Gang entlang. Dann bemerkte Marya bei einem
flüchtigen Seitenblick, dass die Ethnologin in sich hineinschmunzelte.
"Sie verstehen Ihr Handwerk als Counselor wirklich gut", sagte Shada in dem
Moment.
"Ihre Worte sind überzeugend und sie kommen zur richtigen Zeit."
Marya wandte ihr Gesicht ganz dem Shadas zu, um es besser studieren zu
können.
"Was das nun ein Lob an mich oder ein ironischer Hinweis darauf, dass ich
mir selbige Worte auch hätte sparen können?" fragte sie, ebenfalls leicht
lächelnd.
"Nein, das war ernst gemeint", versicherte Shada. "Ich wünschte, meine
Mutter hätte eine Beraterin wie Sie gehabt..." Marya wartete, ob noch etwas
kommen würde. Das war tatsächlich der Fall. "Mir fiel nämlich gerade ein,"
erzählte Shada leise, "dass ich als junger Mensch ja auch nicht anders war.
Und dass auch ich gegen meine Eltern und andere 'Erwachsene' rebelliert
habe, weil sie in meinen Augen nicht genug getan haben, um die
Ungerechtigkeiten in dieser Galaxie zu bekämpfen. Jetzt verstehe ich, dass
auch das im Grunde nur Zeugnis einer guten Erziehung war. Denn selbst wenn
man über das Ziel hinausschießt, ist das vielleicht besser, als
Gleichgültigkeit."
Marya nickte. Sie freute sich, dass sie Shada dabei geholfen hatte, das zu
erkennen. Und Shada selbst ging es direkt viel besser, es lastete nicht mehr
dieses Schuldgefühl und die unschöne Erinnerung an den Streit auf ihr. Sie
war sich sicher, dass sie sich bei ihrem nächsten Gespräch mit ihrer Tochter
mit dieser versöhnen würde.
"Ich rede nachher nochmal mit ihr, und werde versuchen, etwas
verständnisvoller und behutsamer zu sein. Jetzt, wo sich die Gemüter wieder
etwas abgekühlt haben", sagte sie zu Marya.
"Danke! Wieder einmal." Sie nahm sich vor, sich einmal bei Marya für ihr
stets offenes Ohr zu revanchieren.
"Das ist mein Job", entgegnete die Counselor lächelnd. Wenn nur alle ihre
'Klienten' so einfach zu handhaben wären, dachte sie dabei für sich.
Ort: Brücke
Zeit: MD 6.1835
T'Lia betrat die Brücke. Der Captain hatte ihr den Befehl gegeben,
sich dort einzufinden, kurz bevor er sich zu den Diplomatenquartieren
aufmachte, da er wohl eine Wissenschaftlerin im Befehlszentrum wissen
wollte, während Dejah und er selbst bei Javes zu Hedonis weilten. Sie
blickte sich rasch um. Der Kommandosessel war momentan unbesetzt und alle
anderen standen an ihren jeweiligen Konsolen um das Zentrum herum verteilt.
T'Lia erkannte Finja und Xavier, die offenbar als einzige Senioroffiziere
anwesend waren. Der Bajoraner warf ihr einen kurzen, ihre Ankunft zur
Kenntnis nehmenden Blick zu. Ohne zu zögern begab sie sich selbst zu der
Wissenschaftskonsole, die neben der des Maschinenraums lag, loggte sich ein
und rief die neuesten Messdaten ab, die aus der Wissenschafts- und
technischen Abteilung hierher geleitet wurden. Eine weitere Welle brach über
die Explorer herein, so dass diese sich erneut aufbäumte wie ein bockendes
Pferd. Die Insassen hatten jedoch mittlerweile so etwas wie Übung darin
entwickelt, sich rechtzeitig irgendwo festzuhalten und so die
Erschütterungen standhaft zu überstehen.
