Um in der Folge zu verstehen, wie Gemeinbegriffe gebildet werden
können, galt es zunächst zu verstehen, welche Dimensionen Spinozas
Ideentheorie ("Ideen haben") beinhaltet.
Ich habe drei Dimensionen dieser Theorie herausgearbeitet:
"Ideen haben" wird gedacht
1. als _Produktion_
2.vor dem Hintergrund _(nichtlinearer) struktureller Kausalität_, bei
dem es um strukturierte Prozesse, um "Systemisches" geht.
3. in zu konkretisierenden empirischen Kontexten (Ordnung und
Verknüpfung der Dinge/Ursachen) – siehe E2P20Dem
Noch bevor wir uns mit Spinozas Theorie der Gemeinbegriffe näher
beschäftigen, möchte ich einen kleinen Ausblick geben, wohin die
Überlegungen gehen sollen. Ich zitiere Macherey:
"Indem die Menschen ihre gegenseitigen Beziehungen vervielfältigen,
erweitern sie auch ihre Fähigkeit, Gemeinbegriffe zu bilden; d.h.
Begriffe, die notwendigerweise gemeinsam erworben werden, die
ausdrücken, was möglichst vielen Dingen gemeinsam ist. Somit sieht
man, dass es ein und dieselbe Lebenskraft ist, die ein Individuum in
ein erkennendes und handelndes Subjekt transformiert." (Für eine
Naturgeschichte der Normen, In: Vogl, Foucault, Siele der Wahrheit)
Bei den Gemeinbegriffen geht es also um ein "gemeinsame Produktion".
Auch wenn das Individuum sich Gemeinbegriffe aneignet, so nur Hinblick
auf "kollektive" Lernprozesse, die seinen individuellen Lernprozess
erweitern, vertiefen, etc.
Es geht um ein begreifen von Beziehungen und Situationen, um ein
Überwinden sowohl eines begriffslosen Empirismus (Beispieldenken), als
auch eines Denkens in Allgemeinheiten, deren Nutzen für die
Reorganisation des je eignen Wissens und für die je eigenen Situation
nicht abgeklärt wird.
Nochmals kurz: Bei Gemeinbegriffen soll es gehen um:
1. kollektive und befreiende Lernprozesse
2. um systemisches Denken und (Kommunikations)Prozesse
3. Entwicklung der je eigenen und gemeinsamen Situation (Potentials)