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Antworten Beitrag #63 von 63 | Weiter >
Alexander Eggert: Giordano Bruno - Die Biographie eines Günstlings

Besprochen von Dieter Vogl

Alexander Eggerts Buch „Giordano Bruno – Die Biographie eines
Günstlings" könnte, gäbe es da nicht einige Schönheitsfehler, ein
wichtiger Beitrag in der Giordano-Bruno-Forschung darstellen. Mit
diesen Schönheitsfehlern, die sogar der Autor selbst ganz genau
kennt, werden erhebliche Probleme aufgeworfen, die nicht so ohne
weiteres aus der Welt geschafft werden können. Wie der Rezensent, so
werden auch die Leser einige Schwierigkeiten mit Eggers Darstellung
von Giordano Brunos Leben haben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der
Autor selbst nicht umhin kommt, sein eigenes Werk sehr kritisch zu
betrachten. Ein Punkt, der ihm nicht hoch genug angerechnet werden
kann. Eggert gibt im Nachwort seines Buches zu, dass „viele Details
der Biographie Giordano Brunos nicht weiter ausgeführt worden sind.
Etliche Personen, die in Brunos Biographie eine größere Rolle
spielen, konnten nicht ausreichend gewürdigt werden, z. B. Luigi
Tansillo und Piero Dalbene. Auch die Biographien der Ankläger Brunos
im Prozess vor dem römischen Sanctum Officium hätten durchleuchtet
werden müssen. Meine Darstellung dieses Prozesses scheitert letztlich
daran. Es ist möglich, mit Hilfe des Sommario die Akte Giordano Bruno
des römischen Sanctum Officium komplett zu rekonstruieren."

Aufgrund dieser Darstellung des Autors, wird die Frage aufgeworfen,
warum er dann überhaupt diese für eine Giordano-Bruno-Biographie so
wichtigen Punkt in Angriff nahm, wenn er die wichtigsten Quellen
hierfür unberücksichtigt lässt. Und das, obwohl er ganz genau weiß,
dass durch diese Quellen eine Rekonstruktion durchaus möglich gewesen
wäre.

Liest man im Text weiter, dann verheißt uns der Autor Aufklärung,
denn er schreibt: „Eine solche Rekonstruktion habe ich begonnen, und
sie ist über ein Anfangsstadium bereits hinaus. Für diese
Veröffentlichung war sie bereits eingeplant, als Anhang. Zur
Fertigstellung dieses Anhangs fehlte mir aber schließlich die Zeit."
Lohnt es sich aber für den Leser aufgrund dieser Versprechen eine
neue Auflage dieses Buches zu kaufen? Wohl kaum, denn man hätte ohne
diesen Aspekt schon gar nicht die erste Auflage dem Leser vorlegen
dürfen. Insbesondere deshalb, weil zu einer umfassenden Biographie
Brunos sein Gerichtsprozess dazu gehört. Ohne eine genaue
Durchleuchtung dieses Gerichtsprozesses ist eine Biographie quasi
wertlos und eine teilweise oder ganze Ausgrenzung dieser Quellen
würde nur dann einen Sinn ergeben, wenn ihnen der Autor ein eigenes
Werk widmen würde.

Besonders schade ist es, dass der Autor, was er ebenfalls selbst
feststellt, „viele Details der brunoschen Philosophie nicht mit der
notwendigen Exaktheit und Schärfe darstellt". Dieser Punkt, der in
eine Biographie ebenfalls nicht fehlen darf, ist nicht nur dem Autor
selbst aufgefallen. Auch der Rezensent kann nur diesen Mangel mit
Unverständnis quittieren. Dabei stellt sich die Frage, warum Eggert
diesen Aspekt nicht besser ausgearbeitet hat, zumal ihn ein Prüfer
seiner Magisterarbeit auch schon auf diesen Mangel aufmerksam gemacht
hat und beanstandete.