T'Lia wusste mittlerweile ebenfalls über die vermutete Ursache der
Schockwellen Bescheid und schaute sich das elektromagnetische Signal aus dem
Quartier des Hedoniers genau an. Dabei stellte sie fest, wie sich die
Intensität der Wellen auf einmal merklich verstärkte. Finja hatte dies
ebenfalls
bemerkt und wurde sich auch gleichzeitig der Konsequenzen bewusst. Sie
berichtete
mit lauter Stimme, so dass alle der Brückenoffiziere es hören konnten, über
die Lage. Ihre Finger beschäftigten sich bereits mit den Kontrollen zur
Notfallabschaltung des Warpkerns, damit sie so schnell wie möglich reagieren
konnte, sollte sie einen entsprechenden Befehl erhalten. Xavier wollte
gerade auf seinen Kommunikator tippen, um den Captain zu erreichen, als auch
schon die Stimme der EO aus Finjas Kommunikator schallte.
"Tacra an Bryant. Stoßen Sie den Warpkern aus."
Finja nahm diesen Befehl zur Kenntnis und begann bereits an dessen Umsetzung
zu arbeiten, doch es war eine Maßnahme, die kein Chefingenieur gerne
durchführte, so auch Finja nicht. Obwohl nicht alle der Anwesenden diesen
Befehl hatten kommen
sehen, verhielt sich jeder professionell und ging mehr oder weniger ruhig
seinen jeweiligen Pflichten nach, so als handele es sich nur um einen
Routinevorgang. Doch in den Gedanken aller Anwesenden arbeitete es. Wenn die
EO den Warpkern tatsächlich ausstoßen wollte, anstatt ihn nur abzuschalten,
dann musste sie Grund zu der Annahme haben, dass jede noch so geringe
Zeitverzögerung fatale Folgen haben konnte. Welche, das konnte momentan auf
der Brücke vielleicht nur die CING wirklich einschätzen. Finja steuerte den
Abstoßungsvorgang von ihrer Konsole, das Maschinenraumpersonal war evakuiert
worden, die letzten Halterungsklammern mussten gelöst werden. Nur noch zwei
Stück, dann würde der Warpkern seine Katapultfahrt aus den Innereien der
Explorer ins Weltall antreten. Doch in dem Moment setzte das
markerschütternde Kreischen ein, das jedem auf der Explorer unter die Haut
ging, und dann ging alles sehr schnell.
Ein ohrenbetäubender Knall traf die Ohren der Brückenbesatzung. T'Lia, die
sich schon bei dem entsetzlichen Kreischen die Hände schützend über die
Ohren legen wollte, kam dazu gar nicht mehr, denn im nächsten Moment wurde
alles schwarz um sie herum, während sie gleichzeitig mit voller Wucht gegen
eine Wand geschleudert wurde. T'Lia verlor kurz die Orientierung, dann
begannen die Sinnesempfindungen wieder verarbeitet zu werden. Sie spürte
Schmerzen in ihrem Rücken und am Hinterkopf, wo sie gegen die Wand geprellt
war, aber nichts, was nicht auszuhalten war oder auf eine ernsthafte
Verleztung hindeutete. Das durchdringende Piepsen in ihren Ohren ließ
bereits langsam nach, so dass andere Geräusche zu ihr durchdrangen, wie das
gedämpfte Stöhnen von anderen Besatzungsmitgliedern. Ihre Augen erblickten
Sternenlicht hinter dem Sichtschirm der Brücke, ansonsten war es
stockdunkel, und dazu gesellte sich das seltsame Gefühl als würde sie
schweben oder ins Bodenlose fallen. Einige wenige Augenblicke später
flackerte doch ein einzelnes Licht auf, das aus Notaggregaten gespeist wurde
und T'Lia stellte fest, dass sie tatsächlich schwerelos war.
