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Deutschsprachiger Lokalrundfunk in Ostbelgien

Anfang der Achtziger Jahre wurde der deutschsprachige Teil
Belgiens zum wahren Eldorado für das Freie Radio. Wegen
seiner Grenznähe zu Nordrhein-Westfalen nutzten viele Free-
Radio-Macher diese Situation aus. So gab es allein Mitte 1984
neun private Radiostationen, von denen nicht wenige auch im
westlichen Teil Nordrhein-Westfalens zu hören waren.

Der belgische Gesetzgeber begrenzte die Ausgangsleistung
des Senders auf 50 Watt, das einem ERP-Wert von 100 W
entspricht. Damit ist die effektive Senderleistung gemeint.
Damit verbunden ist in der Praxis das gewollte Verbot der
Ausstrahlung von kommerzieller Werbung. So übernehmen
finanzkräftige Eigner die anfallenden Kosten und teilen
sich mit den verpflichteten DJ's die Programmgestaltung.

Die wohl bekannteste Station hieß Radio Benelux (BNL). So
machten damals Gerüchte die Runde, Radio Victoria mit dem
Betreiber Roger Kirk würde 65 % der Anteile von Radio BNL
besitzen. Denn es gab ja einen Austausch von Programmen.
Die Programme von BNL waren auf Kurzwelle und umgekehrt
waren Programme von Radio Victoria auf der UKW-Frequenz
von BNL zu hören, nämlich jeden Montag und Dienstag in der
Zeit zwischen 21.00 und 01.00 Uhr. Auch wurde die plötzliche
Freisetzung von Mitarbeitern mit der Kooperation in Verbindung
gebracht. Die jeweilig betroffenen DJ's wollten einen eigenen
Sender gründen: Radio Fantasy. Am 23. Mai 1984 kam es zu
einem ernsthaften Streit bei BNL. Einige Mitarbeiter verließen
den Sender, wie z. B. Mikel Henry und Chris Winter (Sendung
"Radio Show"). So waren an zwei Tagen keine Programme zu
hören.

Standort der Station: ca. 10 km südlich von Eupen (Dachge-
schoss im Hotel oder Restaurant Baraque Michel)

Benutzte Frequenz: 103,3 MHz (Polarisation: Vertikal)

Sendeleistung: ca. 300 Watt

Die zweite Radiostation nannte sich Henri Radio. Man sendete
seit Mai 1983 24 Stunden am Tag für die nördlichen Ostkantone
Belgiens und das Dreiländereck. Man war in einigen Gebieten
Nordrhein-Westfalens zu empfangen, z. B. im Raum Aachen,
Düsseldorf, Oberhausen, Herne, Solingen, Wuppertal und in
Remscheid. Einer der Mitarbeiter war übrigens Stefan Reuther,
der in den Siebziger Jahren einer der Betreiber der irischen
Landpiratenstation "Time Radio" war. Dabei war auch Frank Herbers
(Herbi), der zweimal im Monat auch über Radio Victoria zu hören
war (Sendung "Musik-Musik-Musik") und sich am RTL-Kindertag
beteiligte. Dienstags zwischen 21.00 und 23.00 Uhr lief eine
Art DX-Sendung mit dem Titel "Radio-Mix".

Standort der Station: Herbesthal

Benutzte Frequenz: 103,6 MHz (Polarisation: Horizontal)

Sendeleistung: 65 Watt

Die dritte Station wurde durch seine Überreichweiten bekannt.
Ich meine Radio Distel. Bei entsprechender Empfangslage war
man sogar in Aurich (Ostfriesland) zu hören. R. Distel ver-
stand sich als ein Sprachrohr der Alternativen und Grünen
und man sendete 24 Stunden am Tag. Am 19. April 1984 hatte
man anlässlich der Blockade der US-amerikanischen Militärbasis
im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen/Teveren als Rüstungs-
gegner ein "Interventionsradio" ins Leben gerufen. So sendete
man den ganzen Tag live und berichtete über die dortigen Er-
eignisse

Standort der Station: Eupen

Benutzte Frequenz: 103,8 MHz (Polarisation: Horizontal)

Sendeleistung: 250 Watt

Zeitweilig sendete auch der Pirat Radio 101 sein Programm
am Freitag zwischen 14.00 und 22.00 Uhr. Doch wurde mit
der Zeit das Risiko zu groß, durch Beamte des in Krefeld
ansässigen Funkstörungsmessdienstes der Deutschen Telekom
entdeckt zu werden. Man war zwar in der Praxis gegenüber
dem Piraten R. 101 fast machtlos gewesen. Doch wurde das
Projekt schließlich aufgegeben. Statt dessen sendete man
an einigen Wochenenden auf der Frequenz 7450 kHz aus Irland.

Als nächstes möchte ich die schon von Horst Garbe in seinem
interessanten Artikel aus dem Jahre 1987 vorgestellte Station
Radio Aktivität anführen. Wegen der Gleichkanalstörungen
durch "Arcan Radio", einer flämischen Station, war man nur
im ostbelgischen Raum regelmäßig zu hören. Im Programm gab
es zwei Besonderheiten: einen Sprachkurs in Esperanto am
Dienstag und die Ausstrahlung einer katholischen Messe
und einer evangelischen Andacht am Montag.

Standort der Station: Eupen

Benutzte Frequenz: 101,9 MHz (Polarisation: Horizontal)

Sendeleistung: 65 Watt

Eine besondere Kategorie freier Radios in Ostbelgien
bildeten die Stationen Radio Copacabana, Moresnet,
Radio Oldieshop, Welkenraedt, auch Radio Metropole,
Hergenrath und Radio International. Diese sendeten
hauptsächlich deutsche Schlager und ihr Programm-
stil war in vielen Fällen mit dem der niederländischen
Piratensender (wie z. B. Radio Ramba Zamba oder Radio
Heideroosje) zu vergleichen. Anlässlich einer von Radio
BNL veranstalteten Podiumsdiskussion über die Situation
des Freien Radios äußerten drei Minister aus Eupen vor-
sichtig die Bereitschaft, in der nächsten Zukunft be-
schränkt, wie in Brüssel allgemein praktiziert, Werbung
zuzulassen.

Auf deutscher Seite war man aber über die Entwicklung
im Nachbarland Belgien nicht gerade erfreut. So baute
der WDR seine Senderkette aus. In Bonn wurde dem WDR
die 100,9 MHz zugeteilt, das aber zur Folge hatte,
dass dadurch Radio Benelux (damals noch auf 101,0
MHz) in diesem Raum unhörbar gemacht wurde.

Josef Theobald





Die 30. Okt 2007 15:52

joseftheobald
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Deutschsprachiger Lokalrundfunk in Ostbelgien Anfang der Achtziger Jahre wurde der deutschsprachige Teil Belgiens zum wahren Eldorado für das Freie Radio....
Josef Theobald
joseftheobald
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30. Okt 2007
16:03
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