Was soll man nun von einem großformatigen 535-Seiten-Buch halten,
wenn der Autor selbst von seinem Werk zugeben muss, dass es quasi ein
unausgereifter Schnellschuss ist, welches, so vom Autor, „ trotz
aller ihrer Mängel" veröffentlicht wurde. Als Rezensent dieses Buches
enthalte ich mich einem abschließenden und bewertenden Urteil, aber
es soll doch gesagt werden, dass dieses Buch ein großes Potential
enthält. Hätte der Autor ein klein wenig mehr Zeit in dieses Buch
investiert und hätte er die von ihm selbst an den Pranger gestellten
Mängel Schritt für Schritt vor einer Veröffentlichung behoben, dann
hätte er nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Lesern einen
großen Gefallen getan. Vor allem aber hätte er damit einen wichtigen
Beitrag für die Giordano-Bruno-Forschung geleistet. Eine Chance, die
er bei einer etwaigen Neuauflage nicht ungenutzt vergeben sollte.



Serge Filippini: Der Ketzer vom Campo dei Fiori

Besprochen von Dieter Vogl

Es ist lange her, dass ich einen Roman gelesen habe, der historische
Aspekte enthält. Meistens, so meine Erinnerung, haben alle solchen
Romane einen Hauch von verklärender Phantasie. Und der Wert solcher
Bücher, die oftmals Dichtung und Geschichte zu einem
undurchschaubaren Brei verquicken, ist nicht selten mehr als fraglich.

Der Philosoph, Wissenschaftsgeschichtler und Romancier Serge
Filippini hat uns jedoch mit seinem Roman ein Buch vorgelegt, dessen
Inhalt dem Menschen Giordano Bruno sehr nahe kommt und deshalb eine
rühmliche Ausnahme darstellt.

Serge Filippini erzählt in seinem Roman die letzten Tage Giordano
Brunos. „Der Legende nach soll der Philosoph, der Ketzer Giordano
Bruno, eine der großen Empörergestalten der italienischen
Renaissance, in den letzten Nächten vor seiner Hinrichtung ein
Tagebuch geführt haben, das von der Inquisition vernichtet wurde."

Auf dieser Legende baut Serge Filippini seinen Roman auf. Dabei geht
er der Frage nach, was für ein Mensch Bruno wohl war? Und er kommt zu
dem Ergebnis, dass Bruno wohl ein Rebell war, der „das gesamte , auf
Aristoteles fußende und seit Jahrhunderten starre Weltbild in Frage"
stellt.

Alles in allem erhebt der Autor in seinem Roman keinen Anspruch auf
Authentizität und damit enthalten sich die in diesem Buch
geschilderten Handlungen, obwohl immer wieder geschichtlich relevante
Aspekte einfließen, jeglicher wertender Aussagen. Aber letztlich
erwartet oder erhofft man sich diese auch nicht in einem Roman.

Mit Sicherheit war Giordano Bruno eine der schillerndsten Figuren
seiner Zeit und Serge Filippini erkennt recht gut, dass Brunos
abenteuerliches Leben jenen fesselnden Stoff enthält, mit dem sich
recht gut und fassettenreich historische Romane schreiben lassen.


Eugen Drewermann: Giordano Bruno - Der Spiegel des Unendlichen

Besprochen von Dieter Vogl

Wer die zahlreichen Bücher von Eugen Drewermann kennt, der weiß, dass
der Philosoph, Theologe und Psychologe äußerst feinfühlig und dennoch
kritisch an solche Themen herangeht, die einen klerikalen Hintergrund
haben. Unter dieser Voraussetzung ist auch Drewermanns Buch „Giordano
Bruno" geschrieben, mit dem der Autor „sich in die Lage des Ketzers
während seiner Haft versetzt". Der Autor geht dabei der Frage nach,
was Bruno während dieser Zeit „gedacht, gefühlt, gehofft und
gefürchtet haben" mag.

Den hohen Ansprüchen dieses Buches, die damit verbunden sind, sich in
die Gedanken eines zum Tode verurteilten hineinzuversetzen, begegnet
der Rezensent zunächst mit Skepsis. Der Rezensent ist der Ansicht,
dass dies niemand kann, der noch niemals in der gleichen Lage war.
Aber wer wäre letztlich geeigneter diesen Fragen nachzugehen als der
1991 vom Kirchenamt suspendierte und 1992 mit einem Predigtverbot
belegte Drewermann. Er gehört doch selbst zu den wichtigsten
Kirchenkritikern unserer Tage und hat als Priester die Willkür der
Kirchenoberen am eigenen Leib zu spüren bekommen. Insofern mag man
ihm ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen dem Autor durchaus
zutrauen.