Einem ersten Impuls, wie wild mit den Armen und Beinen zu rudern, um sich
aus dieser misslichen Lage zu befreien, widerstehend, erinnerte sich die
Wissenschaftlerin an ihr Training in Schwerelosigkeit auf der Akademie und
hielt sich erst einmal an der nächstgelegenen Konsole fest, um einen
Überblick zu gewinnen. Alles was nicht niet- und nagelfest gewesen war (und
das war auf der Brücke zum Glück relativ wenig), trieb durch den Raum,
ebenso die Crewmitglieder, die zum Teil wie T'Lia versuchten, sich zu
stabilisieren, indem sie sich irgendwo festklammerten, dabei aber mitunter
durch zu starke Bewegungen am Ziel vorbeischossen. Die Halbvulkanierin
erblickte in dem Halbdunkel die Gestalt des OPS im vorderen Teil der Brücke,
der bewusstlos zu sein schien und sich nicht rührte. Sie verständigte sich
durch einen Blick mit Finja, welche ebenfalls rasch wieder Herrin ihrer
Sinne geworden war, und beide Frauen stießen sich von ihren Haltepunkten ab,
um zu einem der nächsten Wandschränke zu gelangen, in denen sich die
Notfall-Ausrüstung befinden sollte. Die Wissenschaftlerin holte sich ein
Medokit heraus.
T'Lia hangelte sich, so gut es ihr möglich war, an den Wänden und Konsolen
entlang und versuchte, ihre Konzentration ganz auf die nächste Aufgabe zu
richten, um nicht an die aufsteigende Übelkeit zu denken, welche die
Schwerelosigkeit in ihr auslöste. Sie erreichte Xavier mit dem Medkit und
scannte ihn, während sie sich mit einer Hand an einem Stuhl festhielt. Sie
besaß keine ausgeprägten medizinischen Kenntnisse, aber der Tricorder teilte
ihr mit, dass Xavier eine starke Gehirnerschütterung erlitten hatte. Mit
einem Arm
fixierte sie ihn so, dass er nicht wegfliegen konnte, und drückte ihm
ein Hypospray auf den Oberarm. Nach wenigen Augenblicken kam der Bajoraner
wieder zu sich und schaute sich verwirrt um. T'Lia hielt ihn noch immer
fest, um zu verhindern, dass er sich durch unwillkürliche Bewegungen
fortbewegte und womöglich wieder irgendwo dagegenstieß.
>Ein zischendes Geräusch ließ sie alle zum Turbolift blicken. Die Türen
>öffneten sich zentimeterweise und als der Spalt breit genug war,
>zwängte sich schließlich ein ziemlich zerzauster Kater herein.
>
>Er schüttelte sich einmal kurz und sah sich um.
>
>Sein Blick lag einmal auf Lt. Chimbar und einmal auf Lt. T'Lia.
>
>Der Schwanz des Katers zuckte nervös, weil er sich schlicht nicht
>erinnern konnte welcher der beiden nun der Dienstälteste war.
>
>"Erklärt mir jemand was passiert ist und wer von ihnen beiden der
>Dienstälteste und damit Kommando inne habende ist?" fragte der Kater die
>beiden die sich nun gegenseitig ebenfalls verblüfft ansahen.
>
>Ein kurzer Blick in die Runde sagte ihnen das sie beide tatsächlich die
>höchstrangigen Offiziere auf der Brücke waren.
Bis jetzt hatte noch keiner hier an die Kommandohierarchie gedacht, da alle
damit beschäftigt gewesen waren, sich selbst und Verletzte zu versorgen.
Finja übernahm die Antwort von einer anderen Stelle der Brücke aus, so dass
der Kater sich nach ihr umblicken musste.
"Bevor der Captain die Brücke verlassen hat, hat er Lt. Chimbar das Kommando
übertragen", berichtete sie.
In Xavier, der bisher noch reichlich orientierungslos gewesen war, stieg die
Erinnerung daran wie aus einem Nebel wieder auf.
"Was sonst passiert ist, kann ich noch nicht genau sagen, da alle
Hauptsysteme ausgefallen sind", fuhr Finja fort, sowohl um dem CSO seine
Frage zu beantworten, als auch um einen allgemeinen Statusbericht für den
temporären Kommandanten sowie den Rest der Brückenbesatzung abzugeben.
