Die Modernisierung der chinesischen Wirtschaft
Weiteres Quellenmaterial
Das Konzept für die Modernisierung Chinas wurde von Deng
Xiaoping schon im Jahre 1975 erstellt. Hierzu sei an dieser
Stelle nur auf seine Ausgewählten Schriften (1975-1982)
verwiesen.
Als im Mai 1976 aufgrund der Ereignisse auf den Tian'an Men
die Kampagne zur Kritik an Deng ihren Höhepunkt erreichte,
gab es zuvor und in den darauf folgenden Wochen diverse
Artikel, so in vielen Fremdsprachen, wie in Deutsch. So
las man schon in der Beijing Rundschau Nr. 13 vom 30.
März 1976:
„Zur Irreführung trug er die Parole ‚Entwicklung der Volkswirt-
schaft und die Verwirklichung der vierfachen Modernisierung'
(die Modernisierung von Industrie, Landwirtschaft, Landesver-
teidigung, Wissenschaft und Technik) wie eine große Fahne
vor sich her, entfachte überall einen ‚Taifun der Ökonomie",
in dem vergeblichen Versuch, die proletarische Politik, den
Klassenkampf, dieses Hauptkettenglied, und die grundlegende
Linie der Partei mit einem Schlag hinwegzufegen und sie durch
die revisionistische Linie zu ersetzen. In manchen Einheiten
wurden solche während der Kulturrevolution bereits kritisierten
Dinge wie ‚materieller Anreiz' und ‚Profit über alles' wieder
aufgetischt." (Seite 10)
Doch nach dem Tode Maos im September 1976 hatten sich
die Verhältnisse plötzlich geändert, nachdem das Geheim-
archiv des Verstorbenen in die Hände altgedienter Marschälle
überging und dann zu Hua Guofeng gelangte. Dieser setzte
die Hauptakteure der Kulturrevolution fest und bereitete
dem zuvor bekämpften Deng ein neues politisches Comeback.
Das entsprang zwar nicht aus seiner politischen Überzeugung.
Es war eher der Zwang der Verhältnisse. Denn Deng wurde für
die spätere Modernisierung Chinas unverzichtbar. Hua stand
für die „zwei Alle", d. h. er verteidigte alle Entscheidungen
und Weisungen seines Vorgängers und verlangte deren Befolgung.
So gibt es einen Widerstreit der Anhänger der Zeit vor Maos
Tod und der Leute, die eine Anpassung der Worte Maos an die
jeweilige Zeitepoche forderten. Aus diesem Streit ist ja
mittlerweile eine tiefer Graben geworden.
Josef Theobald