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Chinas letzter Kaiser als einfacher Bürger

Vor einiger Zeit kam im Fernsehkanal ARTE eine zweiteilige
Serie über den letzten Kaiser von China. Besonders dieses
Thema erregt seit Anfang der Sechziger Jahre die Gemüter
im In- und Ausland. Die tragische Rolle als Kindkaiser bis
zu den Vorgängen in dem japanisch besetzten "Mandschuguo"
bewirkten, dass er als Kriegsgefangener zur Umerziehung
vorgesehen war und sich nach einer Sonderamnestie als
vorbildlicher Bürger des neuen China auszeichnete. Nicht
zu bestreiten sind zwar seine vielfachen Verstrickungen
mit dem japanischen Besatzungsregime. Doch muss aber seine
eher kindliche Art, mit alltäglichen Problemen umzugehen,
berücksichtigt werden. Er hatte als Kind zwar einen britischen
Hauslehrer haben dürfen, aber es fehlte ihm jede Erziehung
zur Selbständigkeit, wie es im britischen Königshaus für den
nächsten Thronfolger üblich war, und zwar in der Form einer
Internatserziehung.

Trotzdem hatte er es geschafft, sich dem chinesischen Volk
dienlich zu machen. So schrieb Mao Zedong: "Die Elemente
der Bourgeoisie und die aus der alten Gesellschaft stammende
Intelligenz sind in überwiegender Mehrheit patriotisch gesinnt.
Sie sind bereit, dem täglich mehr aufblühenden sozialistischen
Vaterland zu dienen, und sie wissen, dass sie sich auf niemand
stützen und keiner lichten Zukunft entgegensehen können, wenn
sie sich vom Sozialismus und von den unter der Führung der
Kommunistischen Partei stehenden Werktätigen abwenden."
(Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke,
Seite 61) Schon Stalin stellte fest: "Es wäre dumm und un-
vernünftig, heute beinahe in jedem Spezialisten und Ingenieur
der alten Schule einen noch nicht ertappten Verbrecher und
Schädling zu sehen." (Fragen des Leninismus, Seite 418)

Was den Umgang mit Kriegsverbrechern angeht, können wir
eine alte chinesische sprichwörtliche Redensart heran-
ziehen. Hier heißt es: "Wirft ein Metzger sein Schlächter-
messer fort, so wird er gleich ein Buddha." (Chinesisch-
Deutsches Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten,
Beijing 1981, Seite 73) So war man offiziell in China
der Meinung gewesen, dass der Mensch gewandelt werden
könne. Auch sah man bei Pu Yi als schwerwiegend vor
allem seine Fehler in der Epoche von "Mandschuguo"
an. Bis gar zu seinem Lebensende werden ihn diese
Erlebnisse verfolgen. So erschien etwa neun Monate
vor seinem Tod eine "edle Frau", die behauptete, sie
sei von ihm im ehemaligen Palast des Marionettenkaisers
unterdrückt worden. Es stellte sich aber heraus, dass
diese Dame von Rotgardisten dazu engagiert wurde, um
Pu Yi zu kränken und zu schikanieren. Denn das Mittel
der Denunziation war zu dieser Zeit durchaus an der
Tagesordnung. So starb er am 19. Oktober 1967 während
dieser wohl chaotischen Jahre.

Früher schrieb einmal der Moderator, dass Mao
die Kulturrevolution selbst inszenierte. Denn
er erhoffte sich dadurch die Rückkehr zur Macht.
Doch die bösen Geister, die er rief, wurde er
nicht mehr los. Diese versuchten mehrmals,
ihn gewaltsam zu beerben. Sie glaubten, mit
ihm ein leichtes Spiel zu haben, nur weil er
schon ein alter und auch gebrochener Mann
war. Doch sie hatten die Umstände der Zeit
unterschätzt. Sie boten keinen Raum für die
alten Rezepte.

Josef Theobald





Mit 13. Mai 2009 15:42

weisheitsborn
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Josef Theobald
weisheitsborn
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13. Mai 2009
15:51
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