"Aber offenbar kam es zu Wechselwirkungen zwischen dem elektromagnetischen
Feld aus Hedonis' Quartier und dem Warpkern. Wir erhielten den Befehl ihn
auszustoßen, aber das ist wohl nicht mehr rechtzeitig gelungen." Fast schien
es als würde sich die Chefingenieurin für dieses Versagen selbst die Schuld
geben.
"Die Explosion, die dadurch verursacht wurde, hat die künstliche
Gravitation lahmgelegt, was mit den anderen Schiffsfunktionen ist, konnte
ich
noch nicht feststellen."
"Kommunikation und Turbolift funktionieren jedenfalls auch nicht mehr, so
viel kann ich schon sagen", erwiderte K'Traz leicht ironisch und wandte dann
seine Aufmerksamkeit wieder dem OPS zu, der jetzt die Befehle geben musste.
"Sind sonst alle in Ordnung?" fragte Xavier als erstes. Er selbst verspürte
rasende Kopfschmerzen, durch die ihm das Denken schwerfiel, und die
typischen Anfänge der Raumkrankheit in seinem Magen. T'Lia beobachtete ihn
besorgt und überlegte, ob er der Aufgabe des Kommandos in diesem Zustand
überhaupt gewachsen war.
"Die Verletzen sind notdürftig versorgt, es gibt keine lebensbedrohlichen
Verletzungen", teilte wieder Finja mit.
Xavier hatte sich von T'Lias stützenden Armen befreit und hielt sich selbst
neben dem Kommandosessel, aber er konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Dennoch versuchte er, sich das nicht anmerken zu lassen.
"Vorschläge?" brachte er schließlich nur heraus.
"Wir müssen von der Brücke runter. Von hier aus können wir im Moment sowieso
nicht viel mehr machen als Däumchen drehen. Ich will versuchen, den
Maschinenraum zu erreichen, um zu schauen, was mit dem Warpkern passiert
ist", sagte Finja sofort. "Wenn überhaupt, dann habe ich von dort aus die
besten Chancen, alles wieder in Gang zu bringen..."
Xavier nickte, sie hatte Recht, soviel konnte auch sein betäubtes Gehirn
noch verstehen. Auch wenn die Brücke normalweise das Kommandozentrum eines
Schiffes war, so war sie zu nicht viel nütze wenn alle Systeme ausgefallen
waren; sie war tot.
"Ein Team sollte das Schiff durchstreifen, um nach Überlebenden zu suchen
und Hilfe zu leisten", schlug T'Lia vor.
K'Traz meldete sich sofort freiwillig diese Aufgabe und wollte dabei
außerdem
die erlittenen Schäden begutachten und versuchen herauszufinden, was mit dem
Captain, der EO und den Diplomaten passiert war. Das Hauptproblem war die
fehlende Kommunikation. Wie sollte man sich verständigen, wenn man
getrennter Wege ging? Xavier befand schließlich, dass sich alle nach
Erledigung ihrer Aufgaben, auch die anderen Senioroffiziere, die man
aufstöbern würde, beim Maschinenraum einfinden sollten, um das
weitere Vorgehen zu besprechen.
Finja und K'Traz holten die Taschenlampen aus den Lagerschränken und teilten
sie
an alle aus, die sich auf Expedition begeben würden. Ebenso steckte sich
jeder einen Tricorder an den Gürtel, diese kleinen vielseitigen Geräte
funktionierten zum Glück noch. Medokits waren in regelmäßigen Abständen auf
allen Gängen verteilt, mussten also nicht unbedingt mitgeführt werden.
Mittlerweile fühlte sich jedoch über die Hälfte der Anwesenden
hundsmieserabel; Gleichgewichtssinn und Innereien spielten in der
Schwerelosigkeit verrückt und so holten sich die meisten noch eine Dosis
übelkeitsstillender Medikamente bei T'Lia ab, bevor sie aufbrachen.
