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Der IX. Parteitag der KP Chinas und dessen Außenwirkung

Unter strenger Geheimhaltung tritt im April 1969 in der Haupt-
stadt Beijing der IX. Parteitag der KP Chinas zusammen, der die
alten Prinzipien der Kulturrevolution und die Rolle des Militärs
als Schule im Sinne des Studiums der Mao-Zedong-Ideen bestätigt.
So wird Lin Biao zum Nachfolger Maos bestimmt. Mit ihm gelangen
die einstigen Protagonisten aus der Zeit der Kulturrevolution in
die Machtapparate.

In der Bundesrepublik Deutschland ordnet sich nach dem KPD-Verbot
im August 1956 die kommunistische Bewegung völlig neu. Besonders
nach der einsetzenden Entstalinisierung in der Sowjetunion und
den Ereignissen in Prag 1968 kam es plötzlich zu einer Spaltung.
Nach der Gründung der DKP im September 1968 ist es im Raum Mannheim
innerhalb der Jugendorganisation zur Bildung einer oppositionellen
Gruppe gekommen, die sich letztendlich von der SDAJ abspaltete. So
gab es die Gruppe um Ernst Aust in Hamburg und die genannte REBELL-
Gruppe mit dem Ziel, die alte KPD wieder aufzubauen. Am Anfang stand
man der kleinbürgerlich-antiautoritären Studentenbewegung der Jahre
1966/67 sehr skeptisch gegenüber. Doch in der Außenwirkung wurden
diese Studentengruppen bekannter. Ihnen kamen die damals in China
propagierten bildungspolitischen Bestrebungen auch sehr entgegen.
Doch kam es in den Folgejahren zu vielen Reibungspunkten gegen-
über den alten KPD-Gruppen.

Die Studenten hatten erst ab 1965 Zugang zu Schriften, die aus
China in diesen Jahren bezogen wurden. So wurden auch die Ideen
verbreitet, die zu dieser Zeit in den chinesischen Massenmedien
vertreten wurden. Ihnen fehlten aber frühere Ausgaben der Schriften
Maos, wie sie Mitte der Fünfziger Jahre in der DDR erhältlich waren.
So hätte man Abweichungen entdecken können und eine kritischere Sicht
wäre möglich gewesen. So waren sie allein vom damaligen Zeitgeist
geprägt gewesen. Mehrbändige Ausgaben der Werke Maos in Deutsch
gab es in China erst ab 1968. Einzelne Ausgaben aber schon früher.
Doch der Durchbruch im Sinne einer überzeugenden Übersetzung, die
auch größere Lesergruppen nach sich zog, war erst zu diesem Zeit-
punkt erreicht. Allerdings waren sie ein Opfer einer erneuten
Redigierung der Schriften Maos zur Zeit der Kulturrevolution
gewesen. Es sollte der Eindruck entstehen, die revolutionäre
Sache in China habe ein ständiges Aufwärtsstreben ohne Hinder-
nisse erlebt. So wurden die negativen Dinge ausgeklammert.

Fast unbekannt ist die Tatsache, dass gerade durch die Verurteilung
Stalins in der Sowjetunion verwirrte Gruppen die Ideen Maos offen
aufnahmen und diese in die Reihe großer Marxisten-Leninisten
stellten. Den Rest gaben die Ereignisse in Prag, die hier in
der Bundesrepublik Deutschland einen Boden für die Verbreitung
maoistischer Ideen bereiteten. Plötzlich gab es auch ein anti-
sowjetisches Lager außerhalb des westlichen Blockes.

Josef Theobald







Mo 23. Mrz 2009 14:29

weisheitsborn
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Josef Theobald
weisheitsborn
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