Nachdem in Drewermanns Werk „alle Namen, Daten, Fakten und Dokumente"
den „historischen Tatsachen" entsprechen, kann man Drewermanns Buch
die geschichtliche Authentizität nicht absprechen. Selbst „die
gedanklichen und inhaltlichen Auseinandersetzungen" die vom Autor
frei geschildert werden, werden nachvollziehbar, wenn man bedenkt,
dass Drewermann hautnah die klerikale Willkür miterlebt hat und sich
damit sehr leicht, noch dazu aufgrund seiner Tätigkeit als Therapeut,
in die Psyche eines Mannes versetzen kann, der immer wieder von der
Inquisition einer Vielzahl von Verhören unterzogen wurde.

Mit diesem Buch ist Eugen Drewermann in der Tat „eine meisterhafte
historische Erzählung gelungen", die uns die Denkweise eines Mannes
näher bringt, der unbeugsam seinen Idealen treu blieb.


Jochen Winter: Giordano Bruno - Eine Einführung

Besprochen von Nicolas Benzin

Der vorliegende Band erschien in der Reihe Parerga-Einführungen,
daher wohl auch der Titel. Ursprünglich lautete er "Im Angesicht des
Unbekannten: Giordano Bruno und kosmisches Denken". Der vom Verlag
gewählte Titel mag etwas verwirren, denn eigentlich handelt es sich
nicht um eine Einführung in das Gesamtwerk Giordano Brunos, sondern
um eine Darstellung seiner Kosmologie und der aus ihr resultierenden
Naturphilosophie.

Anhand der in England erschienenen kosmologischen Dialoge arbeitet
der Autor die Konsequenzen aus Brunos Denken für die christliche
Theologie heraus und weist auf die über die Neuzeit hinausgehende
Bedeutung dieses Denkens hin. Dabei zeigt sich die prinzipielle
Unvereinbarkeit von christlichem Schöpfungs- und Strafgerichtsdenken
mit der modern anmutenden Kosmologie Brunos, die die Provinzialität
der traditionellen theologischen Vorstellungen entlarvt.

Aus der Darstellung von Jochen Winter wird überzeugend klar, warum
Brunos Naturphilosophie eine Gefahr für das von der Kirche an der
Schwelle zur Neuzeit propagierte Weltbild war und es in seinen
Grundfesten erschüttern musste.

Neben einem Prolog zur Geschichtlichkeit des kosmischen Denkens
gliedert sich das Werk in drei Teile, in denen der Autor die Gedanken
Brunos aus seinen sechs italienischen Dialogen ordnet und für den
Leser verständlich macht. Im Einzelnen handelt es sich um Bereiche
der Metaphysik, der Kosmologie und der Anthropologie.

Bruno erscheint in einer Kette der kosmologischen Denker, deren Ideen
er aufnimmt und in ihrer Tragweite erkennt, letztendlich aber seine
Überlegungen weit über die Vorgänger hinausführt.

Abgerundet wird das Buch durch einen tabellarischen Lebenslauf
Brunos, umfangreiche Anmerkungen und das Literaturverzeichnis. Leider
fehlt ein Register.

Für jemanden, der sich noch nicht mit den Werken Brunos beschäftigt
hat, wird die Lektüre nicht ganz einfach sein. Aber es lohnt sich. Im
Moment gibt es keinen lieferbaren deutschen Titel, der die komplexe
Kosmologie Brunos auf geringem Raum so aufschlussreich darstellt.