Von dem CSO wussten sie, dass der Turbolift kurz unterhalb der Brücke
stecken geblieben war und den Schacht von da an blockierte. Die
Jefferiesröhren würden also herhalten müssen. Alle krochen nacheinender
hinein, die Lampen an Riemen um den Kopf geschnallt. Normalerweise war es
sehr mühsam durch die engen Tunnel zu krabbeln, aber der einzige Vorteil an
der fehlende Gravitation war, dass man sich nun nur einmal am Rande abstoßen
musste und schon schwebte man (hoffentlich ohne mit dem Kopf irgendwo
anzuecken) den geraden Gang entlang. T'Lia hielt sich dicht hinter Xavier,
um ein Auge auf seinen Zustand zu haben. Beim ersten Knotenpunkt hangelte
man sich an den Leiterstufen hinunter, um die unteren Decks zu erreichen und
von hier trennten sich auch die Teams.
Ort: Krankenstation
Zeit: MD 6.1910
Salia konnte nicht sagen, wie lange sie ohnmächtig gewesen war. Als sie
wieder zu sich kam, wusste sie jedoch, dass irgendetwas sie aufgeweckt
hatte, vielleicht ein ungewöhnliches Geräusch? Es herrschte noch immer
undurchdringliche Finsternis. Sie spürte ihren Körper nicht mehr richtig, es
war als hätte er jede Masse verloren, doch gleichzeitig waren die Schmerzen
in Hals, Arm und Rippen ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie noch
körperlich existierte. Sie erinnerte sich wieder an ihre
missliche Situation, da hörte sie etwas. Jemand machte sich an der Tür der
Krankenstation zu schaffen. Mit einem Zischen und Kratzen wurde sie einen
Spalt breit aufgeschoben und ein heller Lichtstrahl zuckte sekundenlang
durch den Raum. Das Licht und die Aussicht auf einen Helfer durchfluteten
Salia mit Erleichterung. Noch einige Zentimeter mehr und durch die Tür
konnte sich eine Person durchzwängen. Es war nicht die große kräftige
Klingonin, die hereinschwebte, sondern eine kleine, schlanke Gestalt.
Sie wollte wieder rufen, auf sich aufmerksam machen, aber ihre Stimme war
jetzt wohl ganz weg, nur ein leises, heiseres Krächzen entrang sich ihrer
Kehle. Der Lichtkegel einer Taschenlampe wanderte zitternd durch den Raum
und traf dabei auch auf die über ihrer Bioliege schwebende Denobulanerin.
"Hallo?" ertönte eine helle Stimme, die Salia mit sofortiger Sicherheit
zuordnen konnte.
"Salia, bist du das?"
Mit der Gewandtheit der Jugend stieß sich Melina von den Türflügeln ab und
bahnte sich einen Weg durch die herumfliegenden Gegenstände, bis sie Salia
erreicht hatte.
"Du bist es! Warum hast du denn nichts gesagt? Wie geht es dir?"
Salia wollte sprechen, dann fiel ihr aber wieder ein, dass das zur Zeit
nicht möglich war und so schüttelte sie bedauernd den Kopf und deutete auf
ihren Hals, um zu signalisieren, dass sie keine Stimme hervorbringen konnte.
Sie schaute das Mädchen genauer an. Die Taschenlampe hatte Melina auf einen
Punkt an der gegenüberliegenden Wand gerichtet und das Licht strahlte ihr
Gesicht von unten her an. Trotz der Dunkelheit meinte Salia zu erkennen, wie
bleich es war. Die Augen waren fast schwarz, da die Pupillen in dem
Dämmerlicht weit geöffnet waren, und standen dadurch zu dem weißen Gesicht
in starkem Kontrast. In den Augen spiegelten sich Angst und Besorgnis.
