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Spinoza und Sprache 1   Beitragsliste  
Antworten | Weiterleiten Beitrag #22 von 51 |

Bevor ich mit dem Projekt spinozistischer Lektüre von Literatur
weitermache, muss ich mir noch einmal klar machen, wie ich das
Verhältnis von "Spinoza und Sprache" verstehe. Zu diesem Zweck dienen
diese Zeilen.

Bei Spinoza lässt sich bekanntlich eine "Kritik der Sprache" als einer
"Erkenntnis aus Zeichen" finden. Für ihn gehören die Ideen, die Worten
und Fiktionen entsprechen, dem Bereich der Imagination an. Damit
stellt sich aber das Problem, zu verstehen, was Ideen jenseits der
Worte, oder gar jenseits der Sprache sein sollen. Wäre das dann die
"Intuitive Erkenntnis"? Die Epiphanie, die Erleuchtung, die Erreichung
des persönlichen Berg Tabor?

Erschöpft sich Spinozas Theorie der Sprache in den Aussagen über Worte
und Fiktionen? Ist Sprache denn nicht mehr? Besitzt Sprache denn nicht
Gesetze und Regeln, Ordnungen und Verknüpfungen, die mehr sind als ihr
einerseits physikalisches andererseits imaginäres Substrat? Und
besteht, die von ihm betriebene historisch-kritische Methode, die die
Bedeutung der Wörter erforscht und fiktive Ursprungsmythen
"dekonstruiert", denn nicht in einem Herausarbeiten von "Ordnungen und
Verknüpfung" von Ideen _als_ Sprache, der "Syntax von Ideen" (Balibar,
Lieux et noms, 46)?

Mir scheint, dass wir unterscheiden müssen zwischen der Sprache als
physikalischem Phänomen, das mit der inadäquaten und höchst
unvollständigen imaginären Ordnung von Ideen korrespondiert (und das
als "Worte und Fiktionen" kritisiert werden kann) und Sprache als
Muster, als die Ordnung und Verknüpfung der Ideen selbst, die, indem
diese Ordnung und Verknüpfung "verbessert" wird, zu den rationalen
Erkenntnisgattungen führt.

Worte, an denen sich Angehörige einer Gemeinschaft ihre Identität
gegenseitig bestätigen, oder Worte als fetischisierte Heilsbringer,
die uns zu anderen imaginären Vorstellungsbildern führen, müssen als
solche erkannt und in ihrer diskursiven Wirkungsweise verstanden werden.
Darin besteht die Arbeit zunächst in und an der Imagination und die
Arbeit der Sprache, die die Arbeit des Verstandes/der Vernunft selbst
ist und uns rational (im Sinne Spinozas) zu sein ermöglicht.

Das Jenseits der Worte kann uns rationalerweise nur zu Artikulationen
_in_ der Sprache führen, führt uns dieses "Jenseits" noch weiter,
landen wir wieder bei mehr oder weniger isolierten und fetischisierten
Zeichen und Bildern der Erlösung, wie wir sie vom Bilderkitsch der
Esoterik kennen. Bilder reiner Intensität, Bilder des Lichts, der
Wärme oder Bilder absoluter Fülle oder Leere.

Die Notwendigkeit der kausalen Ordnung und Verknüpfung ist zwar
nicht-narrativ und nichtrepräsentativ und somit auch kein "Text",
dennoch ist sie für uns, ohne Versprachlichung bzw. Textualisierung
(Jameson, Political Unconscious, 67), unzugänglich. Anders formuliert
das Netzwerk der Sprache ist nicht ein "Imperium innerhalb eines
Imperiums", sondern Teil eines umfangreicheren kausalen Netzwerks, auf
das es verweist. Spinoza führt dies vor, indem er "Worte und
Fiktionen" vor dem Hintergrund der Notwendigkeiten der
gesellschaftlichen Organisation des Gemeinwesens erforscht und
analysiert, das selst wiederum Teil des natürlichen kausalen Netzwerks
ist.

Das bedeutet, dass die "Ordnung und Verknüpfung der Ursachen" in der
dritten Erkenntnisgattung sprachliche Artikulationen und somit
sprachlich vermittelte Erkenntnisse sind. Die weitere Aufgabe besteht
darin zu untersuchen, welcher Art diese Artikulationen oder
Vermittlungen sind und worin sie sich von der Imagination abheben.







Mit 30. Apr 2008 8:41

hans19682000
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Bevor ich mit dem Projekt spinozistischer Lektüre von Literatur weitermache, muss ich mir noch einmal klar machen, wie ich das Verhältnis von "Spinoza und...
hans19682000
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30. Apr 2008
8:41

In diesem Mail möchte ich die Gedanken zu Sprache und Netzwerkkausalität zusammenführen. Spinozas Kausalitätskonzept – die Notwendigkeit in der Ordnung...
hans19682000
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7. Mai 2008
8:16
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