Weil der Magier nicht mehr auftreten kann, leben seine Tiere in
winzigen Gehegen.
Las Vegas - Er kämpft. Er will. Er macht Fortschritte. Und doch weiß
niemand, ob Roy (60) zwei Jahre nach der lebensgefährlichen Attacke
seines Lieblingstigers jemals wieder mit Siegfried (66) und den
Raubkatzen auf der Bühne stehen wird. Und deshalb wurden seine Löwen
und Tiger ins Altenheim abgeschoben. Die berühmten weißen Katzen,
auch die, mit denen beide Magier in ihrer Villa lebten, sind jetzt
in den Secret Garden gezogen.
Der Park gehört zum Hotel Mirage in Las Vegas - hier können die
weißen Löwen und Tiger auch ohne Auftritte alt werden. In
Nachbarschaft zu einem asiatischen Elefant, einem Schneeleoparden,
einem Panther und Delphinen. Sie sind jetzt Touristenattraktion für
15 Dollar Eintritt.
Roy kommt oft vorbei
Viel Platz haben sie nicht. Die Gehege sind nur etwa zehn mal fünf
Meter klein, kein nobler Seniorenwohnsitz.
Wenigstens schaut Roy oft vorbei. Drei- bis viermal wöchentlich
besucht er die Tiere. Mit seinem Rollstuhl fährt er an die Gitter
und pfeift. Dann kommen die Tiger angelaufen und er füttert sie mit
der Hand. Das gebe ihm Kraft für seine anstrengende Physio-Therapie,
sagt er.
Trotz des lebensgefährlichen Bisses des Tigers, trotz mehrerer
Schlaganfälle - Roy gibt nicht auf. Er kann schon wieder ein paar
Schritte ohne Hilfe laufen, er lacht, spricht und plant. Aber
Freunde befürchten, daß es nie wieder eine Show mit den beiden geben
wird.
Siegfried, der mit Roy und den weißen Tigern vor 46 Jahren seine
Karriere begann, hat sich geschworen, nie ohne seinen Freund
aufzutreten. Deshalb werden auch die berühmten Tiere nicht mehr
gebraucht. Aber sie dürfen wenigstens lebenslang in Las Vegas
bleiben - im Altenheim für Raubkatzen.