Teil 13
Das Einlenken Tschiang Kai-scheks
Als nächstens behandelt Mao Zedong die Ereignisse nach dem
Xian-Zwischenfall. Anlässlich der fortschreitenden japanischen
Aggression stellten zwei kommandierende Generäle unter dem
Befehl Tschiang Kai-scheks in Nord-Shaanxi den Kampf gegen
die Kommunisten ein. Als dieser persönlich die Verantwortlichen
zur Ausführung seiner Befehle veranlassen wollte, wird er am
12. 12. 1936 von den sich weigernden Generälen arrestiert.
Unter der Vermittlung einer Delegation unter Zhou Enlai wird
Tschiang schließlich wieder freigelassen, nachdem er sich zum
Widerstand gegen die Japaner bereit erklärt hatte.
Am 26. 12. 1936 veröffentlichte Tschiang eine Erklärung, in
der er versichert, dass er die Guomindang erneuern wolle und
auch Schluss machen würde mit den falschen Kompromissen in der
traditionellen Außenpolitik. Außerdem wolle er den Bürgerkrieg
beenden und die Unterdrückung des Volkes einstellen. Letzt-
endlich solle ein neuer Kurs eingeschlagen werden. Daraufhin
formulierte die KP Chinas fünf Bedingungen für ein Bündnis
mit Tschiang. Zum ersten soll eine Reorganisation der Guo-
mindang und der Nationalregierung die Aufnahme antijapani-
scher Vertreter erleichtern. Zum zweiten wird die Freilassung
politischer Gefangener vor allem derer in Shanghai und "die
Garantierung des Rechts auf Freiheit für das Volk" gefordert.
In der Altfassung wird von den "bürgerlichen Freiheiten" ge-
sprochen. Die Neufassung ist von 1968, als aus einer Zeit,
in der die Einschränkung des bürgerlichen Rechts Ziel der
Großen Proletarischen Kulturrevolution war. Zum dritten
solle der Politik der "Kommunistenausrottung" ein Ende
bereitet und ein Bündnis mit der Roten Armee angestrebt
werden. Die Altfassung fordert eine Beendigung der "Straf-
expeditionen gegen die Kommunisten" und eine Vereinigung
mit der Roten Armee. Hier existiert vom Verständnis her ein
sprachlicher Unterschied. Zum vierten wird eine Konferenz
gefordert, bei der die Richtlinien für den Widerstand gegen
die japanische Aggression durch die jeweiligen Vertreter
aller Parteien und Gruppen aus der Bevölkerung und
aller Armeen festgelegt werden sollten. Zum fünften
solle mit all jenen Staaten Beziehungen aufgenommen
werden, die mit dem Widerstand gegen die Aggression
Japans sympathisieren. Mit diesen müsse auch zusammen-
gearbeitet werden. Zum sechsten werden andere konkrete
Maßnahmen zur Rettung des Vaterlandes gefordert (Neu-
fasuung, Seite 300 / Altfassung, Seite 299).
Aus Gesprächen deutscher Diplomaten mit Tschiang
Kai-schek wissen wir, dass letzterer dem Druck in
der chinesischen Öffentlichkeit nachgab. Zu Deutsch-
land gab es viele Jahre gute Beziehungen. Zwischen 1927
und 1935 durchforschte der schwedische Asienforscher
Sven Hedin mit Mitteln aus dem Haushalt des deutschen
Außenministeriums die Wüste Gobi und die Gebiete von
Chinesisch-Turkestan. Hätte sich Hitlerdeutschland in
seiner Außenpolitik anders verhalten, indem es Japan
nicht ausdrücklich unterstützte, wäre die Zusammenarbeit
mit China weiter intensiviert worden. So hatte man sich
in China den USA und später der Sowjetunion zugewandt.
Lediglich die frühere DDR hatte bis zum Bruch der Volks-
republik China mit der Sowjetunion enge Beziehungen zu
China auf wirtschaftlichem wie auch auf wissenschaftlichem
Gebiet unterhalten.
Josef Theobald