Obwohl auch Salia sich hilflos und verwirrt fühlte, versuchte sie um Melinas
willen ihre eigene Angst im Zaum zu halten und wollte ihr etwas Sicherheit
vermitteln. Doch jetzt konnte sie das Mädchen nicht einmal durch Worte
beruhigen. Ärgerlich schaute sie sich im Raum um, nach einem Mittel der
Kommunikation suchend.
"Du kannst nicht sprechen?" fragte Melina indes erschrocken.
"... Was ist denn bloß passiert?" stellte sie mehr eine rhetorische Frage
und meinte damit nicht nur Salias Zustand sondern die Gesamtsituation auf
der Explorer. Mit zittriger Stimme begann sie zu erzählen, wie sie in ihrem
Quartier von der Explosion getroffen worden waren.
"Ich lag auf dem Bett, weil ich mich da hatte hinlegen sollen, um bei der
Berg- und Talfahrt was Weiches um mich zu haben... aber meine Mom war gerade
aufgestanden, um etwas zu holen.... da ist es passiert... und als das Licht
wieder anging, habe ich gesehen, dass sie blutete ... und sie wollte nicht
mehr aufwachen... und dann bin ich aus dem Quartier raus, um Hilfe zu holen,
aber ... aber es war keiner da... deshalb bin ich auf die Krankenstation
gekommen..." Ihre Kenntnisse des Röhrensystems der Explorer waren ihr dabei
zugute gekommen. Melina holte zitternd Luft, aber die Anspannung und Sorge
um ihre Mutter trieben ihr nun doch die Tränen in die Augen und sie begann
zu schluchzen, obwohl sie sich dafür schämte, wollte sie sich doch nicht wie
ein kleines Mädchen verhalten.
Salia legte ihr eine Hand tröstend auf die Schulter. Sie hatte mittlerweile
ein Padd entdeckt, das wenige Meter von ihnen entfernt im Raum driftete. Da
sie sich inzwischen wieder einigermaßen gefangen hatte, abgesehen von den
noch immer vorhandenen Schmerzen und dem leichten Schwäche- und
Übelkeitsgefühl, das sich jetzt noch hinzugesellte, versuchte sie sich
selbst im Raum zu drehen und sich zu dem Padd hinzubewegen. Als das
geschafft war, konnte sie etwas darauf tippen und Melina, die ihr gefolgt
war und mittlerweile ihre Tränen tapfer hinunterschluckte, sah ihr über die
Schulter.
*Ich weiß auch nicht, was passiert ist. Ich war auf der Krankenstation, weil
ich einen Unfall hatte, bei dem meine Luftröhre gequetscht wurde. Deshalb
kann ich nicht sprechen. Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wir beide
müssen versuchen herausfinden, was los ist.*
Melina nickte, als sie den letzten Satz laut vorlas. "Aber zuerst müssen wir
meiner Mom helfen."
Salia tippte wieder. *Wir nehmen ein Medokit mit und suchen auf dem Weg zu
ihr nach weiteren Verletzten oder irgendjemandem, der uns sonst begegnet.*
</RPG>
<SUM>
-MD 6.0915: Maryas Zureden kommt bei Shada an und diese bedankt sich bei der
CNS.
-MD 6.1835: Nach der Explosion werden zuerst die Verletzten versorgt. Xavier
war bewusstlos, hat eine Gehirnerschütterung, aber übernimmt dennoch das
Kommando. Es wird entschieden, die Brücke zu verlassen. Finja will in den
Maschinenraum, die übrigen sollen nach Verletzten suchen und Schäden
begutachten, bis sie sich im Maschinenraum wiedertreffen.
-MD 6.1910: Melina trifft in der Krankenstation auf Salia und berichtet ihr,
dass sie Hilfe für ihre verletzte Mutter holen wollte. Die beiden wollen
sich gemeinsam aufmachen, obwohl Salia noch schwach ist.
</SUM>
submitted by
Anja B.
aka
Lt. T'Lia (WIS)
Shada und Melina Owens (ZIV)
SD 170807.0050