Gerhard Wehr: Giordano Bruno

Besprochen von Nicolas Benzin

Dem Lebenslauf Giordano Brunos folgend, stellt der Autor die Inhalte
der Werke des Nolaners vor. Bei der Interpretation verweist er auf
die geistigen Strömungen, die in das Werk Brunos eingeflossen sind.
Zentrales Anliegen des Buches ist es überhaupt, darzustellen, daß
Giordano Bruno nicht im "luftleeren Raum" gearbeitet hat. Er baut auf
den Gedanken anderer auf, verknüpft sie neu und entwickelt darüber
hinausgehend eine eigene Naturphilosophie und Weltschau. Zahlreiche
Denker der Antike, des Mittelalters und Zeitgenossen Brunos werden
kurz mit ihren Lebensdaten und Werken vorgestellt, wobei auch der
Einfluss auf Giordano Bruno beleuchtet wird. Auf verschiedene Details
aus der Biographie des Nolaners verzichtet der Autor, er stellt
vielmehr heraus wie bunt das damalige Geistesleben und Umfeld Brunos
gewesen ist. Bunt ist auch das vorliegende Taschenbuch. Mit nahezu
80, fast immer farbigen Abbildungen, verschiedenfarbig unterlegten
Texten und Seitenaufteilungen durch Trennlinie, liegt ein von der
Ausstattung her gesehen recht preiswertes Werk vor.

Der laufende Text wird regelmäßig durch kleine oder größere Artikel
unterbrochen, in denen Persönlichkeiten der Geschichte vorgestellt,
Bilder ausführlich erläutert werden. Daneben finden sich Rubriken,
die verschiedene Fachbegriffe aus der Philosophie und Epochen der
Geschichte inhaltlich erklären. Zahlreiche Zitate aus den Werken
Brunos, der großen Denker und von Bruno-Forschern, runden das Buch
von Gerhard Wehr ab und tragen zum Verstehen der Persönlichkeit
Giordano Brunos bei.

Im Anhang eine Zeittafel mit den biographischen Daten Brunos, ein
teilweise kommentiertes Literaturverzeichnis und das Register. Auf
Fußnoten und Anmerkungen wird verzichtet.


Paul Richard Blum: Giordano Bruno

Besprochen von Nicolas Benzin

Das Buch beinhaltet eine gelungene Verknüpfung der Darstellung von
Biographie und Werk Giordano Brunos, wobei die Gliederung dem
Lebenslauf des Nolaners folgt. Der Autor berücksichtigt in seiner
Auswahlbibliographie neueste Arbeiten zum Thema, deren Ergebnisse in
den Text einfließen. Die großen Komplexe der Gedankenwelt Brunos
werden fachkundig und in einer modernen, auch den Laien ansprechenden
Sprache erläutert, so daß das Buch auch für den Einsteiger gut
geeignet erscheint.

Interessant die Diskussion über Brunos Umgang mit biblischen Texten,
die er offenbar seinen Lehren gemäß in leicht veränderter Fassung
wiedergibt. Hier bietet sich noch ein Ansatzpunkt für weitere
Forschungen, insbesondere in Hinblick auf Brunos Kenntnis der alten
Sprachen.
Ebenfalls angerissen wird die Problematik des Eintretens von Robert
Bellarmin in das Kolleg der Inquisitoren. Entgegen zahlreicher
anderer Autoren kommt Paul Richard Blum zu dem Schluß, daß es keine
Belege für eine Folterung Brunos gebe. Vielmehr habe man ihm den
nötigen Bedarf wie Mantel, Schreibzeug und Brille bewilligt. Dies
sind Details, die man anhand der Quellen prüfen müßte.

Seite 55 offenbar ein kleiner Fehler, wenn der Autor eine Vorlesung
Brunos an der Universität Wittenberg in das Jahr 1584 verlegt. Zu
diesem Zeitpunkt hielt sich der Nolaner noch in England auf.


Dr. Peter Priskil: Die neusten Angriffe gegen Giordano Bruno und
Galilei

Besprochen von H.-W. Sachmann

Wer sich im Rahmen der philosophischen Studien der Giordano-Bruno-
Gesellschaft etwas intensiver und eingehender mit den Ideen und
Denkanstößen unseres Namenspatrons beschäftigen möchte, hat es nicht
unbedingt leicht. Nur wenige greifbare Neuerscheinungen stehen für
weitergehende literarische Arbeiten zur Verfügung und oftmals kostet
es erhebliche Mühe, diese Werke oder sonstigen Abhandlungen zu
beschaffen.

Umso dankbarer muss man sein, wenn ab und zu interessante
Publikationen oder, wie in diesem Fall, Ton-Cassetten auf den Markt
kommen, die uns aufhorchen lassen.

Der Historiker und Naturwissenschaftler Dr. Peter Priskil hielt im
Oktober 1989 einen Vortrag an der Universität Karlsruhe, in dem er
verschiedene Punkte aus Abhandlungen zum Thema Giordano Bruno und
Galileo Galilei zusammentrug und diese anhand eigener Recherchen und
Kenntnisse kommentierte und zu entkräften suchte.

Dr. Priskil befasst sich in seinem auf zwei Audio-Cassetten
vorliegenden Referat in erster Linie mit dem 1987 in "Spektrum der
Wissenschaft" veröffentlichten Artikel "Galileo Galilei und der
Schatten des Giordano Bruno", in dem zwei US-amerikanische
Publizisten seiner Ansicht nach seit 1983 laufende "Hetzkampagne"
gegen hochrangige Aufklärer fortsetzen. Der Referent ist in diesem
Zusammenhang der Meinung, dass diese verbalen Angriffe gegen bislang
geachtete wissenschaftliche Kapazitäten (Bruno und Galilei, aber auch
Darwin und Freud) lediglich der Vorbereitung eines – wie er es nennt –
"Neuen Mittelalters" dient. Um dem entgegenzuwirken, stellt Dr.
Priskil den oben erwähnten Artikel in Auszügen vor, verdeutlicht,
welche Angriffe gegen Bruno und Galilei "gefahren" werden, zeigt die
Systematik auf, die ihnen zugrunde liegt und stellt ihnen schließlich
uns zur Verfügung stehende historische Dokumente gegenüber. Damit
möchte er das Gegenteil des in der Abhandlung Behaupteten belegen und
den Zuhörer fragen, ob seine Einschätzung bzgl. Des "Neuen
Mittelalters" korrekt ist.

Das umfangreiche, in diesem hörenswerten Vortrag aufgezeichnete
Material, die diskussionswürdigen (Gegen-)Argumente, die von Dr.
Priskil vorgebracht werden, machen eine ins Detail gehende Rezension
der Bänder unmöglich. Aber zum besseren Verständnis der Frage, was in
unserer heutigen Zeit über zwei der faszinierendsten Denker der
Weltgeschichte publiziert wird und welcher Disput dadurch ausgelöst
wurde, ist diese Veröffentlichung in akustischer Form unbedingt zu
begrüßen. Selbst wenn man ein klein wenig Grundkenntnisse dieser
Materie mitbringen sollte, um die Zusammenhänge ohne größeres
Unverständnis erkennen und das eigentliche Anliegen Dr. Priskils
nachvollziehen zu können.


Anni Besant / Dr. Peter Michel: Giordano Bruno - Ein Kämpfer für die
Freiheit des Geistes

Besprochen von Dr. Horst Friedrich

Ein wertvolles kleines Buch für alle, die mit Giordano Bruno und
seiner Philosophie noch nicht bekannt sind! Anni Besant (1847-1933)
war eine der großen Gestalten der 1875 gegründeten Theosophischen
Gesellschaft, durch die zum erstenmal, wenn auch quasi
in "populärwissenschaftlicher" Form, östliche Weisheitslehren
breitere Kreise im Westen erreichten. Von ihr stammt der eigentliche
Hauptteil des Buches: eine lebendig geschriebene, zwar romanhafte,
aber sicherlich nicht weit vom Tatsächlichen abweichende Bruno-
Kurzbiographie, die alles Wesentliche seines Lebenslaufes enthält.

In einem zweiten teil stellt Dr. Peter Michel die Grundzüge der
Brunoschen Naturphilosophie dar. Darin wird auch die Frage behandelt,
ob und inwiefern Bruno dem Pantheismus anhing, und zu begründen
versucht, dass man ihn als "Theosophen" bezeichnen könne. Auch
Goethes Interesse an, und Affinität zu, Bruno wird erwähnt.


Jochen Kirchhoff : Giordano Bruno

Besprochen von Dr. Horst Friedrich

Jochen Kirchhoff ist Philosoph, Autor zahlreicher Veröffentlichungen,
und lehrt seit 1991 an der Humboldt-Universität Berlin. Ein
Schwerpunkt seiner Vorlesungen, Seminare und Forschungstätigkeit ist
die Grundlegung einer "anderen" Naturwissenschaft/Naturphilosophie.
Mit anderen Worten; Er ist ein außerordentlich kompetenter Autor für
eine Giordano-Bruno-Biographie!

In Kirchhoffs Sicht der Dinge (und nicht nur in seiner!) ist unsere
zeitgenössische Schulnaturwissenschaft auf einen bedenklichen Abweg
geraten. Ein Umdenken sei erforderlich, und dabei könne sehr
hilfreich sein, dass wir uns wieder mehr mit Giordano Bruno und
seiner Naturphilosophie beschäftigen.

Kirchhoff glaubt, dass es kein Zufall ist, dass unsere
Schulnaturwissenschaft Bruno (auffällig geflissentlich) übersieht und
ignoriert, oder ihn als vernachlässigbaren, irgendwie bizarren
Charakter am Übergang von der Spätrenaissance zum Barockzeitalter
darstellt. Eine allzu große Kluft gähnte ja nicht nur zwischen Brunos
Naturphilosophie und den damaligen Kirchenlehren, sonder gähnt auch
heute zwischen Bruno und unserer zeitgenössischen
schulnaturwissenschaftlichen Weltsicht! Unsere
universitäre "Scholastik" liebt es aber nun gar nicht, wenn auf
ernstzunehmende (und potentiell womöglich ergiebigere) Alternativen
zu ihr hingewiesen wird.

Einen Punkt vermisst man in dieser im übrigen exzellenten kleinen
Bruno-Biographie. Kirchhoff betont zwar, dass Bruno (ganz im Sinne
des alten hermetischen Weltbildes) das Universum als ein in allen
seinen Teilen beseeltes, lebendes, gewaltiges Etwas mit Bewusstsein
ansieht, und dass damit seine Weltsicht die Antithese des heutigen
schulnaturwissenschaftlichen Weltbildes darstellt. Man hätte sich
jedoch gewünscht, dass er auch die Affinität zwischen Bruno und den
östlichen Weisheitslehren herausgestellt und kommentiert hätte.


Jochen Kirchhoff: Räume, Dimensionen, Weltmodelle

Besprochen von Dr. Horst Friedrich

In seiner rororo-Monographie "Giordano Bruno" hatte der
Wissenschaftsphilosoph Jochen Kirchhoff gefordert, dass wir uns
wieder mehr mit Brunos Naturphilosophie beschäftigen. Sie könne
behilflich sein, dass wir eine realistischere, nichtreduktionistische
Naturwissenschaft entwickeln.

Da sich aber offenbar niemand der Sache annahm, hat Kirchhoff sie
jetzt, mit seinem neusten Buch, selbst in die Hand genommen. Man kann
dieses Werk nur jedermann, der unserer Schulnaturwissenschaft
kritisch gegenübersteht, wärmstens empfehlen. Kirchhoff, dessen
naturwissenschaftliche Kompetenz unbezweifelbar ist, kommt zu einem
(allen technischen Erfindungen zum Trotz!) vernichtenden Urteil
hinsichtlich der Welterklärungsglaubwürdigkeit unserer atheistisch-
materialistischen Schulnaturwissenschaft respektive ihrer Lehrmeinung
und Dogmen (Paradigmata).

Er glaubt, dass es hohe Zeit für einen Paradigmenwechsel geworden ist
und stellt der Schulnaturwissenschaft eine auf Brunos
Naturphilosophie beruhende, alternative (deviante) Naturwissenschaft
entgegen. In dieser neuen Naturwissenschaft werden Leben und
Bewusstsein (um die sich unsere Schulnaturwissenschaft stets
herumgemogelt hatte) wieder als Hauptfaktoren in
Welterklärungsgesamtbild (re-)integriert.

Mit Kirchhoffs kühnem und mutigen (er erwähnt sogar Velikovsky und
die Astrologie!) Gegenentwurf ist die hermetische Tradition, in der
ja Giordano Brunos Naturphilosophie stand, zweifellos wieder zum
Diskussionsthema für unsere Naturwissenschaftler gemacht worden. Und
da diese Tradition starke Affinitäten zu den östlichen
Weisheitslehren aufweist, ist es auch kein großes Wunder, dass
Kirchhoff zwischendurch immer wieder einmal auch auf Mahayana-(auch
Zen)buddhistisches und upanischadisches Gedankengut zurückgreift.


Anne Eusterschulte: Giordano Bruno - Eine Einführung

Besprochen von Dr. Horst Friedrich

Jemandem, der sich mit Giordano Brunos Naturphilosophie bekannt
machen möchte, kann man nur wärmstens raten, sich zu allererst dieses
kleine Büchlein zu besorgen. Genaugenommen ist es nur ein
Taschenbuch, aber es hat es in sich: Anne Eusterschultes "Einführung"
verdient alles Lob, sie hätte kaum besser gemacht werden können!

Alle wichtigen naturphilosophischen Werke Brunos werden ausführlich
besprochen und kommentiert, wichtige Passagen oft in Übersetzungen
aus dem Italienischen und Lateinischen wiedergegeben. Die Kompetenz
der gelehrten Autorin (obwohl erst Jahrgang 1964) und ihre
weltanschauliche Offenheit wahrzunehmen, macht Freude. Sehr schön
trifft sie Brunos Art und sein Hauptanliegen mit der
Charakterisierung, dass "... der Nolaner die Bollwerke einer
bornierten Wissenschaftswelt und die Gestade theologischer
Indoktrination einer stürmischen Flut der Polemik aussetzt" (S. 70).

Wer wollte behaupten, dass die Notwendigkeit dieses Brunoschen
Hauptanliegens haute nicht mehr gegeben sei!

Da in einer Rezension auch eine kritische Anmerkung erwartet wird:
Man wäre, angesichts zahlreicher Affinitäten, für einen kurzen Punkt-
für-Punkt-Vergleich der Brunoschen Naturphilosophie mit
der "hermetischen" Philosophie einerseits, und mit den östlichen
Weisheitslehren andererseits dankbar gewesen. So schreibt die Autorin
beispielsweise (S. 122), dass bei Bruno "Licht, Spiegel und
Gespiegeltes ... ein und dasselbe" seien. Das erinnert an die
indische Auffassung der Sinneswahrnehmung, wonach wahrgenommenes
Objekt, Sinnesorgan und Wahrnehmungsvorgang eins seien (für
heutige "Westler" stets nur mühsam nachvollziehbar!). Hatte am Ende
jemand Bruno "Östliches" vermittelt?

Nuccio Ordine: Giordano Bruno und die Philosophie des Esels

Besprochen von Dr. Horst Friedrich

Im Geleitwort bescheinigt der Chemie-Nobelpreisträger Ilya Prigogine
Bruno eine erstaunliche Modernität und Aktualität, "auch für
Naturwissenschaftler". Bisher hatte die Schulnaturwissenschaft Bruno
eher verdrängt. In der Tat hat Ordine ein wertvolles und gut zu
lesendes Buch geschrieben. Anhand des von Bruno (wie überhaupt in der
Renaissance) oft verwendete Esel-Gleichnisses beleuchtet er die
Beziehungen zwischen den verschiedenen Aspekten und Teilgebieten der
Brunoschen Philosophie, hebt die Originalität und Tiefe seines
Denkens hervor, und lässt den Leser den typischen Charakter der
Brunoschen Dialoge "schmecken".

Bei Bruno ist das "Eseltum" in Gegensatzpaaren charakterisiert. Nebst
anderem ist es Symbol für Unwissenheit und Arroganz, steht aber auch
für Wissen und Demut. Erst die demütige Erkenntnis der eigenen
Eselhaftigkeit angesichts des universellen Wissens (das man nicht
hat), hilft weiter.

Bei den Scholastikern ist, (wie beim Darwinismus) das "Wissen" bloß
Tautologie. In Brunos Weltsicht kann die Komplexität des Universums
nicht von einer philosophischen Richtung allein erforscht werden. Die
Vorstellung eines endlichen Universums und einer geschlossenen
Wissenschaft entspricht dem Zustand der negativen Esel, jene eines
unendlichen Universums und einer offenen Wissenschaft dem positiven
Eseltum.

Nach Bruno kann eine mathematische Naturwissenschaft die Komplexität
ihres Gegenstandes nicht ausdrücken und bleibt simplistisch. Die
Natur kann man nicht in mathematische und "technische" Termini
beschreiben.











Son 16. Dez 2007 15:28

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